# SOA 21 b Exzerpt und Notizen zu Sprache und Sein von Kübra Gümüşay, Sprache und Sein

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## Erstes Kapitel
**Erster** **Abschnitt**
***Was war zuerst da: unsere Sprache oder unsere Wahrnehmung?***
* "weil ich das Wort kenne, nehme ich war, was es benennt"
- z.B.: yakamoz= Reflektion des Mondes auf dem Wasser
* wenn man mehrere Sprachen spricht
=> im Deutschen viele Begriffe nicht exakt übersetzbar(mit einem Wort)
- z.B.: komorebi= Sonnenlicht, das durch die Blätter schimmert; Gurfa= Menge an Wasser, die sich in der Hand schöpfen lässt
* Sprache ist gefühls–oder ortsabhhängig
- z.B.: große Sehnsucht an türkische Familie––> sie beschreibt Gefühle unbewusst auf türkisch
=> "Sprache öffnet uns die Welt und grenz sie ein– im gleichen Moment"
### Zweiter Abschnitt
- in jeder Sprache liegt eine "eigenthümliche Weltansicht"
- Wie sehr unterscheidet sich die Weltsicht von einer Sprache zur anderen?
- Unsere Sprache beeinflusst Wahrnehmung der Welt, aber wie sehr?
***Thema: die Sprache der Pirahã (Volk Amazonasgebiet)***
- verwenden keine:
- Zahlen (Ausnahme eins,zwei und viele)
- genauen Bezeichnungen von Farben
- Vergangenheitsformen, leben im Moment, fixiert auf Gegenwart
- Schöpfungsmythen oder Überlieferungen aus Vergangenheit
- Aussagen in Pirahã haben unmittelbar mit Augenblick zu tun
- Nehmen sie deshalb die Welt ganz anders wahr?
- Wenn wir eine Sprache sprechen würden, die keine Vergangenheit kennt, würden
unsere Gedanken dann so sehr um das längst Vergangene kreisen, wie sie das
tun? Was würde dies für die Regionen bedeuten?
Fakt ist, dass Sprache unsere Wahrnehmung auch in der Gegenwart beeinflusst.
In manchen Sprachen werden Substantiven grammatikalische Geschlechter zugeschrieben (ein Wort ist männlich/weiblich). Aber, man kann auch ohne eine Zuordnung! Dazu eine Leitfrage: Könntest Du dich denn mit einer Person unterhalten, ohne den Drang danach zu haben das Geschlecht wissen zu wollen?
### Dritter Abschnitt
Wie verschiebt sich die Wahrnehmung von Raum und Zeitdurch grammatische Strukturen, Regeln und Normen?
- Beschreibung des Themas durch die Sprache der Thaayorre im Norden Australiens
- diese verwenden statt rechts und links Himmelsrichtungen um sich zu orientiere
- Bsp: "Da ist eine Ameise an deinem Nordwest-Arm"
- bereits bei Begrüßung fragen sie nach dem Weg des anderen
- Himmelsrichtungen sind selbstverständlicher Bestandteil der Wahrnehmung und Kommunikation
- Lera Boroditsky erlernt die Sprache "Kuuk Thaayorre" und somit die Orientierung mithilfe von Himmelsrichtungen
- Beispiele von Wahrnehmung von Raum und Zeit in Verschiedenen Kulturen:
- Deutsche lesen von links nach rechts und nehmen auch entsprechend die Zeit wahr
- häbräische und arabische Menschen tun das Gegenteil
- bei Thaayorre ist Orientierung abhängig von Position der Person, Zeit fließ von Osten nach Westen
### Vierter Abschnitt
Welche Bilder rufen sprachliche Verwendungen in unseren Köpfen hervor?
> *"Ein Vater und ein Sohn sind mit dem Auto unterwegs und haben einen Unfall [...] Der Vater stirbt[...], der Sohn muss sofort operiert werden. Bei diesem Anblick jedoch erbalsst einer der diensthabenden Chirugen und sagt "Ich kann nicht operieren - das ist mein Sohn.""*
- Durch das generische Maskulinum, projiziert sich ein Bild von dem Mann in unserem Kopf, wobei die Begriffsbezeichnung beide Geschlechter einschließen soll.
> *"Wer ist diese Person? Die Wissenschaftlerin Annabell Preussler verwendet dieses Beispiel, um zu verdeutlichen, welche Bilder sich aufgrund unseres Sprachgebrauchs in unseren Köpfen festsetzt. Die Antwort lautet: Es ist die Mutter"*
Können wir durch Sprache differenzieren?
- Durch verschiedene geschlechtsspezifische Pronomen ist es uns im Deutschen gegeben, sprachlich differenziert zu klassifizieren, anders als im englischen.
Wie kann man sprachlich beide Geschlechter einbeziehen?
- Dies kann durch Begriffsbezeichnungen geschehen, an welche man durch eine Trennung durch "– ; * ; : ; LehrerInnen ; x" setzt und somit beide Geschlechter aufzählt
- Anderfalls kann man geschlechtsneutrale Bezeichnungen nutzen, wie bspw. Lehrende; Studierende etc.
- Durch eine nicht neutrale Endung von männlichen Pronomen
Gibt es bereits Sprachen, welche als Vorbild fungieren könnten?
- Diese gibt es. Beispielsweise wird im Englischen kein spezifisches Geschlecht benannt, *the teacher* gilt demnach für die weibliche, als auch männliche, lehrende Person.
Weitere Beispiele sind:
- Swahili
- Usbekisch
- Armenisch
- Finnisch
- Türkisch (Gümüşay's Muttersprache)
Was kann man daraus lernen?
> *"Klar ist: Wir müssen uns mit der Architektur der Sprache beschäftigen, die unsere Realität erfassen soll. Damit wir aussprechen können, was ist. Damit wir sein können, wer wir sind. Damit wir sehen können, wer die jeweils anderen sind."*
Sprache dient als Orientierung in unserer Erlebniswelt und hilft uns diese klarer abzuzeichnen. Damit wir künftig klarere Bilder "zeichnen" können, sollte eine Änderung hinsichtlich der korrekten Bezeichnung, heißt geschlechterspezifischer, gesprochen werden.
Alternativ sollte man auf geschlechtsneutrale Bezeichnungen zurückgreifen, um keine Personen von der Kommunikation auszuschließen.
### Fünfter Abschnitt
- Sprache kann Menschen ausgrenzen
- eine Frau meinte sie wäre überrascht das sich so viele ausgeschlossen fühlen und sie es nicht kennt, da ihr beigebracht wurde positiv zu denken
- dadurch vergleich mit einer Mauer, jemand der noch nie dagegen gelaufen ist läuft neben ihr lang ohne sie zu sehen
- wir sind der Grenze der sprache nicht bewusst
- sie prägt und formt uns
- ein Philosoph schrieb 1960: "Alles vergisst- nur die sprache nicht. Ist sie erst einmal infiiert mit Falschheit, Lüge und Unwarheit, kann sie nur mithilfe der kräftigsten und wertvollsten Wahrheit gereinigt werden."
- Sprache kann eine Waffe aber auch ein Werkzeug sein