### Crashkurs Großhirn und Terminologie
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#### VL Mensch, Musik, Gehirn 1
*aus Mpsy-4.0*
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## 4.2. Neuronale Struktur und Funktion
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#### 4.2.1. Makroanatomie des Gehirns
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### 4.2.1. Makroanatomie des Gehirns
- Crashkurs **Terminologie**
- Hier vor allem Strukturen im Blick, die auch mit Musikverarbeitung zu tun haben und die wir kennen sollten, um Forschungsarbeiten der Cognitive Neuroscience of Music lesen und verstehen zu können.
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### Lagebezeichnungen
*im Gehirn (und Körper)*
- Lagebezeichnungen oft *relativ* zueinander
- basieren auf Vierbeinern (problematisch bei Kopf- vs. Körperposition)

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#### Lagebezeichnungen: Oben und unten
| | | | |
|---|---|---|---|
|**superior** | oberhalb | **dorsal** |rückenseitig |
|**inferior** | unterhalb | **ventral** | bauchseitig |

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#### Lagebezeichnungen: Vorne und hinten
| | | | |
|---|---|---|---|
|**anterior** | vor | **rostral, frontal** | schnauzwärts, vorn |
|**posterior** |hinter |**caudal** |schwanzwärts |

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#### Lagebezeichnungen: Links und rechts
| | |
|---|---|
|links|links|
|**medial**, zentral|Mitte|
|rechts|rechts|

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#### Lagebezeichnungen: Relative Angaben
| Ort/Richtung | Bedeutung |
|------|-------|
| ipsilateral | auf der SELBEN Seite |
| contralateral | auf der GEGENÜBERLIEGENDEN Seite |
| bilateral | auf BEIDEN Seiten |
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### Ebenen und Schnitte

*Wikipedia*
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### Ebenen und Schnitte im Gehirn

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*Makroanatomie*
**Neokortex** = Rinde
- jüngste Errungenschaft der Hirn-Evolution
- Oberfläche des Gehirns (Großhirnrinde)
- wird unterteilt in Lappen (Lobes) und Hemisphären
- weitere Unterteilung der Lappen in Windungen Gyri und Sulci und Areale
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*Makroanatomie*
**Hemisphären** = Hirnhälften
- strukturell separat
- aber in Bezug auf die anatomische Struktur i.w. *homolog*
Grohirnrinde ist vielfach gefaltet (warum?)
- **Gyrus** = Hirnwindung
- **Sulcus** = Furche (zwischen den Windungen)
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*Makroanatomie*
**Lappen**
- **Frontal**lappen (Stirnlappen)
- **Parietal**lappen (Scheitellappen)
- **Temporal**lappen (Schläfenlappen)
- **Okzipital**lappen (Hinterhauptslappen)
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### Brodman-Areale

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Vorstellung, dass jeder der Lappen eine spezifische Aufgabe hat, nur teilweise korrekt
- Musikverarbeitung beteiligt letztlich fast das ganze Gehirn
- Schwerpunkt liegt aber häufig in den
- Frontallappen (höhere kognitive Funktionen; Motorik)
- und Temporallappen (Hören)
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*Makroanatomie*
### Hirnstrukturen, die im Zusammenhang mit Musik auftauchen

>Hirnstrukturen im Zusammenhang mit Musik
- Hörareale (Superiorer Temporallappen)
- Motorkontrolle (caudaler und ventraler Frontallappen; Kleinhirn = Cerebellum)
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*Makroanatomie*
### Weg des auditorischen Inputs im Kortex
- Primärer Auditorischer Kortex (A1, Hörrinde)
- im Temporallappen
- verborgen in Heschl'scher Querwindung
- wesentlicher Grund, warum das Sehsystem im Gehirn schon früher und besser erforscht war als das Hörsystem (Aktivität in der Falte schwieriger zu messen)
- Sekundäre und tertiäre Hörareale: Komplexere Analyse des Audiosignals; Extraktion tatsächlich nützlicher Information
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- Auditorischer Kortex informiert uns, **DASS** wir was hören,
- Weitere, höhere Verarbeitung in benachbarten Arealen (Superiorer Temporaler Sulcus, inferior zum auditorischen Kortex) informiert uns, **WAS** wir hören
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#### 4.2.2. Lateralisation von Funktionen
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### 4.2.2. Lateralisation von Funktionen
- Zwei anatomisch homologe (i.w. baugleiche) Hemisphären
- Sind Hirnfunktionen lateralisiert?
- Frage, zu welchen Grad eine gegebene Verhaltenseigenschaft dominant in der rechten oder linken Hemisphäre verarbeitet wird
- Gegenteil von *lateralisiert*: **bilateral**
- Beide Hemisphären kommunizieren mittels eines dicken Faserbündels miteinander: *Corpus callosum*
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*Lateralisation*
Frühe Forschung der Neuroscience of Music:
- Ist Pitch **lateralisiert**?
- Und wenn ja, ist es links lateralisiert (so wie Sprache)?
- Würde man finden, dass Musik stark lateralisiert ist, aber eben nach rechts statt nach links, wäre die Schlussfolgerung, dass Musik unabhängig von Sprache verarbeitet wird
- Frühe Studien (vor Bildgebung):
- Nichtmusiker verarbeiten musikalischen Pitch rechts;
- Musiker links (Bever & Chiarello 1974)
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Musiker mit absolutem Gehör
- haben stärkere anatomische Links-Lateralisation im Planum Temporale (auditorisches Assoziationsareal), d.h. höhere Zelldichte links als rechts
- bei nicht-absoluthörenden Musikern als Vergleichsgruppe ist das symmetrischer bilateral verteilt (Schlaug, Jäncke, Huang & Steinmetz 1995)
- Beispiel für Gefahr der Fehlinterpetation abhängig von den Berichterstattung: Bei Aps in Wirklichkeit Asymmetrie durch Reduktion rechts!
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Neuere Studien
- suchen weniger nach spezifischen "Musikzentren" im Gehirn oder nach Rechts-Links-Differenzen,
- sondern gehen feinmaschiger an die Verarbeitungsnetzwerke heran.
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*Exkurs:*
### Kortikale Karten
- Pionier Neurochirurg Wilder Penfield (1891-1976)
- Entdeckung, dass Abschnitte des Motorkortex (posteriorer Frontallappen) direkt mit bestimmten Muskeln im Körper korrelieren
- Räumliche Karte der *Repräsentation* des Körpers im Gehirn passt in etwa zur räumlichen Anordnung des Körpers
- Wieviel Platz im Gehirn (Anzahl zuständiger Neuronen) einem bestimmten Körperabschnitt zugeordnet ist, korreliert mit dem Grad der Präzision motorischer Kontrolle
- *Homunculus*
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## 4.2.3. Neuronale Plastizität
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### 4.2.3. Neuronale Plastizität
Plastizität: Repräsentation in kortikalen Karten kann sich verändern und anpasse in Abhängigkeit
- z.B. vom Präzisionsgebrauch bestimmter Muskelgruppen, durch Üben
- z.B. von der notwendigen sensorischen Präzision bestimmter Verhaltensleistungen (Gehörbildung)
- Bsp. Streicher/Tasten:
- Elbert, Pantev, Wienbruch, Rockstroh & Taub 1995
- Bangert & Schlaug 2006
- Musiker sind ideale "Modellorganismen" für das Studium von Neuroplastizität im menschlichen Gehirn!
- Warum?
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[EoT]
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