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tags: Hauptpraktikum
title: Didaktische Analyse
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# Seminar: Vorbereitung Hauptpraktikum
## Sitzung: Didaktische Analyse - Theorie-Input
> *Dr. Stefan Blumenthal*
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## Ziele für heute:
- [ ] Die Studierenden legitimieren den Unterrichtsinhalt einer geplanten Stunde, indem Sie eine Verortung im Rahmenplan vornehmen und Leitfragen zur (fach-)didaktischen Begründung anwenden.
- [ ] Die Studierenden grenzen die didaktische Analyse von den anderen Analysen der Unterrichsplanung ab, indem Sie Unterschiede zwischen diesen benennen.
- [ ] Die Studierenden trainieren Ihre selbstgesteuertes Lernen, indem Sie den Theorieinput selbständig durcharbeiten.
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## Wiederholung
:::info
:page_facing_up: **Aufgabe**
* Welche positiven und negativen Aspekte sind hinsichtlich der formulierten Ziele für diese Sitzung zu benennen?
|positive Aspekte|negative Aspekte|
|---|---|
|- ...|- ...|
|- ...|- ...|
:::
___
Der heutige Theorieinput befasst sich mit der didaktischen Analyse als einen weiteren wesentlichen Baustein der Unterrichtsplanung (Gonschorek & Schneider, 2020):
```graphviz {engine="dot"}
digraph dg{
label="Schritte der Prozessplanung des Unterrichtsverlaufs"
resolution=72;
bgcolor="#C6CFD532";
ratio="fill";
fontname=Arial;
nodesep=0.8;
node [style=filled,fontname=Arial,fontsize=14,shape=polygon,width=4];
edge [color=black, style=dashed];
rankdir=LR;
"Didaktische Analyse", "Warum wird etwas unterrichtet?"[fontcolor=red];
"Bedingungsanalyse"->{"Sachanalyse"};
"Sachanalyse"->{"Didaktische Analyse"};
"Didaktische Analyse"->{"Methodische Analyse"};
"Methodische Analyse"->{"Verlaufsplanung"};
"Bedingungsanalyse"->"Wer wird wo von wem unterrichtet?";
"Sachanalyse"->"Was wird unterrichtet?";
"Didaktische Analyse"->"Warum wird etwas unterrichtet?";
"Methodische Analyse"->"Wie wird der Gegenstand unterrichtet?";
"Verlaufsplanung"->"Wie wird der Unterricht sequenziert?";
{rank=same; "Bedingungsanalyse" "Sachanalyse" "Didaktische Analyse" "Methodische Analyse" "Verlaufsplanung"}
}
```
Bei der (fach-)didaktischen Analyse geht es um die Herausarbeitung des Bildungsgehalts des gewählten Unterrichtsthemas. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, warum ein Lerngegenstand zum Unterrichtsinhalt werden sollte. Der in der Sachanalyse aufbereitete Inhalt muss im Hinblick auf die konkreten Schüler:innen als möglicher Bildungsinhalt aufbereitet werden. Die didaktische Analyse bezieht sich also nicht (zwangsläufig) auf eine einzelne UNterrichtsstunde, sondern auf eine Unterrichtseinheit.
Gemäß Gonschorek und Schneider (2007) kommt der didaktischen Analyse drei
Aufgaben zu:
* „Begründung der Auswahl des Lehrinhaltes als Bildungsinhalt
* Reflexion über die allgemeinen Bildungs- und Erziehungsziele und Herausarbeiten des eigentlich und speziell Bildsamen des Unterrichtsinhaltes
* Reduktion bzw. Transformation fachwissenschaftlicher Themen, ohne sie zu verfälschen.“
Die Legitimation eines Unterrichtsgegenstandes sollte anhand von 3 Argumentationslinien erfolgen:
```graphviz {engine="dot"}
digraph dg{
label=""
resolution=72;
bgcolor="#C6CFD532";
ratio="fill";
fontname=Arial;
nodesep=0.8;
node [style=filled,fontname=Arial,fontsize=14,shape=polygon,width=1];
edge [color=black, style=dashed];
"Legitimation\n eines\n Unterrichtsgegenstandes"->{"curriculare\n Begründung\n " "allgemein\n didaktische\n Begründung" "fach-\n didaktische\n Begründung"};
"curriculare\n Begründung\n " [href="#Curriculare-Begründung", fontcolor=red, label="curriculare\n Begründung\n "];
"allgemein\n didaktische\n Begründung" [href="#Allgemein-didaktische-Begründung", fontcolor=red, label="allgemein\n didaktische\n Begründung"];
"fach-\n didaktische\n Begründung" [href="#Fachdidaktische-Begründung", fontcolor=red, label="fach-\n didaktische\n Begründung"];
}
```
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## Curriculare Begründung
Um einen Unterrichtsgegenstand zu legitimieren, liegt es nahe, den für das und das Bundesland geltenden Rahmen- bzw. Lehrplan zu Rate zu ziehen. Hier sind die Rahmenbedingungen für den Unterricht festgelegt, so werden in der Regel Ziele, Inhalte und Methoden eines Faches benannt bzw. beschrieben. Auf dieser Grundlage kann eine Legitimation der Unterrichtsplanung und -durchführung vorgenommen werden. Anzumerken ist, dass die Bildungsrelevanz eines Unterrichtsthemas mit Bezugnahme auf Rahmen- und Lehrpläne lediglich juristisch abgesichert und nicht didaktisch legitimiert wird.
Hinzu kommt, dass Rahmen- und Lehrpläne oftmals sehr umfassend bzw. allgemein formuliert sind und wenig ausschließen. Das bedeutet, dass neben der curricularen Legitimation eines Unterrichtsthemas andere Begründungslinien herangezogen werden müssen, um die Entscheidung für ein
Thema (und damit gegen andere Themen) zu begründen.
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## Allgemein didaktische Begründung
Der in der Literatur zur Unterrichtsplanung prominenteste und immer noch zeitgemäße
Ansatz zur didaktischen Legitimation von Unterrichtsinhalten ist die didaktische Analyse
nach Klafki (1958). Klafki hat hierfür Leitfragen formuliert, die bei der didaktischen Begrüdung einer Unterrichtsplanung dienlich sein sollen:
:::warning
**Allgemein didaktische Leitfragen für die didaktische Analyse nach Klafki (1958)**
* **Gegenwartsbedeutung**
“Welche Bedeutung hat der betreffende Inhalt bzw. die an diesem Thema zu gewin-
nende Erfahrung, Fähigkeit oder Fertigkeit bereits im geistigen Leben der Kinder
meiner Klasse, welche Bedeutung sollte er – vom pädagogischen Gesichtspunkt
aus gesehen – darin haben?“
* **Zukunftsbdeutung**
„Worin liegt die Bedeutung des Themas für die Zukunft der Kinder?“
* **Exemplarität**
„Welchen größeren bzw. welchen allgemeinen Sinn- oder Sachzusammenhang ver-
tritt und erschließt dieser Inhalt? Welches Urphänomen oder Grundprinzip, welches
Gesetz, Kriterium, Problem, welche Methode, Technik oder Haltung lässt sich in der
Auseinandersetzung mit ihm ‚exemplarisch‘ erfassen?“
* **Struktur des Inhalts**
„Welches ist die Struktur des Inhalts?“
:::
Klafkis Fragen sind allgemein formuliert und damit grundlegend auf alle Fächer im Unterrichtskanon zu beziehen. Die Eignung eines Unterrichtsthemas speziell für ein konkretes Fach (hier der technischorientierte bzw. Werkunterricht) erfordert zudem eine fachdidaktische Einordnung.
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## Fachdidaktische Begründung
Im Kontext der technischen Bildung gibt es unterschiedliche Ansätze, den Bildungsgehalt eines Unterrichtsgegenstandes zu bestimmen.
:::warning
**Fachdidaktische Leitfragen für die didaktische Analyse**
* Hat der Inhalt eine über den Tag hinaus reichende Bedeutung für die Lernenden?
* Welchen Beitrag zur mündigen, kompetenten und verantwortungsvollen Bewältigung von gegenwärtigen und zukünftigen, technisch geprägten Lebenssituationen leisten die Unterrichtsinhalte?
* Welche Aspekte technisches Denkens und Handelns können an dem ausgewählten Inhalt eingeübt werden? Eignet sich der Inhalt, ...
* ... um technische Zusammenhänge offenzulegen?
* ... um sowohl technisches Denken als auch technisches Handeln (weiter-)zuentwickeln?
* ... um die Mündigkeit in der Anwendung technischer Sachverhalte bzw. Erzeugnisse (weiter-)zuentwickeln?
* ... um ethische Grundfragen im Kontext von Technik-Gesellschaft-Natur zu bearbeiten?
* ... um eins (oder mehr) der Themenfelder technischer Bildung unter einer technisch orientierten Perspektive zu beleuchten?
* Welche Kernkompetenzen technischer Bildung können mit Hilfe des ausgewählten Inhalts (weiter-)entwickelt werden?
:::
:::info
:page_facing_up: **Aufgaben**
Kernkompetenzen technischer Bildung? Wie war das noch? 🤔
<iframe src="https://www.lehrlinie.de/Werken_Werkstoffe/Praktikum/didaktAnalyse/KernkompetenzenTechnischerBildungWieWarDasNoch.html" style="border:0px;width:100%;height:750px" allowfullscreen="true" webkitallowfullscreen="true" mozallowfullscreen="true"></iframe>
Themenfelder technischer Bildung? Wie war das noch? 🤔
<iframe src="https://www.lehrlinie.de/Werken_Werkstoffe/Praktikum/didaktAnalyse/ThemenfelderTechnischerBildungWieWarDasNoch.html" style="border:0px;width:100%;height:840px" allowfullscreen="true" webkitallowfullscreen="true" mozallowfullscreen="true"></iframe>
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:::danger
**Hinweis:** Ein Unterrichtsentwurf ohne eine fachdidaktische Analyse auf einschlägiger fachdidaktischer Literatur ist als zu unspezifisch und damit als ungenügend zu werten.
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## Dos & Don'ts
Folgende Punkte sollten im Zusammenhang mit der didaktischen Analyse beachtet werden:
* Nehmen Sie eine Verortung der Unterrichtsstunde in der Einheit vor.
* Stellen Sie Bezüge zum Rahmenplan her.
* Orientieren Sie sich an didaktischen Grundvorstellungen und Überlegungen (z. B. didaktische Grundfragen nach Klafki).
* Stellen Sie fachdidaktische Bezüge her.
* Reduzieren Sie die Inhalte der Sachanalyse auf den Lernstand der Kinder.
* Wählen und begründen Sie Ihre didaktische Struktur (Zweck der einzelnen Unterrichtsphasen).
* Vermeiden Sie methodische Aspekte, diese erfolgen separat.
* Belegen Sie den Abschnitt mit Literatur.
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## Anwendung
:::info
:page_facing_up: **Aufgabe**
* Legitimieren Sie das von Ihnen gewählte Unterrichtsthema, für das Sie in den vergangenen Sitzungen bereits Ziele und eine fachliche Analyse aufgestellt haben.
* Gehen Sie dabei auf die 3 Bereiche ein
* Rahmenplanverortung,
* Allgemeindidaktische Begründung und ergänzend
* Fachdidaktische Begründung.
* Halten Sie Ihre Überlegungen schriftlich (zumindest in Stichpunktform) fest.
* Bringen Sie die Notizen zur Praxissitzung mit.
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## Selbsteinschätzung
Überlegen Sie für sich: Inwieweit haben Sie die Ziele für diese Einheit erreicht?
|Ziele|:smiley:|:confused:|:disappointed:|
|---|:---:|:---:|:---:|
|Die Studierenden legitimieren den Unterrichtsinhalt einer geplanten Stunde, indem Sie eine Verortung im Rahmenplan vornehmen und Leitfragen zur (fach-)didaktischen Begründung anwenden.|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|
|Die Studierenden grenzen die didaktische Analyse von den anderen Analysen der Unterrichsplanung ab, indem Sie Unterschiede zwischen diesen benennen.|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|
|Die Studierenden trainieren Ihre selbstgesteuertes Lernen, indem Sie den Theorieinput selbständig durcharbeiten.|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|<input type="checkbox">|
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