--- tags: Gruppe --- # Risikoanalyse ___ ## Definition Risiko Ein Risiko wird nach Blaise Pascal als proportional zu den möglichen Schäden und deren Eintrittswahrscheinlichkeit quantifiziert. Dadurch kann zwischen einer Gefahr, die das Potential und Ausmaß des Schadens beschreibt und einem Risiko was die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schaden eintritt wenn man sich einer Gefahr aussetzt beschreibt, unterschieden werden. ## Risikomanagementplanung Einer der Hauptelemente in der Risikoanalyse ist die "Fünf Schritt Risikomanagementplanung". Zuerst wird ein Kontext für das Thema hergestellt, dann werden die Risiken identifiziert, analysiert und nach ihrer Priorität und Gefahr eingestuft bzw. bewertet. Am Ende werden die wichtigsten Risiken beseitigt und falls dies nicht möglich ist wird versucht sie zu mildern. 5 Schritt Risiko Management Planung: ![](https://i.imgur.com/W9mCory.png) Gefahren zu bestimmen und deren Eintrittswahrscheinlichkeit zu finden sind die Kerne der Risikoberechnung. Risiken entstehen durch Schäden und deren Eintrittshäufigkeit. Wahrscheinlichkeitsdetermination: ![](https://i.imgur.com/5RzmlkR.png) Die 5 Analysen, wie im ersten Bild zu erkennen ist, sind die 5 Schritte der Risikoanalyse. **Szenarioanalyse**: Analysemethode zur Prognose zukünftiger Entwicklungen **Datenbasisanalyse**:Suche nach Trends in Daten und Plotten einer FN-Kurve oder Risk Map **Ereignisanalyse**:Identifizierung aller Gefahrenreignisse einschließlich Ketten-Ereignisse. Es werden historische Daten verwendet oder durch Fault Tree Analyse untersucht. **Gefahrenanalyse**:Aufdeckung und Identifizierung von Gefahren - 1. Gefahr Ereignis Frequenz: Analyse wie oft die Gefahrenquelle aktiviert wird. * Verteilung von Objekten: Beschreibt wie viele Objekte in einem Feld verteilt sind und wie sie verteilt sind. * Erfolgsfrequenz der Vermeidung der Gefahr: Beachtet die Erfolgsrate von organisatorischen und Trainings Maßen. Erfolgsrate von passiver, reaktiver oder aktiver Barriere **Schadensanalyse**:Quantifizierung des Schadens; Direkte oder Indirekte Analyse * Direkt: Szenario Daten -> Schaden Indirekt: Szenario Daten -> Physikalische Folgen -> Schaden --- ## Ermittlung von Umweltrisiken durch Biozide Bei der Ermittlung von Umweltrisiken muss beachtet werden wie und wo Biozide in die Umwelt gelangen. Daraufhin muss kalkuliert werden welche Effekte das Biozid auf Lebewesen und auf die Struktur und Funktion von Ökosystemen hat. Betrachtete Umweltbereiche dabei sind: Oberflächenwasser, marines Ökosystem, Sediment, Boden (einschl. Grundwasser), Atmosphäre, Nahrungskettengefüge, Kläranlagenfunktion, Funktion von Ökosystemen und die Artenvielfalt. Die Bewertung der Umweltrisiken biozider Wirkstoffe erfolgt in drei Schritten. * Der erste Schritt ist die Effektbewertung potenzieller Effekte. Betrachtet man nun die Toxizität eines Wirkstoffs auf das Ökosystem, so ist das Ökosystem so sensibel, wie die empfindlichste Spezies des Ökosystems. * Im zweiten Schritt wird der PNEC (predicted no effect concentration) ermittelt, bei dem das Biozid im Ökosystem noch keine Auswirkungen auf das Ökosystem hat. Im letzten Schritt wird abgeschätzt wie viel Biozid im ungünstigsten, realistischen Fall in das Ökosystem getragen wird. Daraus wird der PEC (predicted environmental concentration), also die zu erwartende Konzentration des Wirkstoffes im Ökosystem errechnet. * Nun wird der Quotient aus PEC zu PNEC zur abschließenden Bewertung herangezogen. Liegt der Wert über 1, so würde mehr Biozid in das Ökosystem eingetragen werden, als es verkraften kann. Das bedeutet ein unannehmbares Risiko für die Umwelt. Liegt der Wert unter 1 so besteht kein unannehmbares Risiko. * Sollte der Wert über 1 liegen, so kann überlegt werden, wie die Konzentration des Stoffes gesenkt werden kann um eine Zulassung des Biozids zu ermöglichen. Wird dies nicht gewährleistet, so wird das Biozid nicht in die Liste für genehmigte Wirkstoffe der europäischen Union aufgenommen oder das Produkt verliert seine Vermarktungsfähigkeit. Dieses Konzept beruht allerdings auf der Einzelstoffbetrachtung. Neue Bewertungskonzepte ziehen die Mischungstoxizität in betracht. Das bedeutet, dass die Kombinationswirkung von Stoffen berücksichtigt wird. Desweiteren muss das Verhalten einer Substanz im Ökosystem berücksichtigt werden. Dazu gehört ob der Stoff gut abbaubar ist. Einige Stoffe bleiben in der wässrigen Phase, andere Stoffe bilden Sediment in Gewässern. Es können auch toxische Abbauprodukte entstehen. --- ## Risikoanalyse von Bioziden In Deutschland gibt es verschiedene Bewertungsstellen und Regulierbehörden die die Risiken der Umwelteinwirkung eines neuen Produktes bewerten bzw. abschätzen. Deutschlandweit agieren das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und Europaweit die European Chemicals Agency (ECHA). Gemeinsam in einer Kommision mit den EU-Ländern wird entschieden ob das Produkt für den Markt zugelassen wird. Aufgrund der Vielzahl an Anwendungsbereichen von Bioziden, gibt es ein großes Sprektrum an möglichen Einträgen der Biozidwirkstoffe oder ihren Abbauprodukten in die Umwelt. Ein Überblick über die möglichen Eintragsquellen und der betroffenen Umwelt ist in folgender Abbildung gegeben. ![](https://i.imgur.com/phF4lQd.png) Abbildung: Einträge von Biozide in die Umwelt Prüfen der Umwelteinwirkung von Chemikalien Das Umweltbundesamt führt keine eigenen Untersuchungen durch. Der Antragssteller des Produktes muss gewisse verlangte Daten zur Verfügung stellen die vom UBA hinsichtlich ihrer Umwelteinwirkung bewertet werden. Die Informationen und Testergebnisse die für die Bewertung der Risiken zur Verfügung gestellt werden müssen sind durch gesetzliche Stoffregelungen vorgegeben. Ein Auszug über die erforderlichen Testergebnisse für Unternehmen die ein neues Biozid auf den Markt bringen wollen ist in folgender Tabelle gegeben. ![](https://i.imgur.com/z8Maof9.png) Abbildung: Testanforderungen für den Antragssteller ## Risikobewertung von Wirkstoffen Für die Risikobewertung von Wirkstoffen sind Toxilogische Daten erforderlich. Dabei wird zwischen Akuter Toxizität (z.B. Haut- und Augenreizung) und CMR-Eigenschaften (Konzerogenität, Mutagenität, Reproduktionstoxizität) unterschieden. Mithilfe von Rechenmethoden, Modellen/Informatikwerkzeugen und in manchen Fällen tierexperimentelle Studien werden die Risiken abgeschätzt und ausgewertet. Das Produkt wird folglich nach seinen Risiken eingestuft. Biozidspezifische Grenzwerte sind ebenfalls festgelegt. Als Maß hierfür wird das AEL "Acceptable Exposure Level" verwendet. Sie ist ein Grenzwert in mg/kg-Körpergewicht/Tag für Anwender und der allg. Öffentlichkeit bei oraler, dermaler und inhalativer Exposition. Je nach Expositionsdauer wird unterschieden in acute AEL (≤ 24h), medium-term AEL (> 24h - 6 Monate) und long-term AEL (> 6 Monate). Falls Rückstände in Lebensmitteln zu erwarten sind, sind weitere externe Grenzwerte festgelegt: ARFD ("Acute Reference Dose"-Einmalige orale Exposition) und ADI ("Acceptable Daily Intake"-Chronisch orale Exposition). Die folgende Tabelle ist ein Ausschnit einer Anleitung der ECHA wie man die erhaltenen Daten zu interpretieren hat. ![](https://i.imgur.com/6nxYus3.png) Somit wird eine quantitative Abschätzung der dermalen, inhalativen und oralen Exposition bestimmt und auf Basis dieser toxilogischen Grenzwerte das Risiko bewertet. Hierauf werden Arbeitsschutzmaßnahmen oder Risikominderungsmaßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung der Exposition aufgestellt. Ob die Biozide genehmigt werden erfolgt nach Ausschlusskriterien ![](https://i.imgur.com/s1v0bON.png) Wirkstoffe die nicht genehmigt werden sind karzinogene, mutagene, reproduktionstoxische und endokrinschädigende Stoffe. Mit Ausnahme das Risiko ist vernachlässigbar. Weitere Ausnahmen können eintreten. Ist z.B. das Risiko hinsichtlich der Humanexposition vernachlässigbar. Dies tritt ein wenn die Anwendung in geschlossenen Systemen stattfindet. Weitere Ausnahmen können getroffen werden wenn der Wirkstoff notwendig ist um ernsthafte Gefahren für die Umwelt, Mensch oder Tier zu bekämpfen oder wenn eine Nichtgenehmigung unverhältnismäßige Folgen für die Gesellschaft hätte. Zudem wird vor der Zulassung einer Ausnahme geprüft ob der Wirkstoff durch einen bereits zugelassenen Biozidprodukt oder sogar durch nichtbiozide Maßnahmen substituiert werden kann. Beachtet wird ebenfalls ob mehrerer Alternativen zur Vermeidung von Resistenzen zugelassen werden. --- ## Beispielhafte Risikoanalyse für Wartungsarbeiten in einem Industrieunternehmen: Um das möglichen Vorgehen in einer Risikoanalyse außerhalb des Bereiches Umwelt darzustellen, wird eine Beispiel- Risikoanalyse der Heatlh and Safety Executive kurz zusammengefasst. Die Health and Safety Executive ist eine unabhängige Organisation, die mit der Regierung des Vereinigten Königreichs zusammenarbeitet und für den Bereich Arbeitssicherheit zuständig ist. Sie überprüft zum einen Sicherheitsvorschriften, stellt Nachforschungen über Unfälle an, führt Sicherheitsinspektionen durch und erstellt Statistiken über Unfälle. Außerdem stellt die Organisation Informationen zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit zur Verfügung. Darunter befinden sich unteranderem auch Beispiele für Risikoanalysen für verschiedene Idustriezweige und Unternehmen. Dabei wird explizit darauf hingewiesen, dass Risikoanalysen für jedes Unternehmen bzw. Szenarario neu durchgeführt werden müssen. Dies ist nötig, da bei neuen Umständen die verschiedenen Gefahren und Ursachen neu evaluiert werden müssen. Als konkretes Beispiel wird eine Risikoannalyse in einer Firma, die Motorenteile herstellt, dargestellt. Die Firma hat 40 Angestellte und das Firmengelände wurde in den 1970er Jahren errichtet. Die Risikoanalyse wird speziell für den Arbeitsbereich Wartung und Instandhaltung durchgeführt. Für die Wartungsarbeiten und das Erstellen der Risikoanalyse ist ein Monteur zuständig, der zusätzlich externe Firmen zur Hilfe beauftragt.Das Arbeiten mit externen Firmen bedeutet häufig zusätzliche Sicherheitsrisiken, durch Unsicherheiten oder Unbekanntheit der Arbeit oder den Sicherheitsbestimmungen der Anlage. Der Monteur und die externen Kräfte arbeiten für die Wartungsarbeiten in einer Werkstatt, aber auch direkt an den Produktionsstätten, wenn dort Arbeiten anfallen. Zur Erstellung der Risikoanalyse für Wartungsarbeiten wurde sich zunächst mit allgemeinen Gefahren und Bestimmungen in Industrieanlagen sowie den Risiken durch externe Arbeitskräfte in diesem Sektor auseinander gesetzt. Anschließend wurden die möglichen Einsatzorte besucht, um sich ein Bild der dort bestehenden Risiken bzw. Gefahren zu machen. Zusätzlich wird sich mit den Sicherheitsbeauftragten, den Vorarbeitern und den Angestellten der Anlagenteile, in denen Wartungsarbeiten anfallen, ausgetauscht, um aus ihren Erfahrungen bezüglich Gefahren, Unfällen oder Beinaheunfällen zu lernen.Zur Abschließung der Risikoerkennung werden die Unfallbücher durchgegangen, um aus vorherigen Unfällen und deren Häufigkeit zu lernen. Die gesammelten Informationen werden nach Rücksprache mit den Sicherheitsbeauftragten und dem Management nach folgenden Aspekten zur Erstellung der Risikoanalyse systematisch durchgegangen. Zuerst wird die eigentliche Bedrohungen festgelegt. Anschließend wird ermittelt "wer" oder "was" "wie" und in welchem Ausmaß durch die Bedrohung gefährdet wird.Danach werden die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen betrachtet und entschieden, ob zusätzliche Vorkehrungen nötig sind und wie diese aussehen könnten. Dazu gehört auch wer für die Umsetzung beziehungsweise die Durchsetzung dieser neuen Vorkehrungen zuständig ist, bis wann diese umgesetzt werden müssen und schließlich wann sie umgesetzt wurden. Folgend wird beispielhaft das zuvor genannte Vorgehen für die Bedrohung durch Unfälle mit Transportfahrzeugen durchgegangen. In der Risikoanalyse werden noch weitere Bedrohungen wie Lautstärke, Elektrizität, Transport von schweren Objekten, das Arbeiten in großen Höhen und vieles mehr benannt. Bespiel Bedrohung durch Transportfahrzeuge: Monteure oder externe Mitarbeiter können durch Zusammenstöße mit Transportfahrzeugen wie Gabelstapler oder LKW´s sehr schwere Verletzungen, wie Knochenbrüche, innere Blutungen oder Schlimmeres erleiden. Als aktuelle Gegenmaßnahme wird auf gutes Markieren der Trennung von Fußwegen und Transportwegen geachtet und beim Verlassen von Gebäuden muss eine Warnweste getragen werden. Außerdem dürfen externe Mitarbeiter keine Fahrzeuge bedienen und die Fahrzeuge werden jährlich überprüft. Als zusätliche neue Maßnahme sollen externe Mitarbeiter durch den Maintance Manager über die Transportsicherheitsregeln informiert werden und beim Betreten der Anlage durch die Rezeptionisten an diese erinnert werden. Die Änderungen sollten sofort umgesetzt werden. Anzumerken ist, dass es sich bei dieser Beispiel-Risikoanalyse eher um das Analysieren von Gefahren handelt, da die Eintrittswahrscheinlichkeit der jeweiligen Gefahren nicht quantifiziert oder dargestellt wurde. Andererseits ist zur Vermeidung von Arbeitsunfällen dies auch nicht notwendig. Die Risikoanalyse über Arbeitssicherheitsrisiken für Menschen würde sich leicht auf mögliche Umweltrisiken in einem Industriebetrieb übertragen lassen, da es zum einen Überschneidungen in Bezug auf Giftstoffe oder Ähnliches gibt und man das gleiche strukturelle Vorgehen anwenden könnte.