# Vorstellung FOERBICO am 14.05. beim Runden Tisch Fortbildung in Wismar:
Das Projekt FOERBICO ist frisch am 1.05.2024 gestartet und zielt auf die Förderung offener Bildungspraktiken in religionsbezogenen Communities durch die Entwicklung eines koordinierten OER-Ökosystems Zum Hintergrund: 2022 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung angelehnt an die UNESCO Empfehlung von 2019 eine [OER-Strategie](https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/3/691288_OER-Strategie.pdf?__blob=publicationFile&v=4) ins Leben gerufen, um freie Bildungsmaterialien in der Bildungspraxis zu fördern. Zuvor wurde bereits viel Geld in die Entstehung von OER-Portalen und Materialpools gesteckt. Doch viele wurden nach Ende der Projektlaufzeit wieder eingestampft und es bringt nichts, wenn einfach nur noch mehr neue Portale entstehen, diese aber nicht untereinander vernetzt sind. Im Mai 2023 wurde dann eine neue Förderrichtlinie erstellt, die genau diese Vernetzung von Communities in den Blick nimmt. Gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Uni Nürnberg-Erlangen haben wir mit der Idee, die religionsbezogenenen Player im Sinne Community of Communities zusammenzubringen die Förderzusage vom BMBF erhalten und haben eine Projektlaufzeit von 3 Jahren, also bis 2027. Bis dahin ist unser Ziel ein Ökosystem zu entwickeln, indem verschiedene Bildungsakteure miteinander vernetzt werden, Wissen und Komeptenzen zu freien Bildugsmaterialien (OER) und offenen Arbeitsweisen (OEP) in der religionsbezogenen Bildungslandschaft verankert werden, Synergien effektiver genutzt und die Qualitätsentwicklung der Materialerstellung, -nutzung, -entwicklung und -verwendung. Darauf möchte ich nun weitergehend eingehen und die Grundidee des Projektes vorstellen und dann Impulse oder Leitfragen mitgeben, welche Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten es konkret für die Fortbildungsarbeit geben könnte. Verständnisfragen könnt ihr gerne zwischendurch stellen, ansonsten ist am Ende noch Zeit zur gemeinsamen Diskussion und ich bin schon sehr gespannt auf eure Rückmelungen.
Zunächst zur Klärung, was wir unter Bildungscommunities verstehen und wen wir mit FOERBICO erreichen wollen:
Es gibt bereits viele Communities und Angebote wie z.B. das relilab, das Netzwerk narrt oder Projekte wie religlobal, Fortbildungseinrichtungen, (Religions-) Pädagogische Institute bzw. religionspädagogische Zentren, universitäre Standorte, aber auch einzelne Lehrkräfte und viele weitere, die bereits wertvolle Materialien generieren oder offene Arbeitspraktiken und Tools anwenden. Oft sind ihre Aktivitäten jedoch isoliert, regional kleinräumig und ausbaufähig. Sie agieren in Bubbles und so können Impulse aus anderen Fachrichtungen oder Bildungsbereichen nicht aufgenommen werden und umgekehrt können andere Fachrichtungen nicht von der Expertise der religionsbezogenen Communities profitieren.
Was alle Communities vereint, ist der Relgionsbezug, d.h. fächerübergreifende OER-Communities und Plattformen wie Wirlernenonline stellen auch Materialien zum Fach Religion bereit, bei den universitären Einrichtungen gibt es ebenfalls einen religiösen Fachbezug oder es sind Einrichtungen wie Schulen in kirchlicher Trägerschaft oder Netzwerke im Kontext religiöser Bildung etc. Doch trotz des gemeinsamen Bezuges sind sie oft wenig vernetzt, was die Zugänglichkeit von Materialien und Wissen erschwert und die allgemeine Akzeptanz und Verbreitung von Open Educational Resources hemmt.
Vor allem führt es aber zu einer ineffizienten Ausschöpfung von Ressourcen, das gilt auch für die Fortbildungsarbeit.
Den Ist-Zustand an einem kleinen Beispiel demonstriert:
Wenn z.B. im Netzwerk narrt Materialien für den RU im Zusammenhang mit Antisemitismus- oder Rassismuskritik entwickelt werden, wird vielleicht zufällig rpi-virtuell darauf aufmerksam und stellen es auch in ihren Materialpool ein oder eine Person von narrt reicht das Material auch bei rpi-virtuell ein. Vermutlich bleibt es aber erstmal unentdeckt. Aber sagen wir mal es wird auch bei rpi-virtuell im Materialpool eingestellt, dann sehen es vielleicht auch andere Anbieter wie Wir lernen Online und laden es bei sich hoch, aber oft geht es unter, weil die Communities eben nicht vernetzt sind.
Unser Ziel wäre daher mit FOERBICO diese Communities zusammenzubrngen und ein Beziehungsgeschehen der Personen in den Communities durch offene Kommunikation zu ermöglichen. Durch gemeinsame OER-Standards & Metadaten und der Verknüpfung der Materialpools das Material von narrt direkt auch bei den anderen Communities, für die es relevant sein könnte, landet und so nichts verloren geht.
Unsere Openness-Strategie:
Wir möchten, dass religionsbezogene Communities zusammenkommen und die Tür nach innen und nach außen offen ist, also weitere Player reinkommen können und z.B. OER, Arbeitsweisen etc. transparent gemacht und nach außen gezeigt werden. Durch mehr Transparenz und Offenheit ergeben sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und für die Qualitätsentwicklung sowie eine erhöhte Effizienz und Verbreitung durch Anschlussfähigkeit. Eine offene Arbeitsweise ist ungewohnt, bringt Unsicherheit mit (darf ich das einfach so veröffentlichen / Rechte) und wir möchten uns auch den Ängsten vor OEP/OER stellen, denn nur so können wir Lösungen entwickeln und auf Herausforderungen, die zur Nicht-Nutzung führen, eingehen.
Wichtig: Es geht nicht nur um Materialien, sondern auch eine neue Kultur des Miteinanders und es ist natürlich auch eine Haltungsfrage. Eine Bereitschaft zur Offenheit ist Grundvoraussetzung, aber nicht alles muss offen sein, Interna dürfen natürlich Interna bleiben!
Zur Umsetzung einer Community of Communities: Jedes Netzwerk usw. bleibt eigenständig bestehen, aber arbeitet offen und vernetzt mit anderen Communites => nicht isoliert, sondern als Gemeinschaft. Die nachhaltige Implementierung sol durch eine Geschäftsstelle am Comenius-Institut erfolgen.D.h. das CI übernimmt die Koordination und versucht als "Broker" die Akteure zusammenzubringen und zu vermitteln und durch Community-Management zu aktivieren.
Das Projekt wird von der Goethe-Uni und der Uni Erlangen-Nürnberg mit empirischer Begleitforschung. Zunächst wird es eine Umfrage geben, um die Bedarfe der versch. Communities zu erheben. So können wir uns an den Nutzerbedürfnissen orientieren und datenbasiert an der Qualitätsentwicklung sowie an zielgerichteten Fortbildungskonzepten und -formaten arbeiten. Diese werden natürlich auch evaluiert und stetig weiterentwickelt.
Generell: Das Geschehen ist dynamisch angelegt, da OER und OEP oft statisch sind. D.h. man arbeitet zusammen, erstellt OER und veröffentlicht es und das war´s. Beispiel: Lehrkräfte-Fortbildung zum Thema RU wird durchgeführt und Material veröffentlicht => Links können sich verändern, die Inhalte sind nicht mehr zeitgemäß usw. Entsprechend gilt es im gemeinschaftlichen Prozess im Sinne einer offenen Feedback-Kultur Materialien und Arbeitsweisen zu modifizieren, kontinuierlich zu verbessern und auf die jeweiligen Bedürfnisse / Zielgruppen hin anzupassen.
Wichtig für die Qualitätsentwicklung: Standardisierte Metadaten!
Metadaten sind quasi Daten über Daten, d.h. wenn ich ein Dokument habe kann ich durch weiterführende Informationen angeben, wann das Dokument erstellt wurde, wann es das letzte Mal aktualisiert wurde, von wem es erstellt wurde, worum es inhaltlich geht, wer die Zielgruppe ist usw. Das ist vor allem für die Auffindbarkeit und relevant. Leider sind Metadaten oft nicht standardisiert und Materialien können somit nicht verknüpft werden. Auch hier würden gemeinschaftliche Vereinbarungen zur Vereinfachung und mehr Effizienz führen, da ich die Materialien einmal anlege und sie ohne großen Aufwand in verschiedenen Materialpools eingebunden werden können => höhere Verbreitung!
Gerade im Kontext Fortbildungen würde das die Suche / Selektion deutlich erleichtern!
*Leitfragen für die weitere Zusammenarbeit:*
* Was könnten Metadaten im Kontext Fortbildungen für Ev. Schulen sein?
* Was wäre eurer Meinung nach wichtig oder würde euch helfen, wenn ihr Fortbildungsmaterialien und -konzepte veröffentlicht bzw. finden wollt?
* Was könnten Tags / Kategorien / Themen / Zielgruppen / Formate etc. sein?
=> Dafür hilft es, sich als Impulse ggf. bereits vorhandene Materialien anzuschauen und sich z.B. mit Hochschulen, die z.T. auch Lehrkräftefortbildungen anbieten oder Netzwerke wie das relilab auszutauschen und gemeinsam Metadaten festzulegen, die es braucht.
Mit welchen Tools möchten wir die offene Zusammenarbeit und die Erstellung / Weiterentwicklung von OER ermöglichen?
=> Offene Protokolle und Open Source Tools, um Teilhabe und Nutzung für alle zu ermöglichen
=> Austausch- & Veranstaltungsformate (z.B. Netzwerktreffen, Werkstatt / Barcamp...)
=> Kollaborative Zusammenarbeit zur bestimmten Thematik z.B. in Form einer Professionellen Lerngemeinschaft
=> Asynchroner Austausch z.B. über Element-Raum
*Leitfragen für die weitere Zusammenarbeit:*
* Was wären eure Wünsche: Welche frei verfügbaren Tools & Formen der Zusammenarbeit braucht es eurer Meinung nach bzw. welche Werkzeuge wären für euch praktikabel und für die kollaborative Zusammenarbeit im Kontext Fortbildungsentwicklung geeignet?
=> Verständigung auf gemeinsame Nutzung!
Damit einher geht die Frage nach der Usability für euch als Community, aber auch für andere. Auch hier verfolgen wir den Openess-Ansatz und möchten Beteiligung für alle ermöglichen. D.h. wenn wir den Element-Raum nehmen, diesen auch für andere Ev. Schulen, Netzwerke usw. öffnen und dort ein Pad mit dem Protokoll des heutigen Treffens anlegen, ist für alle nachvollziehbar, was wir heute besprochen haben und nicht nur für diejenigen, die in Wismar dabei waren oder im Nachgang die Mail mit dem Protokoll von Wim erhalten. Wir arbeiten derzeit verstärkt mit Markdown, da es von allen nutzbar und bearbeitbar ist. Außerdem kann ich durch die Versionierung die Veränderungen nachverfolgen und so auch auf ältere Versionen des Dokuments zurückgreifen.
Insbesondere für OER ist Markdown mit der höchste Standard, meist sind es jedoch PDF-Dateien, die nicht weiter bearbeitet und entwickelt werden können. OER sind unter CC-Lizenz frei verfügbar. Da jedoch viele Sorgen haben, ob sie die Dateien, Bilder etc. als CC veröffentlichen dürfen, herrscht hier ein Fortbildungsbedarf bzw. braucht es die Vernetzung mit erfahrenen Playern wie OERinfo, iRights.info usw..
*Leitfragen für die weitere Zusammenarbeit:*
* Wie können Prozesse der offenen Zusammenarbeit in der Ev. Schullandschaft etabliert werden?
* Welche Herausforderungen gibt es? Welche Chancen hätte es?
* Unter welchen Bedingungen könnten Materialien, die von den Ev. Schulen entwickelt werden, als OER unter CC-Lizenz veröffentlicht und für andere nutzbar gemacht werden?
* Wie müssten Fortbildungen gestaltet sein, um sie anschlussfähig zu machen?
Je nach Thematik, Interesse oder Expertise macht es Sinn verschiedene Personengruppen zusammenzubringen, die vielleicht vorher auch noch nicht zusammengearbeitet haben. Wenn z.B. eine Fortbildung für Lehrkräfte zum Thema Antisemitismus- & Rassismuskritik in Ev. Schulen entwickelt und als OER zur Verfügung gestellt werden soll, ist z.B. das Netzwerk narrt ein guter Ansprechpartner. Hier vermitteln wir als Broker und machen alle, die sich für die Thematik interessieren darauf aufmerksam. Durch die offene Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Fortbildungsmaterials können sich auch weitere Netzwerke wie das relilab einbringen.
*Leitfragen für die weitere Zusammenarbeit:*
* Welche Personen, Netzwerke und sonstige Akteure wären eurer Meinung nach wichtig für die weitere Fortbildungsarbeit?
* Welche Community beschäftigt sich noch mit der Thematik?
* Welche Akteure würdet ihr euch wünschen?
Wir stehen noch am Anfang des Projektes und möchten euch herzlich einladen mit uns gemeinschaftlich die offenen Arbeitsweisen zu erproben und gute Lösungen für die Zusammenarbeit zu entwickeln.
Folgende Vorschläge für die weitere Zusammenarbeit:
-> Element-Raum zum weiteren Austausch beitreten (z.B. [Wissenschaft & Ev. Schule](https://element.rpi-virtuell.de/#/room/#esscience:rpi-virtuell.de), Anmeldung / Registrierung bei rpi-virtuell erforderlich -> bei Zugangsproblemen gerne melden!)
-> Möglichkeit einer PLG im Kontext Ev. Schule (auch hier Element-Zugang notwendig)
-> Weitere Veranstaltung: Offene Werkstatt / Barcamp, zusätzlicher digitaler Runder Tisch Fortbildung? (vom CI organisiert)
Weitere Vorschläge?
Weitere Infos haben wir in einem [Blogbeitrag ](https://comenius.de/2024/03/28/foerderung-offener-bildungspraktiken-in-religionsbezogenen-communities-durch-die-entwicklung-eines-koordinierten-oer-oekosystems-foerbico/)zusammengestellt.
Ich bin gespannt auf eure Fragen und Rückmeldungen! Schickt mir eure Anregungen gerne per [Element ](https://element.rpi-virtuell.de/#/user/@buchwaldchassee:rpi-virtuell.de)(bevorzugt) oder per Mail an [buchwald-chassee@comenius.de](mailto:buchwald-chassee@comenius.de).