# Einleitung
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Dieser Leitfaden richtet sich an Snowboardlehrer und Verantwortliche in örtlichen Skivereinen, die Snowboardkurse für Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren anbieten möchten. Er umfasst wichtige Aspekte wie den Ablauf der Kurse, das erforderliche Material, die pädagogischen Ziele sowie spezifische Übungen und Rituale, die für eine erfolgreiche und spaßige Einführung der Kinder in den Wintersport sorgen sollen.
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## Allgemeine Informationen
Hier siehst du ein Beispiel für die Struktur und Organisation eines beispielhaften Snowboard-Kurses für Kinder:
- **Kosten:** 60€ für Mitglieder, 80€ für Nichtmitglieder
- **Kursdauer:** 2 Wochenenden (Samstag/Sonntag) von 10:00 bis 15:00 Uhr mit vielen Pausen
- **Alter:** 4 bis 7 Jahre
- **Materialverleih:** 10€/Tag oder 60€/Saison durch den Skiclub
- **Betreuung:** Ein Elternteil muss als 1:1 Betreuung teilnehmen
- **Identifikation:** Eisi-Buttons für die Skibrille
## Material
- Wie bei den „normalen“ Anfängern auch sollte das Snowboard bis ca. Kinnhöhe gehen
- Eine Neuanschaffung wird bei den meisten Eltern kein Thema sein, Neupreis für ein komplettes Set liegt bei ca. 400€. Daher muss es möglich sein Material zu mieten
- Burton bietet passende Sets ab 80 cm mit Riglets (Seilzug) an, Saisonpreis 159€. Eventuell Kooperation mit Fuhrer OG (Burton) oder Sport Kern Seebach (Nitro). Vorteil von Riglets gegenüber Ziehen mit Ringen ist das freie Stehen auf dem Brett, dadurch wird das Gleichgewicht der Kids besser geschult
- Der Skiverband Schwarzwald vermietet bis zu 5 Sets → Muss allerdings in Freiburg abgeholt werden
- Alternativ kann man beim Schwäbischen Skiverband das Material stark vergünstigt über den Verein kaufen und selbst vermieten (Ausrüstung | Online-Shop des Schwäbischen Skiverbandes e.V. (https://jo.online-ssv.de/shop/ausruestung)) Bei 60 € / Saison wäre der ROI nach ca. 3 Jahren.
- Weitere Alternative wäre es das Material gebraucht zu kaufen, z.B. eBay Kleinanzeigen oder facebook Gruppen (z.B. „boardermäuse“).

## Ziele des Kurses
Die pädagogischen Ziele des Kurses konzentrieren sich auf den Spaß am Wintersport sowie auf erste grundlegende Fähigkeiten, ohne dabei zu früh komplexere Techniken einzuführen.
- **Hauptziel:** Spaß am Wintersport wecken
- **Fertigkeiten:** Fahren in der Falllinie, Backside schräg rutschen
- **Keine Ziele:** Kurvenfahren/Umkanten, Frontside fahren außer mit Hilfestellung
## Rituale
Rituale spielen eine wesentliche Rolle im Lernprozess der Kinder und helfen, eine positive und unterstützende Lernumgebung zu schaffen.
**Beispiele**: Einsatz eines Maskottchens, festgelegte Rituale wie Begrüßungslied, Pausen und Abschlussrituale.

## Ablauf Tag 1
Wenn die Luft kalt ist und der Schnee unter den Boots knirscht, dann ist es Zeit für die kleinen Pistenabenteurer, ihren ersten Tag im Snowboardkurs zu beginnen. Hier ist ein Einblick in den Ablauf, damit die ersten Berührungen mit dem Schnee und dem Board so einfach wie möglich werden.
**Begrüßung im Kreis:** Der Tag startet mit einer fröhlichen Runde, wo jeder jeden kennenlernt. Es wird gesungen oder eine Musikbox sorgt für die ersten lächelnden Gesichter. Ein toller Weg, um eine entspannte und freundschaftliche Atmosphäre zu schaffen.
**Hallo Eisi!:** Dann ist es Zeit für Eisi, das Maskottchen, die Bühne zu betreten. Eisi ist nicht nur da, um die Stimmung zu heben, sondern auch um den Kids ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Mit Eisi an ihrer Seite ist der Schnee nur halb so kalt und die Piste nur halb so steil.
**Aufwärmrunde:** Bevor es aufs Board geht, wird sich gemeinsam warmgemacht. Das kann über lustige Spiele passieren, bei denen man vor imaginären Haien flüchtet oder von Eisscholle zu Eisscholle hüpft. Dann gibt's ein Stretching im Kreis, um die Muskeln auf das bevorstehende Abenteuer vorzubereiten.
**Material-Check:** Jetzt wird's ernst – es geht ums Board. Die Kids lernen, dass die Bindungen auf der Piste fest sein müssen, während die Unterseite rutschig bleibt, damit das Gleiten klappt. Sie lernen die Teile ihres neuen besten Freundes kennen: Nose, Tail, Frontside, Backside, Strap und Highback.
**Board tragen wie ein Pro:** Bevor man auf dem Board steht, muss man es tragen können. Die kleinen Shredder üben, das Board geschickt unter der Bindung zu halten und dabei eng zusammen zu laufen – ohne sich oder das Board zu touchieren. Und das bitte auf beiden Seiten!
[-> Spiel: "Volle Gondel": Die Schüler steigen in eine mit Hütchen abgesteckte Gondel in der es sehr eng ist. Alle möchten einmal auf jeder Seite der Gondel zum Fenster rausschauen. Die Boards dürfen sich bei dem Spiel natürlich nicht berühren.]
**Anschnallen für Anfänger:** Auf Antirutschmatten geht's los mit dem vorderen Fuß. Die kleinen Boarder lernen, das Brett auf die Kante zu stellen, indem sie Zehen und Ferse benutzen, und das Brett mal nach vorne, mal nach hinten zu bewegen.
**Jetzt kommen beide Beine dran:** Mit beiden Füßen angeschnallt, helfen die Eltern beim Aufkanten. Die Kids spüren die Nose und das Tail, indem sie die Vorlage und Rücklage üben. Einmal in die Knie und wieder hoch – so fühlt sich das Board-Leben an!
**Und dann das erste Rutschen:** Mit einem Fuß noch frei, lassen sich die Kleinen von den Eltern ziehen – wie beim Spiel "Die Acht". Sie üben, das Board zu steuern und zwischendurch gibt es eine kleine Rollerfahr-Einheit.
All diese Schritte sind wichtige Bausteine für den großen Moment: Wenn beide Füße festgeschnallt sind und die ersten eigenständigen Rutschversuche auf dem Schnee gemacht werden. Es ist ein Tag voller neuer Eindrücke, voller Lachen und vielleicht dem einen oder anderen kleinen Sturz. Aber vor allem ist es ein Tag, der den Kids zeigt, dass sie mit Mut und der richtigen Anleitung alles erreichen können – sogar das Snowboardfahren.

BREMSEN UND ANHALTEN
START
Bremsen und Anhalten ist für Kinder kein leichtes, aber ein sehr wichtiges Lernziel, da sie aus dem Gleiten heraus aufkanten müssen.
Das Aufkanten kann für Kinder jedoch eine koordinative Hürde bedeuten. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, dieses Lernziel in der methodischen Reihe ein wenig weiter nach hinten zu schieben, als bei älteren Schülern. Die Kinder können inzwischen in der Falllinie gleiten und seitrutschen. Somit wären die Grundlagen erfüllt, nun das Bremsen zu erlernen.
ZIEL
Da es in den nächsten Unterrichtseinheiten aus dem Kinderland heraus auf eine richtige Piste gehen soll, ist es wichtig, dass die Kinder selbstständig bremsen und anhalten können.
Funktion/Motivation
Durch die Aussicht bald im gesamten Skigebiet unterwegs sein zu können, üben die Kinder fast von allein!
WEG - Auswahl möglicher Aufgaben
- Anhalten mit Hilfestellung
Der Snowboardlehrer wartet dort, wo die Kinder anhalten sollen.
Die Kinder reichen dem Lehrer die vordere Hand und er wird helfen, das Board in die gewünschte Richtung zu bewegen. Wichtig ist, dass die Kinder dabei die richtige Kante belasten!
- Hütchen-Straße aufbauen und Parkplatz markieren, die Kinder sollen versuchen der Straße zu folgen und einzuparken ohne umzufallen
- Der Maulwurf ist schon wieder da. Er ist unter der Nose, biegt nach links/rechts ab und hält dann plötzlich an.
- Mit der vorderen Hand auf einem bestimmten Gegenstand (z.B. einen Baum) zeigen und auch dort hinschauen, bis das Board zum Stehen kommt.
- Mit dem Schaumstoffstab in der Hand beim Vorbeifahren auf ein Hütchen zeigen, bis das Board zum Stehen kommt.
TIPPS
- Ein Merkmal des Snowboardens besagt, dass die Bewegungen aus den Beinen initiiert werden, deshalb versucht man ältere Snowboardkursteilnehmer auch dahingehend zu schulen. Da sich die Physiologie und die Koordination von Kindern unterscheiden, werden sich viele Übungen eher auf den Ganzkörpereinsatz (auch den Oberkörper) und die Kopfsteuerung konzentrieren.
KINDER KÖNNEN SNOWBOARDEN, DENN ....
Aus naturwissenschaftlicher Sicht gleichen die körperbaulichen Merkmale von Kindern im Vorschulalter (3-6 Jahre) mehr und mehr denen eines Erwachsenen.
Verbesserte Hebelverhältnisse führen allmählich zu einer optimalen Kraftübertragung der Muskulatur über Sehnen- und Bandapparate auf die Gelenkstrukturen.
Die Grundvoraussetzungen zum Snowboarden sind daher bereits gegeben. Dennoch zeigen sich bei psychisch-sozialer und physischer Betrachtung bei Kindern in diesem Alter einige Besonderheiten, welche speziell beim Snowboarden beachtet werden sollten, um erfolgreich und zielorientiert im Kursbetrieb arbeiten zu können.
Grundsätzlich leben Kleinkinder in einer Welt von Geschichten und Phantasien. Sie spielen gerne, sind sehr ichbezogen und orientieren sich wenig an Regeln. Kinder beobachten viel, agieren meist aufgrund von Vor- und Nachmachen und besitzen einen hohen Bewegungsdrang.
Bezogen auf die individuelle motorische Entwicklung konnten langjährige (sport-)wissenschaftliche Untersuchungen (Wulf, Raschka, Kornex/, u.v.m.) zeigen, dass Kleinkinder im Vorschulalter auf psychologischer Ebene bereits über eine hohe Lern- und Leistungs-bereitschaft, gut ausgeprägte motorische Lernfähigkeit, verbesserte Perspektivübernahme und Empathie (z.B. miteinander kooperieren) verfügen. Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. Konzentration, Selbsteinschätzung und Informationsverarbeitung im motorischen Bereich) weisen allerdings interindividuelle Unterschiede auf und sind im Allgemeinen noch mangelhaft ausgebildet.
Hinsichtlich der motorischen Fähigkeiten aus physiologischer Sicht erweisen sich verschiedene Aspekte (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination) als leistungsbestimmend. Hier zeigen sich große Leistungsfortschritte beim Erlernen der Grobform einzelner Sportarten. Da Kinder in einem Alter von drei bis sechs Jahren körper-ich viele Veränderungen durchlaufen, sind einige dieser Komponenten selbstverständlich noch nicht vollständig entwickelt:
- Kraftfähigkeiten sind aufgrund geringer Muskelmasse (erst ca. 25%:
bei Erwachsenen ca. 40%) noch eingeschränkt -> geringere Dynamik in den Bewegungen
- Aerobe Ausdauerbelastungen sind nur mit Pausen und spielerisch möglich
- Anaerobe Leistungen sind durch kleine Glykogenspeicher und geringe Laktattoleranz noch mangelhaft
- Gleichgewicht und Koordination sind auf neuronaler Ebene noch nicht umfassend ausgeprägt
Aufgrund dieser Faktoren ist es unabdingbar, den Unterricht mit Kindern dieser Altersklasse entwicklungsorientiert zu gestalten.
Angepasster, auf den Entwicklungsstand abgestimmter Snowboard-unterricht hat demnach das Potential, Kinder in ihrer psychischen und physischen Entwicklung positiv zu unterstützen.
KINDER SOLLTEN SNOWBOARDEN, DENN ...:
Sich bewegen ist eine grundlegende Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Umwelt.
Sportliches Bewegen ist eine der Formen der menschlichen Bewegungsmöglichkeiten. Bewegung - besonders in Outdoor-sportarten - gilt als eine grundlegende Kategorie der menschlichen Entwicklung und des menschlichen Handelns. Bewegung ist immer an einen Akteur gebunden, auf eine bestimmte Situation bezogen und zielorientiert. Bewegungen können unterschiedliche Bedeutungen für den Menschen haben. In der Sportpädagogik lassen sich nach Grupe (1976) vier Bedeutungsgruppen unterscheiden, welche häufig miteinander verbunden auftreten.
Die instrumentelle Bedeutung:
• Bewegung, um etwas zu erreichen, durchzusetzen, herzustellen
• Bewegung als „Instrument"
• die Verfügbarkeit über das „Instrument Körper und Bewegung" schafft Freiheit