--- tags: Migration EU Gruppe X --- ![](https://i.imgur.com/B97ZkDv.jpg) Quelle: Eigenillustration # Die Genfer Flüchtlingskonvention (kurz: GFK) **Die Entstehung der GFK und ihre Ziele** Bereits zu Beginn des 20.Jahrhunderts hatte der damalige Völkerbund mit der Entwicklung einer internationalen gültigen Rechtsgrundlage zum Schutz von Flüchtlingen begonnen. Die Genfer Flüchtlingskonvention wurde dann von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ausgehandelt und am 28. Juli 1951 verabschiedet. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die große Fluchtbewegung innerhalb Europas nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Dabei war die Konvention zu Beginn allerdings hauptsächlich auf europäische Flüchtlinge beschränkt. Der Schutz des Individuums wurde dabei zur universellen Aufgabe erklärt. 1967 wurde die Konvention dann mit dem Protokoll von New York „[...]über die Rechtsstellung von Flüchtlingen“ erweitert. Der Grund dafür war vor allem die Erkenntnis, dass sich das Flüchtlingsproblem nicht nur auf Europa beschränkt, sondern globale Ausmaße angenommen hat. Damit wurde die geografische und zeitliche Beschränkung der Konvention abgeschafft. Bis heute haben 149 Staaten die Genfer Konvention und / oder das Protokoll aus dem Jahr 1967 unterzeichnet und sich dadurch verpflichtet den Geflüchteten Schutz zu gewähren und den aufgeführten Bedingungen nachzukommen. Des Weiteren ist die Beachtung der Konvention in den EU-Grundrechtecharta sowie im Vertrag von Lissabon festgeschrieben.![](https://i.imgur.com/izULLM8.png) Quelle: Pixabay https://www.istockphoto.com/de/foto/europäische-flaggen-gm175409767-20571186 Der offizielle Titel der Genfer Flüchtlingskonvention lautet allerdings: „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge" und ist wohl allgemein das wichtigste Dokument im internationalen Flüchtlingsschutz. Sie definiert den Flüchtlingsbegriff und schreibt den Geflüchteten eindeutige Schutzrechte zu: dabei soll sie diesen vor allem rechtlichen Schutz sowie soziale Rechte gewährleisten. Gleichzeitig definiert sie auch Pflichten, die die Geflüchteten gegenüber dem Aufnahmeland erfüllen muss. Diese Pflichten sind je nach Land unterschiedlich definiert. Der UNHCR (hoher Flüchtlingskommissar der Vereinigten Nationen) übt dabei eine Art Kontrollfunktion aus und überwacht die Einhaltung und Umsetzung der Flüchtlingskonvention. Dabei überwacht er die Asylbehörde und kontrolliert, dass Geflüchtete nicht zu unrecht gezwungen werden, in ein Land zurück zu kehren, in dem ihr Leben in Gefahr sein könnte. Zudem fördert er die Integration der Flüchtlinge in dem jeweiligen Aufnahmeland. Aufgrund der zunehmenden Flüchtlingszahlen wird die Relevanz der Konvention heutzutage immer wichtiger: Der UNHCR ist davon überzeugt, dass die Konvention bis heute die beste Grundlage für den Flüchtlingsschutz ist. **Wer ist denn überhaupt ein "Flüchtling"?** Im genannten Abkommen über die „Rechtsstellung der Flüchtlinge“ der GFK vom 28. Juli 1951 wird im ersten Kapitel zunächst der Flüchtlingsbegriff allgemein definiert. Von vornherein wird hier allerdings betont, dass sich die Tatsache, ein Flüchtling zu sein nicht auf einen bestimmten Status beruft, dennoch aber nur dann zutrifft, wenn die Voraussetzungen des zweiten Unterpunktes dieses Artikels auf einen Menschen zutreffen. Dieser Unterpunkt besagt, dass Flüchtlinge all jene sind, welche „[…] aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder [sich] wegen ihrer politischen Überzeugung […] außerhalb des Landes befinde[n], dessen Staatsangehörigkeit sie besitz[en], und den Schutz des Landes nicht in Anspruch nehmen k[önnen] oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen [wollen] […]“ („Rechtsstellung der Flüchtlinge“, GFK, 28.7.2951). Ferner zählen all jene Personen, welche bereits auf Grund von Verfolgung oder ähnlicher unwürdiger Ereignisse außerhalb ihres Heimatlandes sind und dorthin auf Grund bereits genannter Fluchtgründe nicht zurückkehren können oder wollen. ![](https://i.imgur.com/zMaVgsl.png) Bild: Syrische und irakische Flüchtlinge erreichen Griechenland <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Ggia">Ggia</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20151030_Syrians_and_Iraq_refugees_arrive_at_Skala_Sykamias_Lesvos_Greece_2.jpg">20151030 Syrians and Iraq refugees arrive at Skala Sykamias Lesvos Greece 2</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode" rel="license">CC BY-SA 4.0</a> **Grundprinzipien auf denen die GFK beruht** Neben der Definition des Flüchtlingsbegriffs allgemein, befinden sich im ersten Kapitel des Abkommen grundlegende Rechte und Pflichten derer, die per Definition als "Flüchtlinge" zu bezeichnen sind. Als Flüchtling hat man grundsätzlich das Recht, geschützt zu werden, wobei zum Beispiel folgende/r Schutz und Rechte gegeben sind: -Schutz vor Diskriminierung (Art.3) -Religionsfreiheit (Art.4) -gerichtlichen Zugang, die Möglichkeit, sich gerichtlich verteidigen zu können (Art.16) -die Option, einen Reiseausweis zu besitzen (Art.28) Hierzu gehören noch einige andere Rechte, die wie zu erkennen ist, dafür sorgen, dass Geflüchtete, die Möglichkeit erhalten, sich in einem anderen Land etablieren zu können und individuelle Rechte erhalten, die ihnen eine Mündigkeit verschaffen. Eines der zentralsten Rechte ist in Artikel 33 zu finden und bezeichnet das Leitprinzip der Nicht-Zurückweisung (oder: Non-Refoulement) ein geflüchteter Mensch, darf nicht einfach in ein Land zurückgeschickt werden, welches sein Leben gefährdet. Ausgenommen hiervon sind Geflüchtete, die selbst eine "Gefahr" darstellen oder möglicherweise bereits ein schwerwiegendes Verbrechen begangen haben. Zur gleichen Zeit erliegen Geflüchtete zudem der Pflicht gegenüber ihres Aufnahmelandes, dessen Gesetze und Bestimmungen zu respektieren und befolgen, aber auch nachzuweisen, dass die Flucht überhaupt begründet ist. ---> Der Kerngedanke der Genfer Flüchtlingskonvention ist also vor allem die Garantie des Schutzes des Individuums: jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, in einem sicheren Land leben zu können, in dem er zusätzlich Rechte entgegengebracht bekommen, die ihm eine Mündigkeit verschaffen. Gegenüber dem Aufnahmeland ist ein Geflüchteter dann verpflichtet, dessen Gesetze zu respektieren und seine Flucht "begründen" zu können. --- # Werte der Europäischen Union Die Europäische Union hat festgelegte Werte und Ziele, die alle 27 Mitgliedsstaaten befolgen. Sie ist darauf gegründet und diese Werte und Ziele sind ebenfalls im Vertrag von Lissabon und in der Charta der Grundrechte der EU festgelegt. So sind ihnen Themen wie Inklusion, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und Nichtdiskriminierung in einer Gesellschaft wichtig. **Würde des Menschen** Desweiteren legen sie großen Wert auf die Würde jedes Menschens. So ist auch im deutschen Grundgesetz, Artikel 1, klar festgehalten, dass die Würde jedes Menschens unantastbar ist. Die Europäische Union sieht sich in der Verantwortung sie zu achten und zu schützen. **Freiheiten der Bürger** Außerdem spielt die Freiheit in den Werten der Europäischen Union eine große Rolle. So ermöglicht die Europäische Union den Bürgern und Bürgerinnen innerhalb der EU zu reisen und individuell ihren Wohnsitz zu wählen. Dazu kommt, dass jedem Menschen innerhalb der EU persönliche Freiheiten wie die Achtung des Privatlebens, Gedankenfreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Informationsfreiheit gewährleistet sind. **Demokratie** Wichtig für die EU ist ebenfalls die Sicherung und Erhaltung der Demokratie. Die Europäiche Union spricht sich für eine repräsentative Demokratie aus. Das bedeutet, dass nicht das Volk direkt politische Sachentscheidungen trifft, sondern die von ihnen gewählten Abgeordneten für politische Entscheidungen zuständig sind. Darüber hinaus hat jeder erwachsene EU-Bürger*in* das aktive und passive Wahlrecht für die Wahlen zum Europäischen Parlament. Das bedeutet, dass man mit dem aktiven Wahlrecht wählen und mit dem passiven kanidieren und sich wählen lassen darf. **Gleichberechtigung** Im Übrigen spricht sich die EU auch für die Gleichberechtigung aus. So haben alle Bürger*innen* gleiche Rechte vor dem Gesetz. Außerdem ist die Gleichstellung von Mann und Frau Teil aller politischen Maßnahmen und Grundlage der europäischen Integration, die in allen Bereichen gilt. Sie ist noch nicht vollständig verwirklicht, allerdings hat die EU schon große Fortschritte erlangen können. **Rechtsstaatlichkeit** Ein weiterer, wichtiger Punkt auf dem sich die Werte der EU stützt, ist die Rechtsstaatlichkeit. Kurz erklärt: ein Rechtsstaat ist ein Land, welches sich an Gesetze und die Verfassung hält und diese befolgt. Die EU ist auch auf dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut. Ihre Handlungen sind durch die Verträge mit ihren Mitgliedsstaaten abgesichert und begründet. Desweiteren werden Recht und Gesetz von einer unabhängigen Justiz aufrechterhalten. Den sogenannten Europäischen Gerichtshof. Alle von ihm ernannten Urteile müssen von allen Mitgliedsstaaten respektiert werden. Und zu guter letzt sind auch die Menschenrechte wichtig für die EU. Diese sind nämlich durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union abgesichert. Wichtige Punkte dieser Charta sind zum Beispiel das Recht auf Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sowie das Recht auf Schutz personenbezogenener Daten und das Recht auf Zugang der Justiz. 2012 wurde die EU sogar für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. --- # Die Dublin Regeln **1) Dublin Regeln - Was ist denn das?** Allgemein lässt sich sagen, dass die Dublin-Verordnung die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa regelt. Also, welches Land für die Bearbeitung des Asylantrages eines Flüchtlings zuständig ist. Sie verhindert dadurch, dass ein Antrag innerhalb der EU mehrmals bearbeitet wird, spart also Zeit und unnötige Arbeitsschritte. Des weiteren wird den Flüchtlingen durch die Regeln ein Asylantrag zugesichert. Das bedeutet, dass sie ohne verfahren nicht unbegründet in ihr Heimatland zurückgeschickt werden können. Laut den Dublin-Regeln muss ein Flüchtling in dem Land um Asyl bitten, in dem er das erste Mal die EU betreten hat. Tut er dies nicht und stellt den Antrag in einem anderen Land, kann er in den Staat der ersten Einreise zurückgeschickt werden, wenn vonnöten auch zwangsweise. Die zurzeit geltende Verordnung ist die Dublin-III-Verordnung, die 2013 in Kraft trat. Zuvor wurde die Flüchtlingsfrage europaweit durch die Dubliner Übereinkommen von 1990 und anschließend durch die Dubliner-Verordnung von 2003 geregelt. Das folgende Video fasst die Dublin Verordnung noch mal übersichtlich zusammen. --- <iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/Bzn0pnNWu2E" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe> Quelle: YouTube Herausgeber: WDRforyou Veröffentlicht am 04.09.2019 --- **2) Ziele der Dublin Regeln** Mit dem Dubliner Übereinkommen soll erreicht werden, dass jedem Flüchtling, der in der EU einen Asylantrag stellt, ein Asylverfahren garantiert wird. Des Weiteren soll sichergestellt werden, dass immer nur genau ein EU-Staat für die inhaltliche Prüfung des Asylantrags zuständig ist. Um die Zuständigkeit eines Staates zu bestimmen legt das Abkommen eine Prüfreihenfolge fest. Vorrang hat die Einheit der Familie, was bedeutet, dass der Staat in dem ein Familienangehöriger die Flüchtlingseigenschaft erhalten hat, auf Wunsch des geprüften Flüchtlings als Zuständiger Staat angesehen wird. Erteilt ein EU- bzw. Vertragsstaat einem Asylbewerber eine Aufenthaltserlaubnis oder ein Visum zu, so ist, in der Regel, dieser Staat für den Asylantrag zuständig. Reist eine Asylsuchende Person ohne Visum in einen Vertragsstaat ein, so ist der Staat zuständig, in den er nachweislich zuerst eingereist ist. Letzteres tritt außer Kraft, sobald sich eine Asylsuchende Person länger als sechs Monate in dem Illegal eingereisten Land Aufhält. Darüber hinaus hat jeder EU-Staat das Recht einen Asylantrag zu überprüfen, selbst wenn er normalerweise nicht zuständig wäre. Durch diese Prüfungen wird, wie bereits oben erwähnt, verhindert, dass ein Asylbewerber mehr, als ein Asylverfahren in der EU betreiben kann. Durch die Dublinregeln wird dem Antragstellenden Asylanten ein Asylverfahren garantiert. Dadurch wird er, außer in besonderen Fällen, vor Grundloser Abweisung der EU-Länder geschützt. **3) Aktuell vorliegende Probleme** Durch die Dublin Verordnung wird die Verantwortung für den Flüchtlingsschutz oft an EU-Randstaaten abgetreten. Vor allem Vertragsstaaten, die im Mittelmeerraum liegen, sind durch die hohe Anzahl der Flüchtlinge, die bei ihnen das erste mal den EU-Raum betreten, übervordert. Die Überlastung wird durch die Länder, die eher in der Mitte Europas liegen, also aus rein vormalen gründen viele Flüchtlinge in Länder wie Italien und Griechenland zurüchschicken können, noch verstärkt. Eine Folge davon sind Unmenschliche Beingungen in Flüchtlingscamps und Erstunterkünften, sowie ein schleppend laufendes Asylantragsverfahren. Teilweise ist die Überlastung in den vereinzelten Ländern so hoch, dass flüchtende Personen ohne Verfahren zurück in ihr Heimatland geschickt werden. Die schlechten Bedingunden in den Camps fördern ebenfalls das illegale Einreisen von Flüchtlingen in andere Länder. --- # Konflikte in der europäischen Migrationspolitik Die Flüchtlingsfrage stellt die EU vor viele Herausforderungen, welche wiederum viel Konfliktpotenzial bieten. Diese Konflikte stellen nicht selten nur die Grundlage für weitere, tiefgreifendere Probleme zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten dar. Ein Beispiel für einen solchen Konflikt wäre Ungarn, dessen Asylrecht neben vielen weiteren Skandalen vom europäischen Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt wurde. **EU-Recht vs nationales Recht** Mit dem Betreten eines EU-Mitgliedsstaates betritt ein Flüchtling auch automatisch EU-Boden. Da es seit der zunehmenden Europäisierung und dem sogenannten Schengen-Vertrag innerhalb der EU keine Grenzkontrollen mehr gibt, ist eine uneingeschränkte Bewegung über Staatsgrenzen hinaus möglich. Um einem großem Flüchtlingsstrom ,wie dem 2015, gerecht zu werden, ist eine gute Kommunikation unter den EU-Staaten, sowie eine möglichst einheitliche Rechtsgrundlage unerlässlich. Zum Beispiel müssen sogenannte Ankunftsländer wie Griechenland oder Italien entlastet werde (beispielsweise durch Umverteilung von Flüchtlingen). Aber auch die Stellung eines Asylantrags muss geregelt sein. Solche Dinge sind in den sogenannten Dublin-Regeln (siehe oben) geklärt. Jedes Land hat jedoch trotzdem noch eigene Asylregeln, nach denen es einen Asylantrag prüft. Ob einem Asylantrag stattgegebn wird, wird also nach nationalen Regeln geprüft. So kommt es zu Stande, dass einige Länder deutlich mehr, bzw. weniger Flüchtlinge aufnehmen als andere. Hier ein Link zur Verteilung der in der EU gestellten Asylanträge in der von 2010 bis 2020: https://www.europarl.europa.eu/infographic/welcoming-europe/index_de.html#filter=2020 Wie man sehen kann (folge dem Link), werden besonders in Ungarn vergleichsweise wenige Asylanträge gestellt. Das hängt vorallem mit der Asylpolitik des rechtsnationalen Politikers Viktor Orban und dessen Regierung zusammen. Orban spricht von "Migranten-Armeen", welche "an alle Türen Europas trommeln". Migration bewertet er generell als schlecht. Er redet sogar davon ein zweijähriges Migrationsverbot einzuführen. Mehr Informationen hierzu findest du in diesem Artikel aus dem Spiegel vom 11.06.2021: https://www.spiegel.de/ausland/ungarn-viktor-orban-will-jede-art-von-migration-fuer-zwei-jahre-verbieten-a-7321366f-9507-4a19-877a-15c91b3f542d **Ungarns Asylregeln verstoßen gegen EU-Recht** Im Dezember 2020 urteilte, nach einer Klage der Europäischen Kommission, der Europäische Gerichtshof gegen Ungarn. Das Gericht verurteilte, dass Ungarn illegal im Land befindliche Flüchtlinge abschiebt, ohne vorher Asylanträge im Einzelfall zu prüfen. Des weiteren urteilte es gegen die "rechtswidrige Inhaftierung" von Schutzbedürftigen in sogenannten "Transitzonen" und die Abschiebung von Flüchtlingen ohne Beachtung der geltenden Garantien. Migranten sollen unter Zwang von Polizisten hinter einen Zaun auf einen Grenzstreifen ohne Infrastruktur gebracht werden. Dort bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, als das Land zu verlassen. Diese illegale Abschiebung unter Zwang kann deshalb auch als sogenannter „Pushback“ bezeichnet werden. Nach EU-Recht müsste es stattdessen ein Rückführungsverfahren geben, bei dem bestimmte Garantien berücksichtigt würden. Ungarn muss dieses rechtswidrige Verfahren also einstellen. Jedoch gab es noch im Janur 2021 (also einen Monah dem Urteil) Nachrichten über weitere unrechtmäßige Abschiebungen. Ebenfalls rechtswidrig ist die Regelung, dass ein Asylantrag abgelent werden kann wenn der Antragsteller aus einem "sichern Transitland" (wie zum Beispiel Serbien) kommmt. ![](https://i.imgur.com/gg8PXdm.png) Quelle: Pixabay https://pixabay.com/de/images/search/europäischer%20gerichtshof/ Und es gibt eine weiter Klage. Sie richtet sich gegen das sogenannte "Stop-Soros-Gesetz" welches NGO-Mitarbeiter und Aktivisten kriminalisiert die Migranten, die in ihrem Heimatland oder auf dem Weg nach Ungarn keine Verfolgung erfahren haben, Zugang zu einem Asylverfahren verschaffen wollen. Ebenfalls verbietet das Gesetz Flüchtlingshelfern den Grenzstreifen der ungarischen EU-Außengrenze zu betreten. Ein Gutachten bewertete die Behinderung von NGOs seitens Ungarns als ungerechtfertigt. Zwar hat der EuGH noch kein Urteil gefällt, jedoch richtet sich dieses meistens nach dem Gutachten. **Nicht nur Migrationspolitik** Seit 2015 ist klar: Die Flüchtlings -und Migrations"problematik" ist dazu in der Lage die EU an ihre Grenzen zu bringen. Die Probleme, die sich ergeben haben, sind altbekannt. Was sind die Kompetenzen der EU? Welche Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden und wo gilt nationales Recht über EU-Recht? Es ist nicht leicht, ganz klar. Eine für Verurteilung Ungarns halte ich für richtig und auch außerordentlich wichtig. Wer Teil der Europäischen Union ist, der sollte sich an gemeinsame Werte auch halten müssen. Flüchtlinge, ohne ein anständiges Asylverfahren, auf einen grünen Streifen hinter einen Grenzzaun zu setzen entspricht ganz klar keinem dieser Werte. Ich bin jedoch der Meinung das Ungarns Verhalten in der Asylpolitik nur ein Symptopm einer anderen, besorgniserregenden Entwicklung in Europa ist: Dem Rechtspopulismus. Zudem bestehen begründete Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit von Ländern wie Polen und Ungarn. Doch was kann die EU tun? Ja, die EU kann denjenigen Gelder kürzen, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, oder einen zweifelhaften Umgang mit den Medien haben. Und ja, ich glaube auch man sollte Ungarn verurteilen. Aber wenn die Europäische Union bestehen bleiben soll, muss es eine Basis für eine gemeinsame Zusammenarbeit geben. Die Frage für die Zukunft wird auf jeden Fall sein: Wie national/europäisch wollen wir sein? Geben wir Stimmen wie Viktor Orban nach und verwickeln uns in Konflikte, oder arbeiten wir gemeinsam gegen sie? --- Quellen: Spiegel: 1)Viktor Orban will jede Art der Migration verbieten https://www.spiegel.de/ausland/ungarn-viktor-orban-will-jede-art-von-migration-fuer-zwei-jahre-verbieten-a-7321366f-9507-4a19-877a-15c91b3f542d 2)Orban muss sich öffentlich entschuldigen https://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-regierung-muss-sich-oeffentlich-fuer-fluechtlingsumfrage-entschuldigen-a-1297506.html 3)Ungarn gewährt kaum mehr Asyl https://www.spiegel.de/ausland/fluechtlinge-ungarn-gewaehrt-kaum-mehr-asyl-a-462da110-9132-4a42-8a4e-bbe500d26010 4)Ungarn schiebt weiterhin unrechtmäßig Flüchtlinge ab https://www.spiegel.dFlüchtlinge: So funktioniert die Dublin-Verordnung - DER SPIEGEL [ ](https://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-so-funktioniert-die-dublin-verordnung-a-1029803.html) e/ausland/ungarn-schiebt-trotz-eugh-urteil-immer-noch-asylsuchende-ab-a-fe5c9a79-eabf-4fd3-8cbc-92782d46052b 5)Tagesschau: Ungarische Asylregeln verst0ßen gegen EU-Recht https://www.tagesschau.de/ausland/ungarn-asyl-eu-101.html# 6)Werte und Ziele der EU https://european-union.europa.eu/principles-countries-history/principles-and-values/aims-and-values_de Alle zuletzt geöffnet am 03.11.2021 7 ) Video: Was ist die Dublin-Verordnung? https://youtu.be/Bzn0pnNWu2E 8 ) BERICHT über die Umsetzung der Dublin-III-Verordnung (europa.eu) https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-9-2020-0245_DE.html 9 ) Flüchtlinge: So funktioniert die Dublin-Verordnung - DER SPIEGEL (https://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-so-funktioniert-die-dublin-verordnung-a-1029803.html) 10 ) Deutschland schickt mehr Ausreisepflichtige in andere EU-Staaten (faz.net) https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/deutschland-schickt-mehr-ausreisepflichtige-in-andere-eu-staaten-15999565.html Alle zuletzt geöffnet am 02.11.2021 <div class="oer-cc-licensebox"><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de"><img src="data:image/svg+xml;base64,<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="no"?><svg   xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"   xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"   xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"   xmlns:svg="http://www.w3.org/2000/svg"   xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"   xmlns:sodipodi="http://sodipodi.sourceforge.net/DTD/sodipodi-0.dtd"   xmlns:inkscape="http://www.inkscape.org/namespaces/inkscape"   width="120"   height="42"   id="svg2759"   sodipodi:version="0.32"   inkscape:version="0.45+devel"   version="1.0"   sodipodi:docname="by.svg"   inkscape:output_extension="org.inkscape.output.svg.inkscape">  <defs     id="defs2761" />  <sodipodi:namedview     id="base"     pagecolor="#ffffff"     bordercolor="#8b8b8b"     borderopacity="1"     gridtolerance="10000"     guidetolerance="10"     objecttolerance="10"     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