# 8.2 Schreibhürden - Feedback zum Exposé
In dieser Einheit geht es um ein erstes Feedback und Austausch hinsichtlich dem wissenschaftlichen Schreibprozess auf Basis des eingereichten Exposé.
## 8.2.1 Formales
Grundsätzlich sollten - auch im Hinblick auf anstehende Abschlussarbeiten - sich an formale Vorgaben zu halten. Es sollten u.a. folgende Angaben berücksichtigt werden:
* Name;
* Studiengang;
* Matrikelnummer;
* Datum;
* E-Mail;
* für eventuelle Rücksprachen;
* Korrektheit des Seminartitels;
* Angaben zu den Betreuenden;
* Blocksatz statt Flattersatz;
* subjektiv bessere Lesbarkeit, Abstimmung bei der Besprechung der Formalia;
* eingeführte Abkürzungen im Text sollten fortlaufend verwendet werden;
* diese werden ja zur Vereinfachung von Ihnen eingeführt;
* Zeitplanung
* berücksichtigen Sie auch Faktoren, die Ihre Zeitplanung negativ beeinflussen können.
## 8.2.2 Schrift und Form
Ihre Ausarbeitungen waren insgesamt ansprechend und verständlich geschrieben. Verbesserungspotential gibt es immer. Lassen Sie Ihre Texte im Hinblick auf Rechtschreibung und Grammatik am besten von Bekannten, Freunden und Kommiliton_Innen gegenlesen, um die Gefahr des "blinden Flecks" (nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema ist es nicht ungewöhnlich, dass wir unsere eigenen Fehler nicht mehr sehen) zu minimieren. So können Sie gleichzeitig ein Feedback zur Verständlichkeit Ihres Textes einholen. Dies gilt auch für ein Exposé. In unserem Fall sollte das Exposé die erste Auseinandersetzung mit Ihrem ausgewählten Thema stärken und Grundlage für einen Austausch für die Umsetzbarkeit innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens sein. Im Alltag können Sie ein Exposé auch bei Dozierenden einreichen, um diese für die Betreuung Ihres Forschungsvorhabens zu gewinnen. In diesem Fall spielen neben überzeugenden Inhalten auch formale Aspekte eine bedeutsame Rolle.
---
**Zeichensetzung:**
Herausforderungen bei der Zeichensetzung können Sie entschärfen, indem Sie auf eine übersichtliche Satzstruktur achten:
* Lange und verschachtelte Sätze sind kein Zeichen von Wissenschaftlichkeit;
* eher ein Stolperstein beim Schreiben und beim Lesen.
---
**Übertreibungen vermeiden:**
Unspezifische Begriffe vermeiden.
:::danger
Bspw. "riesig", "gigantisch", etc.
:::
Wenn Sie auf konkrete Zahlen und Werte Zugriff haben, so nutzen Sie diese auch:
:::success
Beispiel: "...*mehr als 150...*".
:::
---
**Vage Formulierungen:**
Vage Forumulierungen sollten Sie weglassen.
:::danger
Bspw. "ziemlich", "bisschen", "Sachen", etc.
:::
Bei Verdachtsfällen probieren Sie einfach einmal aus, die entsprechenden Begriffe zu streichen:
* wenn der Satz seine Bedeutung nicht verliert, so brauchen Sie die entsprechenden Begrifflichkeiten nicht.
* in der Alltagssprache ist dies durchaus anders, da Ihnen Wörter bspw. auch beim finden der Tonlage oder beim nachdenken helfen.
---
**Füllwörter meiden:**
Häufige Streichkandidaten dieses Semester sind:
:::danger
allgemein, nämlich, sozusagen, man, ...
:::
Probieren Sie es aus: Ohne diese Wörter erhalten viele Sätze eine angenehmere Lesedynamik.
---
**Fremdwörter:**
* Dies ist natürlich auch von den Dozierenden abhängig;
* Fremdwörter mögen "schlau" klingen;
* aber: die Verständlichkeit des Textes geht immer vor.
## 8.2.3 Inhalt
* **Quellen belegen!**
* Zahlen und Statistiken immer mit Quelle angeben;
* wörtliche Zitate kenntlich machen, ohne Quelle anzugeben:
* Neben Verstoß gegen etablierte wissenschaftliche Prinzipien (Überprüfbarkeit): Sie müssen die Quelle später erneut recherchieren und haben doppelte Arbeit).
* Allgemeinwissen muss nicht belegt werden:
* Wir alle wissen: Das Papier eines Buches "leidet", wenn es mit Wasser in Kontakt kommt.
* **Beschreiben Sie Ihre Methode!**
* Wenn Sie ein Forschungsvorhaben haben und mit ihrem Exposé in ein Beratergesprch gehen ist es gut, dass Sie das geplante Vorgehen bereits beschreiben können. Wenn Sie wissen, dass es eine Literaturarbeit mit anschließend selbst durchgeführten Versuch wird schreiben Sie es. Wenn Sie eine Umfrage machen wollen, konkretieiseren Sie diese – sofern Sie schon soweit sind – ruhig. Dies ist eine wichtige Information, um über Sinn oder Unsinn sprechen zu können (Interviewpartner_Innen, Zeitraum, wie bekomme ich Teilnehmer_Innen, etc.).
* **Führen Sie Beispiele an:**
* Statt „schlechte Erfahrungen“ ist für Betreuende des Forschungsvorhabens durchaus von Interesse, was genau die Hintergründe sind. Zudem macht es den Text leserlicher, anschaulicher und nachvollziehbarer.
* Dies gilt auch, wenn z.B. gesagt wird, das Expert_Innen unterschiedlicher Meinung sind. Führen Sie die konkreten gegensätzlichen Aussagen auf.
## 8.2.4 Sonstiges
* **Arbeitstitel:**
* informativ und selbsterklärend;
* einfach zu verstehen und ohne weiteren Erklärungsbedarf;
* im Optimalfall Neugier wecken!
* Dies bedeutet aber nicht, das mit reißerischen Titeln gearbeitet wird.
:::danger
**Nicht:** "*Eine theoriebasierte Analyse des Nutzerverhaltens im sozialen Netzwerk Facebook mit Hilfe heuristischer Evaluation in den Monaten Januar, Februar, März, April und Dezember 2019*"
:::
:::success
**Besser:** "*So nutzen Studierende soziale Medien – Analyse des Nutzungsverhaltens von Instagram-Usern*".
:::
## 8.2.5 Sechs Tipps zum Schreiben auf Basis der abgegebenen Exposés

**Titelfindung:**
Wenn es Ihnen schwer fällt, einen informierenden und ansprechenden Titel zu formulieren, überprüfen Sie die obigen Hinweise.
---

**Überprüfen Sie: Verstehen Sie mit einigem Abstand, was Sie geschrieben haben?**
Sie sollten nicht schreiben, was Sie nicht selbst verstehen bzw. was Ihnen nur mit großem Aufwand wieder verständlich erscheint.
---

**Kurz und kackig:**
Achten Sie auf die Länge Ihrer Aussagen.
---

**Verwendung "gewöhnlicher" Sprache:**
Schlichter und zurückhaltender Ausdruck kann eine Wohltat für die Ohren bzw. Augen sein.
---

**Weniger ist mehr!**
Wenn Sie bspw. eine Abhandlung zu einem Fußballverein schreiben, so müssen sie nicht auch noch auf die Basketball-, Tischtennis und Tennisabteilungen des gleichen Vereins im Detail schreiben. Mit Verzicht auf Floskeln und Füllwörter drücken Sie Leser_Innen durchaus Respekt aus und sparen sich selbst wertvolle Zeit beim Schreiben und Lesen.
---

**Konsistenz:**
Eine einheitliche Schreibweise zeugt von Gründlichkeit. Wenn Sie eine Abkürzung einführen, so sollte diese fortlaufend genutzt werden ohne den Begriff wieder auszuschreiben. Sie sollten aber auch keine Abkürzungen nutzen, ohne diese vorher einzuführen.
---
###### tags: `Seminar201920`