--- title: Erhaltung und Förderung der Hautintegrität tags: Context Yellows --- :::spoiler **Linksammlung** {%hackmd PVz8QdxJSb2Gx9nKtrb2Ug %} ::: --- :::spoiler **Erläuterung der Farben** {%hackmd rmtZrl13Q9qizSgBPU4QMw %} ::: --- # Erhaltung und Förderung der Hautintegrität ## Einführung ### Slide 1.1 Die Haut ist unser größtes Organ und erfüllt viele lebenswichtige Funktionen. Sie schützt uns vor Krankheitserregern, Verletzungen und Flüssigkeitsverlust. Doch gerade bei Pflegebedürftigen ist dieses Schutzschild oft beeinträchtigt. In diesem Modul möchten wir uns intensiver mit diesem Thema beschäftigen. ### Slide 1.2 Eine aktuelle Studie in deutschen Pflegeheimen zeigt, wie verbreitet Hautprobleme sind: - 95% der Bewohner litten unter trockener, schuppiger Haut - 35% unter schmerzhaften Entzündungen in Hautfalten (Intertrigo) - 21% unter Inkontinenz-bedingten Hautschäden - 10% unter Rissen in der Haut - 8% unter Druckgeschwüren (Dekubitus) ### Slide 1.3 Besonders gefährdet sind Babys und Kleinkinder, ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen sowie bettlägerige und inkontinente Patienten. Hautprobleme beeinträchtigen nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. ### Slide 1.4 In diesem Kurs lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie - Risikofaktoren und Anzeichen für Hautschäden erkennen - die Haut schonend reinigen und pflegen - Maßnahmen auf den individuellen Pflegebedarf abstimmen - Betroffene und Angehörige informieren und beraten ## Informationssammlung ### Slide 2.1 Zu Beginn der Pflege steht die Erstbewertung der Haut. Hierbei wird eine grundlegende Einschätzung der Hautbeschaffenheit durchgeführt, die den Hauttyp, den Zustand und eventuelle Auffälligkeiten umfasst. Diese Informationen sind entscheidend für die Planung der weiteren Pflegeschritte. Wichtige Beurteilungskriterien: - **Hautfarbe**: Die Hautfarbe kann variieren von rosig bis livide und gibt Hinweise auf die Durchblutung und mögliche Zirkulationsstörungen. - **Hautzustand**: Ist die Haut trocken, feucht, oder weist sie Anzeichen von Schädigung wie Rissigkeit oder Mazeration auf? - **Hauttrugor**: Die Elastizität der Haut, beispielsweise geprüft durch das Anheben einer Hautfalte, gibt Aufschluss über den Hydratationszustand. - **Hautveränderungen**: Narben, Ekzeme, Wunden, und andere Veränderungen müssen erfasst werden, um den spezifischen Pflegebedarf zu bestimmen. ### Slide 2.2 **Vertiefte Einschätzung** Nach der Erstbewertung folgt eine vertiefte Untersuchung, wenn Hautprobleme bereits erkennbar sind oder aufgrund der Patientengeschichte nicht ausgeschlossen werden können. In diesem Schritt werden spezifische Risikofaktoren und die genauen Hautbedingungen der zu pflegenden Person detaillierter analysiert. Aspekte der vertieften Einschätzung: - Screening auf Risikogruppen: Gehört die Person zu einer Risikogruppe wie Ältere, Diabetiker, oder Personen mit eingeschränkter Mobilität? - Familien- und Eigenanamnese: Gespräche mit Angehörigen und die Person selbst über bisherige Hautprobleme und Behandlungen. - Hautinspektion: Eine gründliche Untersuchung des ganzen Körpers, einschließlich schwer zugänglicher Bereiche wie Zehenzwischenräume und Hautfalten. - Ernährungs- und Hygieneverhalten: Die Pflegekräfte erheben Informationen über die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie das Hygieneverhalten, da diese Faktoren wesentlich zur Hautgesundheit beitragen können. ### Slide 2.3 Frau Schmidt ist eine 82-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims, die an Diabetes mellitus leidet und eine chronische venöse Insuffizienz hat. Ihre Haut ist besonders an den Unterschenkeln trocken und neigt zu Ulzerationen. Was denkst du - welche Risikofaktoren für trockene Haut hat Schmidt? - Hohes Alter trocknet die Haut aus - Manche Medikamente können die Haut angreifen - Diabetes begünstigt trockene Haut - Zu häufiges Waschen mit heißem Wasser schadet ## Maßnahmeplan ### Slide 3.1 Basierend auf den gesammelten Informationen entwickelt die Pflegefachkraft Robin zusammen mit der pflegebedürftigen Person einen detaillierten Plan, der folgende Punkte umfasst: - Identifizierung der Hautprobleme: Spezifizierung der Hautzustände, die behandelt werden müssen, wie Trockenheit, Rissigkeit oder Infektionsgefahr. - Festlegung von Pflegezielen: Klare, messbare Ziele, wie die Verbesserung der Hautfeuchtigkeit, die Heilung von Hautrissen oder die Prävention von weiteren Hautschäden. - Auswahl geeigneter Pflegemittel: Bestimmung der Hautreinigungs- und Pflegemittel, die auf den Hauttyp und den Zustand der Haut abgestimmt sind. Hierbei sind Aspekte wie der pH-Wert und der Fettgehalt der Produkte zu berücksichtigen. - Anleitung zur Hautreinigung und -pflege: Detaillierte Anweisungen, wie und wann die Haut gereinigt und gepflegt werden soll, unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und der Häufigkeit der Anwendung. - Überwachung und Anpassung: Regelmäßige Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen und gegebenenfalls Anpassung des Plans. ### Slide 3.2 Für Frau Schmidt werden folgende Maßnahmen entschieden: **Identifizierung der Hautprobleme:** - Trockene Haut an den Unterschenkeln - Risiko für Ulcus cruris aufgrund der venösen Insuffizienz **Festlegung von Pflegezielen:** - Erhaltung der Hautfeuchtigkeit - Prävention von Hautulzerationen - Intakte, geschmeidige Haut **Auswahl geeigneter Pflegemittel:** - pH-hautneutrale Reinigungsmittel für die tägliche Reinigung - Hochwertige, fettreiche Cremes für die Beine, die Urea enthalten **Anleitung zur Hautreinigung und -pflege:** - Tägliches Waschen der Füße und Beine am Abend, nachdem Kompressionsstrümpfe entfernt wurden - Anwendung der Creme auf den Unterschenkeln, wobei die Zehenzwischenräume ausgespart bleiben **Überwachung und Anpassung:** - Regelmäßige Überprüfung der Haut durch die Pflegefachkraft, um den Zustand zu bewerten und den Pflegeplan bei Bedarf anzupassen - Bei Bedarf monatliche Konsultation mit dem behandelnden Arzt, um den Fortschritt zu überwachen und weitere medizinische Maßnahmen zu koordinieren ### Slide 3.3 **Hinweise zur Hautpflege** Nach der Reinigung die Haut eincremen (bei trocken, rissiger Haut mindestens zweimal täglich). Pflegefachkraft prüft, ob für den Hauttyp geeignete Hautpflegemittel verwendet werden. **Xerosis cutis** trockene, evtl. auch schuppige Haut, die stark jucken kann. - Sparsamer Umgang mit Wasser, z. B. nur selektiv Achseln, Hautfalten und Genitalbereich mit Wasser waschen. Reinigungstücher bei ausgeprägter Xerosis cutis (Waschen ohne Wasser) verwenden. - Lipophile Hautmittel zum Verbleib auf der Haut einsetzen, Feuchthaltefaktoren wie Urea oder Laktat können die hautschonende Wirkung verstärken. Bei Diabetes mellitus (häufig Xerosis cutis an den Füßen): - Tägliche Hautinspektion der Füße, - nach dem Waschen die Füße und Zehenzwischenräume sorgfältig abtrocknen, - Füße täglich eincremen (Zehenzwischenräume dabei aussparen), - Fußbäder nur kurz und in lauwarmen Wasser. Bei chronisch venöser Insuffizienz: - Füße und Beine abends waschen, wenn Kompressionstrümpfe zur Nacht abgelegt werden - pH-hautneutralem Produkte zur Hautreinigung - Beine eincremen, - Sollen die Strümpfe wieder angezogen werden etwa 10 Minuten warten bis die Creme eingezogen ist. **Inkontinenz-assoziierte Dermatitis** Entzündete Haut durch häufigen Kontakt mit Urin oder Stuhl. - Haut im Genitalbereich mit weichen Materialien behutsam reinigen, ohne zu reiben; - Stuhlreste und eingetrocknete Verschmutzungen mit feuchtem Tuch oder Einmalwaschlappen anfeuchten und etwas warten (einweichen), bevor sie ohne mechanische Belastung entfernt werden können. Kot lässt sich auch gut mit öligen Substanzen entfernen - lauwarmes Wasser und pH-hautneutrale Reinigungsmittel nutzen (pH-Wert < 7), - Einmalwaschlappen sind aus hygienischen Gründen zu bevorzugen. - Inkontinenzmaterialien regelmäßig wechseln, um Belastung der Haut durch Urin und Stuhl zu minimieren; möglichst Materialien mit Superabsorber nutzen, die über hohe Aufnahmefähigkeit und gute Aufnahmekapazität verfügen. - Schützende Hautmittel zum Verbleib auf der Haut verwenden, um dem schädigenden Einfluss von Ausscheidungen vorzubeugen; - auf visköse Pasten wie Zinkpaste möglichst verzichten oder sehr sparsam einsetzen (erschweren adäquate Hautbeobachtung, sind schwer zu entfernen, verkleben Vliesschicht von Inkontinenzmaterialien). **Windeldermatitis** Entzündung der Haut durch Kontakt mit Urin und Stuhl und Windeln. - Regelmäßiges Wechseln der Windeln bei Neugeborenen spätestens alle drei bis vier Stunden. - Lipophile Hautmittel zum Verbleib auf der Haut verwenden, die für Neugeborene und Säuglinge deklariert sind. **Intertrigo** Eine rote, nässende Entzündung der Haut. Ursache: feuchte Hat, die aneinander reibt und die aller oberste Hautschicht ablöst. z. B. bei Harninkontinenz, starkem Schwitzen oder durch Reibung, und in Hautfalten. Verursacht brennen und jucken. - Reinigung mit lauwarmem Wasser und weichen (Einmal-) Waschlappen. - keine oder „milde“ Hautreinigungsmittel verwenden; - Haut zum Trocknen mit weichem Tuch trocken tupfen. - Direkten Haut-zu-Haut-Kontakt vermeiden - durch Einlegen von Leinenstoffstücken, weichen Vlieskompressen, Baumwolltextilien und in die Hautfalten; Ei lagen sollen Trocken sein, deshalb ggf. mehrmals am Tag kontrollieren und bei Durchfeuchtung wechseln - durch Wahl der Kleidung, Kleidung z. B. BHs aus Baumwolle oder Baumwollhemd unter dem BH anziehen, enganliegende Unterhosen oder Pyjamas, - Schwitzen vorbeugen durch vermeiden zu warme Kleidung, atmungsaktive Kleidung wählen. **Skin Tears (rissige Haut), Pergamenthaut** - Die sehr empfindliche Haut sehr vorsichtig reinigen und trockentupfen, waschen mit lauwarmem Wasser oder Einmaltüchern („no rinse“), wenn Reinigungsmittel genutzt werden, dann solche mit neutralem oder saurem pH-Wert (5-7) - Auf klebende Verbandmittel und -fixierungen verzichten, stattdessen silikonbeschichtete Verbandmittel nutzen, die sich atraumatisch entfernen lassen, alternativ Schlauchverbände in Erwägung ziehen - Sichere Umgebung herstellen, z. B. durch Abpolstern von Ecken und Kanten, ausreichende Beleuchtung - Sehr vorsichtiges Handling bei pflegerischen Maßnahmen, langärmelige und langbeinige Kleidung tragen, Extremitäten ggf. durch Schienbein- oder Armschoner schützen, auf scharfkantigen Schmuck oder lange Fingernägel verzichten ## Angehörige beraten und anleiten Beratungsschritte: Aufklärung über Risikofaktoren: Die Familie wird über die Bedeutung der Hautpflege bei eingeschränkter Mobilität informiert, insbesondere über das Risiko von Druckgeschwüren. Anleitung zur Hautinspektion: Die Pflegekräfte zeigen, wie die Haut täglich auf Rötungen, Trockenheit oder andere Anzeichen von Problemen untersucht wird. Demonstration von Hautpflegetechniken: Es wird gezeigt, wie Hautpflegeprodukte sanft aufgetragen und verteilt werden, um Irritationen zu vermeiden. Anpassung der Schlafpositionen: Anleitung zur regelmäßigen Änderung von Herrn Webers Position, um Druckstellen zu vermeiden.