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# Workshop Übepläne
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NW4.0 20250714
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Prof. Dr. med. Benita Kuni
Prof. Dr. rer. nat. Marc Bangert
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Hochschule für Musik Karlsruhe
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#### Workshop Übepläne
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|---|---|
|11:00|Intro / Kennenlernen |
|11:10|Die optimale Übesitzung|
|11:30|Prävention beim Üben|
|11:50|Kaffeepause|
|12:00|Praktische Übungen|
|12:20|Gehirngerecht Unterrichten|
|12:40|Behandlung und Reha|
|13:00|Kaffeepause|
|13:10|Pausen und Schlaf|
|13:30|Entspannungsübung|
|13:45|Offene Runde und Wrap-up|
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#### Disclaimer
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- Vorgestellte Methoden mit den Hauptzielen
- **optimiertes** Training mit maximaler Effizienz und Kompetenz"ausbeute"
- dass das Gelernte möglichst lange und möglichst stabil erinnert und beherrscht wird
- besonders effektiv im Hinblick auf die Auftrittssituation (!)
- Vermeidung von körperlicher Be- und Überlastung - gesund bleiben!
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#### Disclaimer
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- Einige Befunde stammen ursprünglich aus den Trainingswissenschaften,
- sind aber inzwischen auch für Instrumentaldidaktik validiert bzw.
- können nach heutigem Wissen effektiv auf Musiker\*innen übertragen werden (Wulf 2007)
- Effektivität in gewisser Abhängigkeit auch von der musikalischen Gattung
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#### Disclaimer
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- Umstieg auf effektive Methoden
- kann implizieren, tradierte Überzeugungen zu hinterfragen
- kann bedeuten, nicht als nette und beliebte Lehrperson zu gelten
- bei Schüler\*innen
- bei Eltern
- Häufig bewusste Vermeidung des geringsten Widerstands
- bei Schüler\*innen
- auch bei Lehrpersonen
- Wie immer gilt: **"Primum non nocere"**
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> ~~Don't~~ Try this at home!
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#### Heute im Workshop:
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## 3 Blocks zur Forschung:
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- Planung Übesitzungen
- Planung Unterrichtseinheiten
- "Pausen"
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#### Yet another Disclaimer
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## Heute nicht mit dabei:
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- Mentales Üben (und Memorieren)
- Motivation und Aufmerksamkeit
- Interner und Externer Fokus
- Automatisierte Prozesse und motorische Kontrolle
- Fehlermanagement
- Leistungsschwankungen (*Performance Shifts*)
- Lampenfieber und *Pressure Training*
- 15+ "Neuro-Mythen" der (Musik-)Didaktik
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#### Motorisches Lernen
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### Grundlagen
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Deklaratives Lernen | Prozedurales Lernen
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verbalisiert|still
explizit|implizit
kontrolliert|automatisch
gelernt|inhärent
langsam|schnell
verlangt Aufmerksamkeit|kann multitasken (Vorsicht: Nur Rahmenkoord.& Automatisierung)
vermeidbar|unvermeidlich
willentlich|unwillentlich
Gewusst-was|Gewusst-wie
Top-down (Exekutive Kontrolle des Gehirns)|Bottom-up (automatisches Nervensystem)
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#### Motorisches Lernen (ML)
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### Grundlagen
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- Hauptziele motorischer Expertise (Wulf 2013)
- Bewegungseffektivität
- Präzision
- Flüssigkeit
- Geschwindigkeit
- Konsistenz
- Bewegungseffizienz
- Energieeffizienz
- Bewegungsökonomie
- Ausdruck
- Schutz vor Überlastung
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#### Motorisches Lernen (ML)
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### Grundlagen
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- Säulen erfolgreichen Motorischen Lernens:
- Selbstreflektierendes Denken
- Vorausplanung
- Monitoring/Kontrolle/Überprüfen körperlicher Handlungen
- Ergebnisse vorhersagen, bewerten und gewichten
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Block
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## Planung Übesitzungen
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## Zwei *Mindsets*:
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# PRACTICE
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# PERFORMANCE
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### **Unterschiede** Üben - Auftritt
- **Üben = Baustelle**
- Dynamisch, instabil, durcheinander
- **Auftritt = Beste Fassade**
- Schnappschuss des Momentanzustands auf dem kontinuierlichen Lernstrahl
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### **Unterschiede** Üben - Auftritt
#### Messbar verschiedene Gehirnzustände
- **Üben = Fehleranalyse**
- *Fehlerwelle* im EEG
- **Auftritt = Show must go on**
- Spitzenmusiker\*innen unterdrücken die Fehlerwelle
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### Ziele in Übezelle, auf Podium
- Ziele von Übung und Vortrag sind diametral **verschieden**
- Werden diese Ziele **vermischt**, leiden meist beide
- **Lernen** ist beeinträchtigt
- wenn es nicht die Bereitschaft gibt, albern, unkoordiniert oder gar unmusikalisch zu sein
- wenn Lernende z.B. im Unterricht unter Auftrittsbedingungen agieren
- besonders gefährlich in den frühen Stadien des Lernens
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### PRACTICE vs. PERFORMANCE
#### beim Üben
- Wisse, in *welchem Modus* du gerade bist
- **Entweder-Oder!** Nie vermischen!
- **Lernmodus**: Explorieren! Ausprobieren! Fehlerfreundlichkeit!
- Chaos und Durcheinander können trainiert werden!
- Idee der Performance Shifts verstehen
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#### Ablauf einzelner Übesitzungen
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### Sitzungsplanung
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- Planen
- erlaubt es Lehrenden und Lernenden, ihre zwei kostbarsten Resourcen zu maximieren
- Zeit und Aufmerksamkeit
- Umstieg von ziellosem zu organisiertem Übeablauf
- kann bahnbrechende Wirkung auf die musikalischen Fortschritte haben
- in jeder Stufe des Entwicklungsstandes anwendbar
- auch Zufälligkeit kann organisiert sein
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#### Ablauf einzelner Übesitzungen
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### Optimale Lernerfolge
beim motorischen Lernen
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- Verteiltes Üben vs. massiertes Üben
- Variables Üben vs. fixiertes Üben
- Durchmischtes vs. blockweises Üben
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### Verteiltes Üben vs. massiertes Üben
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- siehe unter **PAUSEN**
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### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Unterscheidung *Open/Closed-Skill* (beides in der Musik vorhanden)
- *Open-Skill-Task*: Skill hat bereits inhärent eine Menge Variabilität
- Ski-Slalom, Jazz
- *Closed-Skill-Task*: kaum oder keine inhärente Variabilität
- Bowling, Klassik
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### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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Beispiel: Studie zu variablem Üben am Klavier (*op111*)
Institut für Musikermedizin der HfM Dresden,
Prof.Dr.med. Hans-Christian Jabusch
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<!-- .slide: data-background="#532e22" -->
### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Variables Üben *verbessert*...
- Geschwindigkeit
- Flexibilität und Transfer
- Generalisierbarkeit
- Selbstsicherheit im Ausdruck
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### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Keinerlei Einbußen bei...
- Fehlerquote
- Präzision
- Timing
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<!-- .slide: data-background="#532e22" -->
### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Variables Üben *verschlechtert*...
- eigentlich nichts
- *nicht einmal* die eigentliche Closed-Skill-Aufgabe (Repertoire, das nun netto *weniger* geübt wird)
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### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Implementierung in der Unterrichtssituation
- Herausforderung für Lehrende
- Verabschieden von der Vorstellung, dass kein neues Repertoire aufgegeben wird, bevor das aktuelle gemeistert ist
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<!-- .slide: data-background="#532e22" -->
### Variables Üben vs. fixiertes Üben
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- Besonderheit der motorischen Schemata bei Musiker\*innen:
- Gemeinsam mit dem Motorprogramm abgespeichert sind die vielen Möglichkeiten, wie verschiedene Bewegungen sich als nuancierter musikalischer Ton niederschlagen
- Nicht nur mentale Bewegungsrepräsentationen, sondern *Bewegungs-Klang-Repräsentationen*!
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### Durchmischtes vs. blockweises Üben
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### Durchmischtes vs. blockweises Üben
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- **Block**:
- fokussiert auf das Trainieren einer diskreten Bewegung
- so lange wiederholt bis sie beherrscht wird
- Wirkung schnell und kurzfristig, aber **nicht nachhaltig**
- beliebt im Anfangsunterricht (Warum?)
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### Durchmischtes vs. blockweises Üben
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- **Durchmischter Ablauf**:
- nicht dasselbe immer wieder wiederholen
- Vermeiden von Blocks erfordert viel Disziplin
- Gefahr von Rabbithole-Blocks durch Fokussierung
- Schmeichelhafte Versuchung der scheinbar positiven Block-Wirkungen
- Forschung: **effektiver für langfristige Erfolge**
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### Variables Üben, Durchmischtes Üben
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#### Gefahren: Wahrnehmung und messbare Realität
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- **Fixiertes und blockweises** Üben
- können zu scheinbarer Wahrnehmung führen, etwas erreicht zu haben
- sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden
- Solche Lernende werden exzellente "Profi-Übende"
- aber scheitern als Performer
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### Variables Üben, Durchmischtes Üben
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#### Gefahren: Wahrnehmung und messbare Realität
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- **Variables und durchmischtes** Üben
- können die unmittelbaren Erfolgserlebnisse (scheinbar) schmälern
- aber Langzeitwirksamkeit und Generalisierbarleit sind erwiesen
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<!-- .slide: data-background="#2d625f" -->
### Variables Üben, Durchmischtes Üben
***
#### Gefahren: Wahrnehmung und messbare Realität
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- Hier wieder erkennbar:
- Musikalische **Übung** und musikalischer **Vortrag** sind **grundverschiedene** Dinge
- was hier *hilft*, kann dort *schaden*
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### Ideale Länge einer Übeeinheit?
***
- klingt paradox, gehört aber in den Themenbereich *Pausen* (aka Verteiltes Üben)
<details>
<summary>Spoiler: (Klick)</summary>
<p>Zu lang = schädlich</p>
</details>
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<!-- .slide: data-background="#fff" -->

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<!-- .slide: data-background="#aaa" -->
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### Kurz- und langfristige Trainingseffekte
#### Trainingsdauern und -häufigkeiten?
***
- siehe ebenfalls unter *Pausen*
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### Trainingspläne und -ziele
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- **Spezifisches Zielsetzen**
- entscheidend für ML
- nachweislich besser als nur *vage* Ziele zu haben
- Lehrende müssen bereit sein, fordernde Übepläne zu bieten
- Lernende müssen bereit und willens sein, diese erfüllen zu wollen
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<!-- .slide: data-background="#a83f2c" -->
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### Trainingspläne und -ziele
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- **Effektive Unterrichtspläne**
- zielen auf spezifische Bewegungen
- dokumentieren Erfolge
- analysieren Schwächen
- werden der Analyse fortschreitend angepasst
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<!-- .slide: data-background="#a83f2c" -->
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### Trainingspläne und -ziele
***
- Effektive **Übe**pläne (im selbstregulierten Üben)
- zielen auf spezifische Bewegungen
- dokumentieren Erfolge
- analysieren Schwächen
- werden der Analyse fortschreitend angepasst
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<!-- .slide: data-background="#a83f2c" -->
***
### Trainingspläne und -ziele
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- Voraussetzung bei Schüler\*in / übender Person: Fähigkeit,
- alleine zu arbeiten
- die eigenen Schwächen zu konfrontieren
- täglich für eine festgelegte Zeitspanne fokussierte Aufmerksamkeit zu investieren
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[ENDE DES BLOCKS **ÜBEN**]
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