> # Environmental Report Apple (2019) ## Einleitung Jedes Jahr veröffentlicht das US-amerikanische Unternehmen Apple Inc. auf ihrer Website einen Environmental Responsibility Report, der Apples Einfluss auf die Umwelt beleuchten soll. Im Folgenden wird der Environmental Report aus dem Jahr 2019 analysiert und bewertet, ob er eine kritische Auseinandersetzung mit den ökologischen Folgen von Apples Handeln zulässt. Außerdem wird der Environmental Report des iPhone 11 im Hinblick auf das Einhalten der formalen Richtlinien einer Ökobilanz untersucht. ## Inhaltliche Zusammenfassung Der Report ist in vier Abschnitte gegliedert, "Climate Change", "Resources", "Smarter Chemistry", und "Better together". Die folgende Zusammenfassung ist entsprechend zum Report gegliedert. ### Climate Change #### Carbon Footprint Um gezielt ihren Carbon Footprint reduzieren zu können, hat Apple analysiert, welcher ihrer Bereiche einen Haupteinfluss auf die von ihnen verusachten Treibhausgasemissionen haben. Der Hauptverursacher ist hierbei die Produktion mit 74% der von Apple verursachten Treibhausgasemissionen, im speziellen die integrierten Schaltkreise mit ca. 30%. Der zweitergrößter Bereich ist die Produktnutzung mit 19% von denen ca. 10% auf das Laden von iPhones zurückfallen. Insgesamt hat Apple einen Carbon Footprint von 25,2 Millionen Tonnen CO~2~e, was in etwa dem von 2,3 Millionen Deutschen entspricht (Anmerkung der Verfasser) [GCP19]. Desweiteren gibt Apple an, seinen Carbon Footprint seit 2015 um 35% gesenkt zu haben. > [name=LaKr]Habt ihr die Aussage mal überprüft und eventuell geschaut in welchem Bereich dort eingespart wurde? #### Ökostrom Im Geschäftsjahr 2018 hat Apple 638 Mio. kWh Strom in der Produktion, 1349 Mio. kWh beim Betrieb der Datencenter und 195 Mio. kWh beim Betrieb der Ladengeschäfte verbraucht (Daten der Zulieferer nicht eingerechnet). Dieses ergibt eine Summe 2182 Mio. kWh Strom, von dem 99% als erneuerbar erzeugt angegeben werden. Apple bewirbt sich selbst damit, 100% erneuerbare Energien in seine Einrichtungen zu nutzen. Der Ansatz des Unternehmens ist dabei, CO2 intensiver Erzeugungsformen aus dem Strommarkt des jeweiligen Landes zu verdrängen, indem sie selbst Energieerzeugungsprojekte entwickeln und finanzieren, die genügend Strom produzieren, um ihren eigenen Strombedarf rechnerisch zu decken. Wenn Apple in Ländern nur einen sehr geringen Stromverbrauch hat, versucht es dahingegen den Bedarf aus bereits bestehenden erneuerbaren Anlagen zu decken. Die Firma gibt an selbst in Besitz von mehr als 600MW Erzeugunskapazität erneuerbarer Anlagen zu sein und sich im Januar 2016 zu 66% aus diesen eigenen Anlagen versorgt zu haben. Falls es nicht möglich ist, eigene Projekte zu entwickeln, beteiligen sie sich finanziell an Projekten oder schließen langfristige Lieferverträge ab. Ist dies nicht möglich, beziehen sie renewable energy credits (REC), die den aus Deutschland bekannten Herkunftsnachweisen entsprechen. Diese sollen dann vorrangig auch aus dem selben Land kommen wie das Werk, das sie versorgen. Es wurde außerdem das ein "Clean Energy" Programm für Apples Zulieferer gestartet, mit dem Apple zusammen mit ihren Zulieferern eine Erzeugungskapazität von 4GW im 2020 erreichen möchte.[ApER19] #### Energie Effizienz Apple erwähnt hier verschiedene Kennzahlen, welche ein besonders energieeffizientes Produktdesign attestieren sollen. Beispielsweise hat sich der Energieverbrauch ihres Durchschnittsprodukts über die letzten zehn Jahre um 70% reduziert und der neueste iMac Pro (mit Doppelstromrichter) verbraucht im Sleep- und im Off-Modus 40% weniger Strom, als ein herkömmlicher PC mit Einzelstromrichter. ### Resources Apple benötigt Ressourcen vor allen Dingen zu Produktion der Geräte selbst, sprich vor allen Dingen verschiedenste Metalle, und zur Verpackung dieser. Apple hat sich 2017 das Ziel gesetzt, eines Tages nur noch recyclete und erneuerbare Materialien zu verwenden, um ihre Produkte zu bauen. Es wurden bestimmte Materialien bestimmt, wie unter anderem Aluminium, Kobalt, Kupfer, Gold, Lithium, Plastik und Papier, auf die sich in der Entwicklung von Nutzung recyclter Rohstoffe und auch Recyclefähigkeit der Produkte konzentriert wird. Zum Beispiel wurde eine neue Aluminium Legierung für die MacBook Pro Modelle entwickelt, die zu 100% aus Recycling Aluminium bestehen kann. Die spezifische Lösungsfindung für jedes einzelne Material kann sehr unterschiedlich sein und wird deswegen hier nicht weiter aufgefürt. Apple gibt allerdings weiter an, durch Produkte, die lange Lebensdauern haben und oft von mehreren verschiedenen Nutzern genutzt werden, verantwortungsvoll zu handeln. Durch das Programm "Trade-In" unterstützt Apple dies, indem alle Kunden ihre Endgeräte kostenlos zurückgeben können bzw. noch einen Cash-Back erhalten. Diese werden dann repariert und wieder verkauft oder dem Recycling-Prozess zugeführt. Hier setzt Apple mit der Entwicklung eines Disassembly-Roboters ("Daisy") an, der verschiedenste iPhone Modelle in seiner Einzelkomponenten zerlegen kann. In den Einzelkomponenten liegen der Materialien oft besser rückgewinnbar vor. Zum Beispiel ermöglicht dies eine Nutzung des Rohstoffes Kobalt, der in den Batterien enthalten ist. Ferner engagiert sich Apple in einem Zero-Waste Programm, dass die Müllproduktion von Apple und seine Zulieferern reduzieren soll und die Recyclingquote steigert. [ApER19] ### Smarter Chemistry Seit 2002 identifiziert Apple Schadstoffe in seinen Produkten und Prozessen, die dort nicht oder nur begrenzt zum Einsatz kommen dürfen, und fast diese in einer internen Vorschrift (RSS) zusammen. Im Jahr 2006 wurde damit begonnen, die Produkte auf weitere gefährliche Substanzen zu untersuchen und die Einhaltung der RSS zu überprüfen. Inzwischen besitzt Apple einen Überblick über 75 Massen-% der in ihren Produkten vorkommenden Chemikalien. Ferner wird hervorgehoben, dass Apple Produkte frei von Quecksilber, bromierten Flammschutzmitteln, PVC, Phthalate, Beryllium, Lötblei und Arsen (im Display) sind. ### Better together Apple finanziert mit 3 Millionen US-Dollar eine Professur in Beijing, die sich mit "Responsible Innovation" befasst und arbeitet als Teil des Programms "China's Green Innovation" mit Tsinghuas Universität zusammen. Desweiteren hat Apple das "Green Chemistry Advisory Board" in 2015 gegründet. Abseits von ihrer akademischen Partnern erwähnt dieser Abschnitt noch einige Spenden von Apple und ihre Aktionärskonferenz. ## Kritik Im folgenden Abschnitt wird zum einen analysiert, inwiefern der Bericht die Anforderungen an eine Ökobilanz erfüllt und zum anderen wird kritisch auf einzelne Aspekte der Bilanz eingegangen. ### Ökobilanz des IPhone 11 nach ISO 14040 und 14044 Auf Seite 2 des Enviromental Reports stellt Apple den Lebenszyklus dar und gibt einen CO~2~-Ausstoß von 72 kg an. Dabei wird als Fußnote auf die Einhaltung der ISO 14040 und 14044 verwiesen. ISO 14040 gibt Grundsätze und Rahmenbedingungen und ISO 14044 Anforderungen und Anleitungen für die Erstellung einer Ökobilanz (oder auch Life Cycle Assessment kurz LCA) an. In ISO 14044 ist eine Ökobilanz-Studie in 4 Phasen aufgeteilt: Festlegung von Ziel/ Untersuchungsrahmen, Sachbilanz, Wirkungsabschätzung und Auswertung. Auf einer externen Seite für weitere Fragen beschreibt Apple, dass die produktspezifische Ökobilanz nach 5 Schritten erstellt wird: Fertigungsprozess, Nutzung/Verwendung (Energieverbrauch), Transportwege, Simulation der Lebensdauer und Auswertung. Die Ökobilanz von Apple deckt dabei den gesamten Lebenszyklus eines IPhones inklusive Recycling und Neuverwertung der recycelten Rohstoffe (siehe Grafik Seite 2). Allgemein wird dieser Lebenszyklus auch als „Cradle to Cradle“ also von der Wiege zur Wiege bezeichnet. Die von Apple genannten 5 Schritte decken sich dabei nur in Teilen mit den Phasen aus der ISO 14044 und die genaue Erstellung der Ökobilanz bleibt unklar. Es wird nicht beschrieben, wie die Systemgrenzen gewählt werden, wie die funktionelle Einheit gewählt wurde, Quellen der Datenerhebung, Erstellung von Wirkungskategorien etc. Allgemein sind die einzigen Informationen, die der Leser aus dem Enviromental Report erhält, das Ergebnis von 72 kg CO~2~ und welche Phasen im Lebenszyklus betrachtet werden. Die Erstellung der Ökobilanz wird extern vom Fraunhofer IZM (Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration) im Letter of Assurance auf die Einhaltung der ISO 14040/ISO 14044 und zusätzlich ISO 14064-3 (Treibhausgase) kontrolliert. Für weitere Informationen zu der Ökobilanz vom IPhone 11 wird auf das Paper der CARE Innovation Konferenz 2018 in Wien verwiesen. Dieses Paper ist nicht verlinkt und ist auch ohne weiteres nicht direkt online einsehbar. Es muss also davon ausgegangen werden, dass das Fraunhofer Institut zur Kontrolle der Ökobilanz Zugang zum vollständigen Bericht hatte, um die Ökobilanz auf die genannten ISO zu kontrollieren. Dabei haben Außenstehende über den Report oder die Website von Apple keinen direkten Zugang zu der Auswertung der Ökobilanz bzw. zur gesamten Ökobilanz-Studie. Auf der Website für "Antworten zu Fragen zu Apple und dem Umweltschutz" schreibt Apple selbst: „Eine Simulation von CO2 Emissionen ist immer mit Ungenauigkeiten verbunden.“ [ApEn20] Die Veröffentlichung des vollständigen Berichtes mit den Simulationen ließe weitere Kritik oder Verbesserungsvorschläge von Außen zu. Im Letter of Assurance wird vom Fraunhofer IZM bestätigt, dass bei Annahmen und fehlenden Daten vom schlechtesten Zustand ausgegangen wird. Der Name „Enviromental Report“ und die Verweise auf die ISO-NORM zur Ökobilanz geben Lesern den Eindruck, dass es sich dabei um ein wissenschaftliches Vorgehen handelt, während der Leser nicht kontrollieren kann woher die Daten kommen und sich darauf verlassen muss, dass die Ökobilanz entsprechend der ISO erstellt und korrekt kontrolliert wurde. [ApEn20] , [ISO14044] , [ISO14040] , [ApFaq] ### Ökostrom Der Begriff Ökostrom ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Wenn man Ökostrom bezieht, muss der Stromanbieter für die Menge Strom, die man verbraucht, entsprechend viele Herkunftsnachweise den Betreibern erneuerbarer Stromerzeugern abkaufen. Die meisten Windräder, Biogasanlagen und Photovoltaikanlagen werden allerdings über das EEG vom Staat gefördert. Hier wird dem Erzeuger über 20 Jahre ein Mindestpreis garantiert, der ihm vom Stromabnehmer gezahlt werden muss. Liegt der aktuelle Marktpreis für Strom unter dem vereinbarten Mindestpreis, so füllt die EEG-Umlage den restlichen Anteil auf. Diese Umlage wird dann auf alle Stromverbraucher (mit Ausnahmen) umgelegt. [Wi20] Die Betreiber solcher Anlagen in Deutschland können jedoch keine Herkunftsnachweise ihres erzeugten Ökostroms verkaufen, da sich das Beziehen der EEG-Umlage damit ausschließt. Wird in Deutschland Ökostrom verkauft, müssen sich die Betreiber auf dem freien Markt Herkunftsnachweise ungeförderter Anlagen besorgen. Diese können zum Beispiel von Wasserkraftwerken aus Norwegen kommen. Dieses System führt aber nicht unbedingt dazu, dass mehr Ökostrom erzeugt wird. Der deutsche Verbraucher verbraucht nämlich nicht zwingend physisch den norwegischen Ökostrom, sondern weiterhin den deutschen Strommix. Dem norwegischen Stromproduzenten fehlt durch den Verkauf des Nachweises dann das Attribut „Öko“ für den Strom, er muss seinen Strom als konventionell erzeugt ausweisen. Es gibt zertifizierte Ökostromanbieter, die z.B. nur regionalen Ökostrom anbieten, den Aufbau von weiterer Ökostromerzeugern wirtschaftlich und politisch unterstützen oder sich international für einen weiteren Ausbau einsetzen. Diese sind jedoch nicht auf den ersten Blick von Ökostromanbietern zu unterscheiden, die nur Herkunftsnachweise beziehen. [Df17] Ferner ist es bisher aufgrund fehlender großtechnischen Stromspeichertechnologien schwer möglich zu garantieren, dass der Ökostrom zu jedem Zeitpunkt auch wirklich (physisch) Ökostrom aus erneuerbaren Energien erhält. Es ist zu kritisieren, dass man sich als Unternehmen mit 100% erneuerbarem Strombezug auszeichnen kann, obwohl man nur günstige Herkunfstnachweise bezieht, die im Endeffekt gar keinen den Ökostromanteil erhöhenden Effekt haben. Auch Apple geht den Weg sich mit Ökostrom auszuzeichnen über den Bezug von Herkunftsnachweisen. Es ist aber grundsätzlich positiv zu bewerten, dass diese nicht von Drittanbietern bezogen werden, sondern aus Projekten stammen, die von Apple selbst entwickelt beziehungsweise angetrieben werden. Hierdurch wird auch tatsächlich der Ökostromanteil weltweit gesteigert. Obwohl es gängige Praxis ist, sich mit 100% Ökostrom zu bewerben, wenn man über ausreichend Herkunftsnachweise verfügt, ist natürlich trotzdem anzumerken, dass dadurch ein falscher Eindruck erweckt wird. Effektiv werden ja doch zu bestimmten Zeiten Apples Liegenschaften von normalen, CO2-behafteten Strom versorgt, z.B. wenn die Sonne nicht scheint. Der Weg, dass sich Unternehmen selbst verpflichten, den Ökostromanteil zu erhöhen, indem sie Herkunftsnachweise beziehen, ist grundsätzlich ein Weg, der zu einer nachhaltigeren Welt beiträgt. Es wäre aber dennoch zu wünschen, dass 100% Ökostrom auch heißt, dass zu jedem Moment selbst erzeugter Strom genutzt wurde, da nur dann der Stromverbrauch klimaneutral ist und das Stromnetz und der Kraftwerkspark doch solche Projekte dann weniger belastet werden. > [name=LaKr]dies ist ein sehr interessanter Teil und war mir so auch nicht bewusst. ### Methodik Da der Environmental Responsibility Report nicht mit Quellen versehen ist und die Mehrheit der Daten, auf die sich bezogen wird, nicht veröffentlicht sind, fällt es schwer den Wahrheitsgehalt vieler Aussagen zu überprüfen. Hinzu kommt, dass auch innerhalb des Reports sich viele Informationen nicht im Text, sondern erst in den Hinweisen im Anhang finden lassen. Innerhalb des Berichts werden nur Punkte erwähnt, die einen positiven Wandel der Umweltauswirkungen der Firma suggerieren. Um einen umfassenderen Blick auf die Thematik zu ermöglichen, sollte diese differenzierter behandelt werden. Die Entwicklung des Carbon Footprint der iPhone Generationen über die Jahre, könnte zum Beispiel genutzt werden um Werte wie den gesamt Carbon Footprint oder den durchschnittlichen Energieverbrauch der Produkte in Kontext zu setzen. ![](https://i.imgur.com/HvdGWub.png) Grafik 1: *Basierend auf: [ApEn20]* Inhaltlich stellt sich bei einigen angegebenen Werten die Frage, ob die gewählten Vergleichswerte, tatsächlich einen repräsentativen Vergleich zulassen. Beispielsweise wird Apples aktueller Carbon Footprint mit dem von 2015 verglichen, obwohl sich Apples Berechnungsverfahren für den Carbon Footprint für die Produktion von intergrierten Schaltkreisen zum Jahr 2016 geändert hat. Die Produktion integrierter Schaltkreise ist mit ca. 30% für den größten Anteil von Apples Carbon Footprint verantwortlich. Auffällig ist, dass die angebenen CO~2~-Emmissionen von 2015 zu 2016 um ca. 23% abnehmen, von 2016 bis 2018 aber nur um ca. 11% bezogen auf den Wert von 2015. ![](https://i.imgur.com/0QzY6Hh.png) Grafik 2: *Basierend auf: [ApER19]* Ein weiteres Beispiel ist der Vergleich des Standby- und Stromverbrauchs des iMac Pro, der einen Doppelstromrichter besitzt, mit dem eines herkömmlichen PCs mit Einzelstromrichter ~~vergleicht~~. Der Vergleich mit einem herkömmlichen PC mit Doppelstromrichter würde zu einem vergleichbarerem Ergebnis führen. Sollte es sich bei der Doppelstromrichtertechnologie für Desktop-PCs um ein bisher nicht kopiertes Herausstellungsmerkmal des iMac Pros handeln, sollte dies erwähnt werden. ### Darstellung Der Environmental Responsibility Report besteht großteils aus Bildern, großen Grafiken und einzelnen Zahlen mit relativ wenig ausführendem Text dazu. Spezifisch kommen auf 54 Seiten Report 15.925 Wörter, was etwa 29 Seiten generiertem "Lorem Ipsum" Text (mit "Calibri Textkörper" Schriftgröße 11) inklusiv der generierten Absätze entspricht. Zusätzlich sind viele der Textpassagen sehr vage gehalten, wodurch die Informationsdichte des Textes relativ niedrig ist. Diese Faktoren in Kombination mit reißerischen Überschriften wie "Taking big steps toward a smaller footprint." und einem stark konnotiertem Schreibstil lassen den Bericht weniger wie einen wissenschaftlichen Artikel und mehr wie ein reines Werbedokument erscheinen. ### Kontext Zahlen, die ohne genauere Erläuterungen verwendet werden, haben die Problematik, dass sie zu fehlerhaften Interpretationen und daraus zu einer fehlerhaften Einschätzung der Gesamtsituation führen können. Ob das genaue Bekanntsein von 75 Massen-% der Chemikalien, wie die Konnotation der begleitenden Sätze impliziert, ein hoher Wert ist, läßt sich beispielsweise nur mit einem Vergleich zu typischen Werten von vergleichbaren Firmen bewerten. Speziell wenn Werte leicht mit anderen Werten verwechselt werden können, kann es leicht zu einer Missinterpretationen kommen. Zum Beispiel führt die Aussage, der durchschnittliche Energieverbrauch der Produkte sei seit 2008 um 70% gesunken, leicht zu der Annahme, Apples Produkte würden im Durchschnitt 70% weniger Energie verbrauchen. Tatsächlich bezieht sich dich der durchschnittliche Energieverbrauch auf den Energieverbrauch gemittelt über alle verkauften Geräte des Geschäftsjahr, wodurch dieser Wert stark mit dem Anstieg an verkauften iPhones korreliert und als Indikator für die Effizienz der einzelnen Produkte ungeeignet ist. ![](https://i.imgur.com/xjY3RvX.png) Grafik 3 *Anmerkung: der Energieverbrauch des Durchschnittsprodukts für 2018 wurde entsprechend dem Report von 2019 als 30% des Wertes von 2008 angenommen. Basierend auf: [ApER18],[ApEn19] und [St19]* Fehlender Kontext wirkt besonders irreführend, wenn das behandelte Thema in sich komplex und dem Lesenden kaum bekannt ist. Die Aufführung der Chemikalien, die nicht mehr in Apple Produkten verwendet werden dürfen, benötigt eine genaue Auseinandersetzung mit Import Richtlinien, nationalen Gesetzen und internationalen Abkommen, um zu verstehen welche Maßnahmen freiwillig von Apple eingeführt wurden. Für fünf der sieben direkt genannten Stoffe existieren Regulierungen, die den Verkauf von Produkten mit diesen Inhaltsstoffen verbieten oder limitiert. Tabelle 1: Chemikalien | Stoff | Verbot/Limitierung | Einführungsjahr | Details | | -------- | -------- | -------- | -------- | | Quecksilber | verboten | 2017 | Bereits vorher in vielen Länder verboten, seit 2017 weltweit | | Bromierte Flammschutzmittel | teils verboten | zwischen 2003 und 2018 | Es handelt sich hierbei um eine Überkategorie. Mehrere bromierte Flammschutzmittel sind EU- oder sogar weltweit verboten | | PVC | - | - | - | | Phthalate | limitiert | 2015 | Die Mehrheit der Phthalate ist seit 2015 in der EU unter REACH zulassungspflichtig | | Beryllium | - | - | In Legierungen ab 200ppm deklarationspflichtig nach REACH | | Blei | limitiert | 2002 | Höchstkonzentration von 0,1 Massen-% in Elektronikgeräten nach RoHS | | Arsen | verboten | 1999 | nach Reach | *Anmerkung: REACH entspricht "Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals", einer EU Chemikalienverordnung. RoHS ist eine EU-Richtlinie für Elektro- und Elektronikgeräte* *Basiert auf: [UN13], [BMU18], [BMU20], [EP08], [EU15] und [EU03]* Gesamt betrachtet liefert der Bericht zu wenig Kontext und ermöglicht dadurch Fehlinterpretationen. ## Fazit Apple hat als einer der größten Smartphone und Elektronik Produzenten eine hohe Verantwortung gegenüber der Umwelt. Da ist es positiv, dass Apple zu jedem neuen Produkt einen Enviromental Report verfasst und die Folgen abschätzt, die das Produkt auf die Umwelt hat und aufzeigt, was sich im Vergleich zum Vorgänger verbessert hat. Dennoch nutzt Apple diesen Enviromental Report vorrangig als weitere Werbeplattform und hebt dabei bestimmte Zahlen hervor und nimmt Fakten aus dem Kontext. Obwohl Apple im Enviromental Report eine Verbesserung zu den Vorjahren bewirbt, hat sich der Carbon Footprint eines iPhones nicht direkt verbessert. Große Unternehmen mit hohem Einfluss auf die Umwelt sollten verpflichtet werden die gesamten Daten zu Umwelteinflüssen offenzulegen, um Kritik zuzulassen oder eben Kritik wie diese zu widerlegen. ## Literaturverzeichnis [ApER18] Apple: Environmental Responsibility Report. 2018 Progress Report, covering fiscal year 2017. [ApER19] Apple: Environmental Responsibility Report. 2019 Progress Report, covering fiscal year 2018. [ApEn20] Apple: Environment. https://www.apple.com/environment/, 14.6.2020. [St19] Apple iPhone - Absatz weltweit bis 2019 | Statista, 2020-06-14T11:14:27.662Z. [BMU18] Bromierte Flammschutzmittel. https://www.bmu.de/themen/gesundheit-chemikalien/chemikaliensicherheit/bromierte-flammschutzmittel/, 14.6.2020. [GCP19] CO2 Emissions | Global Carbon Atlas. http://www.globalcarbonatlas.org/en/CO2-emissions, 14.6.2020. [ISO14040] ISO 14040:2006, Umweltmanagement – Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen. [ISO14044] ISO 14044:2006, Umweltmanagement – Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen (ISO 14044:2006 + Amd 1:2017). [EU15]: DELEGIERTE RICHTLINIE (EU) 2015/863 DER KOMMISSION vom 31. März 2015 zur Änderung von Anhang II der Richtlinie 2011/65/EU des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Liste der Stoffe, die Beschränkungen unterliegen. [EU03]: Vorschlag für eine VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (Reach), zur Schaffung einer Europäischen Agentur für chemische Stoffe sowie zur Änderung der Richtlinie 1999/45/EG und der Verordnung (EG) {über persistente organische Schadstoffe} {SEK(2003) 1171}. [EP08] Liste der verbotenen / unerwünschten / deklarationspflichtigen Stoffe. https://www.ebmpapst.com/media/content/company/purchase/further_information/Schadstoffverbotsliste_DE.pdf, 14.06.2020. [Df17] Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/angaben-kennzeichnung-oekostrom-eeg, 2020-06-09T12:46:07.687Z. [BMU20] Phthalate. https://www.bmu.de/themen/gesundheit-chemikalien/chemikaliensicherheit/phthalate/, 14.6.2020. [FIZM16] Schischke, K.; Clemm, C.: Letter of Assurance. Company Carbon Footprint – Scope 3: Product related Carbon Footprint for Fiscal Year 2016. [ApFaq] Umweltschutz - Antworten. https://www.apple.com/de/environment/answers/, 14.6.2020. [UN13] MINAMATA CONVENTION ON MERCURY, 2013. [Wi20] Wikipedia: Erneuerbare-Energien-Gesetz. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erneuerbare-Energien-Gesetz&oldid=200614641, 9.6.2020.
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