# Wörter lernen ist nicht schwer...
## Wortschatzvermittlung für Ehrenamtliche der Stadt Mainz
Gemeinsam mit 15 ehrenamtlich Tätigen haben wir uns am 25. September an der Uni Mainz getroffen um gemeinsam unsere Kenntnisse zur Wortschatzarbeit zu vertiefen.
Hier finden sich für alle noch einmal zentrale Ergebnisse und Links zum Einsatz im Unterricht:

# Wortschatz neurodidaktisch
* Wörter sind im Kopf in verschiedenen Strukturen sortiert. Man spricht hier vom **mentalen Lexikon**. Dabei sortiert das Gehirn Wörter in verschiedenen Ablagesystemen parallel und individuell, d.h. jeder Wortschatz ist einzigartig.
* Wörter müssen **oft gehört** werden (bis zu 20 Mal) und **noch häufiger benutzt** werden (bis zu 80 mal) bevor sie fest im Gehirn verankert sind. Auch dann gilt immer noch: *Use it or lose it*: Wörter die nicht benutzt werden, werden nach und nach wieder aus dem Gehirn gestrichen.
* Unser **limbisches System** entscheidet, ob es etwas **spannend, wichtig oder unterhaltsam** findet. Nur wenn das der Fall ist, werden Informationen ins Langzeitgedächtnis hinein gelassen.

Quelle: [Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Limbisches_System)
# Auswahl von Wortschatz
Olga Haber (2017) nennt 4 Kriterien zur Auswahl von Wortschatz
* **Brauchbarkeit**: Sind die Wörter für die Lernenden wichtig/relevant? Hierbei hilft es auch zu fragen: Welche Situationen müssen die Lernenden bewältigen? Welche Wörter/Wendungen brauchen sie hierfür?
* **Sprachniveau**: Sind die Lernenden noch auf dem Anfängerniveau sollten im Unterricht vor allem konkrete Begriffe, möglichst aus dem Grundwortschatzbereich verwendet werden.
* **Lernbarkeit**: Ist das Wort gut in eine (Lern)Situation einzubetten? Hat das Wort einen emotionalen Bezug für die Lernenden?
* **Häufigkeit**:Wie oft werden die Wörter gebraucht: nur einmal oder immer wieder?
* **Verstehbarkeit**: Hat das Wort einen starken kulturellen Bezug, der evtl. anders ist als in der Herkunftskultur? Gibt es Konnotationen?
Den ganzen Artikel können Sie [hier](https://www.deutsch-am-arbeitsplatz.de/fileadmin/user_upload/PDF/10_Fachstelle/05_BS_Wortschatzarbeit_Web.pdf) kostenlos herunterladen.
# Phasen der Wortschatzarbeit

Bei der Wortschatzarbeit findet man je nach Autor unterschiedlich viele Phasen.
Ich unterscheide im Folgenden vier Phasen:
* **Einführungs-Phase: Wörter kennenlernen und klasifizieren**
Der Wortschatz wird präsentiert. Im Idealfall - und vor allem wichtig für die niedrigeren Niveaus - bringen Sie hier Anschauungsmaterial mit, zum Beispiel Badartikel (Deo, Bürste, Handtuch) oder Bilder (Einkaufsblättchen zum Thema Lebensmittel)
Dann erfolgt eine erste Phase, in der die Wörter genannt und ggf. notiert werden. Als nächstes sollten die Lernenden Zeit erhalten, um sich in Ruhe mit dem Wortschatz auseinandersetzen zu können. Hier eignen sich kleine Aufgaben, wie zum Beispiel den **Wortschatz Lebensmittel** nach bestimmten Fragestellungen zu sortieren:
- [ ] Was essen Sie gerne, was nicht?
- [ ] Was ist gesund, was nicht?
- [ ] Was finden Sie in der Gemüse-/Tiefkühl-/Käseabteilung?
- [ ] ...
Wenn Sie Wortschatz einführen, nennen Sie bitte immer auch den **Artikel** und, wenn schon bekannt die **Pluralform**!
* **Übungsphase: Einfache gelenkte Aufgaben**
In einer ersten Übungsphase sollten die Lernenden leichte Aufgaben bekommen, die es erlauben, dass der Hauptfokus nach wie vor auf dem Wortschatz liegt.
Beispiele hierfür wären:
- [ ] einen Einkaufszettel schreiben
- [ ] einfache Dialoge: "Haben wir noch...?" "Nein, ... haben wir nicht mehr."
- [ ] Collage mit Lieblingslebensmitteln
- [ ] Lebensmittelbingo
- [ ] ...
* **Übungsphase: Freies Anwenden**
In einer zweiten Phase schließen sich freiere und schwerere - gerne auch kreative - Übungen an.
- [ ] Rezepte plus Einkaufsliste schreiben
- [ ] eine Party planen
- [ ] Einkaufsdialoge spielen
- [ ] Lese-/Hörverstehensaufgaben aus dem Buch
- [ ] ...
* Wichtig aber oft veregssen: **Wiederholung von Wortschatz**
Um Wortschatz wirklich zu verankern ist es notwendig, diesen zu wiederholen. Sehr schön eignen sich hier spielerische Aktivitäten wie zum Beispiel Schüttelwörter:
- [ ] Schreiben Sie die Wörter als Schüttelwörter (Buchstaben verdreht) an die Tafel und lassen Sie Ihre Lernenden raten!
- [ ] Wortgitter
- [ ] Tabus
- [ ] Montagsmaler
- [ ] ...
# Internetressourcen
Hier finden Sie Tools zur Vorbereitung Ihres Unterrichts:

* [Wortwolken](https://www.wortwolken.com/) sind einfach zu erstellen und motivierender als die altbekannten Wortlisten. Wortschatz kann hiermit wiederholt oder eingeführt werden.
* [Wortsuchgitter](https://www.suchsel.net) eignen sich gut zur Wiederholung von Wortschatz.
* Immer lustig: [Bingokarten](https://myfreebingocards.com/bingo-card-generator) selbst erstellen und mit dem ganzen Kurs spielen. Hier eventuell einen kleinen Preis (Schokoriegel o.ä.) bereits halten.
* [Triminos](https://paul-matthies.de/Schule/Trimino.php) selbst erstellen. Lernende können sie eigenständig im Unterricht üben und sind nicht auf die Kontrolle durch die Lehrkraft angewiesen.
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## Kontakt
Bei Fragen und Rückmeldungen wenden Sie sich bitte an
(c) Sonja Lux | Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung | [lux@zww.uni-mainz.de](mailto:lux@zww.uni-mainz.de)
