--- title: 2. Geschichte der Notenschrift tags: notenlesen description: --- # 2. Geschichte der Notenschrift ## Wer hat die Notenschrift eigentlich erfunden? Wer die Notenschrift erfunden hat, kann man leider nicht genau sagen. Schließlich hat sich die Notenschrift über viele tausend Jahre entwickelt. Was man aber sagen kann, wer besonders große Anteile daran hatte: 1. die Antiken Griechen 2. Karl der Große 3. Guido von Arrezo, der im 11. Jahrhundert lebte Aber nun lass uns doch mal zurück zu den Anfängen reisen, dreitausend Jahre vor Christus. ## 2.1 3. Jahrtausend vor Christus Einiges deutet darauf hin, dass schon die alten Ägypter im **dritten Jahrtausend vor Christus** versuchten, Musik schriftlich zu fixieren. ## 2.2 700 vor Christus <img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/cf/Seikilos.svg/2880px-Seikilos.svg.png" style="float:right;width:300px;padding:10px;"/>Die erste vollständig entzifferte Notation stammt jedoch aus der griechischen Antike, aus der Zeit **um 700 vor Christus**. Diese Notenschrift verwendete Buchstaben für die Tonhöhe und markierte mit darüber geschriebenen Symbolen die Tondauer. Sie ist auf vielen Fragmenten überliefert, allerdings gibt es nur eine einzige Komposition, die auf diese Art durch eine Inschrift vollständig erhalten ist, das Seikilos-Epitaph, das im 2. Jahrhundert n. Chr. in einen Grabstein in der Nähe von Ephesos gemeißelt wurde. ## 2.3 9. Jahrhundert <img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/48/Jenaer_liederhandschrift.jpg" style="float:right;width:200px;padding:10px;"/> In der Mitte des **9. Jahrhunderts** entwickelte sich in europäischen Klöstern eine neue Art der Notenschrift für den gregorianischen Choral, sog. "Neumen" als Symbole benutzte. Zuerst waren das nur einige Zeichen, die oberhalb des Liedtextes aufgeschrieben wurden und die Winkbewegungen des Chorleiters symbolisierten. Daraus konnte man erkennen, ob die Melodie nach oben ging oder tiefer wurde. Allmählich wurden Linien hinzugefügt, und die Symbole wurden mit Tonhöhenänderungen, später auch mit absoluten Tonhöhen in Verbindung gebracht. GUIDO VON ARREZO ## 2.4 15. Jahrhundert Im **15. Jahrhundert** begann man auch damit, Notensysteme mit Hilfe vertikaler Linien, so genannter Mensurenstriche, in Abschnitte zu teilen. Diese Teile waren aber keine Takte im modernen Sinn, da die Musik jener Zeit sehr unregelmäßige Muster innehatte, sondern wurden zu Hilfe genommen, um in Partituren anzuzeigen, an welchen Stellen die verschiedenen Stimmen zugleich zu spielen oder singen hatten. ## 2.5 17. Jahrhundert Gegen Ende des **17. Jahrhunderts** schließlich hat sich das moderne rhythmische System mit Taktarten, Taktstrichen und absoluten Zeitwerten etabliert. Das genauere Notensystem entwickelte sich in Europa auch deshalb, weil die freiere, improvisierte Musik zugunsten der kirchlichen Tradition der komponierten und rituell wiederholbaren Psalmodien und Choräle in den Hintergrund geriet. Ursprünglich richtete sich die Notenschrift an den Erfordernissen des Gesangs aus. Seit dem Übergang zum Barockzeitalter ist es aber immer weiter verbreitet, auch die Instrumentalmusik in Noten festzuhalten. Seither werden auch immer weitere Zusatzzeichen entwickelt, um die spezifischen Spieltechniken einzelner Instrumente anzuzeigen. Für das Instrumentalspiel wurden Tabulaturschriften verwendet, die anzeigten, welche Taste einer frühen Orgel gedrückt werden musste, oder welche Saite (meist einer Laute) gezupft und an welchem Bund gedrückt werden musste. ## 2.6 Die Moderne Die zahlreichen Versuche in den letzten beiden Jahrhunderten, das System der Notenschrift zu reformieren, schlugen aber sämtlich fehl, sei es aufgrund der konservativen Einstellung der Musiker oder weil die neu entworfenen Systeme doch schlechter geeignet waren als das alte. Für gewisse Spezialgebiete gibt es aber auch alternative Notenschriften, die zum Teil auf uralten Traditionen beruhen. ## 2.7 Gängige Alternativen zur Notenschrift Heute gibt es neben der traditionellen Notenschrift alternative Notationssysteme, die bei bestimmten Anwendungen Vorteile bieten. Hier siehst du einige Beispiele. ### 2.7.1 Tabulatur Tabulaturen (Griffzeichenschrift) wurden früher entwickelt als die moderne Notenschrift und wurden für Zupf-, Streich- und Tasteninstrumente verwendet, seltener auch für Holzblasinstrumente. Vor allem Lautenisten und Gitarristen behielten bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Griffzeichenschrift bei. Gitarrentabulaturen sind im 20. Jahrhundert durch das Internet wieder in Gebrauch gekommen. Hier stehen die Linien für die Gitarrensaiten und die Zahlen für die Bünde, die gegriffen werden. <figure> <img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/25/Guitar_Tabulature.png/620px-Guitar_Tabulature.png" /> <figcaption>Notenschrift und Gitarrentabulatur von "Alle Vöglein sind schon da"</figcaption> </figure> ### 2.7.2 Piano-Roll Computer-Programme zur Musikbearbeitung arbeiten oft mit einer Notenrollen-Notation, die dem Abdruck auf einer Notenrolle ähnelt. Auf der vertikalen Achse befindet sich die Klaviatur, auf der horizontalen Achse die Zeit. Die einzelnen Töne werden meistens durch Rechtecke dargestellt. Piano-Rolls ermöglichen eine einfache Eingabe oder Bearbeitung. <figure> <img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5f/Pianoroll_notation_prel3.svg/440px-Pianoroll_notation_prel3.svg.png" /> <figcaption>Beispiel einer Piano-Roll-Notation, die für die Lesbarkeit auf Papier optimiert wurde</figcaption> </figure> ### 2.7.3 Grafische Notation In den 1960er und frühen 1970er Jahren fühlten viele Komponisten den Wunsch, sich vom klassischen Notenbild zu lösen. Es erschien ihnen einfach zu ungeeignet und zu konkret für ihre Musik. Sie begannen, mit grafischer Notation zu experimentieren, um der Inspiration und der Kreativität des ausführenden Musikers mehr Platz einzuräumen. <figure> <img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Solitude.png/440px-Solitude.png" /> <figcaption>Hans-Christoph Steiners grafische Notation für Solitude </figcaption> </figure>