# Community-Call OER-Strategie *Input von Anja Lorenz* ## Input ### Einleitung * danke für Gelegenheit zur Stellungnahme * Anja Lorenz * könnte Erfahrungen aus vielen Bereichen einbringen * breiten Blick gerade schon von Jöran * will mich auf institutionelle Sicht beschränken * da es mein beruflicher Alltag ist ### Mein Arbeitsalltag * u.a. erstelle ich offene Online-Kurse (MOOCs) * Online-Kurse (ob offen oder nicht) sind nicht billig * Videos und weiteres Lernmaterial produzieren * Aufgaben entwickeln * Systeme hosten und pflegen * finanziert sich über Drittmittelprojekte, meist öffentlich, d.h. Bund oder Land (Bildungsbereich für Unternehmen eher inhouse interessant) * Aktuell ist OER selten Bedingung für Förderung 👉 warum? * Ohne OER: * Wem nutzen diese Kurse? * Vielleicht: Den Menschen, die sie erstellt haben. * Vielleicht: Menschen, die GENAU DAS auch lehren wollen, aber ohne viel Betreuung (oder in anderen Kanälen). * schwer: andere Schwerpunkte setzen * schwer: "Privatkopie" für Lernende (Download vs. Screenshots) * Was passiert mit den Kursen nach Projektende? * Verkaufen * geht aber nur über eine GmbH o.ä., i.d.R. nicht für Hochschulen * 👉 Investitionen in Bildung oder eher Wirtschaftsförderung (kann man machen, wäre aber ein anderes Ministerium) * Nichts * Projektseite wird eingestampft * Material nicht mehr verfügbar * Personal wird z.T. nicht weiter beschäftigt * 👉 nachhaltige Investition in Bildung? * Wir haben wo möglich frei lizenzierte Kurse produziert * konnten nach Projektende von allen Seiten weiter verwendet werden * Story: Berufsschullehrer hat Kosten- und Leistungsrechnung mit seinen Schülern genutzt * Netzwerksicherheit wird sowohl in VFH als auch THL eingesetzt * Nutzung für digitale Lehre zu Corona kein Problem * Nutzung der Kurse auf anderen Plattformen (Future Skills vom Land SH) * erste Autor:innen fragen explizit nach OER-Vertrag ### Was soll die Strategie bringen? * ==**OER bei öffentlichen Investitionen zum Standard machen**== * kein progressives oder nerdiges Konzept * DER Weg für nachhaltige und vielfältige Nutzung der Materialien * ==kein Grund, warum öffentliche Investitionen nicht allen zur Verfügung stehen sollen<br> 👉 Explizit auch Vereinen, Unternehmen, Parteien u.v.m. (ev. Beispiel reclam)== * ==**um alles zu vereinfachen: CC BY und CC0 als Lizenzen festlegen**== * ==**Prozesse und Mindestanforderungen für Qualitätssicherung für alle Lernmaterialien**== * bei OER: ==Qualitätssicherung auch im Prozess der Nutzung möglich==, Verbesserungen, Erweiterungen hinsichtlich Barrierefreiheit * am Ende vermutlich Checklisten, wenn etwas institutionell empfohlen werden soll * ==OER und professionelle Produktion sind kein Widerspruch!== * ==**gestalterischen Umgang mit Lehrmaterialien gerade im Digitalen fördern**== * L3T: "Ich zerschneide doch kein Lehrbuch" (EduCamp 2012 in Ilmenau) 👉 Doch! * ==Lernende nicht nur Konsument:innen, sondern auch Prosument:innen (Wort von 2008, Web 2.0 & User Generated Content)== * ==dafür braucht es regelmäßige Weiterbildung und Austausch auf Augenhöhe== * keine frontale Belehrung * Ausprobieren und neugierig bleiben als Grundhaltung * "Dafür brauchen Lehrkräfte erst einmal eine Schulung" hatte ich immer falsch verstanden (i.S.v. brauchen es vorgekaut) 👉 brauchen Zeit und Menschen zum Mitdenken und gegenseitigen Inspirieren *Nachfolgendes optional* ### Wenn es die OER-Strategie gibt, dann… * Grundlage für die Ausrichtung von Förderprogrammen * selbst in den Ländern: Begründungsnot, warum Programme ggf. nicht der OER-Strategie folgen * Hohes Nachhaltigkeitspotential, Nutzung auch für Verlage und Unternehmen erstmalig gleichberechtigt möglich ## Fragen zur Diskussion ### Was kann OER und freie Bildung in Sachen „Soziale Ungleichheit abbauen!“ (Tweet von Birke Bull-Bischoff) * generell vielschichtiges Problem * was es nicht kann * Benachteiligung durch regionale Verhältnisse auflösen ("Brennpunktschulen") * Vernachlässigungen beseitigen * systematische Hürden bzgl. Durchlässigkeit im Bildungssystem aufheben * was geht * Synergien nutzen, "eingespartes" Geld für andere Unterstützungen investieren * Synergien nutzen, um besonderen Gruppen ein Angebot machen zu können * bspw. Kurse für Senior:innen zur Digitalisierung auf Grundlage von Material für Schulkinder * informelle Durchläsigkeit schaffen (Material für Abiturient:innen stehen auch anderen zur Verfügung) * Hochschulkurse aus teuren Wohnorten wie München können überall genutzt werden (Online in dem Fall wichtiger als Open) * Kurse für internationale Studierende für Geflüchtete verwenden und anders herum * Maßnahmen zum Ausgleich sozialier Ungleichheit unterstützen * Nachhilfe * Schulbibliotheken * Hilfsvereine (Arche in Berlin) --- ## Speicher (vielleicht in der Diskussion) ### Lehrmaterial an Hochschulen * wird i.d.R. von den Lehrenden selbst erstellt * PPT-Slides, manchmal Skripte, teilweise Lehrbücher * Autonomie besteht bei Professor:innen (Freiheit von Forschung und Lehre) & Verlagen 👉 kein Vorschreiben von Lizenzen möglich oder gewollt * Was ist aber mit * Mittelbau, der einen Großteil der Lehre übernimmt?<br> 👉 Weisungsbefugt, Hochschule entscheidet * Mittelbau ist befristet beschäftigt 👉 Glückssache, ob die nächste Generation die alten Materialien nutzen kann * Mehrfachinvestitionen bzgl. Zeit * fehlende Synergieeffekte zwischen den Hochschulen * Schon mal versucht, einer Hochschule Material abzukaufen? ### Rahmen der Stellungnahme * ich wurde im Themenbereich "Mensch" befragt * Thesen und Fragen in diesem Bereich bezogen sich auf * Zugang * didaktische Verbesserung von Bildungsprozessen * Inklusivität * Lizenzfragen * Barrierefreiheit * meinerseits die Fragen: * Warum sind das Themen für eine OER-Strategie? (außer Lizenz) * Sind diese Themen für andere Lern-/Lehrmittel nicht relevant? * gerade hier: OER häufig im Vorteil ###