# 10 oder mehr Gründe, warum ich nicht promoviere von [@joerglohrer](https://twitter.com/joerglohrer) # 1. Jetzt ist die Zeit für ganz andere(s) und sie kommt nicht noch einmal. ![](https://i.imgur.com/XsfXq3y.jpg) Die Bereitschaft, Abende, Nächte, Wochenenden, Freizeit und sogar Urlaubstage in ein Dissertationsprojekt zu investieren ist ungleich schwerer aufrecht zu erhalten, wenn kleine Menschen, Freundschaften und die große Liebe zurückstehen müssen. Es scheint im Leben ohnehin immer wieder kairoi zu geben, die nach Entscheidungen verlangen und man spürt doch recht genau, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ob alle Intentionen zu mehr oder weniger Stimmigkeit führen. Nun gilt es liebgewonnene alte Pläne und Selbstentwürfe loszulassen und auch schmerzhaft Abschied zu nehmen von diesem schönen Projekt, damit wieder Neues werden kann. > **Es ist Zeit** Wenn sich in dir alles zubereitet, wenn der Ton stimmt, der durch deine Knochen und Innereien zieht, wenn dir Worte wie Offenbarungen kommen, wenn es klingelt und jemand sagt: Ja, du, ich will auch, ich will; wenn im Blick nach rechts und links deine Sicherheit nicht ganz verschwindet, wenn deine anderen Pläne wie verjährte Anklagen von dir abfallen, wenn deine Hände und Füße anfangen zu denken, wenn du dich leuchten spürst, wenn alte Ketten zu Luft werden, wenn man dich fragt und du dich wunderst, dass man dich fragt, wenn dir aufgeht, dass du schon mal hier warst, wenn du keinen anderen Weg mehr siehst als den unbegangenen, wenn dein Körper in seiner Energie summt, wenn du willst, willst, willst, wenn auch mit Angst, dann ist es Zeit: Nimm dich ernst. Werde einseitig. Nimm Abschied. Aber mach es kurz, sonst bleibst du. Hier wird nichts klarer. Mehr wirst du nur sehen, wenn du losgehst, weil alles andere hinter der Krümmung der Erde liegt. Geh doch los. > > *[Ulrich Schaffer - Es ist Zeit](https://www.facebook.com/299649540068051/photos/es-ist-zeitwenn-sich-in-dir-alles-zubereitetwenn-der-ton-stimmtder-durch-deine-k/918619388171060/)* --- # 2. Totholz ist tot. ![](https://i.imgur.com/IxGoqn8.jpg) Wir befinden uns an der Schwelle zur [nächsten Gesellschaft](https://catjects.wordpress.com/2013/02/09/16-thesen/) und leben schon heute in einer [Kultur der Digitalität](https://netzpolitik.org/2016/rezension-kultur-der-digitalitaet-von-felix-stalder/). Meine Wissenschaft arbeitet mit Hyperlinks statt Fußnoten. Audio, Video, Bild, Programmiersprachen, Funktionen und Algorithmen lassen sich nicht verknüpfen im Buchdruck. Ganz zu schweigen von der Unzugänglichkeit von Druckprodukten erscheint auch der Herstellungsprozess öde. Die Vielfalt zu reduzieren um ein lineares und hierarchisch gegliedertes Buch zu schreiben mag zunächst entlastend wirken und zur Komplexitätsreduktion beitragen, der Spielspaß und Forschungsdrang bleibt mir dabei jedoch auf der Strecke. Heterarchische Organisationsformen zu entwickeln, Kommunikationsmöglichkeiten zu erproben und sich selbst in der Öffentlichkeit immer wieder neu zu erfinden erscheint lebendiger. --- # 3. Schnecken der Serendipität ![](https://i.imgur.com/yh9aLYV.png) Scheinbare Zufälligkeiten und unvorhersehbare Resonanzen fordern den Forschergeist heraus. Die Mechanismen erfolgreicher Netzaktivitäten zu ergründen und zu erproben und dabei zu lernen, wie beispielsweise Datenvisualisierung, maschinelles Lernen oder Webanalyse funktionieren oder wie sich Beteiligungsstrategien entwickeln lassen - das ist es was mir Freude macht. Und eben nicht Grounded Theory --- # 4.