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# Musik vermitteln
Berufsbezogenes Schreiben in der Musikwissenschaft für Konzert-Programmhefte und das Netz
*[bezieht sich auf dieses [CfP](https://www.soziopolis.de/fileadmin/Editorial/Calls/CfP_Schreiben_publikationsorientiert_lehren_31.03.21.pdf)]*
## Einleitung
Schreiben für die Öffentlichkeit ist in vielen geistes- und
kulturwissenschaftlichen Berufen fester Bestandteil der Tätigkeit. In der
Musikwissenschaft gehört zu den schreibintensiven Berufen die
Konzertdramaturgie. Konzertdramaturginnen und -dramaturgen obliegt es, dem
Publikum Musik zu vermitteln, zu einem großen Teil geschieht diese Vermittlung
mit Hilfe von Texten. Konzertdramaturg:innen schreiben oder verantworten
Programmhefte mit Einführungen zu Werken, die in Konzerten erklingen.
An diese berufliche Perspektive knüpft das Projekt *Konzertdramaturgie –
Schreiben für den Ernstfall* an, das am Institut für Musikwissenschaft der
Goethe-Universität Frankfurt am Main seit 2010 kontinuierlich zum
Studienangebot gehört. Studierende verfassen zu öffentlichen Konzerten
Einführungstexte, die in den Programmheften publiziert werden. Neben dem
Einblick in ein mögliches Berufsfeld soll das Projekt vor allem die
Schreibkompetenz der Teilnehmenden fördern. Das Projekt *Konzertdramaturgie*
soll in diesem Beitrag vorgestellt werden als ein Beispiel für
publikationsorientierte Schreibdidaktik.
Neben das Schreiben für gedruckte Programmhefte trat im Jahr 2020 das Schreiben
für das Netz. Was zunächst den Umständen der Covid-19-Pandemie geschuldet war,
entwickelte sich zu einer willkommenen inhaltlichen Bereicherung insofern, als
das Schreiben unter den Bedingungen des Internets ein zusätzlicher Bestandteil
des Projekts wurde.
Die Darstellung des Projekts *Konzertdramaturgie* wird, so hoffe ich, über die
Grenzen des Faches Musikwissenschaft hinaus auch für andere Disziplinen anregend
sein: für andere Kulturwissenschaften vor allem, in denen Kulturvermittlung
schreibend geschieht, aber auch für Wissenschaften darüber hinaus, in sofern
Elemente der Schreibdidaktik und der Organisation im Kontext
publikationsorientierter Schreibdidaktik erörtert werden. Die Darstellung beruht
primär auf den Erfahrungen mit Konzept und Durchführung aus der Perspektive der
Projektleitung.
Zunächst werde ich die Textsorte und Publikationsform des Programmhefttextes
reflektieren und darstellen, welche Anforderungen sich daraus für die
Schreibenden ergeben. Weiter unten gehe ich auch auf die Besonderheiten des
Schreibens für das Netz ein. Ich erkläre die Grundidee und den organisatorischen
Rahmen des Projekts *Konzertdramaturgie* sowie die eingesetzten
schreibdidaktischen Elemente. Ich diskutiere Gelingensbedingungen, Chancen und
Herausforderungen und frage schließlich nach Perspektiven der konzeptionellen
Weiterentwicklung und der Übertragbarkeit auf andere Fächer.
## Textsorte *Programmhefttext*
Der Programmhefttext ist ein Genre mit spezifischer Tradition und relativ
eng abgegrentzen Rezeptionskontext. In Konzerten klassischer Musik ist es
üblich, dass begleitend zum Konzert Broschüren produziert werden, die über den
Programmablauf und die ausführenden Musiker:innen informieren sowie einführende
Texte zu den gespielten Werken enthalten. Einführungstexte in Programmheften
sind verwandt, aber wegen der unterschiedlichen Rezeptionssituation nicht
identisch mit Werkeinführungen etwa in Konzertführern.
Der Programmhefttext ist einerseits ein im Alltag des klassischen Musiklebens
fest verankertes Gebrauchs-Genre. Er erfülle, so die Dramaturgin und Autorin
Stefanie Wördemann, ein "Grundbedürfnis vieler Musikfreunde" (Wördemann
2005:274). Denn "Einblicke in die Entstehungsumstände von Musik sowie in ihre
Rezeptionsgeschichte können wertvolle Anregungen zum Hören [...] geben."
(Wördemann 2005:275)
Die implizite Annahme jedoch, dass Information förderlich oder gar notwendig für
adäquate und differenzierte Sinneswahrnehmung oder das Verständnis von
Kunstwerken sei, erscheint als allzu eindimensional. Der Einfluss von
Information auf die Musikwahrnehmung ist zwar belegt, wirkt sich jedoch in
verschiedenen Dimensionen aus und ist nicht eindeutig vorhersagbar (vgl.
Fischinger 2018 oder Bennett 2018).
Zudem ist der Programmhefttext in seiner kommunikativen und sozialen Funktion
durchaus mehrdeutig, wie etwa Christiane Tewinkel (Tewinkel 2016) oder Christian
Thorau (Thorau 2007) gezeigt haben. Thorau arbeitet die historischen Ursprünge
des Genres in der bürgerlichen Musikkultur des 19. Jahrhunderts heraus, in der
die Tendenz zur "Unterordnung des Musikalischen unter das Sprachliche" eine
Entstehungsbedingung für Erläuterungstexte gewesen sei. Tewinkel erkennt in
"Aspekte[n] der sozialen Distinktion eine Leitfunktion für die Übermittlung von
Wissen über Musik im Konzertalltag" (Tewinkel 2016:53).
<!-- tewinkel16 -->
<!-- historische Änderungen in Programmhefttexten: zuletzt allgemeinverständlicher, "Konkurrenzerlebnis" zum Musikhören -->
<!-- neue Bewegung: Konzerte ohne Programmhefte -->
<!-- Schlussfolgerung: Ph ist Signal, dass das "Konzert mit einem gewissen Bildungsanspruch einhergeht", hat "Sekundärfunktionen" -->
<!-- Mit der Suche nach neuen Formen und Formaten des Konzerts entstehen neue Formen -->
<!-- der Musikvermittlung, die die Funktion des traditionellen Programmhefttextes -->
<!-- mehr und mehr übernehmen. Zu ihnen gehören mündliche Einführungen, Gespräche mit -->
<!-- den Künstlern vor dem Konzertpublikum oder die Begleitung von Konzerten auf -->
<!-- Social Media. -->
Trotz dieser grundsätzlichen Problematik bleibt der Programmhefttext ein
etabliertes Medium der Musikvermittlung und bietet die Chance, mit Texten bei
Rezipient:innen Wirkungen zu erzielen. In diesem Sinne steht er im Projekt
Konzertdramaturgie im Zentrum der Arbeit. Ziel der Schreibdidaktik im Projekt
ist daher nicht nur die Aufbereitung und Vermittlung musikwissenschaftlicher
Fachkenntnis. Die Studierenen sollen vielmehr auch textrhetorisches Arbeiten
einüben, die Adressatenorientierung, ihre Wirkungsabsichten und die adäquate
sprachliche Gestaltung ihrer Texte reflektieren. Vor diesem Hintergrund basiert
die Schreibarbeit im Projekt auf den folgenden Grundannahmen:
+ Der Programmhefttext soll nicht nur informieren oder ein Bildungsbedürfnis
befriedigen, sondern zum ästhetischen Erlebnis im Konzert beitragen.
+ Er soll in einer Situation rezipierbar sein, die nicht frei von Ablenkung ist
-- typischerweise in den Minuten vor dem Beginn des Konzerts. Daraus ergibt
sich etwa die Forderung nach verständlicher Textgestaltung.
+ Er soll verständlich und attraktiv auch für solche Lesende sein, die nicht
über musikalisches Fachwissen verfügen.
+ Da er ein positives Musikerlebnis unterstützen soll, drückt der Text eine
positive Grundhaltung zum Werk aus. Dies unterscheidet ihn etwa vom Genre der
Musikkritik. Außerem spricht er nicht nur aus sich selbst, sondern nimmt Bezug
auf die hörende Rezeption der Musik.
Im Gegensatz zu universitären Sach- oder argumentativen Texten, die Studierende
regelmäßig im Studium verfassen, stehen daher die Kritierien er Verständlichkeit
und Attraktivität stärker im Vordergrund. Die Texte sollen bewusst nicht nur
informieren, sondern die Erwartungen, die Haltung und die Emotionen der Lesenden
gegenüber der Musik ansprechen. Dennoch geben die Texte ihren wissenschaftlichen
Anspruch nicht preis. Denn sie müssen auf genauer und zuverlässiger Kenntnis der
behandelten Werke beruhen, auf stimmiger und fundierter Hermeneutik. Auch wenn
keine Fachsprache angestrebt wird, müssen musikalische Begriffe sicher und
präzise verwendet werden. Musikalische Sachverhalte sollen nicht nur
beschrieben, sondern auch reflektiert werden.
<!-- Im Sinne der Wirkungsabsichten in der klassischen Rhetorik (docere – movere – -->
<!-- delectare; vgl. Schlüter 1974:22) haben -->
<!-- Programmhefttexte damit primär Überzeugungsfunktion, jedoch im Sinne einer -->
<!-- Einflussnahme auf die Haltung und das ästhetische Erleben der Lesenden, sie sollen nicht von einer -->
<!-- bestimmten Sichtweise der Autorin überzeugen oder zu einer Handlung bewegen. -->
<!-- https://de.wikipedia.org/wiki/Officia_oratoris -->
<!-- ### Gegenstand Musik -->
Die Arbeit an Programmhefttexten hat daher neben der Förderung der sprachlichen
und textrhetorischen Kompetenz durchaus eine Funktion für die Entwicklung
fachlicher Fähigkeiten.
<!-- Denn Musik schreibend zu vermitteln bedeutet auch, sich -->
<!-- intensiv gedanklich mit dem Gegenstand auseinanderzusetzen. Zwar richten sich -->
<!-- die im Projekt verfassten Texte an eine nicht-fachliche Leserschaft und erheben -->
<!-- nicht den Anspruch wissenschaftlicher oder akademischer Arbeiten. Dennoch -->
<!-- erfordern sie von den Schreibenden das Reflektieren musikalischer Sachverhalte. -->
Auch beim populärwissenschaftlichen Schreiben dürfte gelten, was Katrin
Girgensohn und Nadja Sennewald zu schreibintensiven Seminaren resümieren:
"Studierende [schreibintensiver Seminare] setzen sich gründlicher mit den
Inhalten auseinander – sowohl im Seminar selbst als auch außerhalb des
Seminarraums." (Girgensohn/Sennewald 2012: 60)
Das Verfassen von Programmhefttexten bilden die Grundlage des Projekts. Die
Grundgedanken und die Organisation der Arbeit sollen zunächst in diesem Kontext,
hinsichtlich der Bedingungen der Programmheftproduktion, beschrieben werden.
Weiter unten greife ich dann die Besonderheiten des Schreibens von Onlinetexten
auf.
## Organisation, Textproduktion, Methodik
### Ursprünge, Einbettung in die universitäre Lehre
Im Jahr 2010 hat Prof. Dr. Marion Saxer das Projekt *Konzertdramaturgie* am
Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt ins Leben
gerufen. 2012 übernahm Dr. Jochen Stolla die Leitung.
Das Projekt war von Beginn an ein nicht-kurrikulares Studienangebot. Die
Autor:innen können sich die Mitarbeit im Projekt nicht als Studienleistung
anrechnen lassen. Stattdessen wird sie finanziell honoriert. Für diese Honorare
und für die Durchführung, die nicht auf einem regulären Lehrauftrag beruht,
werden Fördermittel eingeworben. Zurzeit wird das Projekt von der Frankfurter
Cronstetten-Stiftung gefördert.
Die Honorierung der Autor:innen hat zudem die Funktion, den professionellen
Charakter der Arbeit zu unterstreichen, wie er auch im Untertitel des Projekts,
"Schreiben für den Ernstfall", angedeutet ist. Das Schreiben für eine
Öffentlichkeit, also nicht ausschließlich für Personen, die der Schreiberin
bekannt sind, sowie die zwingende Einhaltung terminlicher Vorgaben, tragen
ebenfalls zu diesem professionellen Charakter bei. Dieser wiederum dürfte sich
positiv auf die Motivation der Studierenden auswirken und deren Anspruch an sich
selbst, qualitativ hochwertige Texte zu produzieren.
Schreibanlässe bilden öffentliche Konzerte. In der Anfangsphase waren dies
Veranstaltungen der Hochschule für Musik und Darstellende (HfMDK) Kunst
Frankfurt am Main. Studierende der Musikhochschule präsentieren ihr Können
regelmäßig in öffentlichen Konzerten, daneben veranstaltet die Hochschule
Konzerte von Lehrenden und konzipiert spezielle Konzertreihen wie etwa die Reihe
"shortcuts". Vermittelt durch das Künstlerische Betriebsbüro der HfMDK
übernehmen die Autor:innen Aufträge, Texte für Programmhefte zu verfassen. Die
Zusammenarbeit mit der HfMKD hat zudem die Funktion, Studierende der
Musikwissenschaft mit der praktischen künstlerischen Arbeit an der
Musikhochschule in Kontakt zu bringen.
Nach und nach wurden weitere Kooperationen mit Konzertveranstaltern aufgebaut.
So entstanden und entstehen Texte für den Hessischen Rundfunk
(hr-Sinfonieorchester), das Rheingau Musik Festival, der Universitätsmusik der
Goethe-Universität, dem Archiv Frau und Musik sowie dem Frankfurter
Tonkünstlerbund.
### Organisation der Textproduktion
Der erste Schritt im Organisationsprozess ist die Akquise von Schreibaufträgen.
Die Konzerveranstalter machen Angebote für mögliche Beiträge, aus denen die
Studierenden auswählen. Die Angebote werden auf einer gemeinsam einseh- und
nutzbaren Tabelle auf einer Onlineplattform (Google Docs) zusammengestellt.
Jede:r Autor:in schreibt in der Regel ein bis drei Texte im Semester. Aus den
Abgabeterminen, die sich aus den Konzertterminen und den redaktionellen Abläufen
beim Veranstalter ergeben, resultiert die Zeitplanung für den Schreibprozess und
die Produktion der einzelnen Texte. Da die Texte über einen etwa dreiwöchigen
Zeitraum kollaborativ überarbeitet werden (s. u.), müssen die Schreibaufträge
mit einigen Wochen Vorlauf geplant werden. Zwischen dem Angebot für einen
Schreibauftrag und der Abgabe des Textes liegen in der Regel mindestens sechs
Wochen.
Layout und Produktion der Programmhefte sind nicht Bestandteil der
Projektarbeit, diese Aufgaben bleiben beim Veranstalter, nachdem die fertigen
Texte übergeben sind.
### Schreibdidaktische Elemente
Die Textproduktion und die Förderung der Schreibkompetenz wird durch
verschiedene Lern- und Arbeitsformen unterstützt.
Eine wesentliche Rolle spielt Feedback. Nachdem die Autor:in in individueller
Arbeit eine Erstfassung vorgelegt hat, folgen zwei Phasen der Rückmeldung und
der kollaborativen Überarbeitung. In der ersten Phase arbeitet die Autorin mit
einem studentischen Partner zusammen, in der zweiten Phase wird der Text im
Dialog mit dem Projektleiter oder einer anderen betreuenden Person (einer
studentischen Mitarbeiter:in) weiter
bearbeitet. Für die beiden Phasen sind jeweils zehn Tage anberaumt.
Auch wenn es den Beteiligten freisteht, sich zur Besprechung eines Textes zu
treffen, erfolgt dennoch in aller Regel die gemeinsame Arbeit am Text asynchron
mit Hilfe von Onlineplattformen. Die Verwendung einer bestimmten Plattform ist
dabei nicht vorgegeben. Im Projekt wurde bisher vorwiegend gearbeitet mit
Google-Dokumenten, Etherpad und dem Markdown-Editor *hackmd.io*.
Der Autor stellt seine Erstfassung dort online bereit und sendet seinen
Arbeitspartner:innen Freigabelinks. Das Feedback und die Diskussion der Texte
findet sodann auf verschiedenen Ebenen statt. Die Partner können direkt im Text
Änderungen vornehmen oder vorschlagen, sie können die Kommentarfunktion nutzen
oder übergeordnete Anmerkungen zum Text per E-Mail austauschen. Ein Vorzug der
Arbeit auf Online-Plattformen ist die Transparenz: Auch andere Personen als die
gerade aktiven sehen den aktuellen Bearbeitungsstand und können die Diskussionen
nachvollziehen. Die Freigabelinks werden mit allen am Projekt Beteiligten
geteilt – wobei sich in der Praxis zeigt, dass sich Personen außerhalb der
jeweiligen Arbeitspartnerschaft nur selten am Diskurs beteiligen. Wichtig ist
diese Transparenz besonders für die Arbeit in der zweiten Phase, indem der
Dozent sich ein Bild über vorausgegangene Prozesse machen kann. Auch das
synchrone gemeinsame Arbeiten an einem Online-Text, das auf allen gängigen
Plattformen möglich ist und etwa während eines Telefonats geschehen kann, wird
kaum praktiziert.
Neben dem schriftbasierten Feedback mittels Kommentaren, Änderungsvorschlägen und
E-Mails hat sich in den letzten Semestern ein weiteres Medium etabliert: das
Textfeedback via Video. Als Betreuer setze ich Videos regelmäßig ein, um mein erstes
Feedback auf einen Text zu geben, nachdem die erste, rein studentische
Überarbeitungsphase beendet ist. Für das Video zeichne ich den Bildschirminhalt
meines Computers auf, der den zu besprechenden Text anzeigt, und gesprochenen
Kommentar. (Einzelheiten zum Vorgehen habe ich in einem Video dargestellt, vgl.
Stolla 2021.) Gerade weil bei einem ersten Feedback "Higher Order
Concerns" im Vordergrund stehen wie Aufbau, inhaltliche Ausrichtung oder
Sprachebene, ist das Video als mündliches Medium in dieser Phase ein besonders geeignetes Mittel.
Übergreifende Anmerkungen zu einem Text, lassen sich mündlich
mit weniger Mühe ausdrücken als in einem geschriebenen Kommentar. Die
Studierenden ihrerseits haben rückgemeldet, dass sie die gesprochenen Anmerkungen im
Video meist gut annehmen und verarbeiten können. (Ähnliche Erfahrungen hat
Philippe Wampfler gemacht: Wampfler 2020.)
Die individuelle und kollaborative Arbeit am zu publizierenden Text bildet für
die Beteiligten den wesentlichen Teil der Projektarbeit. Dies gilt sowohl für
den Zeitaufwand als auch für die Bedeutung, die die Studierenden dieser Arbeit
beimessen. Dennoch berücksichtigt die Konzeption des Projekts auch die Aspekte
der Schreibprozesssteuerung und der Berufsorientierung.
Fragen der Textplanung, des Schreibprozesses und die Reflexion stilistischer
Grundsätze sind Inhalte von jeweils zwei Seminarsitzungen, die pro Semester
zusätzlich zur begleiteten Textarbeit angeboten werden. Vorbereitend werden
bisweilen Lehrvideos genutzt, die teils gezielt für das Projekt
*Konzertdramaturgie*, teils im Rahmen eines anderen schreibdidaktischen
Projekts am Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität produziert
wurden ("Schreiben über Musik", vgl. Stolla 2018). Ein dritter Seminartermin
ist einer Gastreferentin oder einem Gastreferenten gewidmet, der aus seiner
Berufspraxis als Konzertdramaturg berichtet und den Studierenden zum Gespräch
zur Verfügung steht.
### Blog
Das Publizieren in Konzert-Programmheften wurde im Frühjahr 2020 durch die
Covid-19-Pandemie unterbrochen. Öffentliche Konzerte konnten für Monate nicht
stattfinden; damit fielen die Schreibanlässe fort, auf denen das Projekt
beruhte. Die Leitung und die Teilnehmenden wichen daraufhin im Sommersemester
2020 auf ein anderes Publikationsmedium aus: Texte über musikalische Werke
wurden, unabhängig von Konzerten, in einem Blog veröffentlicht.
Technisch realisiert wird der Blog auf auf einem gemieteten Server; auf der Grundlage
eines Webservers und des Content-Management-System PicoCMS (https://picocms.org)
wurde die Website gestaltet, die Domain werktextblog.de wurde registriert. Am 29.
Juni 2020 ging der Werktextblog mit dem ersten Beitrag "Vom Sturm geschüttelt,
am Ofen gewärmt" von Johanna Sinn online.
Die neue und vom Konzertereignis unabhängige Publikationsform bedingte eine
konzeptionelle Neuausrichtung. Im Gegensatz zu Programmhefttexten sind die
Autor:innen in der Wahl der Themen relativ frei. Die Werke, über die geschrieben
wird, sind nicht mehr durch Konzertprogramme vorgegeben. Damit kommt den
Autor:innen eine zusätzliche journalistische Kernaufgabe zu: das Finden und
Setzen von Themen. Der thematischen Freiheit sind indes Grenzen gesetzt. Um eine
inhaltliche Geschlossenheit des Blogs zu gewährleisten, wurde ein thematischer
Rahmen verabredet. Im Sommersemester behandelten alle Texte Orchestermusik des
19\. Jahrhunderts, in der Folge wurde diese Vorgabe breiter gefasst.
Auch der Umfang der Texte ist nicht mehr durch Print-Produktionsbedingungen
vorgegeben. Der verabredete Richtwert von 3000–4000 Zeichen beschreibt keine
strikten Grenzen.
Vor allem aber wurde die Ausrichtung der Texte dem Medium Internet und der
Zielgruppe angepasst. Schreiben für das Netz bedeutet, die besonderen
Bedingungen und Kommunikationsstrukturen der Digitalität zu berücksichtigen, zu
denen etwa die von Felix Stalder herausgearbeiteten Merkmale der
Referentialität, Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität gehören (Stalder
2016), aber auch veränderte Rezeptionsumstände und -gewohnheiten.
Für Lea Matzen ergeben sich daraus als wichtigste Bedingungen für das Schreiben
von Online-Texten: "anderes Leseverhalten als bei Printmedien, ständige
Aktualisierbarkeit, Hypertextualität, die zu nicht linearem Erzählen führen
kann, einfachere und deshalb stärkere Interaktivität als bei anderen Medien,
Multimedialität, (theoretisch) unbeschränkter Umfang, Ubiquität" (Matzen
2014:11).
Die Digitalität des Schreibprozesses (vgl. etwa Wampfler 2020:13ff) hingegen –
etwa die Nutzung digitaler Werkzeuge und Hilfsmittel oder die kollaborative
Textarbeit auf Online-Plattformen – war von der Umstellung auf die
Blogpublikation kaum berührt. Denn die Textproduktion fand auch zuvor bereits
für gedruckte Programmhefte auf digitaler, kollaborativer Ebene statt. Für die
Projektleitung kamen indes die Handhabung des CMS, die Aufbereitung der Texte
und das Weblayout als Aufgaben hinzu.
Aus den Bedingungen des Schreibens für das Internet wurden gemeinsame
Richtlinien für die Blogtexte abgeleitet.
Da es Netz-Texte sind und um der Referentialität und der Gemeinschaftlichkeit
Rechnung zu tragen, sind Links zu anderen Internetressourcen als festes Element
gewünscht. Die Texte sind multimedial, das heißt, über den reinen Text hinaus
enthalten sie Bilder (Abbildungen von Kunstwerken, Fotos, Notenbeispiele),
Hörbeispiele und Videos. So ist in jeden Beitrag auf dem Werktextblog eine oder
mehrere online abrufbare Hörempfehlungen (z. B. Youtube-Video) eingebettet. Der
Duktus und die Ansprache der Lesenden ist persönlicher und erzählender. Stärker
als in vielen Print-Textsorten – und auch in konventionellen Programmhefttexten
– tritt in einem Blogtext die Autorin oder der Autor als Person in Erscheinung.
Denn: "Weblogs, kurz Blogs genannt, sind keine journalistischen Darstellungsform
im engeren Sinne. Wer ein Blog einrichtet, kann darin persönliche Erlebnisse und
Meinungen veröffentlichen oder nach journalistischen Standards publizieren. Auf
Medienportalen bloggen sowohl Journalisten als auch User." (Matzen 2014:107)
Deshalb sollen in den Beiträgen für den Werktextblog die Autor:innen prononciert
als Personen mit den Lesenden kommunizieren. Eine eigene Sicht auf das
besprochene Werk ist im Blog erwünscht. Sie kann sich etwa äußern in
Assoziationen und Bezügen, die ausgehend von der Musik hergestellt werden, in
der Auswahl der Bilder und der Hörbeispiele, aber auch in kreativen
Gedankenverbindungen oder individueller sprachlicher Gestaltung. Insbesondere
arbeiten die Autor:innen mit Stilmitteln des Storytelling (vgl. etwa Lampert
2017). Bei alldem bleibt die spezifische musikwissenschaftliche Kompetenz der
Autor:innen als entscheidendes Merkmal bestehen. Die Texte sollen dicht an der
Musik sein; Verständnis der Kompositionen und die Fähigkeit, Musik in Kontexten
und strukturell zu hören und Gehörtes in Worte zu fassen: Dies soll die Texte
des Werktextblogs als kompetente Musiktexte auszeichnen.
Damit erweist sich gegenüber dem traditionellen Schreiben für Print ein
erweitertes schreibdidaktisches Potenzial.
- Die berufspraktische Perspektive, die von Beginn an zentral für das
Projekt war, wird um neue Aspekte bereichert. Denn auch für
Musikdramaturg\*innen ist in den letzten Jahren das Schreiben unter
den Bedingungen des Internets immer wichtiger geworden.
- Das Finden und Setzen von Themen als eine grundlegende journalistische Aufgabe
fällt jetzt in die Verantwortung der Autor\*innen. Beim Schreiben für Konzerte
geben dagenen die Konzertveranstalter\*innen vor, über welche Themen
geschrieben wird.
- Die besonderen Bedingungen des Schreibens im Netz wie persönlichere Ansprache
der Adressat:innen, Vernetzung mit anderen Texten und das Dialogpotenzial von
Äußerungen im Internet werden reflektiert und geübt.
- Die Texte sind stilistisch und formal nicht an die Konventionen des
Konzertprogrammhefts gebunden. Es besteht also Raum für größere
sprachliche und erzählerische Freiheit.
Andere, zentrale schreibdidaktische Grundsätze des Projekts blieben dabei auch in der
Arbeit für den Blog bestehen. Zu ihnen gehören der Anspruch,
allgemeinverständliche und dennoch fundierte Texte über Musik zu verfassen, die
an ein Nicht-Fachpublikum gerichtet sind. Der Prozess der Textproduktion wird
weiterhin intensiv betreut und die Texte unterliegen einem hohen
Qualitätsanspruch. Die professionelle Haltung dem eigenen Schreiben gegenüber
ist auch bei der persönlicher geprägten Netzkommunikation nicht geschmälert.
### Hybride Publikationsformen
Ab dem Sommer 2021 wurde es schrittweise möglich, wieder Konzerte zu
veranstalten. Nach der Erfahrung mit dem Online-Texten hat sich sich damit die
Frage gestellt, wie beides sinnvoll und zu beiderseitigem Nutzen verbunden
werden kann. Zwei Ansätze, die Print- und Onlinetexte miteinander verknüpfen,
wurden bisher erprobt.
Für ein Konzert, das im November 2020 stattfinden sollte (aber dann nicht als
öffentliche Veranstaltung durchgeführt wurde), haben Autor:innen des Projekts
Schreibaufträge übernommen. Dabei war geplant, dass Texte eines vorgegebenen
Umfangs in den gedruckten Heften erscheinen und zusätzlich auf dem Blog
publiziert werden. Die Blogversion sollte um multimediales Material sowie Links
erweitert werden. In den Heften wurde auf den Blog hingewiesen und umgekehrt
wurde im Blog deutlich gemacht, für welches Konzert der jeweilige Text verfasst
wurde.
Neben dieser gewissermaßen doppelten Publikation wurde im Oktober 2021 erstmals
ein im eigentlichen Sinne hybrides Modell verwirklicht. Zu zwei Konzerten des
Frankfurter Tonkünstlerbundes wurden Texte verfasst, die ausschließlich im Blog
erschienen. In den Programmheften wurden die Texte nicht abgedruckt, sondern
stattdessen QR-Codes, mittels derer Konzertbesucher:innen die Texte auf dem
Smartphone online abrufen können. Bei den QR-Codes stand ein kurzer Teaser-Satz
mit der Funktion, auf den Onlinetext neugierig zu machen.
<!-- An den Abenden der -->
<!-- Konzerte, die von insgesamt ca. 100 Personen besucht waren, wurden die fünf -->
<!-- Texte 100 Mal aufgerufen. Unter der Annahme, dass jeder Textnutzer zwei Texte -->
<!-- aufgerufen hat, hätten 30 % der Konzertbesuchenden das Angebot der -->
<!-- Online-Werktexte in Anspruch genommen. -->
## Bewertung, best practices, Herausforderungen
Im Folgenden versuche ich eine Einschätzung des Projekts und seiner methodischen
Komponenten. Sie beruht im Wesentlichen auf den Erfahrungen aus der
Projektleitung, außerdem auf teils systematische eingeholten, teils informellen
Rückmeldungen von Studierenden und Kolleg:innen.
<!-- Eine wissenschaftliche Evaluation wurde im Projekt *Konzertdramaturgie* bisher -->
<!-- nicht vorgenommen. Sie hätte zu überprüfen, ob die Intentionen des Projekts sich in messbarer -->
<!-- Weise in der (mehrdimensionalen) Schreibkompetenz der teilnehmenden -->
<!-- Studierenden niederschlagen. An dieser Stelle muss sich die Bewertung des -->
<!-- Projekts im Wesentlichen auf die persönlichen Erfahrungen beziehen, gestützt von -->
<!-- Forschungen an anderer Stelle und von teils systematische eingeholten, teils -->
<!-- informellen Rückmeldungen von Studierenden und Kolleg:innen. -->
Zunächst scheint die langjährige Kontinuität des Projekts für die Stimmigkeit
des Konzepts zu sprechen. Innerhalb des Instituts für Musikwissenschaft wiederum
erfährt das Projekt Wertschätzung und Unterstützung etwa hinsichtlich der
Mittelbeantragung oder der Finanzverwaltung. Ohne diesen Rückhalt wäre ein
solches Angebot auf längere Sicht wohl kaum aufrechtzuerhalten. Kolleg:innen
melden zudem immer wieder zurück, dass sie bei Teilnehmenden des Projekts
Fortschritte in der Schreibkompetenz beobachten.
Vor allem die intensive Begleitung der Textproduktion ist hierzu ein weichtiges
Mittel – auch aus Sicht der Autor:innen. So schreibt eine Studentin als Resümee
ihrer Arbeit: "Mir hat vor allem das Feedback zum eigenen Schreibstil sehr
weitergeholfen und es gibt einige Dinge, auf die ich in Zukunft verstärkt achten
werde (sowohl bei 'freieren' Texten wie den Blogtexten als auch bei
wissenschaftlicheren Texten wie Hausarbeiten)."
Die Wichtigkeit des Feedbacks aus studentischer Sicht wird dadurch
unterstrichen, dass einige Studierende sich zusätzlich Anregungen dazu
wünschten, wie sinnvolles Feedback auf Texte aussehen kann. (Diese Anregung
wurde mittlerweile aufgegriffen und in das Themenrepertoire der begleitenden
Seminarsitzungen aufgenommen.) Ergebnisse einer Umfrage unter Teilnehmenden stützen die
These, dass das Feedback für die Studierenden ein zentrales Element ist.
Insbesondere das Feedback mittels Video hat sich bewährt, da es die Vorzüge
mündlicher Rückmeldung und die Möglichkeit der asynchronen Kommunikation
zwischen Feedback-Geber:in und -Nehmer:in vereint und mit überschaubarem Aufwand
produziert werden kann. So hob eine Studentin die
Chancen des Video-Feedbacks gegenüber schriftlichen Kommentaren hervor: "Ich
fand das Video sehr hilfreich, da doch deutlich umfangreichere und
detailliertere Kommentare möglich sind. Ich denke, gerade für allgemeinere
Diskussionspunkte abseits von konkreten Formulierungen ist es eine gute
Alternative, da man durch die fehlende Verschriftlichung und damit mögliche
Vorgaben eher noch etwas freier in der Suche nach Alternativen war – so mein
Eindruck." (persönliche Mitteilung per E-Mail)
<!-- (Phia-Charlotte Jensen, Mail 21.03.2018) -->
Fridrun Freise und Mirjam Schubert haben darauf hingewiesen, dass Feedback durch
die Lehrperson nicht nur zur Textqualität und Schreibkompetenz der Autorin,
sondern auch zur fachlichen Sozialisation beiträgt. Aus der Analyse eines
Seminars mit umfangreichem Feedback auf Schreibaufgaben schließen sie, "dass die
Dozentin durch ihre Kommentarhandlungen erkennbar Schritte einer fachlichen
Sozialisation – im Sinne einer zunehmenden Befähigung, fachliche
Gepflogenheiten, Denkweisen und Inhalte zu verstehen und anzuwenden –
anstößt." (Freise 2021:248) Dies dürfte zumindest teilweise auch für die Arbeit im Projekt
*Konzertdramaturgie* zutreffen. Fachliche Gepflogenheiten mögen
im Schreiben für eine nicht-fachliche Öffentlichkeit in geringerem Maß eingeübt werden. Sehr wohl
aber trainieren die Teilnehmenden, Musik gedanklich zu durchdringen und zu
kontextualisieren.
Auch wenn die individuelle und kollaborative Arbeit am Text im Vordergrund
stehen, sind die übrigen Elemente unverzichtbar. Die in den Seminarsitzungen
behandelten Themen unterstützen die Studierenden in Fragen der Textplanung und
der Adressatenorientierung, Sprache und Stilistik werden hier auf einer
allgemeineren Ebene diskutiert. Gastreferate stellen einen Kontext der Textarbeit
zur Berufspraxis her.
Seit Bestehen des Projekts hat sich die Arbeit mehr und mehr in die digitale
Sphäre verlagert. Das vernetzte, asynchrone Arbeiten, das durch Online-Tools
ermöglicht wird, kommt dabei den Prozessen der Textplanung und -produktion
entgegen. Um andererseits der Gefahr der Vereinzelung entgegenzuwirken, sind
gemeinsame Termine hilfreich. Auch ein gemeinsamer Chatraum für die
niedrigschwellige, informelle Kommunikation kann zur Gruppenbildung beitragen.
Im Projekt *Konzertdramaturgie* wird zu diesem Zweck die Plattform *Matrix*
genutzt, hat sich aber noch nicht als verbindliches und allgemein genutztes
Kommunikationsmedium etabliert.
Die Tatsache, dass die Mitarbeit im Projekt nicht kurrikular ist, hat zur Folge,
dass um Studierende geworben werden muss. Das Projekt ist zwar im
Vorlesungsverzeichnis ausgeschrieben, aber dennoch sind zusätzliche Bemühungen
notwendig. Es ist immer wieder herauszustellen, in welcher Weise die Teilnahme
Gewinn verspricht. Im Vordergrund aus Sicht der Studierenden stehen hier das
intensiv begleitete Schreibtraining, die Möglichkeit zu publizieren, der Kontakt
zu Akteuren des Musiklebens und die finanzielle Honorierung. Die Motivationslage
ist dabei individuell unterschiedlich. Gerade die finanzielle Honorierung
scheint ein nicht unwesentlicher Anreiz zu sein, auch wenn das Honorar von
zurzeit 60 Euro pro Text im Verhältnis zu vielen Stunden Arbeitsaufwand gering
ist.
Entscheidend für die Beteiligung ist auch Unterstützung durch die Kolleg:innen im
Institut, die über administrative Vorgänge hinausgeht. Hinweise auf das Projekt
in Seminaren und persönliches Ansprechen von Studierenden sind wesentliche
Elemente, um die Beteiligung zu sichern.
Für die Projektleitung bringt die intensive Textbetreuung beträchtlichen Aufwand
mit sich. Einen Text in der zweiten Überarbeitungsphase zu kommentieren und zu
begleiten beansprucht in der Regel etwa drei Stunden Arbeitszeit. Zusätzlicher
Aufwand entsteht mit der Online-Veröffentlichung auf dem Blog: Der
Projektleitung obliegt aktuell die Aufarbeitung der Texte für das CMS
sowie die Pflege und Wartung des Webauftritts. Zwar ist die Einbindung der Texte
ins CMS dadurch vorbereitet, dass die Arbeitsversionen meist im Markdown-Format
geschrieben und bearbeitet werden, auf dem auch das verwendete CMS basiert.
Dennoch sind meist zahlreiche Anpassungen notwendig, um das Erscheinungsbild auf
der Website und die Typografie zu vereinheitlichen, Metadaten zu ergänzen oder
Bilder und Videos in Größe und Platzierung anzupassen. Hinzu kommt die
Vernetzung des Blogs in Sozialen Medien.
Um den Aufwand für die Projektleitung zu begrenzen, wird die Textbetreuung
teilweise an eine studentische Mitarbeiterin delegiert. Eine Arbeitsteilung bei
der Verwaltung der Website ist ebenfalls denkbar, wird aber im Frankfurter
Projekt zurzeit nicht praktiziert.
## Ausblick
Im Projekt *Konzertdramaturgie* findet die Schreibarbeit in einem abgegrenzten
Rahmen statt, was die Textsorte und die Arbeitsweise betrifft. Studierende
verfassen Texte einer bestimmten Art – Musik-Einführungstexte in den
Ausprägungen Programmhefttext und Blogbeitrag –, geschlossene Texte mittlerer
Länge. Diese Abgrenzung scheint durchaus gerechtfertigt zu sein, da das
Schreiben für eine nicht-fachliche Öffentlichkeit in vielen
musikwissenschaftlichen Berufen eine unabdingbare Kompetenz ist. Dennoch stellt
sich die Frage nach Perspektiven für eine mögliche Weiterentwicklung und
Ausweitung des Angebots.
Die Frage stellt sich auch deshalb, weil die Kulturform des Konzerts und mit ihr
das Berufsbild der Konzertdramaturgie sich weiterentwickeln. Veranstalter
entwickeln neue Formen und Formaten des Konzerts, und mit ihnen entstehen neue
Formen der Musikvermittlung. Sie übernehmen zum Teil Funktionen des
traditionellen Programmhefttextes. Zu ihnen gehören mündliche Einführungen,
Interviews mit Künstlern oder die Begleitung von Konzerten auf Social Media.
Mündliche Kommunikations- und Vermittlungsformen sowie neue Textsorten, etwa
Posts in sozialen Netzwerken oder Newsletter, gewinnen an Relevanz. Die Kultur
der Digitalität verändert auch tradierte Vermittlungsformen, etwa durch "die
Tendenz, schriftliche Sprache durch andere Formen der Kommunikation zu
ersetzen." (Wampfler 2021: 125) Gerade Schreibdidaktik, die Anspruch auf
berufliche Relevanz erhebt, muss sich diesen Entwicklungen öffnen.
Eine Ausweitung des Projekts ist auch hinsichtlich seiner Internetpräsenz denkbar.
Um das Potenzial von Onlinepublikationen zu nutzen, sind Maßnahmen etwa der
Suchmaschinenoptimierung, der Vernetzung mit anderen Plattformen oder der
Diskurs in sozialen Netzwerken unentbehrlich. Die Steuerung der Sichtbarkeit
wiederum ist eng verknüpft mit dem Publizieren im Netz und wäre insofern auch
ein Aspekt der Schreibdidaktik. Derzeit stehen für eine solche Expansion des
Projekts nicht die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung.
## Übertragbarkeit auf andere Fächer
Welche Erkenntnisse aus der Projektarbeit lassen sich nun übertragen auf andere
Fächer, welche Erfahrungen sind hilfreich über die konkrete Textsorte
"Programmhefttext" und über das Fach Musikwissenschaft hinaus?
Ein publikationsorientiertes Schreibangebot braucht, wenn es nicht kurrikular
ist, die Verankerung in die Strukturen der universitären Lehre und die
Unterstützung durch andere Lehrende. Wenn Leistungen nicht für das Studium
angerechnet werden, sind alternative Anreize erforderlich. Im hier vorgestellte
Projekt ist dies unter anderem eine finanzielle Honorierung der Autor:innen.
Die intensive Begleitung beim Verfassen von Texten wird von den Studierenden
besonders geschätzt. Dabei hat sich die Kombination aus Feedback durch Peers und
die Lehrperson bewährt, ergänzt durch begleitende Seminarsitzungen. Besonders
die Arbeit an den Texten lässt sich gut durch asynchrone, kollaborative Methoden
realisieren. Textfeedback mittels Video ist ein sinnvoller Baustein.
Schließlich ist gerade die Aussicht, eigene Texte zu publizieren, für die
Studierenden ein wesentlicher Motivationsfaktor.
## Literatur
Verweis: https://www.j-stolla.de/blog/2020-08-26_werktextblog
Stolla 2021
Stolla, Jochen (2021): Feedback auf Texte geben per Video, Youtube, https://youtu.be/XjGXiySbAjk (abgerufen am 08.10.2021)
Wampfler 2020
Wampfler, Philippe (2020): Videofeedback für die Aufsatzkorrektur, in: Schule Social Media (Blog), https://schulesocialmedia.com/2020/03/05/videofeedback-fuer-die-aufsatzkorrektur/ (abgerufen am 08.10.2021)
Tewinkel 2016
<!-- Schlüter 1974 -->
<!-- Schlüter, Hermann (1974): Grundkurs der Rhetorik, München 1974 (13. Aufl. 1994) -->
Stalder 2016
Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität
Freise 2021
Matzen 2014
Fischinger 2018
bennett18
stolla18
Stolla, Jochen (2018): Schreiben über Musik. Ein E-Learning-Programm zur fachspezifischen Schreibdidaktik, in: Journal der Schreibberatung, Ausgabe 15/2018, S. 101-111
Lampert 2017
@book{lampert17,
title={Storytelling f{\"u}r Journalisten: Wie baue ich eine gute Geschichte?},
author={Lampert, Marie and Wespe, Rolf},
isbn={9783744509930},
series={Praktischer Journalismus},
url={https://books.google.de/books?id=CqVADwAAQBAJ},
year={2017},
publisher={Herbert von Halem Verlag},
address={Köln},
library={hr, Li 1317/89},
timestamp={2018-01-19}
}