Mein Weg in die Hölle und zurück
Inhaltsverzeichnis
Kapitel
Seite
Prolog
2
Kapitel 01 – neue Welt
3
Kapitel 02 – Arthur Andreijan Kamelot
8
Kapitel 03 – neue Erkenntnisse
10
Kapitel 04 – die Anfänge
Kapitel 05 – eine folgenschwere Begegnung
Kapitel 06 – Sir Edward von Magnusson
Kapitel 07 – wieder auf der Burg
Kapitel 08 – Nasir
Kapitel 09 – ohne Vater - die Probleme
Kapitel 10 – das Mädchen
Kapitel 11 – das Leben geht weiter
Kapitel 12 -
Prolog
„Ich verspreche aus tiefsten Herzen, dass dieses Land, in dem wir leben und das wir alle aus vollstem Herzen lieben, niemals mehr von einem Krieg von anderen Ländern heimgesucht wird.“ Die weiteren Worte des Politikers, Weltführers und Königs, die aus dem Lautsprecher klangen, wurden von dem Applaus, der um mich herum versammelten Beratern, Politikern und deren Familien übertönt. Ich persönlich? Ich glaubte auch, dass dieses Land nicht mehr von anderen Ländern angegriffen wird. Von welchem denn? Mein Vater, der diese bescheuerte Rede da hielt, hatte vor ein paar Jahren alle Länder, die sich gegen ihn wenden könnten, ausgelöscht oder überfallen und die Regierungsmitglieder ins Gefängnis gesteckt oder gar umgebracht und das Land annektiert.
Ich blieb noch eine Weile in der Bar, hörte der geschmacklosen Rede meines Vaters zu und lauschte den Kommentaren der Politiker und der anderen Barbesucher. Doch nachdem ich mein drittes Glas Wein langsam ausgetrunken hatte, ging ich gegen elf, nachdem bezahlen, aus der Bar. „Wollen Sie wirklich schon gehen, Sir von Magnusson? Heute ist doch ein Tag zum Feiern! Ihr Vater hat nichts dagegen, wenn Sie mit uns auf unseren Sieg gegen unsere Feinde anstoßen!“, fragte der Barkeeper, den ich am meisten kannte und mochte. „Ich nutze die restliche Nacht dazu, die Familiengeschichte zu studieren. Das kann nicht bis morgen warten.“
Ich wusste, dass mein Vater in frühestens fünf Tagen wiederkommt, nachdem er in mindestens fünf weiteren Städten Reden gehalten hatte. Während seiner Abwesenheit wollte ich schauen, ob es außerhalb der Burg, in welcher ich mit meinem Vater und den gesamten Beraterfamilien zusammen lebte, wirklich so ist, wie er immer erzählt hatte. Ich verließ die Bar, und lief über den Hof, hinüber zu den Wohnhäusern. Dort angekommen, ging ich in das best aussehende und best ausgeschmückteste Haus und legte ich mich in diesem gleich in mein Himmelbett und schlief wie immer schnell ein.
Kapitel 1 – neue Welt
Ich wachte noch vor Sonnenaufgang auf, ließ aber das Licht aus, weil das die Nachtwachen auf mich aufmerksam gemacht hätte. Normalerweise stand ich gegen elf Uhr auf. Deshalb ging ich in meinen Kleiderschrank, der kein Schrank, sondern eher ein Raum war. In diesem fensterlosen Raum machte ich das Licht an und suchte mir meine Kleidung aus den über 1´890 verschieden Mänteln, T-Shirts, Hemden, Hosen und und Schuhe. Besonders heute fiel es mir schwer, meine Kleidung heraus zu suchen. Ich stützte mich bei meiner Suche nach den richtigen Kleidungsstücken auf die Erzählungen von meinem Vater, die ich mir immer, als ich kleiner war, immer gerne angehört habe. Ich nahm mir ein einfarbiges weißes T-Shirt heraus, an dessen rechte Schulter ich einen runden Anstecker steckte, der als Motiv einer Burg hatte, hinter der die Sonne gerade aufging. Ich zog auch eine enganliegende, weiße Leggins. Freiwillig würde ich Leggins niemals anziehen. Erst Recht nicht in dieser Kombination, denn es war weder bequem, noch fand ich diese Kombination nicht schön oder praktisch, wahrscheinlich weil ich es auch nicht T-Shirts gewohnt war, diese in die Hose zu stecken. Es fehlten mir nur noch ein paar schwarze Stiefel, die einen kleinen Absatz hatten und mir bis zu den Knien gingen. Die letzten zehn Zentimeter hatten statt dem lackähnlichem Stoff einen schwarzen Stoff, der an der Außenseite jeweils zwei Schmuckknöpfe hatten. Kurz bevor ich den Raum verließ, nahm ich mir noch von ganz hinten einen der über 400 verschieden Mäntel, einen weißen, wasserabweisenden Stoff heraus. Den Mantel hatte mein Vater mir mal von außerhalb der Burg mitgebracht. Der Mantel hatte eine lange, spitz zulaufende Kapuze, deren Spitze weinrot eingefärbt war. Der gesamte Mantel ging mir bis zu den Waden und verdeckte somit von hinten die Hälfte der Schuhe. Ich machte das Licht in dem Kleiderraum aus, schlich mich zu meinem Nachtschränkchen und nahm meine nicht oft genutzte, aber sehr gute Taschenlampe heraus. Ich schlich aus dem Haus, über den Hof, hin zu dem Tor. An diesem angekommen, ging ich zu einer der beiden Wachen, welche ich im Vorfeld bestochen hatte. „Ich möchte, dass Sie nicht sagen, wann Sie für mich dieses Tor geöffnet haben.“ „Das ist klar. Und danke für die fünfhundert Taler.“ Ich nickte ihm zu und verschwand durch die Seitentür des Tores. Ich lief eine Straße entlang, die von kleinen Steinen überseht war. Die Straße war von kleinen Steinen überseht und sah so aus, als wenn sich nicht oft von Fahrzeugen benutzt wurde. Ich lief zügig die Straße entlang. Nach ungefähr einer halben Stunde bin ich auf die ersten Häuser einer Kleinstadt gestoßen. Von dieser und ähnlichen Städten hatte mein Vater mir immer als kleiner Junge erzählt. Die Straßen waren nun nicht mehr mit Schotter bedeckt, sondern nun mit Holz gepflastert wurden. Die Häuser an den Straßen waren kleinen Einfamilienhäuser, die weiß gestrichen waren, hatten einen kleinen Vorgarten, der überall gleich aussah. Es gab eine Auffahrt für ein Auto und daneben war eine Wiese, auf der ein Obstbaum stand. Die Gärten unterschieden sich nur in der Obstsorte. Ansonsten waren sie gleich. Genauso wie der Aufbau der Häuser.
Ich schlenderte durch Menschenleere Straßen. Alles sah gleich aus. Egal wo ich lang ging, ob ich einfach nur der Straße folgte oder in eine der Seitenstraßen abbog. Nach bestimmt anderthalb Stunden, die ich durch die Kleinstadt schlenderte, kam ich auf den Marktplatz. Auf diesem tummelten sich nur so die Menschen. Es wahr wohl Markttag. Es war ein ruhiges Treiben und die Menschen gingen von Stand zu Stand und unterhielten sich auch teilweise mit den Verkäufern. Die Menschen hatten alle, egal ob hinter oder vor dem Stand das gleiche an. An den Ohren hatten die Männer, genauso wie die Frauen, ein paar Ohrringe. Die Ohrringe waren kleine rote „Knopfohrringe“, die teilweise sogar kleine Piktogramme hatten. Andere Ohrringe hatten die Form von Flammen oder von Drachen. Doch schon die Frisur war bei den Männern und den Frauen unterschiedlich. Die Männer hatten blonde, rote oder schwarze Haare, die ihnen maximal bis kurz über die Ohren gingen. Die Kleidung war bei den Männern vom gleichen Schnitt. Alle Männer hatten entweder ein weißes oder ein schwarzes T-Shirt oder Hemd an, das in eine gleichfarbige Leggins gesteckt war. In seltenen Fällen sah ich mal ein blaues, grünes oder rotes Gewand aus der Masse hervorstechen. Jeder Mann hatte mindestens einen Ring am Finger. Unter dem T-Shirt oder Hemden wurden feingliedrige Ketten versteckt. Am Ende hingen die Namen der Familienangehörigen und der eigene. Über dem Hemd oder T-Shirt hatten die Männer einen passenden samtenen Mantel, der so wie meiner war. Die Spitze des Mäntel waren das einzige, was sich unterschied. Da gab es das gesamte Spektrum an Farben. Die Spitzen der Mäntel endeten an den hohen Stiefeln, die wie mein Paar Stiefel aussahen. Manche Stiefel hatten nicht die Farbe wie meine. Manche waren braun, während andere lila oder weinrot waren und ins schwarz gingen. Die Frauen trugen alle bodenlange Kleider, die die gleichen Farben hatten wie die Hemden und Leggins der Männer. Die Frauen trugen auch, teilweise auch sehr auffallende, Ketten die aus Gold oder Silber gearbeitet waren. Über dem Kleid hatten die Frauen immer passend einen Schal, einen Blaser oder einen Mantel gezogen. Dies war natürlich sehr gut auf das Kleid abgepasst und hatte nur in den seltensten Fällen eine andere Farbe. Ich ließ auch bei den Frauen meinen Blick, diesmal vorsichtiger, hinunter wandern. Alle Frauen trugen mindestens einen Ring an jeder Hand. Doch diese waren mehr oder weniger auffallend. Weiter unten fiel mir auf, dass die Frauen teilweise feine Absatzschuhe und teilweise schöne Ballerinas trugen. Dann ließ ich meinen Blick wieder nach oben wandern und wandte mich den Ständen zu. Es gab neben Obst und Gemüse auch Fleisch und Käse. Ich entdeckte sogar einen Stand, der Tee und Bonbons verkaufte. Am Rand des Marktes, als ich eigentlich schon dachte, dass der Markt schon vorbei war, fand ich noch einen weiteren Stand. Ich schlenderte hin und sah, dass er Schmuck verkaufte. Ich schaute mir die Schmuckstücke genauer an. Alle waren gut gearbeitet und ich konnte mich nicht entscheiden, welches ich nehmen sollte, als der Händler mich ansprach. „Sie haben noch kein Schmuckstück?“ „Ja. Ich habe bisher noch nichts passendes gefunden. Ich hoffe, dass Sie mir helfen können.“ „Warum sollte ich Ihnen nicht helfen können? Was suchen Sie denn ganz genau? Eine Kette für Ihre Freundin oder doch lieber einen Ring?“ „Kann ich bei Ihnen eine Kette für mich kaufen? Meine ist kaputt gegangen und habe sie dann nicht ordentlich weggelegt und nun finde ich sie nicht wieder.“ „Ich helfe, wo ich kann. Ich brauche dafür aber einmal Ihren Namen und den Ihrer nächsten Angehörigen.“ „Ähm. Reichen auch nur die Vornamen, denn mein Nachname ist genauso lang wie schwierig“, log ich den Verkäufer an. „Ja, natürlich. Fangen wir bei Ihnen an.“ „Mein Name ist Damon und mein Vater heißt Edward.“ Eine Minute später fragte er mich, während er die beiden Anhänger an die Kette machte: „Wie heißt denn Ihre Mutter?“ „Ich habe keine Mutter“, sagte ich ohne jegliche Trauer in meiner Stimme. „Wie heißt denn der Lebensgefährte Ihres Vaters?“ Ich war kurz etwas verwirrt, denn ich hatte nicht gewusst, dass mein Vater einen Freund hatte. Aber ich sagte dann einfach, dass der Freund meines Vaters Nasir war, bei dem ich meine meiste Zeit verbrachte. Aus diesem Grund war er wie mein Ziehvater, der sich besser als mein leiblicher Vater um mich kümmerte. Der Verkäufer gravierte auch seinen Namen in die Plakette ein. „Ich nehme an, dass Sie noch keine so gute Freundin haben, dass Sie ihr eine Kette kaufen. Habe ich Recht?“ „Ja. Sie haben vollkommen Recht.“ „Wollen Sie für sich noch einen Ring oder ein Paar Ohrringe haben?“ „Ich hätte gerne einen kleinen, unauffälligen Ring. Haben Sie da etwas passendes?“ Er zeigte mir ein paar schmale Ringe. Manche waren vollkommen aus Gold, während andere Goldringe eine rote Verzierung hatten. Manchmal waren es kleine Wörter und manchmal einfache Linien oder Schnörkel. Ich nahm einen Ring, der die Inschrift: „Interquae maximum“ trägt. „Haben Sie auch zu diesem Ring passende Ohrringe? Ich mag es immer gerne, wenn alles zusammenpasst“, sagte ich zu dem Händler. „Natürlich. Ich habe aber nicht nur ein paar passende Ohrringe, sondern viele. Haben Sie an etwas bestimmtes gedacht?“ „Haben Sie die Ohrringe, die die Form von Drachen haben? Ich hätte gerne solche.“ „Da müsste ich welche haben. Geben Sie mir einen kurzen Moment Zeit.“ Er bückte sich und kramte unter der Bank eine kleine samtene Schatulle hervor. „Das könnte etwas für Sie sein. Dieses Paar war ein Auftragswerk für einen mysteriösen Mann. Er meinte, ich sollte dieses Paar machen und aufheben, bis ich einen geeigneten Käufer finden würde. Und ich glaube, dass Sie der geeignete Käufer sind.“ Er machte die Schatulle auf und zwei kleine, lebendig aussehende Drachen kamen zum Vorschein. „Wenn Sie sie gerne verkaufen würden, ich würde mich freuen, diese tragen zu dürfen.“ Er lachte kurz auf und übergab mir dann die Schatulle. „Sie gehören Ihnen.“ Ich nahm ihm die Schatulle ab und fragte ihn nach dem Preis für alles zusammen. Ich übergab ihm das Geld und nahm den restlichen Schmuck auch noch entgegen. Die Kette versteckte ich genauso wie die anderen Männer so gut es ging unter meinem T-Shirt. Das erste mal in meinem gesamten Leben machte ich freiwillig aus meinen langen, rot-blonden Haaren einen Dutt, damit meine Ohrringe zur Geltung kamen.
Ich schlenderte um den Markt herum und sah am Rand ein kleines, sehr unauffälliges, aber sehr nobles Restaurant. Teilweise aus Interesse und teilweise aus Hunger getrieben ging ich hinein und wurde sehr zuvorkommend empfangen und die gesamte Zeit bedient. Nachdem ich aufgegessen hatte, wollte ich bezahlen und das Restaurant wieder verlassen, als der Kellner sich jedoch verwundert fragte, warum ich denn die Rechnung haben wöllte, denn mein Vater bezahlt alles was in diesem Restaurant von Personen von der Burg zu sich genommen werden. Dennoch gab ich ihm ein großzügiges Trinkgeld. Vielleicht deswegen, vielleicht auch weil der Kellner merkte, dass ich nicht in diese Ebene gehörte, gab er mir noch einen Tipp, der mich vor einer kleinen Panne gerettet hat. Er empfahl mir, ein Teil meines Geldes umzutauschen, denn nicht überall wird wie auf der Burg mit Talern bezahlt. Wenn es schon in den Vorort und in die nächste Stadt geht, wurde es schwierig mit Talern zu bezahlen. So sagte es mir der Kellner und es sollte sich auf meiner späteren Reise bestätigen. Ich bedankte mich bei dem Kellner und ging aus dem kleinen Restaurant heraus. Ich machte mich auf die Suche nach einer Wechselstube oder dem Hauptgebäude der Bank. Ich hielt mich dabei vor allem an die Hauptstraßen. Auf meiner Suche nach einem Bankgebäude merkte ich, wie sich die Gebäude veränderten. Die kleinen, weißen Häuser wurden mit der Zeit von großen, ausgeschmückten Häusern verdrängt. Als ich auf eine weitere Hauptstraße stieß fand ich einen prunkvolles Gebäude mit mehreren kleinen Anbauten. An den Seiten des Gebäudekomplexes waren viele Figuren zu sehen, die alle golden glänzten. Am großen Tor des Hauptgebäudes waren zwei übergroße goldene Engel zu sehen, die in ihren Händen ein Tablett mit Geldsäcken und Münzen hielten. Über dem Tor war der Schriftzug: „Bank des Reiches“ in goldenen Lettern zu sehen. Ich bestaunte die Schönheit der Engel für einen kurzen Augenblick, bevor ich durch das Holztor trat, das aus vielen kleinen Schnitzereien bestand. Hinter dem Tor lag eine riesige Halle, die genauso hoch wie lang war. Die Wände waren genauso wie der Boden aus Marmor und die Schalter, von denen es unzählige gab, waren aus Holz geschnitzt. Jeder Schalter hatte einen eigenes Motiv bekommen. Ich ging bis nach hinten durch und bewunderte die Schönheit der Schalter und der Bänke in der Mitte der Halle, weshalb es teilweise so aussah, als wenn ich auf einem Bahnhof gestrandet war. Als ich am Ende der Halle endlich angekommen war, trat ich an einen der vielen freien Schalter. Ich beschrieb der jungen Dame hinter dem Schalter, weswegen ich gekommen war. Sie wurde bleich, schluckte einen Klos hinunter und sagte daraufhin zu mir mit einem Lächeln, welches sie trotz des Schocks, den ich ihr bereitet haben musste, beibehalten hatte: „Dies ist selten. Deswegen muss ich meinen Chef informieren. Bitte warten Sie hier. Wenn Sie möchten, können Sie sich auch setzten.“ Sie zeigte auf die Bank hinter mich. „Ich werde bald wiederkommen.“ Die Frau drehte sich um und verschwand in ihren ihr viel zu hohen Absatzschuhen in kleinen Trippelschritten in den Bereich, den ich nicht mehr einsehen konnte. In der Zeit in der ich wartete, hatte sich die riesige Halle gefüllt und auch an den Schalter an dem ich stand, stellten sich eine wunderschöne junge Frau und ein Mann, der so aussah, als wenn er sich seit mehreren Monaten nicht mehr gewaschen hatte und auch seit Jahren keine anderen Sachen besaß als die, die er am Körper trug. Ich blieb an dem Schalter stehen und achtete darauf, dass ich weder die Frau noch den Mann anschauen musste. Nach etwas mehr als dreißig Minuten kam die junge Dame wieder, um mich abzuholen. Doch zuvor lehnte sie sich leicht nach vorne und sprach die beiden Personen, die hinter mir standen, direkt an. „Hier könnte es etwas länger dauern. Ich bitte um Ihr Verständnis. Wenn Sie nicht warten wollen, stellen Sie sich bitte an einen der anderen Schalter an. Vielen Dank.“ Sie stellte sich wieder normal hin, zupfte ihre Kleidung zurecht und schaute dann mich an. „Sie kommen bitte mit mir. Ich werde Sie zu meinem Chef bringen. Links von Ihnen ist eine Tür. Durch diese gehen Sie bitte.“ Die junge Frau versuchte betont ruhig zu sein, was ihr aber nur halb gelang. Ich ging durch die versteckte Tür in der Wand und fand mich in einer vollkommen anderen Welt wieder. Die Wände waren nicht so prunkvoll wie in der großen Halle. Sie waren nicht einmal tapeziert worden, der Putz war noch zu sehen. Ich folgte der jungen Angestellten durch ein Labyrinth aus grauen Gängen. Mir kam es so vor, dass wir mehr als einmal an der gleichen Stelle vorbeigekommen waren, aber ich konnte mich immer täuschen. Nach einer Odyssee durch die graue Welt hielt die junge Frau an einer Holztür an. Sie war genauso hoch wie die niedrige Decke des Ganges und war genauso wie das Eingangstor mit kleinen Schnitzereien verziert. Die junge Frau öffnete die Tür und ließ mich eintreten. „Mein Chef müsste jeden Moment kommen. Bitte warten Sie hier.“ Sie schloss hinter mir die Tür und ließ mich allein in dem großen Büro.
Kapitel 2 – Arthur Andreijan Kamelott
Was war das für eine Nacht gewesen? Irgendjemand oder irgendwas muss Arthur Andreijan Kamelott die gesamte Nacht beobachtet haben. Auf jeden Fall spürte Arthur Andreijan Kamelott etwas, das ihn beunruhigte. Er schob aber den Gedanken weg, denn er wurde von einem Donnern geweckt und er wusste anfangs nicht, woher dieses Donnern kommen konnte, denn die Sonne ging gerade auf und es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Als er gerade im Bad vor seinem Spiegel stand, um sich zu rasieren, fiel es ihm wieder ein, woher er das Donnern kannte. Das Donnern war immer das Zeichen, dass ein Mitglied der Königsfamilie oder ein Berater nicht mehr auf der Burg anwesend war. Für Arthur Andreijan Kamelott, der von seinen wenigen Freunden oft auch nur AAK genannt wurde, war es also nichts beunruhigendes, denn es kam mehr als einmal in der Woche vor, dass dieses Donnern kam. Es war bloß immer am Nachmittag, dass dieses Donnern kam. Aber AAK musste sich beeilen, um pünktlich in der Bank zu sein, in der arbeitete und in weniger als zwanzig Minuten ein wichtiges Meeting. Er machte sich schnell fertig, zog seinen Mantel an, nahm seinen Aktenkoffer und zog die Tür hinter sich zu. Er beeilte sich sehr und war fünf Minuten vor dem angesetzten Beginn des Meetings in dem Sekretariat. Dort stellte er seinen Koffer ab, hing seinen Mantel an den Kleiderständer und ging in den Konferenzsaal. Er war mal wieder der letzte in der Runde und setzte sich leise auf seinen Platz. Edward von Magnusson, der König des wunderbaren Landes saß wie bei jeder der vier wichtigsten Meetings im Jahr still am Ende des Tisches und las in den Berichten. Er schaute nach oben und fragte dann in die Runde: „Sind nun alle anwesend? Auch dieser Kameeelott?“ Es wurde still in dem Raum und alle setzten sich auf ihren angedachten Platz. Da kein Platz frei war, ging er davon aus, dass alle anwesend waren. Edward von Magnusson begann wie immer das Meeting mit ein paar allgemeinen Zahlen und dem aktuellem Kurs der Bank. Anschließend wandte er sich den einzelnen Zweigstellen und den dort wichtigsten Bereichen zu. Bevor Arthur Andreijan Kamelott an der Reihe war, war der Bereich der Löhne der Bevölkerung in der unteren Ebene dran. „Kann das nächste mal Ihr Kollege aus der Wechselstube zu dem Meeting erscheinen?“ Er nickte und damit war AAK der letzte in der Runde nun an der Reihe. „Nun zu Ihnen Kameeelott! In der gesamten Zeit in der Sie nun Direktor der Wechselstube sind, hat Ihre Abteilung keinen Umsatz gemacht. Wenn wir die monatlichen wenigen Taler unter den Tisch fallen lassen, die die Restaurantbesitzer umtauschen. Sie haben eine letzte Chance. Bis zu unserem nächsten Meeting morgen um zehn werden Sie mehr als fünfzig Taler umgetauscht haben. Ansonsten sind Sie fristlos gekündigt. Sie werden nicht einmal morgen Zeit haben, um sich zu verabschieden. Haben Sie mich verstanden, Kameeelott?“ „Ich habe Sie verstanden. Ich werde sie nicht enttäuschen und auch schon heute meine Sachen packen.“ „Sehen Sie. Wir verstehen uns perfekt. Und nun noch mal an alle anderen: Haben Sie noch irgendwelche Fragen oder Anregungen oder irgendetwas, was wir das nächste mal besprechen sollen? Nein? Dann einen erfolgreichen Tag noch.“ Edward von Magnusson war aufgestanden und packte seine Sachen zusammen und verschwand wie jedes mal schnell aus dem Konferenzsaal. Arthur packte langsam seine Sachen zusammen, als er von einer jungen Mitarbeiterin angesprochen wurde. „Sir Kamelott“, sagte sie aufgeregt und außer Atem. Sie musste den Weg bis zu ihm gerannt sein. „Beruhigen Sie sich erst einmal, bevor sie anfangen“, sagte er zu ihr. „Sir Kamelott! Vor meinem Schalter steht einer, der zu der Wechselstube möchte. Soll ich ihn wegschicken?“ „Nein, nein, nein! Auf gar keinen Fall wegschicken. Ich möchte ihn in meinem Büro sprechen. Bringen Sie ihn dorthin. Ich werde ihn dort dann dort so schnell ich kann sprechen.“ AAK war über die Neuigkeiten sehr überrascht und erfreut, denn es kam eigentlich nicht vor, dass Geld umgetauscht werden wollte. Es konnte also nur jemand von außerhalb sein. Aber bevor er in sein Büro gehen konnte, musste er noch in der Analyseabteilung und der eigentlichen Wechselstube vorbeischauen und die neusten Informationen bekommen. Bei den beiden Kollegen in der Wechselstube blieb ich etwas länger, da diese immer etwas witziger waren und weil sie sehr viel Chaos in ihrem kleinen Raum haben. „Ich nehme an, dass ihr noch nicht die Neuigkeiten gehört habt.“ „Nein. Was ist es denn Boss? Ein Einhorn in Ihrem Büro?“ AKK musste wegen dem Kommentar seines einen Mitarbeiters schmunzeln. „Nein. Ein Einhorn ist es nicht. Aber genauso selten.“ „Wetten es ist einer, der Geld wechseln möchte? Kevin, ich glaube, dass es ein Kunde ist“, meinte der andere zu seinem Kollegen gewandt. „Du hast Recht Gerhard. Es muss ein Kunde sein. Sonst würde unser Arthurchen nicht bei uns stehen.“ „Kann ich jetzt mal wieder reden? Ja? Danke!“ Arthur Andreijan Kamelott wartete, bis er die Aufmerksam auf der beiden wiederbekam. „Räumt hier so schnell ihr könnt auf, denn ich habe wirklich einen Kunden in meinem Büro und ich werde ihn zu euch bringen.“ Die beiden rasteten vor Freude fast aus. „Wie gesagt: Räumt hier auf. Besonders das Geld dahinten. Das sieht scheußlich aus.“ Er zeigte auf einen Haufen von Geld, der ein wenig so aussah, als wenn sie mal eine Couch und ein Couchtisch gewesen ist, aber durch häufiges benutzen teilweise das Geld durch die Gegend fliegen lassen. Arthur Andreijan Kamelott verließ wieder den Raum und fragte nach, wie er sich am besten verhalten sollte. Das war Standard, denn er wollte wissen, ob er dem Besucher trauen konnte oder nicht und ob er irgendwelche bösen Absichten hegte. Er ging nicht auf dem schnellsten Weg zu seinem Büro, denn er wollte seinem Besucher weiß machen, dass es nur einen Zugang zu diesem Raum gab. Was AAK aber nicht ahnen konnte, war, dass sein Kunde sich in den Zimmern der Burg aufgehalten hatte und daher teilweise die Geheimtüren erkennen konnte, wenn sie nicht hervorragend gearbeitet wurden. Und das wurden sie in dem Büro von Arthur Andreijan Kamelott nicht. Aber das konnte er nicht wissen.
Kapitel 4 – neue Erkenntnisse
Nach einer Odyssee durch die graue Welt hielt die junge Frau an einer Holztür an. Sie war genauso hoch wie die niedrige Decke des Ganges und war genauso wie das Eingangstor mit kleinen Schnitzereien verziert. Die junge Frau öffnete die Tür und ließ mich eintreten. „Mein Chef müsste jeden Moment kommen. Bitte warten Sie hier.“ Sie schloss hinter mir die Tür und ließ mich allein in dem großen Büro. Ich schaute mich um. Die Wände waren dort, wo nicht gerade ein Bücherregal stand, die direkt aus der Bibliothek von Hogwarts gekommen sein könnten, mit Holz vertäfelt. Der Schreibtisch, der an der anderen Seite des langen Zimmers stand, passte sehr gut in das Zimmer. Mir kam es so vor, als wenn der Schreibtisch mehr als ein Geheimfach besaß. So viele Figuren waren in das Holz geschnitzt worden. Vor dem Tisch standen zwei einfache Schemel, die zwar aus Holz waren, aber allein wegen der Farbigkeit nicht ins Zimmer passen wollten. Sie waren auch das einzige in diesem Raum, was abweisend und unbequem aussah.
Ich ging zu den Schemeln hin, setzte mich aber nicht auf einen der beiden, weil ich erst aufgefordert werden musste. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich von meinem Vater gelernt hatte. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Ich blieb also die gesamte Zeit stehen und schaute auch teilweise durch die großen Fenster, durch die die Sonne schien. Nach langem warten kam dann auch „der Chef“ durch die gleiche Tür, wie ich es gekommen bin. Er hatte einen großen Schritt und kam auf mich schnell zu, schüttelte mir die Hand und sagte: „Danke, dass Sie gewartet haben. Wie kann ich Ihnen nochmal helfen?“ „Ich möchte etwas Geld umtauschen. Die Frau von dem Schalter in der Eingangshalle hat mich in Ihr Büro gebracht, weil Sie mir helfen können.“ Er nickte mir zu und bat mich, mich auf einen der beiden Hocker zu setzen, während er sich auf den bequemen Sessel setzte. „Nun erzählen Sie mal. Weshalb sind Sie wirklich gekommen? Niemand möchte hier noch Geld umtauschen.“ „Ich habe meine Absicht nicht verschleiert. Ich möchte hier Geld umtauschen. Können Sie mir dabei helfen, oder muss ich mich an einen anderen wenden?“, fragte ich ihn bestimmt. „Nein, nein, nein. Sie sind hier schon richtig. Wie gesagt, es ist selten, dass Geld umgetauscht werden möchte. Wie viel wollen Sie denn umtauschen?“ Ich überlegte kurz, wie viel ich auf der Burg für ungefähr drei Tage ausgab. Dann sagte ich: „Ich möchte 250 Taler umtauschen. Ist dies möglich?“ „Bei einer so großen Menge muss ich notieren, wer das Geld umtauschen wollte. Können Sie mir mal Ihren Ausweis zeigen, damit ich mir Ihre Personalien aufschreiben kann?“ Ich zögerte kurz, nahm dann aber meinen Geldbeutel hervor, in dem ich auch meinen Ausweis hatte. Ich übergab ihm den Ausweis, während ich ihn fragte: „An wen leiten Sie eigentlich die Personalien weiter, wenn Sie diese aufgenommen haben?“ Noch bevor „der Chef“ auf meinen Ausweis schaute, antwortete er mir ehrlich und direkt: „Es wird immer beim nächsten Meeting mit allen anderen Bankiers und dem König besprochen. Warum fragen Sie?“ „Nur so aus Interesse“, sagte ich. „Der Chef“ schaute dann auf meinen Ausweis und seine Augen wurden so groß, dass ich es nicht für möglich gehalten hatte. Er wendete den Ausweis mehrfach und versuchte herauszufinden, ob es eine Fälschung war. Ich fand es sehr belustigend, denn er konnte meinen Ausweis so oft drehen und wenden, wie er wollte. Er war und blieb echt. „Gibt es ein Problem?“, fragte ich belustigt und ich musste aufpassen, dass ich nicht aus versehen laut loslachte. „Sie können unmöglich des Königs Sohn sein. Das ist unmöglich. Ich wüsste es, wenn der König einen Sohn hätte. Ich wüsste es.“ Es war lustig mit anzusehen. „Stimmt irgendetwas nicht?“, fragte ich nun noch einmal. „Ich glaube, dass dieser Ausweis gefälscht ist. Wer sind Sie wirklich?“ „Ich bin Damon von Magnusson. Sohn von dem König Edward von Magnusson und seiner vor 18 Jahren verschwundenen Frau Rahel von Magnusson. Wie soll ich Ihnen beweisen, dass ich von der Burg bin? Ich würde Ihnen jeden mir möglichen Beweis erbringen, wenn es sein muss.“ Er wurde rot, denn er wusste, dass er gerade in ein Fettnäpfchen getreten war. „I... I... Ich... Ich glaube Ihnen, Ihre Majestät.“ Mir kam ein lächeln über meine Lippen. „Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie trotzdem weiterleiten müssen, wer diese Menge an Talern umgetauscht hat?“ „Ja, Ihre Majestät. Ihr ehrenwerter Vater würde sonst denken, dass ich nicht ehrlich zu ihm bin. Dies würde das Ende der Wechselstube in dieser Filiale sein.“ „Richten Sie ihm dann einen schönen Gruß von seinem Sohn aus.“ „Es ist mir eine Ehre, Ihre Majestät.“ „Bevor ich mein Geld umtauschen möchte, würde ich gerne von Ihnen noch in Erfahrung bringen, wie denn der Wechselkurs ist.“ „Ja. Warten Sie. Ich habe es gleich.“ Ich war leicht amüsiert darüber, wie verwirrt er war. „Hier ist es ja. Der Kurs liegt gerade bei einem Taler zu 50 Birr und 50 Satim.“ Er stand auf und ging um den Schreibtisch herum. „Wenn Sie mir doch bitte folgen würden. Ich bringe Sie dorthin, wo Sie Ihr Geld umtauschen können.“ Ich folgte „dem Chef“ durch eine Geheimtür, die hinter dem Schreibtisch war. Ich folgte ihm durch die Tür. Der Flur hinter der Tür war nicht im Ansatz so grau wie der Flur, wie ich in das Büro
[](https:/https://docs.google.com/document/d/1FgI8qPIhru8o-A17gzl8cmddeEziZ9Pbkp33gSUHVGI/edit?usp=drivesdk/)