# 3 Krieg den Medien (-Theorien) <-> zwischen Utopie und Dystopie
## Friedrich Kittler spricht:
*Ästhetik des Immateriellen*, Bd. 97 und 98, hier im Teil II, Band 98, Januar/Februar **1989** findet sich dann das äußerest spannende Gespräch zwischen **Friedrich Kittler** und **Florian Rötzer**: ***Synergie von Mensch und Maschine***. Dort geht es zunächst um Technologie und Wahrnehmung, Reales und Imaginäres, um den Krieg, um **Schlachtfelder der Wahrnehmung** ... dann wird schon mal **scharf geschossen**, es hagelt - kurz bevor es endlich um die Hacker geht - eines meines Lieblingszitate:
## Unterhaltungsindustrie ist in jedem Wortsinn Missbrauch von Heeresgerät.
> "**Unser UKW-Netz** entstand nicht zur Unterhaltung und zur Belehrung einer Bevölkerung, sondern zur Fernsteuerung der Blitzkriegwaffen zu Land, Luft und See [...] Woraufhin dem Empire seinerseits die Möglichkeit blieb, ein totales **Analogmediensystem** durch ein nicht minder **totales Digitalsystem** zu schlagen: Um den deutschen Wehrmachtsgeheimfunk zu knacken, bauen Turings Freunde und Schüler den **ersten Computer**. Der Großdeutsche Rundfunk hatte Weihnachten **1942**, also während sich der Kessel um Stalingrad schloß, eine **Ringsendung** zu und von allen Fronten geschaltet. Berlin rief, zur Antwort kamen Stimmen aus Stalingrad, dann vom Eismeer, dann vom Atlantik-U-Boot, aus der Biskaya, Süditalien und Kreta. Alles in Echtzeit und alles noch hörbar, weil das Tonband eben als Geheimwaffe eingeführt worden war. Berlin rief noch einmal und die Noch-nicht-Toten an den Fronten fingen nacheinander mit Singen an: ‘Stille Nacht, heilige Nacht’ [...] Um die Ringsendung überhaupt möglich zu machen, mußten die **geheimen Wehrmachtnachrichtenverbindungen** ausnahmsweise einmal ins **öffentliche Rundfunknetz eingespeist** werden. Dieser Abstand zwischen **Geheimem** und **Öffentlichem**, komplexen Technologien und Unterhaltungsmedien ist das eigentlich Erhabene, weil er eine Drohung einschließt: Dieselben Technologien können dazu dienen, ganze Städte oder Landstriche zu pulverisieren." (S. 115,116)
## Montage, Künstler in die Normungsausschüsse!
... dann widerspricht Kittler der Auffassung vom *Krieg der Codes*, argumentiert mit MONTAGE-FORMEN, problematisiert verschiedene Medien-FORMATE, schickt die Künstler in die NORMUNGSAUSSCHÜSSE ("dort könnte sie mehr erreichen, als wenn ihr neues Bild irgendwo im Museum landet . Sie sollten offensiv werden, statt bloß zu kombinieren, was die NORMIERUNG unter den Titeln Realität und Fiktion schon längst vorprogrammiert hat. Aus dem Geplänkel könnten Schlachten werden.", S. 116) ... und jetzt kommt er richtig in Form, wendet sich gegen simple Digitalisierungsstrategien und Medieneffekte, holt aus:
## Der Inhalt eines Mediums , sagt Mc Luhan, ist immmer ein anderes Medium
> ..."**Der Inhalt eines Mediums** , sagt Mc Luhan, **ist immmer ein anderes Medium** und, wie nach aller Erfahrung hinzuzufügen wäre, **ein altes**. ... Aber daß der Inhalt eines Mediums ein anderes Medium ist, hat Folgen. In der Unterhaltungskunst sind die Imagines der Maschinen selber ganz so besetzt wie früher die Menschenkörper. ... Liebe war eben auch nur ein Medium - gut für gedruckte Bücher und Luhmanns Schwanengesang. Filme dagegen werden mehr und mehr zu Gebrauchsanweisungen für andere Medien, von Telefon bis hin zum Mikroprozessor. ... Also sind Fernsehen und Telefonieren dazu gut, **uns an andere Medien anzukoppeln** - und andere **Medien sind Medien, um uns an weitere Medien anzukoppeln**." S. 117)
## Spiegel die Medien sich selbst? Der Mensch als Anhang?
Und jetzt sind wir - endlich - beim Thema.
Florian Rötzer stellt jetzt seine letzte Frage: Ob die Medien sich in sich selber spiegeln, mit den Menschen als Anhängseln - in einer dann doch wieder total in sich geschlossenen Welt.
## Kittler schießt zurück:
Man kann förmlich sehen, wie Kittler sich aufbäumt, kurz zögert, dann nachlädt und mit harter diskursiver Munition zurückschießt. Er spricht immer schneller, überschlägt sich fast, muss dann doch noch mal die Sache mit der Botschaft einbauen, Lacan und Derrida eins auswischen. Und sagt dann endlich das, was wir hören wollten, die ganze Zeit ... (wie immer bei seinen Vorträgen muss man seine Rede aufnehmen und mit halber Geschwindigkeit wieder abspielen)
## Es gibt keine einzelnen Medien ..
"Es gibt keine einzelnen Medien, sondern die Medien sind im Verbundsystem geschaltet. Wobei die Computer das Schalten selber besorgen. Ob dieses System aus Algorithmen eine Welt im Wortsinn der Philosophen bilden kann, steht dahin; aber ohne Geschlossenheit würde kein System funktionieren. Was gerade in dieser Geschlossenheit offenbleibt, sind die Möglichkeiten des Eingreifens und Abfangens, der Intervention und Interzeption. Rauschen oder Zufälligkeit entsteht nach Shannon immer dort, wo Kanäle die Teilsysteme eines Medienverbunds aneinanderkoppeln...."
## Interventionen?? (Das Medium ist Massage :-)
"Deshalb wäre zu fragen, ob **Interventionsmöglichkeiten** nicht primär in der **Vernetzung von Medien** liegen und weniger im üblichen **Gebrauch** oder **Mißbrauch von Einzelmedien**. Auch **Künste** sind, allen Museen und Bibliotheken zu Trotz, nicht nur **Techniken der Speicherung**, sondern auch der **Übertragung** gewesen. Auf Kanälen aber passiert alles mögliche. Eine Botschaft, sagte Lacan, erreicht immer ihren Bestimmungsort. Eine Botschaft, hielt Derrida dagegen, kann ihren Bestimmungsort immer nicht erreichen. Beides stimmt, einfach weil es Krieg gibt, also Untergebene auf der einen Seite und Feinde auf der anderen, Rezeption und Perzeption. Medien, die ja für technische Kriege entwickelt worden sind, fallen unter diese Regel. In ihre Übertragungen und Vernetzungen einzugreifen, sind gegenwärtig die wirklichen Ereignisse. **Kunst, ob Happening oder nicht, hätte ein Modell zur Mimesis: die Hacker vom CCC Hamburg."** (S.117)
(Vielleicht hat ja jemand noch das ganze Interview auf der Festplatte und kann es bei Gelegenheit einmal herueberbeamen in die rohrpost. Bei textz.com ist zwar vieles von Kittler, dieser Text allerdings nicht ... und das Kunstforum ist erst ab Band 100 online ...
so long!
hei+co)
### Es fängt ganz banal an: „Imitation Game“
Eine Freundin hatte mit den Film „Imitation Game“ empfohlen - das schien mir gleich ein besserer Ausgangspunkt für das Thema „Interventionen zur Medienkultur“ als irgendwelche abgestandenen Texte aus Sammelbänden :-)
Also suche ich
„Imitation game mediathek“
.. nur der Trailer scheint frei zugänglich zu sein …
Aber das reicht! Schauen wir ihn kurz …
https://youtu.be/heO-wrpfAnI
… und sind mitten drin :-)
Sollten wir ein Referat darüber halten, ohne ihn ganz gesehen zu haben, Filtern wir die Suchergebnisse
.
https://www.google.de/search?q=Imitation+Game+kritik&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari
.
Ganz passabel erscheint die Kritik im [medienjournal-blog](https://medienjournal-blog.de/2015/07/review-the-imitation-game-ein-streng-geheimes-leben-film/)
... die bringt aber keine Erkenntnis zu MedienTheorie und Krieg .. es wird nicht einmal erklärt, wie letztlich der **Enigma-Code geknackt** worden ist ...
> "Das war eine Maschine, die sah so ähnlich aus wie eine Schreibmaschine. Man hat den Klartext wie in einer Schreibmaschine eingetippt. Und man hat einen Schlüssel eingestellt, der dafür verantwortlich war, was aus dem Klartext für ein Codetext wird. Dieser Schlüssel war im Prinzip eine Buchstabenfolge aus 25 Buchstaben. Und für jeden Tag des Jahres war ein solches Codewort ausgemacht. Die Leute, die verschlüsselte Nachrichten übersenden wollten, und die Empfänger, die hatten ein großes Buch. Für jeden Tag stand da dieses Codewort drin."
> [Quelle](https://www.ardalpha.de/wissen/geschichte/historische-persoenlichkeiten/alan-turing-enigma-code-computer-maschine-100.html#:~:text=Man%20hat%20den%20Klartext%20wie,eine%20Buchstabenfolge%20aus%2025%20Buchstaben)
.. also doch eine Art "Schreibmaschine"?

.. Turing setzt dagegen eine **"Bombe"** ein
...

> Den Durchbruch schafft erst der britische Mathematiker Alan Turing. Er arbeitet ab 1939 in Bletchley Park, dem geheimen Hauptquartier der britischen Codeknacker während des Krieges. Auf Basis eines einfacheren Vormodells, das polnische Mathematiker konstruiert haben, entwickelt Turing eine elektromechanische Maschine, die sogenannte „**Bombe**“. Das wegen ihres tickenden Geräuschs so benannte Gerät engt die möglichen Lösungen einer Enigma-Chiffre auf nur noch einige wenige ein. Eine Bombe besteht dabei aus Dutzenden von drehbaren Trommeln mit Buchstaben, die die verschiedenen denkbaren Positionen der Enigma-Rotoren nachvollziehen.
[Quelle](https://www.wissen.de/wie-der-code-der-legendaeren-enigma-maschine-geknackt-wurde)
Aber das Code-Knacken funktioniert nicht ohne Tricks, nciht ohne menschliche Unzulänglichkeiten, Schwachpunkte .. in diesem Fall "Phrasen" in den Funksprüchen:
> Allerdings: Um den Enigma-Code anzugehen, benötigen auch die Bomben einen ersten Ansatzpunkt – ein Wort oder Wortteil, von dem die Entschlüsseler raten konnten, was es im Klartext bedeutete. Hier kommt den in Bletchley Park über den Codes schwitzenden Kryptografen ein **Schwachpunkt der deutschen Funksprüche** zugute: Sie enthalten häufig **Phrasen**, die in den Funksprüchen in immer gleicher Form und oft an der gleichen Stelle auftauchen. Dazu gehören beispielsweise Ausdrücke wie "**Oberkommando**" oder die oft am Ende der Nachricht stehende Phrase "**Heil Hitler**". Zudem senden die deutschen Funker jeden Tag zur gleichen Zeit den Wetterbericht – und in ihm steht das Wort "**Wetter**" an prominenter Stelle.
> [Quelle](https://www.wissen.de/wie-der-code-der-legendaeren-enigma-maschine-geknackt-wurde)
Der Durchbruch:
> Am 17. Januar 1940 gelingt es den Kryptologen in Bletchley Park, erstmals eine Enigma-Meldung zu entschlüsseln – vorerst noch in Handarbeit. Noch benötigen sie dadurch Tage, manchmal sogar Wochen für eine Meldung – für den schnell fortschreitenden Krieg ist das viel zu langsam. Hier kommen nun Turings "Bomben" ins Spiel. Sie automatisieren das mühevolle Ausprobieren der Walzenpositionen und können so die 17.576 möglichen Positionen eines Enigma-Walzensets in rund 20 Minuten durchtesten. Nach und nach gelingt es den Codeknackern von Bletchley Park damit, den Funkverkehr des deutschen Militärs immer schneller und besser mitzuhören.
> [Quelle](https://www.wissen.de/wie-der-code-der-legendaeren-enigma-maschine-geknackt-wurde)
> .. auch wird die Frage beantwortet, warum das **Codeknacken kriegsentscheidend** sein kann:
> Dieser Durchbruch in der Entschlüsselung der Enigma ist letztlich kriegsentscheidend. Denn erst durch das Mitlesen der Funksprüche können die alliierten Truppen die Bewegungen der deutschen U-Boote nachvollziehen und so den U-Boot-Krieg für sich entscheiden. Auch bei wichtigen Schlachten im Mittelmeer und bei der Landung der Alliierten in der Normandie spielt die Kenntnis der deutschen Funksprüche eine entscheidende Rolle.
>
> Letztlich hat das Knacken des Enigma-Codes den Zweiten Weltkrieg vermutlich um Jahre verkürzt – und so Tausende von Menschen vor dem Tod auf dem Schlachtfeld oder in Bombentrümmern bewahrt.
> [Quelle](https://www.wissen.de/wie-der-code-der-legendaeren-enigma-maschine-geknackt-wurde)
Schön, aber was hat das mit unserem Seminar zu tun, mit dem **"Knacken der Diskurse"** :-)
Ich versuche einen anderen Suchlauf:
"[turing medientheorie](https://www.google.de/search?q=turing+medientheorie)"
.
Überfliegedie Turing-Galaxis und landen eine Volltreffer im **2. Hit**
"Vom Sündenfall der Software
Medientheorie mit Entlarvungsgestus: Friedrich Kittler" von Frank Hartmann (22. Dezember 1998)
https://www.telepolis.de/features/Vom-Suendenfall-der-Software-3601396.html
... und da fällt dann endlich der Satz, der den Zusammenhang von Krieg und Rock-Musik aufzeigt:
## "Unterhaltungsindustrie ist in jedem Wortsinn Mißbrauch von Heeresgerät."
…
Mehr brauchen wir fast nicht zu wissen …
.. [Verfeinern die Suche](https://www.google.de/search?q=%22Unterhaltungsindustrie+ist+in+jedem+Wortsinn+Mi%C3%9Fbrauch+von+Heeresger%C3%A4t.%22&client=safari&hl=de-de&sxsrf=APwXEddumUZCICm3wWSQ3PUEHwNWJjyATA%3A1681910595138&ei=Q-s_ZL2FCJ2Gxc8PyvSOeA&ved=0ahUKEwj9ssSchbb-AhUdQ_EDHUq6Aw8Q4dUDCBA&uact=5&oq=%22Unterhaltungsindustrie+ist+in+jedem+Wortsinn+Mi%C3%9Fbrauch+von+Heeresger%C3%A4t.%22&gs_lcp=Cgxnd3Mtd2l6LXNlcnAQA0oECEEYAFAAWABgAGgAcAB4AIABAIgBAJIBAJgBAKABAqABAQ&sclient=gws-wiz-serp) noch ein letztes Mal
... und kommt auch hier im 2. Hit zu des Pudels Kern, bei einer Vorlesung "Informatik und Gesellschaft" (aus dem Jahr 1996/97)
Computer während Weltkrieg Zwei
http://waste.informatik.hu-berlin.de/diplom/ww2/kittlerthese.html
Liest man diese Thesen quer, taucht man ein in die Stimmung der 90er Jahre, als man als sog. Kittler-Schüler locker akademische Karriere machen konnte - und zudem noch das Gefühl hatte, von den "reinen" Geisteswissenschaften weg zu koimmen - hin zu einer "revolutionären" **Informatik** und **Medientheorie** :-)
.
https://www.google.de/search?q=Alan+turing+kittler&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari
…
Jetzt haben wir mehr als genug, unserer Lebenszeit reicht nicht aus, um das alles zu lesen…
..
Ich scrolle nur noch mal kurz durch 2 letzte Perlen:
Einen ganz kryptischen, den man wahrscheinlich lieber von einer KI zudammenfassen lässt, als ich im klassischen Sinn zu „lesen“ Versuchen, Kittler selbst konnte Assembler programmieren :-)
.. sozusagen die Geburt der MEDIENTHEORIE aus dem Geist des Krieges …
!I n f o r m a t i k & H e e r e s g e r ä t
Die Entwicklung des Computers während des Zweiten Weltkriegs
http://waste.informatik.hu-berlin.de/diplom/ww2/weltkriegscomputer.html
… da müssen wir uns durchkämpfen..
Für nicht Schnell-Leser das abstract
http://waste.informatik.hu-berlin.de/diplom/ww2/default_e.html
… und Praktischerweise eine Meta-Reflektion aus dem „Untergrund“
- unter einer freien Lizenz:
Über die Verquickung von Medientheorie und Macht
Friedrich Kittler und künstliche Intelligenz
https://www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch/gesellschaft/medien/friedrich_kittler_medientheorie_4914.html
.. das als kleine **Show & Einführung** in die Methode, wie sie "früher" war - also ohne KI-Unterstützung, als man sich noch durch Bücher quälen musste :-)
Hier kann man den "Meister" selbst hören, nicht mehr ganz so schnell wie injüngeren Jahren, aber immer noch schnell live prozessierend und denkend:
https://youtu.be/W-yV8igrfxo
.. oder als Text in der taz:
https://taz.de/taz-Artikel-von-1986-ueber-NSA/!5050644/
… klar ist ja ohnehin, dass etwas anderes herauskommt, wenn Sie die Suchmaschinen füttern!
Oder gar, wenn wir mit den Fragen und auch anderen Fragen "die KI" füttern :-)
Wichtig sind vielleicht gar nicht die **Ergebnisse** …
… sondern die **Fragen**!
… die **Anstreichungen** und **Randbemerkungen** … hätte man früher gesagt ...
oder die Prompts .. würde ich heute sagen :-)
Jetzt sind Sie dran mit **intervenieren**!
Wie komme ich hier raus?
Jetzt Musik!