Zurück zu Teil 1 des Tagebuchs: [https://hackmd.io/Lf8DdSblQYa7ccgoBV9iqg] **Fahrtenbuch EU-LE 451: Island 2022 (Teil 2)** Donnerstag, 14.07.2022: Als der Wecker das erste mal klingelt hören wir den Regen auf das Dach der EU-LE fallen. Evi sagt dazu nur: „Es regnet, weiterschlafen!“. Kurz vor Zehn treibt es mich dann aus dem Bett und tatsächlich hat der Regen aufgehört. Also gehen wir duschen und frühstücken. Die Wiese auf der wir stehen „knatscht“ vor Feuchtigkeit und ein paar der Camper, die gestern dann doch noch recht zahlreich eingetrudelt sind, haben tiefe Spuren auf der Wiese hinterlassen. Rabea hat einen guten Draht zu dem Campingplatzbesitzer und er erzählt ihr, dass er meist bis 01:00 Uhr bleibt, denn die letzte Whale-Watching-Tour endet um 24:00 Uhr. Er empfängt dann die späten Camper und kassiert ab, denn so mancher schleicht sich gern spät ein und fährt wieder sehr früh, um die Zeche zu prellen. Wir kommen auch noch ins Gespräch mit einer Deutschen aus Remscheid, die schon seit 1980 jedes Jahr wieder nach Island kommt, inzwischen für die Zeit von Mai bis September! Der Bauer ist von ihr sehr begeistert, weil sie in den Jahren dann auch Isländisch gelernt hat. So unterhalten sich der Bauer, die Camperin und Rabea angeregt miteinander auf Isländisch. Wir verlassen den Platz in Richtung Dettifoss, der größte Wasserfall Islands und entsprechend touristisch ausgeschlachtet. Zum einen ist die 862 (eigentlich führt sie hinüber nach Myvatn) und die 866, die zum Wasserfall führt, bestens ausgebaut. Zum anderen finden wir einen großen Parkplatz mit beeindruckender Toilettenanlage vor. Und schließlich sehen wir jede Menge Wegmarkierungen für die verschiedenen Wanderwege zum Wasserfall. Aber der Dettifoss ist wirklich ein Naturereignis, denn hier stürzen pro Sekunde 500 qm über eine ca. 100 m lange Kante 40m in die Tiefe! Von seinem Spray wird man in kurzer Zeit völlig durchnässt, wenn man sich nicht mit Regenmänteln, -jacken, Hosen oder einfach Plastikplanen davor schützt. Die Umgebung des Dettifoss ist aber nicht minder beeindruckend und erinnert an eine Mondlandschaft, die völlig kahl ist, bis auf die Stellen wo das Wasser des Flusses hinreicht. Das Schöne ist jedoch, dass auch noch ein zweiter Wasserfall in der Nähe ist, der Selfoss. Nicht so riesig, aber auch sehr interessant, da hier in Dreiecksform über viele Teilabschnitte das Wasser zu Tale stürzt. ![](https://i.imgur.com/nQh7TUW.jpg) Der Dettifoss, Islands größter Wasserfall bezogen auf die Wassermenge ![](https://i.imgur.com/0KvTjqZ.jpg) Evi& Robert am Dettifoss ![](https://i.imgur.com/Q3zxZU1.jpg) Der Wasserfall Selfoss Vom Dettifoss geht es wieder hinunter zum Fjord und weiter nach Ásbyrgi. Dies ist ein Waldgebiet im Inneren einer Felsformation, deren Form an den Abdruck eines Pferdehufes erinnert (also die Rosstrappe in Thale in gigantisch!). Der Sage nach hat hier ein Huf des achtbeinigen Pferdes Sleipnir von Odin die Erde berührt. Wissenschaftlich gesehen handelt es sich wohl um eine in Urzeiten durch Überflutung durch Gletscherdurchbrüche (Vulkanausbrüche unter Gletschereis) verursachte Gesteinsformation, die in dieser Form ausgewaschen wurde. Es ist wirklich beeindruckend in dieses Gebiet zu fahren und zu wissen, dass an der Steinwand dort vorn wirklich Schluss ist (Mir fällt dazu ein alter Western ein, wo sich eine Wagenkolonne, von Indianern verfolgt, in einen solchen Felsenkessel hinein rettet, wohl wissend, dass es keinen anderen Ausgang gibt – netterweise kam dann später die Kavallerie!). Vom Parkplatz aus machen wir einen Rundgang. Zunächst zum See, der sich unter dem „kleinen“ Wasserfall gebildet hat, dann weiter zur Felswand und schließlich kreuz und quer durch den Wald. ![](https://i.imgur.com/94criR5.jpg) Das Gebiet von Ásbyrgi ![](https://i.imgur.com/5Sasyqg.jpg) Wasserfall in Ásbyrgi ![](https://i.imgur.com/vD9fIiM.jpg) Ásbyrgi mit Blick in die Ebene Hier machen wir auch Kaffeepause in der EU-LE, bevor wir wieder in Richtung Küste fahren und dann über einen Pass, der im Winter des Öfteren gesperrt sein kann. In Raufarhöfn landen wir auf einem Campingplatz, ein Ringwall mit einem Container, der zwei Toiletten und eine Dusche enthält. Da das Innere des Ringwalls schon besetzt ist und die Mitte ziemlich durchweicht, stellen wir uns auf den Schotter davor, denn dort ist auch eine Säule für Strom, sodass wir voll versorgt sind. Heute setzen wir zum ersten Mal auch unsere Campingcard ein, die den Vorteil hat, dass die Übernachtung von 2 Erwachsenen und 4 Kindern unter 14 pauschal nur etwa 5,50€ kostet im Gegensatz zu sonst üblichen 20€. Mit ein bisschen Herumflachsen mit der jungen Dame, die bei uns abkassiert, gelingt es mir, Rabea als gleichwertig zu 4 Kindern „heraus zu handeln“, sodass wir nur den Strom extra bezahlen müssen. Danach gibt es ein echtes Campingessen: Käsetortellini mit Tomatensoße mit Zwiebeln und Paprika. Ich leiste mir heute mal eine halbe Flasche Wein dazu! **Freitag, 15.7.22:** Wir stehen erst gegen 10:00 Uhr auf in der Hoffnung, dass es dann an den Toiletten und der Dusche keinen Stau gibt. Die meisten anderen Camper sind auch schon fort oder reisefertig. Das Wetter ist sonnig und trocken und es geht nur eine leichte Brise bei 14° C – also ideales isländisches Sommerwetter. Als erstes fahren wir ein Stück aus Raufarhöfn hinaus zu einem Monument, das einen Polarsonnenkreis darstellen soll, an einem Ort an dem nichts den Horizont oder die Mitternachtssonne beeinträchtigt. Gleichzeitig werden die Zwerge aus dem Edda-Gedicht miteinbezogen, wobei die Zwerge Austrí, Vestrí, Northrí und Suthrí der vier Himmelsrichtungen die Stützen des Himmelsgewölbes sind. Der Zwergenrundweg umfasst 72 Stationen, sodass sich das zu je 5 Tagen pro Zwerg aufteilt – also ein Kalender. Begonnen wurde die Anlage 1984, aber sie ist noch lange nicht fertig. Gleichwohl sind die bis zu 11m hohen Bögen und ihre Symmetrie sehr beeindruckend. ![](https://i.imgur.com/LMIcfeQ.jpg) „geplanter" Polarsonnenkreis ![](https://i.imgur.com/u5BKWrw.jpg) „begonnener" Polarsonnenkreis mit Evi & Robert Wir fahren nun in Richtung Pórshöfn weiter über den Pass. Aber ca. 30 Minuten vor der Farm von Ágúst und Steinunn, biegen wir ab zu einer Rundwanderung auf Raudanes. Zunächst erscheint es, als stünden wir einfach nur auf einem Hügel und hätten einen Blick aufs Meer. Dann beginnen wir den Rundweg auf Rabeas Rat zunächst weg von den Klippen, damit es am Ende nicht zu langweilig wird. Nach ca. 1km sehen wir eine einsame Farm nahe der Küstenlinien – wildromantisch, aber „am Arsch der Welt“. Der Weg führt dann weiter oberhalb der Klippe um die Landzunge herum und nun kommen die skurrilen Felsformationen und Aushöhlungen in Sicht, die den Rundweg erst interessant machen. Dabei stechen ein „Wal“ und mehrere Felsen mit „Tor“ über der Wasserlinie heraus. Aber das Beste ist der „Puffin-Hügel“, ein Fels etwa 30m vor dem Festland vom Meer umspült und mit Erde bedeckt. Diese Erdkappe ist übersät mit den Bruthöhlen der Puffins und es herrscht reges Treiben, wobei Rabea meint, dass schon ein Teil nach der Brut wieder ausgeflogen sei. Es geht noch weiter mit den Klippen und an einer Stelle geht es steil und eng hinab. Hier trenne ich mich von Evi und Rabea, weil ich das meinen Knien nicht zumuten möchte. Wir treffen uns dann beim Auto gesund (!) wieder und das Ganze bei herrlichem Sonnenschein. ![](https://i.imgur.com/hdixqy7.jpg) Wal-Klippe im Gebiet Raudanes ![](https://i.imgur.com/HE5mZIL.jpg) Puffin-Hügel ![](https://i.imgur.com/ib59mS4.jpg) Felsentor mit Rabea & EVi ![](https://i.imgur.com/YrowDe7.jpg) Puffins auf der Wiese Wir fahren dann weiter und halten kurz darauf bei einem Laden, der selbstgemachte Seifen (sehr gut für raue Hände) und andere Handwerksprodukte verkauft und in dem Rabea wohlbekannt ist, denn sie hat schon einen Menge dort als Mitbringsel für uns zu Hause eingekauft. Schließlich kommen wir gegen 18:30 Uhr auf der Farm von Ágúst und Steinunn an, die jedoch beide gerade beim Heu machen (in diesem Fall mähen) bzw. Zaun reparieren sind. Wir treffen ihre Töchter Vithja, Katrín und den jüngsten Sohn Steinbjörn im Haus an und machen gleich eine „Besichtigungstour“ im Schaf- und Pferdestall, um zu sehen was es dort Neues gibt. Dazu sei gesagt, dass die Gebäude eines Hofes in Island meist etwas weiter auseinander stehen (Ágúst dazu: Ich möchte nicht, dass es in meinem Haus nach Schaf riecht.), sodass wir etwas 200 m über eine klatschnasse Weide mit großen Grashügeln und tiefen Wasserrinnen laufen, um zum Stall zu kommen. Wir sind natürlich zum Abendessen eingeladen, bei dem es von Ágúst selbst gefangene Lachsforellen mit Kartoffeln, Reis und Salat gibt. Nach dem Abendessen machen sich die Frauen auf, um die Pferde noch zu Treiben, während Evi und ich uns mit Ágúst und Steinbjörn unterhalten. Gegen Mitternacht ziehen wir uns in die EU-LE zurück, während Rabea wieder in ihr Zimmer „einzieht“. **Samstag, 16.7.2022:** Wir stehen gegen 09:00 Uhr auf in der Hoffnung, dass die Farmerfamilie schon durchs Bad ist und wir den Betrieb nicht aufhalten. Vom gestrigen Sonnenschein ist leider nichts mehr zu sehen, denn es ist bedeckt, windig und ab und an fällt etwas Regen. Im Ort Pórshöfn wird an diesem Wochenende gefeiert, angeblich der Tag des Meeres (aber vielleicht auch einfach nur um irgendetwas zu feiern). Dazu gibt es ab 11:00 Uhr Kaffee, Kuchen und einige Kinderbelustigungen: eine Hüpfburg, eine aufblasbare Rutsche in Telefonform, ein Schachspiel mit Spielfiguren aus Plastikflaschen, die mit weißem und schwarzen Sand gefüllt sind, und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Aber die größte Attraktion ist eine große Plane, die die Feuerwehr auf einem Wiesenabhang ausgelegt hat und die von ihr mit Löschschaum besprüht wird, damit die Kinder dann darauf hinunter rutschen können. Ungeachtet des Windes und den gefühlten Temperaturen unter 10°C stürzen sich die Kinder und Jugendlichen diese „Rutsche“ mit Inbrunst hinunter, egal ob sie einen Badeanzug oder einfach nur ihre Alltagsklamotten anhaben. Immerhin haben ein paar eine Schwimm- oder Taucherbrille an. Auch Steinbjörn versucht sich daran, die Plane hinunterzurutschen, bleibt aber als Leichtgewicht in der Mitte „stecken“ und ihm ist wohl auch ziemlich kalt dabei. Nach einem Wechsel des T-Shirts klettert er aber wieder bis zur Hüfte in den Schaum, mit dem er dann herumspielt. Nachdem der Schaum wohl aufgebraucht ist, spritzt die Feuerwehr weiter mit klarem Wasser und, als wenn sie nicht schon nass genug wären, stellen sich einige Kinder in diesen Wasserstrahl – mich schaudert es schon vom Zusehen. ![](https://i.imgur.com/D251TeZ.jpg) Kinder auf der Schaumrutsche Es gibt aber auch etwas fürs leibliche Wohl, wobei alles gespendet wird und der Erlös der Gemeinde zu Gute kommt. Wir gönnen uns eine Waffel (ziemlich dick und knusprig) mit Schokoladensoße und Sahne, eine Schnitte mit Thunfischsalat und zum Schluss noch einen Hotdog, der sogar nichts kostet! So gestärkt macht Steinunn noch eine Rundfahrt durch den Ort mit uns, um uns ein paar interessante Ecken zu zeigen, aber wohl auch um ihre eigene Neugier zu befriedigen, denn meist fährt Rabea in den Ort, um Besorgungen zu machen (was zu ihrem Job gehört). Wieder zurück bei der EU-LE bearbeite ich unsere Mails und die aufgelaufenen Rechnungen, was mich wie in eine andere Welt katapultiert und mir auch tatsächlich ein wenig die Laune vermiest! Gegen 20:00 Uhr werden wir zum Abendessen gerufen, das heute etwas Besonderes bietet, nämlich selbstgemachtes Panhas oder „Wurstebrot“ (wie es bei Evi heißt) einmal mit Leber und einmal mit Blut. Dazu gibt es eine etwas süssliche Bechamel-Soße und Kartoffeln. Es schmeckt gut, aber ich hätte mir gern ein bisschen Speck in dem Wurstebrot gewünscht, denn so ist es etwas trocken (erinnert an „Möpken-Brot“ aus Westfalen). Nach dem Essen beschließen wir den Abend mit einem Film von Netflix „Home“ (Animationsfilm mit lustig aussehenden Außerirdischen, die die Erde annektieren, aber dann „bekehrt“ werden). **Sonntag, 17.07.2022:** Das Wetter ist diesig und es sind nur 8°C draußen, sodass Evi und ich noch etwas liegen bleiben und später auch erstmal in der EU-LE frühstücken, bevor wir ins Haus zur Rabea und der Familie gehen. Heute gehen es alle etwas ruhiger an und erledigen Arbeiten drinnen in der Hoffnung, dass das Wetter morgen etwas aufklart und das Heumachen weitergehen kann. Gegen Mittag fährt Steinunn mit uns zu einem Museum über Schafzucht: das isländische Informationszentrum über Anführerschafe! Das klingt für uns erstmal wie ein Witz, hat aber eine tiefere und wichtige Bedeutung für die hiesige Schafzucht. Es gibt auf Island zwei Arten von Schafen, die Brain-Sheeps (=Anführerschafe) und die Meet-Sheeps (=Schafe als Fleischlieferanten). Die Anführerschafe zeichnen sich durch einen anderen Körperbau (längere Beine, schlankere Körper, große „wache Augen“, vielfältige Färbung und feinere Wolle) aus und verfügen über einen guten Instinkt im Winter zur heimatlichen Farm zurückzufinden und Gefahren frühzeitig erkennen und ausweichen zu können. Außerdem unterstützen sie die Farmer beim Schafabtrieb, indem sie die anderen Schafe animieren sich zu sammeln und ihnen zu folgen. Von ihnen soll es weltweit nur ca. 1400 Stück geben, wobei sie nur auf Island gezüchtet werden. Da gerade nicht viel in diesem Informationszentrum los ist, bleiben wir noch auf einen Kaffee und einen Plausch mit der Dame am Empfang. Gegen 16:30 Uhr sind wir wieder auf der Farm und wir machen gemeinsam Kaffeezeit, mit von Rabea gebackenem Marmorkuchen, Tomaten-Brot, Käse, Smjör (ein Mittelding zwischen Margarine und Butter) und Sahne. Anschließend gehen Evi und Rabea zwei Pferde in der kleinen Reithalle des Hofes reiten. **Montag, 18.07.2022:** Die Sonne strahlt als wenn nichts vorher gewesen wäre. Nach dem Frühstück teilt Rabea uns zur Arbeit ein: Evi darf in der Küche die Schränke ausputzen und ich darf die Holzveranda schleifen, damit sie neu gestrichen werden kann. Wir übernehmen das gern, denn zum einen wäre es sonst an Rabea „hängengeblieben“ und zum anderen können wir uns so ein wenig für die Großzügigkeit der Farmerfamilie revanchieren. Gegen Mittag soll es Kaffee geben, der mir jetzt sehr recht wäre. Es kommt jedoch auch noch Verwandtschaft von Ágúst zu Besuch, so dass die Kaffeetafel ziemlich groß wird. Rabea ist damit beschäftigt isländische Pfannkuchen zu backen, die sie schon direkt nach dem Backen zuckert. Wenn sie dann auf den Tisch kommen, kommt noch Marmelade und Sahne darauf. Dies ist eine der wenigen Gelegenheiten, wo ich Rhabarbermarmelde mit großen Genuß esse. Es gibt aber auch herzhafte Speisen wie Käse, Wurst und Kaiwa. Kaiwa erinnert an Paté und wird meist aus Lammfleisch gemacht. Der Verwandte von Ágúst stellt ein Glas Kaiwa vom Rentier (das er selbst geschossen hat) auf den Tisch, dass mit Portwein verfeinert wurde. Nachdem ich mit dem Schleifen der Terasse fertig bin, bauen wir endlich unser Vorzelt auf, auch wenn heute die Sonne scheint. August ist bis spät am Abend (ca. 23:30 Uhr) damit beschäftigt, das gemähte Gras in Linien aufzuhäufen, damit morgen die Heuballen erzeugt und in Folie eingewickelt werden können. **Dienstag, 19.07.2022:** In der Nacht hat sich das Wetter wieder verschlechtert und es sind Wind und leichter Regen aufgezogen. Ich höre an unserem Vorzelt etwas poltern und bin schon darauf vorbereitet, dass unsere Eingangskonstruktion zusammengekracht ist, denn ich hatte aus alten Vorzeltstangen etwas gebaut, um den Tunnel nach oben zu halten, damit die Tür der WoKa nicht am Zeltstoff scheuert oder ihn einklemmt. Aber es war nur ein Campingstuhl, den der Wind umgeworfen hat. Wir haben heute kein besonderes Programm und begleiten Rabea beim Einkaufen, um für die Familie Lebensmittel zu beschaffen – wie immer ein teures Vergnügen.Deshalb an dieser Stelle mal ein paar Sätze zu den Lebenshaltungskosten aus Sicht eines Landes, in dem der Einkauf von 500 g Wurst, 2 l fettreduzierter Milch, 250 g Cherry-Tomaten und 300 g Scheibenkäse im Aldi ca. 12 € kostet. Hier kostet ein solcher Einkauf schon fast 3000 ISK = ca. 21 € und mehr, wenn der Laden noch ländlicher liegt und damit die Lieferkette noch länger ist. Ich frage mich dann jedes Mal, woher kommt das Geld dafür, denn ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass die Einkünfte der Menschen hier so extrem höher sind, um diesen Unterschied auszugleichen? Dabei mögen Ágúst und Steinunn noch in einer etwas „privilegierteren“ Lage sein, weil sie über (sicher von Schwankungen betroffenen) verschiedenen Einnahmequellen verfügen: Erlöse für Schafe, Pferde und Treibholz, das Ágúst am Strand sammeln darf, und die Vermietung eines Sommerhauses – aber wieviel davon wirklich übrig bleibt ist nicht klar. Umso mehr wissen wir ihre Großzügigkeit uns und Rabea gegenüber zu schätzen. Ansonsten komme ich endlich mal zum Lesen, denn im Gegensatz zu Evi, die einen Tolino fürs Lesen eingesteckt hat, habe ich ein fast 800 Seiten starkes Buch dabei. Rabea steht fast den ganzen Tag am Backofen, denn zum einen backt sie „Pizza“- und Zimtschnecken, die sie auch zwischendurch zu Ágúst und Steinunn auf den Treckern bringt, denn die arbeiten mit Hochdruck daran die Heuballen zu binden und in Folie zur Lagerung über den Winter einzurollen. Danach beginnt Rabe Pizzen vorzubereiten, zu denen es (typisch Island) Pommes Frittes gibt. Dabei hat jedes Familienmitglied so seine Vorlieben, bis hin zur „exklusiven“ Pizza. Ich bin schon von der Pizza satt und verzichte auf die Pommes. Für unsere Gastgeber ist es ein langer Tag, vor allem, weil die Maschine zum Einrollen der Heuballen in Plastik (30 Jahre alt) nicht richtig funktioniert und Steinunn ständig vom Trecker steigen muss und die fertigen Ballen nur mit einiger Steuerkunst von der Maschine bugsieren kann. Das erfordert Zeit und so liegen am Ende noch eine Menge Heuballen „ungeschützt“ (denn der nächste Regen droht in der Nacht) auf dem Feld. Deshalb zieht Ágúst nach dem Essen noch mal los und schafft es tatsächlich noch alle Heuballen zu „verpacken“ **Mittwoch, 20.07.2022:** In der Nacht wache ich mehrmals vom Geräusch des auf das Dach der Eule fallenden Regens auf und freue mich, im Trockenen und Warmen zu liegen. Am Morgen hat der Regen zwar aufgehört, aber es ist ungemütlich feucht und 8°C kühl. Nach dem Frühstück bietet uns Ágúst an, ihn zu einem anderen Bauern zu begleiten, wo er etwas abholen will. Wir nehmen die Gelegenheit war und fahren mit. Dabei kann ich mir das Innere des GMC Pickup, dass mir sehr komplett scheint, inklusive Kompass in der Armaturenanzeige und elektrischer Sitzverstellung ansehen. Der Besuch bei dem anderen Bauern hat für unseren Gastgeber einen geschäftlichen Zweck, denn er erwirbt von diesem Farmer einen gebrauchten Greifer zum Transport von Heuballen für den halben Neupreis – aus seiner Sicht ein gutes Geschäft. Der Hintergrund ist allerdings nicht so erfreulich. Der Verkäufer veräußert dieses Gerät, weil er seine Farm von Schafzucht auf die Einnahmen aus Ziegen- und Eiderentenhaltung sowie Touristenwohnungen umgestellt. Seine Schafherde von 400 (!) Schafen hat er im letzten Herbst zum Schlachten geschickt, weil er, wie Steinunn es ausdrückte, nach der Scheidung in einer Phase der Neuorientierung sei und wohl probiere sein Leben so zu gestalten, dass er es auch allein auf der Farm schafft. Dabei fällt mir ein, dass auch unsere Gastgeben in einer „Patchwork“-Familie leben, denn die große Tochter von Steinunn ist gerade mit ihrem Vater (nicht Ágúst) in Schweden zu Besuch. Nach dem was ich auf die Schnelle im Internet finden konnte ist jedoch die Scheidungsrate nicht unbedingt höher als in Deutschland (2021: 39,9% im Vergleich zu den geschlossenen Ehen), aber laut einer Untersuchung der UNESCO gibt es mehr alleinerziehende und berufstätige Frauen als im sonstigen Durchschnitt. Um es etwas flapsig auszudrücken: das Eheglück auf Island erscheint mir etwa so wechselhaft wie das Wetter. Später am Nachmittag, spazieren wir zum Museum Saudaneshús, das das älteste Steinhaus auf Saudanes ist und gleich neben der Kirche steht. In der Ausstellung ist auch ein Bild von Ágústs Großvater mit Frau zusehen, der hier auf Saudanes Pfarrer war. Das Museum wurde erst 2020 eröffnet und wird im Sommer von einem jungen Pärchen betreut, die wohl auch die Ausstellung weiterentwickeln. ![](https://i.imgur.com/U44bf3Q.jpg) Evi im Eingang des Museums auf Saudanes ![](https://i.imgur.com/FzN48ot.jpg) Bild er Großeltern von Ágúst in der Ausstellung Zum Abendessen gibt es heute gebratene Leber mit einem Mix von Kartoffeln und Süßkartoffeln und dazu Rhabarbermarelade. Nach dem Essen helfen wir Rabea dabei ihre „Hausaufgabe“ aus dem Botanikkurs abzuschließen, denn sie muss die Pflanzen in alphabetischer Reihenfolge in zwei große Präsentationsmappen einordnen, wobei jedes Blatt mit dem Namen der Pflanze (nach Bestimmung durch Rabea), dem Fundort inklusive Höhe über Normal Null, der Fundzeit und des Finders (in diesem Fall Rabea) beschriftet ist. Wir beschließen dann den Abend mit einer Runde Skat, wobei die beiden Mädels viel zu zurückhaltend beim Reizen sind. **Donnerstag, 21.07.2022:** Beim Aufstehen ist das Wetter bedeckt, aber die Sonne versucht schon durchzubrechen.Rabea und Steinunn sind schon los, um Pferde zu „bewegen“, als wir noch beim Frühstück sitzen. Als ich ins Haus gehe zum Duschen, riecht es schon lecker nach Kuchen. Steinunn hat einen Schokoladenkuchen gebacken, denn heute Abend kommt der „Reiterverein“ der heute einen Ausritt macht der auf Saudanes startet. Da ist schon eine gewisse Anspannung zu spüren. Evi und ich begleiten mal wieder Rabea beim Einkaufen, wobei diesmal etwas Besonderes dabei ist, nämlich die Lasur für das Verandaholz. Da auch inzwischen die Sonne herausgekommen ist, mache ich mich nach dem Mittagskaffee daran die Veranda zu streichen. In der Zeit startet Evi mit Rabea zu einem Ausritt, was sie sehr genießt. Im Gegensatz zu mir verfolgt Steinunn, wie die beiden über die Weiden reiten von ihrem Küchenfenster aus, während sie noch den frisch gebackenen Kuchen mit einer Schokoladencreme und bunten Streuseln versieht. Ich habe etwas mehr als die Hälfte geschafft, als die Damen zur Begutachtung vorbeikommen – Steinunn ist zufrieden, damit ist alles gut! Gegen 17:30 Uhr bin ich mit dem ersten Anstrich fertig und habe das Glück, dass Steinunn Steinbjörn mit hinunter zum Stall nimmt und ich im Fernsehen das Spiel der Deutschen Damennationalmannschaft um das Viertelfinale gegen Österreich bei der Euro 2022 in England finde. Evi und ich machen uns einen Toast, denn wegen des Reitertreffens bleibt heute die Küche kalt. Tatsächlich kommt ein Deutscher Film „Berlin 1989“ (?) in isländischer Synchronisation im Fernsehen, was mich etwas erstaunt, aber ich bekomme nichts von der Story mit. Nun strömen auch die Leute vom Reitertreffen herein (im Wortsinne, denn ich zähle 18 Personen) und selbst Ágúst hat sich rasiert und frische Sachen angezogen! Im Wohnzimmer gesellt sich sofort eine benachbarter Bauer (ca. 20 km über den Fjord) namens Ragnar zu uns, der mit uns in Englisch plaudert und erzählt, dass er mit Ágúst auf Saudanes in der Schule und später mit Steinunn in Hvanneyri auf der Uni war. Von ihm erfahren wir auch, dass dieser Sommer bis jetzt 1°C zu kalt und viel zu feucht für einen durchschnittlichen Sommer auf Island ist. Viel interessanter finde ich jedoch seine Aussage, dass sie sich in diesem Jahr erst das vierte Mal zum Reiten getroffen haben, was im letzten Jahr viel häufiger stattgefunden hat. Denn wegen des anhaltend guten Wetters im letzten Sommer, konnten sie einfach am Nachmittag entscheiden, dass sie heute reiten und die Arbeit mit ruhigem Gewissen bis zum nächsten Tag ruhen lassen, um sie dann fortzusetzen. Das geht diesen Sommer wegen des wechselhaften Wetters nicht! Außerdem hat die „Heusaison“ mehr als zwei Wochen später eingesetzt als letztes Jahr.Dieser Reiterverein hat auch zur „Hälfte“ eine Reithalle gepachtet, denn das Ziel ist - neben dem Spaß, - Rosse und Reiter zu ertüchtigen, weil insbesondere Reiten im freien Gelände gelernt sein will. Bei der heutigen Gruppe überwiegen übrigens die Männer (es sind auch mindestens 5 Jugendliche in der Gruppe), was vielleicht auch daran liegen kann, dass sie mit ihren Pferden per Truck und Trailer zu unseren Gastgebern gekommen sind. Nach Kaffee und Kuchen für alle und dem einen oder anderen kleinen Plausch ist der Besuch allerdings auch bald wieder beendet. Wir helfen noch ein wenig Aufräumen und ziehen uns dann auch in die EU-LE zurück. **Freitag, 22.07.2022:** Als wir heute aufstehen ist es grau und recht kühl (7°C). Ich habe ziemlich unruhig geschlafen, weil ich im Kopf schon Pläne gemacht habe, wie ich den Windschutz auf der Terasse montieren kann. In der Küche treffe ich Steinunn und wir sprechen darüber, wobei sich herausstellt, dass die Handwerker, die die Terasse gebaut haben, das schlichtweg nicht (mehr) erledigt hatten.Aber statt dieser Aufgabe, fragt mich Rabea, ob ich ihr helfe im Schafstall, die von Ágúst herausgerissenen Bodenbretter zu entnageln und zu reinigen, sodass sie wieder eingebaut werden können, nachdem die Bodenträger ausgetauscht worden sind. Ich ziehe mir meine Wanderschuhe, die Gummi-Regenhose und eine Jacke von Ágúst an, und mit Lattenhammer und Kneifzange bewaffnet, die zu unserer Campingausrüstung gehören, folge ich Rabea in den Stall. Das Positive ist, dass die Schafscheiße, die auf den Brettern klebt, durchgetrocknet ist, aber andererseits kann ich nun verstehen, warum so etwas als Baumaterial eingesetzt werden kann: vermischt mit den Schafshaaren bildet dieses Gemisch auf den Bretten eine sehr widerstandsfähige Schicht, der nur schwer mit Kuhfuß und Spaten beizukommen ist, vor allem lassen sich die Nägel durch diese Schicht nur schwer zurückschlagen, um sie dann mit der Zange zu ziehen. Evi, Rabea und ich kommen ziemlich ins Schwitzen! Später gesellt sich noch Steinunn zu uns und beweist, dass sie das nicht zum ersten Mal macht. Auch Ágúst kommt vorbei aber nur, um noch ein paar Bodenbretter herauszureißen und auf den Haufen zu legen, bevor er wieder zu seinem Traktor (macht ja auch mehr Spaß) verschwindet. Aber das ist eben Farmleben! – hatte ich das gebucht? Jedenfalls gönne ich mir heute nach dem Mittagskaffee einen ausführlichen Mittagsschlaf! Bis zum Abendessen bleibe ich in der EU-LE, schreibe Tagebuch und sortiere Fotos. Zum Abendessen gibt es eine von Steinunn gekochte Kjötsúpa (Eintopf mit viel Fleischeinlage), die uns allen sehr gut schmeckt. **Samstag, 23.07.2022:** Als wir aufstehen ist das Wetter bedeckt, aber schon eine ganze Ecke wärmer als gestern (10°C statt 7°C). Tatsächlich kämpft sich die Sonne durch die Wolken und übernimmt zusehends das Regiment. Während die Anderen wieder eine Runde „Latten entnageln“ gehen, mache ich bei der Veranda mit dem zweiten Anstrich weiter und Evi räumt das Klamottenregal für die Reitsachen auf. Gegen 14:00 Uhr trinken wir Kaffee bzw. werden die Reste der Kjötsúpa von gestern vertilgt. Nach dem Essen fahren wir zum Einkaufen in den Ort, denn heute Abend soll gegrillt werden und außerdem hat Rabea für den Rest des Tages „Frei“ bekommen und darf mit uns mit dem Auto von Steinunn auf die Halbinsel Langanes hinausfahren. Da Steinunn in ihrem Büro, noch etwas ausdrucken will, zieht sich der Aufenthalt im Thorshöfn noch etwas hin. Aber ich sitze in der Sonne auf einer Parkbank und sehe einfach den Leuten zu, wie sie durch den Ort fahren oder spazieren. Den „Highscore“ hat ein Herr mit weißem Kinnbart, der sechsmal in dieser Zeit an mir vorbeifährt. Wir kaufen auch ein paar Leckereien für unseren Ausflug ein, und später schmiert Rabea noch leckere Wraps als Snack für unterwegs. Die Fahrt nach Langanes führt ausschließlich über Schotterstraße (ca. 30 km eine Richtung), die aber zusehends größer und ausgefahrener wird. Rabea fährt sehr behutsam über die teils schwierigen Stellen wobei die Bilder, die wir aus dem Auto machen, gar nicht richtig einfangen können wie steil, ausgefahren und zerklüftet der Weg ist. Dabei haben wir auf dem Hinweg zumindest noch die Sonne im Rücken. Wir fahren in ein Gebiet, das davon geprägt ist, dass hier nach und nach die Farmer aufgegeben haben, weil es zu teuer und aufwendig wurde ihre Produkte in die Stadt zu bringen. Das Gebiet wird jedoch nach wie vor von den verbliebenen Farmern genutzt, indem sie ihre Schafe im Frühjahr in entsprechende Gebiete treiben, wo sie den Sommer unbeaufsichtigt verbringen. Ich empfinde die Ruinen, an denen wir vorbeikommen, eher bedrückend als ein einen touristischen Höhepunkt. Es sind nur wenige Touristen unterwegs und die kommen uns entgegen, denn wir sind erst relativ spät losgefahren, aber Rabea mag diese „Einsamkeit“ und entspannt sich zusehends. Erster großer Halt ist ein Vogelfelsen „der große Bursche“, der vorwiegend von verschiedenen Möwenarten bevölkert wird. Die Puffins, die hier leben sollen, sind wohl schon nach der Brutaufzucht auf Wanderschaft. Verblüffender als die vielen Vögel sind jedoch einige Schafe, die in dem steilen Gelände oberhalb der Klippen grasend herumwandern, wobei ich jeden Moment auf einen „Absturz“ warte. Hier gibt es auch ein sogenanntes Sommerhaus, das von Vogelbeobachtern und Eiersammlern als Unterkunft genutzt wird. Wir treffen auch zufällig auf die Nachbarfarmerin, bei der wir im Winter 2019 übernachtet haben (ca. 6 km von der Farm unserer Gastgeber entfernt und nur über einen schmalen Schotterweg zu erreichen, der bei schlechtem Wetter und hoher See überflutet wird. Das ist besonders für einige Schüler „blöd“, denn der Farmer ist der Fahrer des Schulbusses!. ![](https://i.imgur.com/0G3ZoZo.jpg) Der Vogelfelsen „großen Burschen“ ![](https://i.imgur.com/8yZRBoq.jpg) Schafe grasen am Vogelfelsen Nach einigen Schnappschüssen fahren wir weiter und die Straße wird immer abenteuerlicher, besonders die Kurven gegen den Kamm (echte Blindheads) sind ziemlich verwegen, aber der Toyota Landcruiser macht seine Sache auch ohne 4WD gut und sicher. Unterwegs nach Skálar kommen wir an einem „Kunstwerk“ vorbei, wo ein Künstler die Hülle eine Wassermiene auf Pfähle gestellt hat – Rabea weigert sich vehement dies als Mahnmal gegen den Krieg gelten zu lassen, sondern betont mehrmals, dass dies Kunst sei. ![](https://i.imgur.com/vO6YHzU.jpg) Wassermine – Kunst oder Mahnmal? Schließlich erreichen wir Skálar, ein verlassenes Fischerdorf, dass etwa 1940 offiziell aufgegeben wurde, während die letzten Bewohner erst 1952 fortgezogen sind. Ich finde es bedrückend zwischen den Ruinen hin und her zu wandern, denn im Gegensatz zu 3000 Jahre alten Ruinen, empfinde ich hier eher das Versagen der Bewohner, als die Bewunderung für die Siedler sich hier anzusiedeln. Außerdem finden sich reichlich Spuren von Besuchern, die hier wohl auch das eine oder andere „Grillfest“ veranstaltet haben. Für den Rückweg, darf ich auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Nach ca. 70 Minuten sind wir wieder zurück auf der Farm von Ágúst und Steinunn. ![](https://i.imgur.com/CP8DD7o.jpg) Skálar Ruinen ![](https://i.imgur.com/TQ8YYL0.jpg) Rabea neben einem alten Leuchtrum von Skálar Steinunn hat inzwischen das Grillgut und die Kartoffeln dazu vorbereitet. Beim Kauf des Grillgutes heute Nachmittag mussten wir wegen der Allergien von Steinbjörn peinlich genau darauf achten, was in den Marinaden der jeweiligen Fleischstücke enthalten ist, sodass wir uns am Ende für unmarinierte Lammschulter entschieden haben, die Steinunn dann später selbst entsprechend mariniert hat. Außerdem haben wir Truthahn gekauft; alle Fleischsorten schmecken uns dann sehr gut!Wir lassen dann den Abend mit einer Runde Skat ausklingen, während Steinunn mit Vithja noch einen Ausritt unternimmt. **Sonntag, 24.07.2022:** Evi und ich tun uns schwer aus dem Bett zu kommen, denn es ist grau und nieselt leicht. Aber wir sind scheinbar nicht die Einzigen mit „Startschwierigkeiten“. Während Rabea mit Vidja zu den Pferden geht und Steinunn mit Steinbjörn die Flaschenlämmer füttert, mache ich mich daran den letzten Teil des Anstrichs der Veranda abzuschließen. Steinunn hat mir auch schon ein paar Bohlen für die Montage des Windfangs hingelegt, die ich erstmal schleife und streiche, denn die endgültigen Details möchte ich mit ihr direkt abstimmen. Daraus ergibt sich für mich Zeit Tagebuch zu schreiben. Am Nachmittag kommt die Sonne durch und es geht nur ein sanfter Wind. Ich schneide die Bohlen zurecht, um den Windfang zu montieren. Evi geht mir bei der endgültigen Montage zur Hand und hilft mir die Stütze zu befestigen. Am Boden „klemme“ ich das Seitenteil einfach zwischen zwei Bohlenstücke, die ich auf der Veranda aufschraube, ein. Es erweist sich, dass die eine Stütze für das 1,8 m lange Seitenteil jedoch nicht ausreicht, denn das freie Ende schwingt noch beträchtlich. Zwar zeigt Steinunn den Daumen hoch, aber ich bin nicht zufrieden, denn mir fehlt noch etwas Stabilität bei der Sache! Nach dem Abendessen setzen Rabea, Evi und ich uns zusammen, um noch einen Film anzusehen. Wir entscheiden uns für „Respect“ und ich bin total fasziniert über die stimmgewaltige Hauptdarstellerin. Das Leben der Aritha Franklin ist ein stetiges Auf und Ab zwischen verschiedenen Männern und teilweise (vor allem wenn es um das Musikgeschäft geht) fühle ich mich an die Geschichte von Tina Turner erinnert. Es ist etwa 01:00 Uhr als der Film zu Ende ist und Ágúst endlich vom Stall zurück kommt. **Montag, 25.07.2022:** Es ist etwas wärmer als gestern, als wir aufstehen und die Sonne versucht auch schon durchzubrechen. Das ist das Signal für Steinunn und Ágúst mit Hochdruck ans Mähen des Grases zu gehen, denn sie sind eh damit schon in Verzug und die Qualität (Vitamin- und Nährstoffgehalt) wird auch nicht besser. Rabea übermittelt mir Steinunns Wunsch, an die Veranda noch eine Treppe anzubauen, damit die Oma auch bequem den Patio betreten kann. Unter der Veranda finden sich eine menge Abschnitte vom ursprünglichen Bau, die ich nutzen kann. Rabea hat sich auch schon Gedanken gemacht, wie die Treppe aussehen kann, wobei ich eine Variante bevorzuge, die fest mit der Terasse verbunden ist. Da der Untergrund aus Gras besteht fürchte ich, dass sich die Treppe durch Benutzung verschieben könnte. Ich habe Glück, denn es gibt auch ein paar etwas längere Holzbretter und ich kann mich mit meiner Konstruktion an einem der Hauptbalken der Terassenkonstruktion „anlehnen“. Dabei erweist sich, dass es zwar jede Menge langer Schrauben (ca. 80 mm) gibt, aber nicht viele „kurze“ (maximal 60mm). Ich fahre mit Rabea in den Ort, um zu versuchen solche Schrauben zu bekommen. Unser erster Versuch ist die Tankstelle wo es einen Imbiss und einen kleinen Laden gibt, der jedoch nur Schrauben für den Einsatz bei Fahrzeugen hat (m-Gewinde und Blechschrauben). Der zweite Versuch ist ein „Bauarbeiter“, der aber auch Schrauben verkauft, den Steinunn versucht telefonisch zu erreichen. Doch der scheint gerade im Urlaub zu sein! Schließlich kommt Ágúst mit einem Paket Schrauben um die Ecke, die er aus den Tiefen seines Schafstalls gefischt hat, und die sich durchaus verwenden lassen. Die Alternative wäre gewesen Schrauben zu bestellen und per Post schicken zu lassen. Auf diese Weise bin ich jedoch schon gegen 16:30 Uhr mit meiner Treppe fertig und verpasse ihr auch gleich noch einen Schutzanstrich. Ich erlaube mir dann auch gleich, den Patio mit einem “Siegerbier“ einzuweihen. ![](https://i.imgur.com/2isaCMP.jpg) Patio mit Windfang und Treppe ![](https://i.imgur.com/upQP76k.jpg) Robert auf dem Patio Kurz darauf sollen wir zum Wohnhaus bei der Kirche kommen, wo die Schwester von Ágúst mit ihrer Familie wohnt, denn heute wird „Würstchenparty“ gefeiert und wir sind auch eingeladen. Als wir ankommen ist schon ein beträchtlicher Teil der Familie anwesend und auch Ágúst und Steinunn unterbrechen ihr Mähen und kommen übers Feld. Ásberg steht draußen am Grill und grillt die Würstchen, während drinnen ein Tisch mit den Zutaten für Hot-Dogs, die man sich dann selbst zusammenstellt, aufgebaut ist. Dazu gibt es verschiedenes Knabberzeug und all die „guten“ nicht unbedingt diätetischen Getränke, wie Cola und Apelsín (Orangenlimonade). Letztlich sind vier Generationen der Familie vertreten. Einige versuchen mit uns auch Konversation in Englisch und wenn unser Englisch nicht mehr reicht, nehmen wir Hände und Füße zur Hilfe. Ásberg, der übrigens Automechaniker ist, fragt uns einiges zu unserem Hilux und mich nach Details zur Version des Getriebes, wobei ich ihm leider eine konkrete Antwort schuldig bleiben muss. Aber offensichtlich ist auch er ein zufriedener Hilux-Fahrer, allerdings in diesem Fall Baujahr 2005! Insgesamt ist es ein netter Abend und gegen 22:30 Uhr geht es dann zurück zur EU-LE. ![](https://i.imgur.com/63HogES.jpg) Ásberg am Grill **Dienstag, 26.07.2022:** Schon als Evi und ich aufwachen, hören wir das Brummen der Traktoren von Ágúst und Steinunn, die weiterhin mit Hochdruck das Gras mähen. Als ich zum Duschen ins Haus gehe, finde ich Rabea noch in ihrem Bett, denn heute nimmt sie sich ein bisschen Zeit für sich. Bei der Gelegenheit erfahre ich, dass Steinunn sich für die andere Seite der Veranda auch eine Treppe wünscht – das nennt man wohl Fluch der Guten Tat! Ich habe zunächst Zweifel, ob ich einen so guten Ansatzpunkt wie auf der anderen Seite der Veranda finden werde, aber mit etwas Glück entdecke ich eine Lücke zwischen dem alten, aus Treibholz bestehenden Grundpfosten und der neuen Holzkonstruktion, sodass ich eines der Bretter dort anschlagen kann und damit schon die Stütze für die erste Stufe habe. So bastele ich dann weiter vor mich hin und die Treppe wächst Stück für Stück. Da das Gelände leicht nach links ansteigt, muss ich die linke Stufenauflage sogar ein wenig in das Gras versenken. Gegen 13:30 Uhr bin ich damit fertig und freue mich schon auf die Kaffeepause. Ich höre in der Küche zwar schon etwas von den Vorbereitungen, aber der Kaffee verzögert sich noch, weil eine Freundin von Steinunn mit Familie zu Besuch kommt. Natürlich nimmt man sich für den Besuch Zeit und sitzt gemütlich zusammen. Später „klagt“ Steinunn mir ihr Leid, dass das von ihrer Zeit für die Heuernte abgehe, denn nun hätten alle außer den Farmern Ferien und Zeit zum Herumreisen. Das bestätigt sich am Abend als dann auch noch der Bruder von Steinunns Vater mit Frau für eine Übernachtung eintrifft. Zwischendurch ziehe ich mich für ein Schläfchen in die EU-LE zurück. Danach mache ich ein paar Handgriffe für unsere Weiterreise, denn wir hatten schon vor unserer Abfahrt ein 30 kg schweres Paket mit Konserven (unser typisches Campingessen: Eintopf „getuned“ mit Fleisch aus der Dose oder Nudelfertiggericht kombiniert mit Salat und Fleischbeilage) zu Rabea mit der Adresse auf Saudanes geschickt, die ich nun in die EU-LE bzw. unsere Vorratskisten verteile. Zu meiner Zufriedenheit bekomme ich alles gut unter, also mein „Packkonzept“ hat funktioniert. Mich überrascht, dass obwohl das Paket von außen unversehrt aussieht, doch im Innern zwei Dosen verbeult sind. Dafür sind alle Glaskonserven heil geblieben! Anschließend habe ich sogar noch das Glück fast eine Halbzeit des Halbfinalspiels der Frauen Schweden gegen England gucken zu können.Nach dem Abendessen spielen Evi, Rabea und ich noch eine Partie Scrabble, die wir leider unterbrechen müssen, da sich ein paar Pferde „selbstständig“ gemacht haben und auf einer Weide gelangt sind, wo sie nicht sein sollen. Dafür muss Rabea mit Vidja nochmal los um sie zurück zu treiben. Dadurch wird es 01:00 Uhr ehe wir zu Bett gehen. **Mittwoch, 27.07.2022:** In der Nacht regnet es kräftig und der Wind lebt stark auf. Da, im Gegensatz zum letzten Mal bei einem solchen Wetter, niemand im Zelt liegt, bleiben wir gelassen in der Kiste. Als wir aufstehen hat zwar der Regen aufgehört, aber es ist trotzdem bedeckt und die Regenwahrscheinlichkeit ist hoch – das ist schlecht fürs Heumachen! Damit wächst zum einen der Druck auf unsere Gastgeber, aber auch auf Rabea, denn ihr läuft etwas die Zeit davon. Sie muss am 22. August wieder in Hvanneyri sein und wir überlegen, wie unsere weitere Planung aussehen kann. Da heute nichts Besonderes ansteht machen wir eine kleine Stippvisite im Museum, um mit Starkadur zu sprechen, denn er und seine Frau sind auch Pilzsammler und seit der Wanderung in Mývatn sind wir neugierig auf die Möglichkeit Pilze zu sammeln. Er gibt uns bereitwillig Auskunft welche Pilze gut essbar sind (im Wesentlichen drei: eine Art Champignon, eine Art Steinpilz und eine Art „Lerchenpilz“) und wo wir sie finden können. Ein Gebiet ist fußläufig von der Farm aus zu erreichen und wir fassen den Plan das morgen auszuprobieren. Ansonsten plätschert der Tag so dahin und der Regen nimmt zu (dabei sind es draußen erstaunliche 14°C)! Da alle den Tag zum „Ausruhen“ zu nutzen scheinen habe ich das Glück, um 19:00 Uhr lokaler Zeit, das Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft der Frauen im Fernsehen zu sehen, zwar mit isländischen Kommentaren, aber das stört mich nicht weiter. Kurz nach dem Beginn der Halbzeitpause gibt es zwar Abendessen (Hangikjöt (geräuchertes Schafsfleisch) mit süßer Soße, Kartoffeln und kalten Erbsen). Von Rabeas Weihnachtsbesuch kenne ich dies als Weihnachtsessen, aber für unsere Gastgeber ist es nicht ganz so exklusiv, da sie das Fleisch selbst produzieren und auch räuchern. Nach dem Essen steht es 2:1 für Deutschland. Ich gucke den Rest und muss zusehen, wie die Französinnen mächtig aufkommen und unsere Mannschaft die Chance zum 3:1 vergibt. Aber trotzdem schaffen es die Damen ins Finale! Später gehen Rabea und Evi noch Ausreiten während ich mich in die EU-LE zurückziehe. **Donnerstag, 28.07.2022:** Die Nacht war sehr unruhig, denn es hat kräftig gestürmt, aber alles ist heil geblieben! Wir wurden allerdings durchgeschüttelt, als ob wir wieder auf See wären! Dafür ist es morgens sonnig und trocken und es kommt noch weitere Unterstützung für die Heuernte. Als ich zum Duschen gehe kommt mir Rabea mit breitem Grinsen entgegen, sie habe eine schöne Aufgabe für uns. Wir sollen die Türen des Pferdestalls von außen anstreichen. Die Türen haben es echt nötig, aber die Farbe ist eher wie ein Gelee und überdeckt einfach alles. Nach dem Anstrich machen wir Kaffeezeit. Danach fahren Evi und ich Einkaufen, damit Rabea noch einen Schokokuchen backen kann. Dieser Einkauf war für mich sehr aufregend, denn als wir in den Laden kommen ist das Kühlregal am Kopfende des Raumes völlig leer, dort wo sonst Fleischwaren und Käse eingeräumt sind. Ich frage die junge Frau, die gerade das Regal säubert, ob ich denn Fleisch und Wurst kaufen könne. Sie antwortet mir, dass sei möglich, sie müsse es nur aus dem Kühlraum holen. Da meine Liste ein paar mehr Punkte enthält, begleite ich sie zum Kühlraum und erlebe ein typisches Beispiel isländischer Desorganisation (ich hoffe Rabea streicht mir diese Bemerkung nicht). Im Kühlraum stehen Neuwaren und Einkaufwagen mit den Waren aus dem Kühlregal kreuz und quer durcheinander und das arme Mädchen muss von einem zum anderen Korb klettern, um die von mir gewünschten Dinge herauszugeben. Dies tut sie mit einer Engelsgeduld und reicht mir jeweils mit einem Lächeln das Gewünschte. Das dauert so seine Zeit, in der Evi schon den Rest unseres Einkaufs im Laden zusammengesucht hat und sich über mein Fernbleiben wundert. Schließlich haben wir es geschafft und ich habe mit einer fremden Kreditkarte (nämlich die von Steinunn) bezahlt, als es in meiner Tasche vibriert. Rabea hat versucht, mich zu erreichen, aber auch meine Rückruf-Versuche sind zunächst vergebens. Dann klappt es aber doch und und sie fordert mich auf, ihr doch noch Backpulver mitzubringen. Mit dem Smartphone am Ohr dirigiert sie mich durch den Laden bis zu der Stelle, wo das Backpulver stehen sollte, aber an der beschriebenen Stelle klafft eine Lücke in der Warenauslage! Als dann das Alternativprodukt auf der rechten Seite von dieser Stelle nicht zu finden ist, bringt mich Rabea an den Rand der Verzweiflung, denn sie fordert von mir, ihr ein Bild des Regals zu schicken, während ich mit ihr telefoniere! Das ist für einen Mobiltelefonbenutzer wie mich, der gewohnt ist, dass man mit einem Handy nur telefoniert, zu viel! Irgendwie schaffe ich es dann aber doch meine Kamera zu aktivieren, ein Foto zu machen, es per WhatsApp an Rabea zu senden und die ganze Zeit mit ihr zu sprechen. Zum guten Schluss findet sich das Alternativprodukt auf der linken Seite neben den anderen Backzutaten. Jedenfalls weiß ich ab heute, dass mein Smartphone mehr Dinge parallel handhaben kann, als ich bereit bin zu tun, wenn ich telefoniere! Nach diesem aufregenden Einkauf, wobei ich für mich auch noch einen Geschwindigkeitsrekord für Schotterstraßen aufgestellt habe (ich bin gefahren, wie es ein Isländer täte), habe ich etwas “Leerlauf“ und döse auf dem Sofa. Am späten Nachmittag fahren wir dann noch an den Strand bis zu einer hölzernen „Brücke“, um von dort aus zum Pilzesuchen weiter auf die Landzunge hinaus zu wandern. Hier gibt es Anzeichen eines verlassenen Hofes, wobei die Grundrisse der Gebäude total mit Gras überwachsen sind. Tatsächlich werden wir fündig und können einige schöne Exemplare einer Art Champignon (allerdings mit weit geöffneten Schirmen) einsammeln. Wir finden aber auch Boviste und andere Pilze. Zur Sicherheit fahren wir mit unserer „Beute“ zum Museum, um sie von den Museumsleuten begutachten zu lassen, denn wir wollen jedes Risiko vermeiden. Es werden ein paar aussortiert, aber das Gros bleibt uns erhalten und nach dem Putzen ergeben sie einen hoch gefüllten Teller, der dann in die Sahnesoße für unsere Nudeln kommt. Rabea macht aber für die „Nichtpilz-Esser“ auch noch eine Soße mit Hack. Steinunn, Águst und die anderen Männer kommen erst sehr spät von den Feldern denn heute ist ein schöner Tag, den es mit aller Kraft zu nutzen gilt, um das Heu einzufahren. Wir sitzen derweil mit dem Rest der Familie vor dem Fernseher und sehen einen britischen Krimi, der mich trotz der drei Morde nicht gerade vom Hocker reißt. **Freitag, 29.07.2022:** Heute hatten wir eine ruhige Nacht, aber leider wacht Evi mit Rückenschmerzen auf. Daraufhin entscheiden wir, noch etwas liegen zu bleiben und stehen erst gegen 11:00 Uhr auf. Rabea kommt mir schon entgegen gerannt, denn sie war schon Pferde treiben und Material für die Heuernte heranschaffen (schwere Plastikfolienrollen, mit denen die Heuballen für die Lagerung verpackt werden) und hat den Leuten auf den Traktoren etwas zum Essen und Trinken gebracht. Wir fahren mit ihr einkaufen, diesmal ist das Kühlregal wieder prall gefüllt und wir bekommen auch frisches Brot, das es gestern nicht mehr gab. Als wir zurück sind, will Rabea eigentlich für den Mittagskaffee einen Kuchen backen, aber da meldet sich Steinunn, dass die Männer schon früher zum Essen hereinkommen. Jetzt bricht etwas Hektik aus, denn Rabea schwenkt um auf Käse, Thunfischsalat, Toast und Pfannkuchen, die sie dann frisch backt, während die Anderen schon am Tisch sitzen. Aber am Ende werden alle satt und sind zufrieden. Nachdem die Männer wieder aufs Feld sind, helfen wir Rabea beim Aufräumen. Schließlich zieht sie mit Evi und Steinbjörn los zum Strand, um ihn dort zu bespaßen. Bericht Evi & Rabea: Trotz des etwas ungemütlichen Wetters fahren wir zum Strand, damit Steinbjörn dort Sandburgen bauen und mit Wasser plantschen kann. Wir haben Eimer, Bagger, einen Trecker und diverse Schaufeln mitgebracht. Steinbjörn macht sich sogleich daran mit „dem Wegbau“ zu beginnen. Damit uns nicht kalt und langweilig wird beschließen wir, uns am Burgenbauen zu versuchen. Rabea füllt immer wieder einen Eimer mit so viel Sand wie möglich und Evi stülpt die Eimer dann ich rechteckiger Form nebeneinander. So entsteht die Wand einer Burg, die wir mit etwas zusätzlichem Sand noch auffüllen, damit sie an Stabilität gewinnt. Für die Türme der Burg obendrauf brauchen wir zwar mehrere Anläufe, aber auch sie gelingen schließlich und ein Graben, der die Burg umringt vervollständigt das Bild. Steinbjörn kommt hilfsbereit mit Wasser angelaufen, um den Graben zu füllen, aber leider müssen wir feststellen, dass das Wasser schneller versinkt als wir es auffüllen können. Steinbjörn hätte trotzdem auch gerne so eine Burg und wir erklären uns bereit ihm beim Bau zu helfen. Allerdings verliert er schnell das Interesse und da er sich beim Grundriss auch etwas „vermisst“ (er lässt uns eine ca. zwei Meter lange Linie als eine der Grundmauern bauen und wir protestieren, noch drei weitere zu bauen), lassen wir das Projekt fallen. Nachdem wir noch schnell ein Schwimmbad bauen, sind wir dann auch alle gut durchgefroren und machen uns wieder auf den Heimweg. ![](https://i.imgur.com/ed2YxUD.jpg) Bild von Steinbjörn am Wasser ![](https://i.imgur.com/oGYEB8J.jpg) Rabea beim Sandburgenbauen Zum Abendessen gibt es Wraps, für die Evi, Rabea und ich die Zutaten schnippeln und den Tisch decken. Dabei entdeckt Rabea, dass die Mayonnaise aus ist, aber von dem Baiser-Kuchen, den sie vorher gebacken hat sind ja noch die Eigelbe im Kühlschrank. Mit diesen, Öl, Senf, Salz, Pfeffer und etwas Zucker rühren wir eine Mayonnaise an, die der isländischen zum Verwechseln ähnlich schmeckt, da kein Essig oder stärkere Gewürze enthalten sind. So sind dann alle zufrieden. **Samstag, 30.07.2022:** Ich wache früh auf, da die EU-LE schaukelt, als seien wir auf hoher See. Gleichzeitig höre ich das Prasseln des angekündigten Regens auf dem Dach. Diesmal wird der Wind immer stärker und ich mache mir Sorgen um unser Zelt. Am liebsten wäre es mir, wenn der Wind nicht weiter zunimmt und der Regen aufhört, dann könnten wird das Zelt fast trocken einpacken. Aber das Wetter tut mir diesen Gefallen nicht und ich überrede Evi gegen 08:30 Uhr das Zelt so, wie es ist, abzubauen und auf diese Weise zu sichern, denn noch ist nichts zu Bruch gegangen. Kurz nach 9:00 Uhr haben wir es geschafft, da wir uns nur auf das Vorzelt und den Tunnel konzentriert haben und Sturmleinen und Heringe später erst geborgen werden sollen. Aber diese kurze Zeit reicht schon um unsere Finger dermaßen kalt werden zu lassen, dass sie schmerzen und wir die Halteklammern der Sturmleinen kaum gelöst bekommen. Nach dieser Aktion verkriechen wir uns wieder ins Bett und versuchen uns aufzuwärmen. Gegen 11:30 Uhr treibt es mich aus dem Bett, da der Wind mit Macht auch an unserer Dachluke zerrt und ich versuche das zu unterbinden, indem ich den Hilux mit der Schnauze in den Wind stelle. Der Erfolg ist mäßig, da der Wind um die Hausecke herum dreht, aber immerhin scheint nun die Dachluke sicher. Nach dem späten Frühstück gehen wir ins Haus hinüber, wo Rabea schon zwei Spiele herausgesucht hat. Das eine ist ein Kartenspiel, bei dem es auf Reaktion und richtige Interpretation der jeweiligen Kartenkonstellation ankommt, mit dem vielsagenden Titel „Dodelido“. Das andere ist ein isländisches Brettspiel, dass mich an eine Mischung aus „Spiel des Lebens“ und „Monopoly“ erinnert, allerdings mit dem Unterschied, dass es reichlich Aktionen zum Schaden der Mitspieler gibt bis hin zum „Raub von Gehirnzellen“. Natürlich gewinnt Vidja! Rabea zieht mit Steinbjörn und Evi trotz des schlechten Wetters los, um draußen mit dem Jungen noch etwas zu unternehmen. Nachdem sie zurück sind gibt es zum Abendessen Reste der Woche, denn Steinunn geht zu einem Event in Thorshöp währen Ágúst sich dem Lagern der Heuballen bis spät in die Nacht widmet. Wir schauen mit Steinbjörn zusammen Frozen II, das wir aus dem Filmangebot des Fernsehanbieters auswählen. **Sonntag, 31.07.2022:** Wieder eine sehr unruhige Nacht, da der Wind einfach nicht nachlässt und auch noch etwas die Richtung ändert, sodass die EU-LE von vorn rechts getroffen wird und regelrechte „Schockwellen“ durch die WoKa laufen. Ich beschließe zu versuchen die EU-LE noch etwas mehr in den Windschatten des Hauses zu stellen, ohne dabei die Durchfahrt zu den Stellplätzen für die Fahrzeuge unserer Gastgeber zu sehr einzuengen. Außerdem beginne ich das Zelt endgültig zu verpacken und auf die Fahrradträger hinten an der EU-LE zu verladen, damit wir morgen nicht mehr allzu viel rödeln müssen, denn nun ist das Heu zu 90% (laut Ágúst) in Plastik gerollt und damit sicher. Deshalb können wir unsere Rundreise fortsetzen. **Montag, 01.08.2022:** Trotz Montag ist heute Feiertag, der so etwas wie ein „Tag der Arbeit“ zu sein scheint. Zu Ehren dieses Tages und unserer Abreise gibt es ein umfangreiches Mittagessen mit Backkartoffeln, diversen Salaten und einem Lammschenkel aus dem Backofen – ein wirklich tolles Abschiedsessen für uns! Nach dem Essen bekommen wir noch ein paar Reisetipps, von denen wir den ersten auch bald beherzigen. Das Wetter ist leider immer noch regnerisch, aber dafür ist die Straße recht wenig belebt. Nach einer kurzen Visite der Ortschaft Vopnafjördur an der Küste, geht es hinauf in die Hochebenen nach Mödrudalur. Hier, mitten zwischen Mývatn und Egilsstadir, stoßen wir auf einer Seitenstraße der 1 auf eine Häusergruppe, die im Stile der „Torfhäuser“ gehalten, aber neueren Datums sind. Laut eigener Aussage handelt es sich um die höchst gelegene Farm Islands (469 m ü.n.N). Es gibt dort auch ein Restaurant und einen Shop. Der geschäftstüchtige Farmer hat auch gleich einen Campingplatz eingerichtet, der im Grunde alle Annehmlichkeiten bietet, die notwendig sind, auch wenn ein paar Sanitäreinrichtungen derzeit wohl nicht funktionieren. Wir werden durch die Frage nach der Island Camping-Card überrascht, was den Platz für uns attraktiv macht, und wir bleiben. Für den Strom zahlen wir 1500 ISK (üblich sind eher 1000 ISK). Nachdem wir uns eingerichtet haben, werden die Flächen zwischen den schon angekommenen Campern plötzlich eng, denn ganze Gruppen treffen ein, die mit PKWs und Zelt unterwegs sind. Bei dem Regen nicht gerade ein Vergnügen. Sogar eine Reisegruppe von „Grey line“ aus England ist dabei, die die sogenannte „Küche“ (ein Mooshaus, von dem nur Giebel und Eingang aus der Erde herausragt) schon in Beschlag genommen haben und 5 Damen das Essen für ihre Mitreisenden vorbereiten. Dabei ist der Name „Grey line“ Programm, denn es handelt sich um „ältere Semester“. ![](https://i.imgur.com/uQ7rlN2.jpg) RBE vor dem Kaffee in Möthredalur ![](https://i.imgur.com/NCIWkhj.jpg) Toilette und Spüle! In der EU-LE ist es kuschelig warm und wir spielen „Scrabble extreme“ (- mit Umbauen der schon gelegten Worte). Damit beschließen wir den Tag gegen Mitternacht. **Dienstag, 02.08.2022:** Leider regnet es immer noch und wir lassen es in Anbetracht der vielen Mitcamper langsam angehen, denn es gibt nur eine Dusche! Als wir dann um kurz nach 10:00 Uhr aufstehen, sind die meisten schon weg, so dass es keinen Stau an der Dusche gibt. Als wir unser Teewasser kochen wollen stellen wir fest, dass der Strom weg ist! Zunächst gehe ich davon aus, dass irgendeine Sicherung rausgeflogen ist, aber die Überprüfung zeigt keinen Fehler. So gehe ich zur Rezeption, um auf den fehlenden Strom hinzuweisen. Die junge Frau dort fragt nach und erklärt mir, dass der Strom bald wieder da sein würde! Aber Fehlanzeige, sodass wir unser Teewasser, dann doch mit Gas kochen müssen. Nachdem wir abfahrbereit sind, geht Rabea nochmal zur Rezeption, um wegen des fehlenden Stroms nachzuhaken. Das Ergebnis ist verblüffend, denn sie hält mir 1500 ISK unter die Nase, d.h. wir haben den Betrag komplett zurück bekommen. Wir starten in Richtung Saenautasel, einer weiteren alten Farm mit Torfhäusern. Dort angekommen entscheiden wir uns dagegen die eigentliche Ausstellung anzusehen und trinken stattdessen in einem der Torfhäuser an einer langen, für ca. 20 Leute gedeckten Tafel Kaffee und heißen Kakao. Die authentische Einrichtung mit brennendem Ofen und darauf kochender Rhabarbermarmelade ergeben zusammen mit einem alten Fotoalbum, das wir durchblättern, eine sehr gemütliche und urige Atmosphäre. ![](https://i.imgur.com/ivJjokr.jpg) Die lange Kaffeetafel ![](https://i.imgur.com/vPb1cwV.jpg) Rabea und Evi bei Kakau und Kaffee Nach dieser Pause geht es endgültig weiter nach Egilsstadir, wo wir unsere Vorräte ergänzen und auch eine kleine Jause einlegen. Da uns der Campingplatz jedoch zu teuer ist, fahren wir über den Berg nach Seydisfjördur, wo Evi und ich mit der Fähre ankamen, aber Rabea kennt den Ort noch nicht. Die Fahrt über den Pass ist wirklich imposant und beeindruckt durch das steile Auf und Ab und die Farbenspiele an den Felswänden der Canyons. Als wir in Seydisfjördur ankommen, tanzen auf der gegenüberliegenden Terrasse eines Lokals einige Leute gerade so etwas wie „Sirtaki“! Wir fahren zum Campingplatz, der schon gut besucht ist, aber angenehmer Weise gibt es schon eine brandneue Erweiterung ein paar hundert Meter die Straße hinunter, auf der wir uns platzieren. Von hieraus machen wir einen Rundgang durch den Ort und stoßen auf eine Art Ausstellung zum Gedenken an einen großen Erdrutsch in 2020, durch den eine ganze Reihe von Häusern zerstört wurde (erfreulicherweise ohne menschliche Opfer). Aufgrund dieses Ereignisses gibt es auch ein paar neue Überlegungen, wo Häuser gebaut werden dürfen und wo nicht, was wohl zu einigen Protesten geführt hat. Eine unheimliche Parallele zu den Folgen den Hochwassers bei uns, wo ebensolche Überlegungen nun auch anstehen. Heute gibt es Campingessen aus den mitgebrachten deutschen Konserven: Linsensuppe mit Brühwurst. Mittwoch, 03.08.2022: Gegen 09:00 Uhr stehen wir auf, wobei mich vorher schon ein lauter Gong geweckt hat! Das Rätsel löst sich als ich im Hafen die Aida awerna (ca. 200m lang, maximal 1582 Passagiere; unter italienischer Flagge) liegen sehe. Da wir auf der Erweiterung des Campingplatzes stehen, frühstücken wir erst einmal „ungeduscht“, denn wir packen dann zusammen und fahren zum Duschen und Spülen auf den „Hauptplatz“. Leider kosten die Duschen Geld, sodass ich mich beeile, damit ich mit einer Münze auskomme. Anschließend besuchen wir die Läden, die gestern, als wir ankamen, schon geschlossen waren. Sehr nette Handarbeiten, wobei wir in einem Laden besonders lange verweilen. Dort empfängt uns eine ältere Dame und es läuft Musik von Paco de Lucia im Hintergrund (ich nehme zunächst fälschlicherweise an, dass es sich um das Konzert in San Franzisco zusammen mit Al DiMeola und John McLaughlin handelt). Aber wir kommen ins Gespräch und Rabea heimst mal wieder ein Kompliment für ihr Isländisch ein. Ein paar Sachen (Porzellan mit einer speziellen Oberflächenbehandlung, um „Eisblumen“ auf die Glasur zu zaubern) gefallen uns schon sehr, aber der Preis erscheint uns dann doch zu hoch.Wir setzen unseren Rundgang fort und stoßen auf ein „Tinyhouse“ auf Rädern mit Hamburger Kennzeichen! Mein überraschter Ausruf, ob die Besitzer wohl mit dem ganzen Haus per Fähre herübergekommen waren, wird von einer Frau, die dort im Vorgarten arbeitet, auf Deutsch beantwortet, dass dem so sei. Wie sich herausstellt, stammt die Dame aus Hamburg und hatte sich in Seydisfjördur ein Haus erworben und renoviert, das als „Alterssitz“ gedacht war. Leider gehörte dieses zu den, durch den schon erwähnten Erdrutsch, zerstörten Häusern. Dank Corona war sie zu dem Zeitpunkt (18.12.2020) nicht auf Island, sodass sie nur noch Trümmer vorfand als sie wieder hier ankam. Das „Tinyhouse“ hat sie selbst zusammengebaut, denn sie ist Tischlermeisterin und Holztechnikerin von Beruf. Es macht schon einen deutlichen Unterschied über eine solche Katastrophe zu lesen oder mit einer Betroffenen zu sprechen. Aber sie stellte zum einen fest, dass sie viel völlig uneigennützige Unterstützung erfahren habe, und zum anderen hat sie auch schon wieder Ideen wie es weitergehen kann – halt typisch Isländisch: Es wird schon werden - Þetta reddast! Nachdem wir alle Shops abgeklappert haben, fahren wir wieder in Richtung Egilsstadir, um in den nächsten der Ostfjorde zu wechseln. Allerdings machen wir eine Wanderung zum Fardagafoss, der an der Abfahrt hinunter ins Tal von Egilsstadir liegt. Laut Beschreibung ist es eine halbstündige Wanderung vom Parkplatz bis zum Wasserfall. ![](https://i.imgur.com/lEa7J7S.jpg) Evi & Rabea am Wasserfall Fardagafoss ![](https://i.imgur.com/YA4upjG.jpg) Zweite Stufe des Fardagafoss Aber unterwegs entdecken wir Pilze, die den Steinpilzen in Deutschland ähneln, und uns erfasst das Sammelfieber. Da wir nicht darauf eingerichtet waren, Pilze zu finden, erklärt sich Rabea bereit, zum Auto zurückzugehen und einen Beutel und ein Taschenmesser zu holen. Schon als wir am Wasserfall ankommen, haben wir ca. 2kg Pilze gesammelt. Auf dem Rückweg weigert sich Rabea weiter zu sammeln, da sie dies für Verschwendung hält. Auf diese Art ist es schon früher Nachmittag als wir in der Stadt ankommen. ![](https://i.imgur.com/9EYgUcu.jpg) Riesenpilz Noch „schnell“ ein paar Sachen einkaufen und Kaffee trinken und wir sind auf dem Weg nach Neskaupstadur, wo eine Tante von Áugúst wohnt, die aber derzeit selbst in Urlaub ist. Die Straße dorthin verläuft durch einen 8 km langen Tunnel, der sehr modern wirkt, da Notausstiege und Signale sehr deutlich beleuchtet sind. Das Wetter ist nicht gerade einladend, sodass wir uns auf eine kleine Rundtour mit dem Auto beschränken. Anschließend fahren wir nach Eskifjördur, wo wir uns auf den Campingplatz stellen. Am Anfang des Ortes ist eine Wiese, die von einem ca. 2m hohen Wall zu zwei Seiten umschlossen ist. Auf der dritten Seite ist ein „Wäldchen“, das den Hügel hinaufreicht und in dem entdecken wir ein „Waschhäuschen“ (2 Toiletten, 1 Dusche und eine Spüle, aber alles mit heißem Wasser). Ich finde auf Anhieb nur eine Stromsäule mit zwei Anschlüssen, an der schon ein anderer Camper hängt. Erst am nächsten Morgen entdecke ich zwei weitere, von denen jedoch eine abgeschlossen ist! Es regnet zunächst, aber dieser legt sich später. Zum Abendessen kochen wir Fussili gemischt mit Tortellini mit Pilzrahmsoße! Allerdings gibt es erst einen Schreck, denn die älteren Pilze haben eine Menge, sehr kleiner Maden, sodass das Putzen entsprechend aufwendig ist. Ich bin davon etwas genervt, denn in einem Pilzforum hat jemand behauptet isländische Pilze seien madenfrei, was hiermit widerlegt ist. Trotzdem schmeckt es uns sehr gut. Wir sind etwas verwundert, dass keiner für den Stellplatz „kassieren“ kommt, aber wir nehmen das Geschenk gerne an. **Donnerstag, 04.08.2022:** Gegen 08:45 Uhr stehe ich auf, wobei ich schon lange wach bin, denn in der Nacht hat es draußen wieder kräftig geblasen, jedoch ohne Regen. Ich hatte zwar gehofft, dass der uns umgebende Wall vor dem Wind schützen würde, aber die EU-LE hat trotzdem beträchtlich gewackelt.Nach dem Frühstück machen wir uns weiter auf den Weg durch die Ostfjorde, zunächst nach Reydarfjördur, wo es eine besondere Bäckerei geben sollte. Dort angekommen war es jedoch eine „fast normale“ Bäckerei mit Kaffee. Darum sind wir gleich weiter entlang des Fjords nach Faskrudsfjördur gefahren und hinter dem Ort kommt dann der Gelsárfoss. Ein nicht so großer Wasserfall, der aber über ein Höhle hinabstürzt, in die man trockenen Fußes gelangen kann. Außerdem sind nur sehr wenige Touristen dort, denn der Bauer hat nur ein selbstgemaltes, schlecht lesbares Schild aufgestellt. ![](https://i.imgur.com/IRlsnTP.jpg) Evi & Rabea unter dem Gelsárfoss - Wo sind die beiden? Nach dieser Wasserfallwanderung, fahren wir den Fjord zurück, um in den nächsten Fjord einzubiegen, wo wir in Stödvarfjördur einen „Handcraft-Laden“ entdecken, den wir uns ansehen. Das Angebot ist sehr groß und reicht von den klassischen Strickwaren über Holzarbeiten, Küchengegenständen mit Griffen aus Knochen oder Horn, bis hin zu weiteren Handarbeiten, Marmeladen und Tees. Wir erfahren, dass insgesamt 30 Personen zu diesem „Sortiment“ beitragen. Rabea ersteht dort ein paar Ohrringe und Evi kauft dazu ein passende Halskette, die sie Rabea zum Nikolaus schenken will. Weiter geht es die Ostfjorde entlang und wir machen keinen weiteren Halt, da wir heute bis Höfn kommen wollen, um dort zu kampieren. Unterwegs zwingt mich starker Seitenwind teilweise nur 60 km/h statt der erlaubten 90 km/h zu fahren, damit mich die Böen nicht in den Gegenverkehr oder die Böschung hinunter treiben. Aber schließlich ist es geschafft und wir haben kurz vor Höfn plötzlich freie Fernsicht auf das Gletschergebiet um den Vatnajökull, der bis hinunter zum Meer reicht. ![](https://i.imgur.com/x11D1IA.jpg) Fernsicht auf das Gletschergebiet um den Vatnajökull Beim Campingplatz in Höfn angekommen erleben wir erneut eine böse Überraschung bezüglich der Campingcard, da diese dort nicht akzeptiert wird, obwohl unsere zur Campingcard gehörende Liste anderes besagt. Da der junge Mann an der Rezeption recht arrogant rüberkommt und der Preis uns eindeutig zu hoch ist, suchen wir per Internet erst einmal nach Alternativen. Rabea findet nach einigem Suchen tatsächlich einen nahegelegenen Campingplatz mit dem Namen des Platzes auf unserer Liste, allerdings mit anderer Adresse! Da es sich nur um eine 15 minütige Fahrt handelt, machen wir uns auf den Weg dorthin und finden einen schön angelegten Platz vor, bei dem die einzelnen Stellplätze sogar nummeriert sind. Obwohl die Sanitäranlagen für die Größe des Platzes recht mau ausfallen, sind wir erst einmal zufrieden und können sogar noch einen Abendspaziergang in der Sonne machen. Allerdings kommt sich Evi, aufgrund der Umzäunung und fehlender Fußwege in die Umgebung vor, als sei sie in einem „Straflager“. Zum Abendessen gibt es Reste von gestern mit schon vorgebackenen Chickennuggets, was uns allen gut schmeckt. **Freitag, 05.08.2022:** Wir stehen um 07:00 Uhr auf und es scheint die Sonne vom Himmel. Wir können dies jedoch nicht so richtig genießen, weil sowohl für mich als auch für Evi von Amtswegen Aufforderungen vorliegen, uns zu melden. Bei mir ist es die Rentenversicherung, die noch irgendwelche Details geklärt haben will und bei Evi, die Führerscheinstelle beim Kreis Euskirchen. Da wir uns in einem Funkloch (!) befinden sind wir etwas angespannt und beeilen uns loszufahren, um von einem Ort mit guter Telefonverbindung die Anrufe erledigen zu können. Im nächsten kleinen Ort in Richtung Höfn halten wir an und erledigen unsere Telefonate. Erstaunlicherweise bekomme ich bei der Rentenversicherung gleich eine Sachbearbeiterin an die Strippe! Bald stellt sich heraus, dass bei genauem „Hinsehen“ der Sachbearbeiterin meines Rentenantrags, die Nachfrage gar nicht notwendig gewesen wäre! Ich biete trotzdem an, die eine Unterlage noch per Mail zu schicken, was ich dann heute Abend erledigen kann. Bei Evi erreichen wir niemanden und es erfolgt nur ein Verweis auf die Website des Kreises. Evi ist etwas angefressen, weil sie der Meinung ist, dass sie noch gar nicht den Umtausch ihres Führerscheins beantragt hat und wir das eigentlich erst machen wollten, nachdem wir wieder in Zülpich sind. Soetwas stört natürlich die Konzentration auf die wunderbaren Dinge, die wir in Island erleben und trübt ein wenig die Stimmung. Etwas froher gestimmt fahren wir nach Höfn, wo unsere erste Aufgabe ist, eine neue Gasflasche zu besorgen. Dazu suchen wir eine Olis Tankstelle, wo wir eine passende Gasflasche bekommen, die ich dann in unser Gasfach einräume, was wegen der Enge darin nicht ganz einfach ist. Nun füllen wir noch unseren Tank, dann kann die Reise weiter gehen. Zunächst sehen wir uns allerdings noch in Höfn um und finden eine Touristeninformation, die auch ein kostenloses (!) Museum beherbergt. Dieses ist sehr anschaulich mit Liebe zum Detail gestaltet und informiert über die Natur der Umgebung und die Gletscher. Nach Anschauen des Museums fahren wir ein Stück zurück in Richtung Osten zu einem Nachbau eines Wikingerdorfes, das als Filmkulisse gedient hat. Leider dürfen wir die Gebäude nicht betreten (Einsturzgefahr?) und über die Authentizität des Nachbaus darf man sicher auch geteilter Meinung sein. Aber in jedem Fall ist die Lage dieses Hofes interessant, denn es handelt sich um die dreieckige Landzunge Stokksnes auf der auch ein Observatorium und ein Leuchtturm zu finden sind. Außerdem kann man zwischen Dünen aus schwarzem Sand wandern. ![](https://i.imgur.com/xgzModl.jpg) Evi im Wickingerdorf Nach der Kaffeepause fahren wir zum See Jökulsárlón. Das ist ein See in den der Gletscher Breidamerkurjökull, ein Ausläufer des Vatnajökull (Nationalpark) einmündet und kalbt. Deshalb schwimmen auf diesem See verschieden große Eisbrocken (besser: Eisberge), die langsam abschmelzen und in Richtung Meer treiben, wobei sie durch einen Flusslauf hindurch müssen und manchmal dort auch auf Grund laufen und das Wasser zurückstauen. Ein irres Naturschauspiel, vor allem wenn gerade mal wieder ein Stück von einem dieser Kolosse abbricht oder sich ein Eisberg dreht, sodass seine Unterseite nach oben kommt. Die Stücke sind unterschiedlich groß und verschieden massiv, und damit ändert sich auch ihre Farbe bzw. es entstehen bläuliche Lichteffekte, die sehr schön in der Sonne funkeln. Wir beobachten eine Weile die verschiedenen Eisformen und folgen dann dem Flusslauf um das Abdriften der Eisstücke zu beobachten. ![](https://i.imgur.com/GQpdxb5.jpg) Eisblöcke auf dem Jökulsárlón Das Naturerlebnis ist das eine, das andere ist der unglaubliche Rummel der hier betrieben wird. Wir biegen von der Ringstraße ab und stehen in einem Stau vor dem Parklatz, der in isländischer Manier mit Schotter ausgelegt und durch Holzstämme in Parksegmente unterteilt ist. Aber die meisten der ankommenden Autofahrer sind nicht in der Lage Lücken zwischen den parkenden Autos zu erkennen, sondern drängen immer weiter bis in die vorderste Reihe, um dann umzudrehen. Meine Spekulation, in die erste Parkreihe einzufahren und zu warten, dass jemand ausparkt, ist schon nach einer Minute von Erfolg gekrönt. Ansonsten komme ich mir vor, wie auf einer Kirmes. Es gibt mehrere Buden mit kulinarischen Angeboten (einen Portion Fish & Chips für 2800 ISK = 19,50 €), Buden zur Buchung von Touren auf dem See mit einem Amphibienfahrzeug (6000 ISK für eine halbe Stunde) oder mit Schlauchbooten und zwei Container für die Notdurft. Dazwischen laufen Massen von Menschen hin und her, zu denen auch wir gehören. Ich kann nicht verhehlen, dass dieser Rummel in gewisser Weise ansteckend ist und nur noch die Jagd nach dem besten Schnappschuss im Vordergrund steht. ![](https://i.imgur.com/EgqwYpz.jpg) Evi & Robert vor dem See mit Eisschollen ![](https://i.imgur.com/IdzPnt5.jpg) Amphibienfahrzeug zwischen den Eisschollen auf dem Jökulsárlón Nach einer Weile wechseln wir die Flussseite zur „Diamond Beach“. Hier stehen zwar keine Buden, aber der Parkplatz ist aufs Feinste geteert und durch Randsteine strukturiert, wie es ordentlicher nicht sein könnte. Am Strand laufen dann die die Touristen und schießen Fotos von den Eisblöcken, die hier angeschwemmt werden. Es ist so, als ob der Ozean das „Geschenk“ des zusätzlichen Frischwassers in Form der Eisschollen nicht haben möchte und sie wieder an den Strand vor die Füße der dort stehenden Menschen spült. Ich glaube, dass nur wenige, die am Strand der „Spieltrieb“ mit den Eisschollen packt, darüber nachdenken, dass hier gerade Eis schmilzt, das tausende von Jahren Teil eines Gletschers war, von dem niemand weiß, ob es jemals wieder ersetzt werden kann oder ob der Zerfallsprozess nicht noch schneller von Statten gehen wird. Als wir am Strand entlang gehen ist neben der Brandung deutlich das Knacken des schmelzenden Eises zu hören. ![](https://i.imgur.com/UJairTu.jpg) Evi & Robert vor einer Eisscholle an dem „Diomond Beach“ ![](https://i.imgur.com/27iOV1w.jpg) Eisscholle am „Diamont Beach“ Nach einer Weile fahren wir dann weiter auf der 1 zu einem weiteren Gletschersee, der jedoch nur über einen sehr groben Schotterweg zu erreichen ist: Fjallsárlón. Als wir ankommen stehen dort nur 5 (!) Autos. Bis wir den See vollständig sehen können müssen wir noch ein paar Schritte gehen. Mit jedem Schritt nimmt die „Ehrfurcht“ vor dem Gletscher zu, denn seine Abbruchkante scheint zum Greifen nahe zu sein (ich schätze ca. 150 m). Auf dem See schwimmt ein Stück Eis, so groß wie die Fähre nach Island! Es herrscht, bis auf wenige Wortfetzen von den anderen Touristen, Stille und nur wenige Vögel und das Platschen von abbrechenden Eisstücken ist zu hören. Ich glaube Ergriffenheit und Melancholie sind die Emotionen, die gerade bei mir vorherrschen. Vielleicht auch ein bisschen Scham darüber, zu diesen Zerfallsprozess beizutragen, schon allein dadurch, dass wir dem See diesen Besuch abstatten. Trotzdem bin ich froh dies hier mit eigenen Augen gesehen zu haben! ![](https://i.imgur.com/o3nAVuf.jpg) Riesen Scholle auf dem Fjallsárlón Nachdem wir uns satt gesehen haben, fahren wir weiter zu einem Campinglatz im Vatnajökull Nationalpark, wo wir nach schneller Campingküche den Abend mit einer Runde Rommé beschließen. **Samstag, 06.08.2022:** In der Nacht hat es wie angekündigt geregnet, aber als wir aufstehen ist es trocken, wenn auch bedeckt. Der Campingplatz ist sehr groß (wir schätzen mehr als 500 Plätze), hat aber relativ wenige Toiletten und Duschen, von denen auch noch nicht mal alle funktionell sind. Aus diesem Grund stehen wir erst nach 11:00 Uhr auf, um möglichen Staus vor den Sanitäreinrichtungen zu entgehen. Das klappt halbwegs! Gegen 13:00 Uhr brechen wir zu einer Wanderung im Nationalpark auf, die uns durch ein großes Waldgebiet zu einem Wasserfall und zu einem weiteren Teilgletscher des Vatnajökull führen soll. Der Weg geht steil bergauf, ist aber mit Schotterplatten (Plastikplatten mit Lücken, die mit Schotter gefüllt wurden) belegt und eine Art „Fußgängerautobahn“. Zunächst treffen wir auf den Svartifoss, der uns aber nach all den anderen Wasserfällen, die wir schon gesehen haben, nicht mehr so beeindruckt und dann wandern wir über den Bergrücken nach Sjónarnípa, wo wir eine gute Sicht von hoch oben auf den Gletschersee und den Skaftafellsjökull haben. Hier wird erst deutlich, wie zerklüftet das Eis ist und wie viel Schmutz und Asche darauf abgelagert sind, bevor es abbricht und in den See fällt. Im Gegensatz zu gestern ist der See recht ruhig und es ist keine große Bewegung zu sehen. Wir folgen dem Weg, der nicht immer ganz einfach ist, hinunter zurück zum Visitorcenter und damit zur Campsite, wo unsere EU-LE steht. ![](https://i.imgur.com/2Up9B0s.jpg) Svartifoss ![](https://i.imgur.com/TYf1ig3.jpg) Gletschersee des Skaftafellsjökull Nachdem wir zusammengepackt haben, fahren wir nach Kírkjubaejarklaustur zum Campingplatz. Dieser sagt uns aber wegen fehlendem Warmwasser und Dusche nicht zu, sodass wir ein paar Kilometer zurückfahren, wo ein Bauer Camping und Lodges anbietet. Wir stehen unter malerischen Felsformationen auf einer Wiese, die von Bäumen umringt ist. Und das ganze im herrlichsten Sonnenschein, nachdem es unterwegs noch heftig regnete. Wir beschließen draußen zu Abend zu essen, was wir sehr genießen. Nach dem Essen gehen Evi und Rabea noch zum Hotpot, den wir mitbenutzen dürfen. ![](https://i.imgur.com/3PiqK3X.jpg) Eule auf Campingplatz kurz vor Kírkjubaejarklaustur **Sonntag, 07.08.2022:** Rabea weckt uns um 10:00 Uhr mit dem Ruf: „Es fängt an zu regnen, ich baue jetzt mein Zelt ab!“ und wirft uns ihren Schlafsack in die WoKa! Sie schafft es, ihr Zelt halbwegs trocken zu verpacken, während wir Frühstück vorbereiten. Leider nimmt der Regen stetig zu und als wir fahren schüttet es schon fast aus Eimern. Dazu kommt noch ein böiger Wind, der das Fahren nicht gerade erleichtert. Auf unserem Weg liegen ein paar Sehenswürdigkeiten, die wir aber ob des Regens gar nicht besuchen, denn kaum ist man ausgestiegen, da ist man auch schon nass! Lediglich zu der Höhle bei Vík í Myrdal fahren wir den doch sehr holprigen Weg mit einer Menge Pfützen. Aber ich schaffe es kaum das Felsmassiv mit der Höhle zu fotografieren, ohne Wassertropfen auf der Linse – das macht wirklich keine Freude. Rabea und Evi sind schon in der großen Höhle, deren Besonderheit eine Lücke im Fels über dem Eingang ist. Schon bald setzen wir uns wieder ins Auto, in dem so langsam eine Art Saunaatmosphäre entsteht, denn jedes mal Ein- und Aussteigen bringt Tropfwasser von der WoKa und unseren Klamotten mit hinein, da hat die Belüftung der Scheiben wirklich kräftig zu tun. ![](https://i.imgur.com/qkPeFkc.jpg) Höhle in Vík í Myrdal Weitere Touristenhalte lassen wir links liegen und fahren weiter zum nächsten Campingplatz, auf den wir eingeladen wurden kostenfrei eine Nacht zu stehen. Aber das hat seinen Preis, denn es gibt weder Strom, noch warmes Wasser oder eine Dusche und das entspricht eigentlich nicht unseren Ansprüchen. Trotzdem machen wir hier Halt, weil Rabea ihre Studienkollegin Nadine treffen will, die auf dem Hof, zu dem der Campingplatz gehört, arbeitet, und sie hofft darauf mit ihr ausreiten zu können. Allerdings werden wir etwas getröstet durch die Umgebung und die Sonne, die dann doch noch für eine Stunde rauskommt, während wir uns einrichten. Später am Abend beginnt es jedoch erneut zu regnen, was wir aber in unserer „kuscheligen“ WoKa ignorieren und beschließen den Abend mit einer Runde Letramix (eine Art Scrabble mit Würfeln und Stoppuhr). **Montag, 08.08.2022:** Rabea muss früh raus, da sie mit ihrer Freundin verabredet ist, die wohl kurz nach 08:00 Uhr zum Säubern der Sanitärhäuschen kommen will. Dann fährt Rabea mit ihr auf den Hof und verbringt den Tag mit ihr, während Evi und ich unserer „eigene Tour“ machen. Rabea hat gestern Evi mit Hilfe von Google-Maps eine „Route“ eingerichtet. Aber als wir gegen Mittag losfahren regnet es schon wieder in Strömen zusammen mit heftigem Wind. Als erstes steuern wir einen der „kleineren“ Wasserfälle (Urridafoss) an, der aber ziemlich wasserreich (insbesondere im Moment) ist. Man spricht von einer möglichen Energieleistung von 140 MW, wobei das einst geplante Projekt zur Nutzung dieser Energie leider gescheitert ist. Als wir dort ankommen steigen wir trotz des Regens aus und sehen uns um. Dabei fällt mir auf, das dies wahrscheinlich die letzte Saison ist, in der man diesen Wasserfall uneingeschränkt betrachten kann, denn jemand hat hier kräftig investiert (neue, geteerte Straße, neuer Parkplatz, geteerte Aussichtsplattform mit einem Stück Weg um dem Fluss zu folgen) und ich vermute, dass es nächstes Mal Eintritt kostet! ![](https://i.imgur.com/lv5vs6j.jpg) Urridafoss im Regen Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Geysir, aber wie sich herausstellt, ist der inzwischen in die Anlage eines Schwimmbades integriert, dessen Becken die heiße Quelle mit 36 - 40°C heißem Wasser speist. Aber da schon mindesten fünf Reisebusse vor der Tür stehen, verzichten wir darauf hineinzugehen. Wir sehen von außen immerhin die Dampffahne, die von der heißen Quelle ausgeht. Dies Bad gehört zum Ort Fludier, in dem uns einige recht große Anlagen von Gewächshäusern auffallen, die natürlich auch die Erdwärme nutzen und Tomaten, Gurken und andere Gemüse anbieten. Unser letztes Ziel für heute ist eine Anlage von natürlichen Hotpots, zu denen man von Fludier ca. 6 km (teilweise über neue Straße, aber auch Schotter) hinausfahren muss. Aber auch hier ist der Andrang schon sehr groß und Evi und ich haben keine Lust schon durch den restlichen Fußweg völlig durchnässt zu werden. Die Alternative, gleich in Badeklamotten zum Hot Pot zu gehen, bietet sich aufgrund der Temperatur für uns nicht an! Also drehen wir wieder um und machen in Fludier auf einem freien Parkplatz Kaffeezeit, bis wir von Rabea eine Rückmeldung bekommen, dass sie abgeholt werden kann. Nachdem wir Rabea „wieder aufgelesen“ haben fahren wir weiter nach Geysir (wirklich der Ortsname), wo es einen selbigen gibt und einen Campingplatz. Neben einem Guesthouse und Restaurant ist eine Baustelle und daneben die Campingwiese, immerhin mit einer ganzen Anzahl von Steckdosen für die Stromversorgung, aber auch sehr aufgeweicht. Dabei fällt mir das Profil der Wiese auf, denn in Längsrichtung fällt die Wiese zu beiden Seiten ab (genau so wie es Ágúst mir für das von ihm geplante Feld beschrieben hat). Aber trotzdem ist der Seitenbereich sehr nass, sodass vor allem Zeltcamper die dort stehenden Pfützen meiden. Auch wir stellen uns auf den Kamm, in der Hoffnung, dass der Untergrund stark genug ist und wir die EU-LE gut gegen den Wind positionieren können. Ironischer Weise ist der Name des Campingplatzes Skjól (=Schutz)! **Dienstag, 09.08.2022:** Die Nacht ist unruhig, denn erst windet und dann regnet es wie verrückt. Ich male mir schon aus, dass wir heute morgen auf einer „Insel“, umgeben von Wasser, stehen. Ganz so schlimm ist es nicht, aber auf der Campingweise steht das Wasser in großen Pfützen. Erfreulicherweise sind die Duschen schön warm und wir frühstücken wie üblich. Um 11:00 Uhr sind wir abfahrbereit, was auf diesem Platz gefordert ist. Das ist für isländische Campingplätze ungewöhnlich, aber ich glaube, bei dem Wetter kommt niemand, um das zu kontrollieren. Trotz des Regens machen wir uns auf nach Geysir, ein Ort, der aus zwei Häusern und einer Tankstelle besteht, seinem Namen aber alle Ehre macht, denn hier ist ein Areal auf dem es mehrere Geysire und heiße Quellen gibt. Das Wasser ist 80 - 100°C heiß und überall stehen entsprechende Warnungen. Richtig aktiv ist derzeit nur ein Geysir und es gelingt uns, ein paar schöne Schnappschüsse zu machen, obwohl wir von ihm überrascht werden. Denn nach einer Eruption „mittlerer“ Höhe warten wir auf die nächste, um vielleicht noch etwas bessere Bilder schießen zu können. Die kommt dann, ist nicht besonders hoch, aber unmittelbar danach schießt noch einmal Wasser nach oben und diesmal in „ordentlicher“ Höhe. Es gibt auch ein „Geysir Center“, dass sich aber als Verkaufsfläche und Bistro entpuppt. ![](https://i.imgur.com/suj8Bt6.jpg) Geysir in Action ![](https://i.imgur.com/SwC5tJl.jpg) „Litli Geysir“ = „Kochtopf mit kochendem Wasser“ Von hieraus fahren wir nach Selfoss zum Einkaufen im Bonus (große Ladenkette mit „günstigen“ Preisen). Rabea hat aber noch eine andere Idee, denn sie schwärmt uns schon seit Tagen von einem Eis vor, in das verschiedenen Zutaten gegeben und dann per Stabmixer vermengt werden. Bei den Zugaben handelt es sich z.B. um Schokolade, Nutella, Erdnüsse, Lakritz, Smarties usw.. Das gibt dann mit dem Sahneeis ganz kuriose Geschmäcker. Wir genießen das Eis sehr, trotz des feuchtkalten Wetters! Anschließend fahren wir nach Hella, wo wir eine Führung in sogenannten „man made caves“ mitmachen. Dies sind Höhlen, die in der Frühzeit der isländischen Besiedlung entstanden sind und teilweise bis ins letzte Jahrhundert von den Bauern genutzt (Viehunterstand, Erdkeller etc.) wurden. Auch heute nutzen einige Bauern und Grundstücksbesitzer noch ein paar Höhlen, überwiegend als Lagerraum. In der Gegend um Hella soll es davon 120 geben, wobei nur vier für Touristen mit Führungen begehbar sind. Die Führung ist ganz amüsant, aber ich vermisse etwas den wissenschaftlichen Anspruch, denn das meiste der Erläuterungen sind lediglich Vermutungen. Es ist viel von keltischem und nordischem Einfluss die Rede und dem sagenumwobenen Land Thule, wie Island vermutlich früher genannt wurde. Jedenfalls ist die zweite Höhle recht groß und wird auch zu Trauungen genutzt, da sie einen „kathedralen“ Flair hat. ![](https://i.imgur.com/qNH7WXd.jpg) „man made cave“ bei Hella Noch immer im Regen fahren wir nach Stokkseyri zum Campingplatz, der klein aber fein ist und sogar eine kostenlos benutzbare Waschmaschine hat!Zum Abendessen gibt es heute Penne mit Broccoli (Fertiggericht) mit isländischen Bratwürstchen und Salat. Der Abend klingt dann mit Filmchen aus dem Internet aus. Leider ist draußen immer noch schlechtes Wetter. **Mittwoch, 10.08.2022:** In der Nacht bläst der Wind noch weiter und rüttelt an der EU-LE, aber wenigstens der Regen lässt nach. Als wir gegen 09:00 Uhr aufstehen hat zumindest der Regen aufgehört, und auch der Wind ist wesentlich schwächer als am Vorabend. Wir warten auf denjenigen, der von uns die Standgebühr kassieren soll, weil wir hoffen, dass er 50 ISK-Stücke dabei hat. Denn dummerweise nimmt die Zeitschaltuhr an der Dusche nur genau diese Münzen. Zum einen ist Barzahlung in Island äußerst selten und schon gar nicht mit Münzen und zum anderen haben wir bisher immer nur mit 100 ISK-Stücken die Dusche bezahlen müssen, wenn überhaupt. Unsere Campernachbarn, ein junges Pärchen aus Italien, fragen mich verunsichert, wo sie denn bezahlen könnten. Mit einem Grinsen erkläre ich ihnen, dass dies die isländische Desorganisation ist und dass sie es als Gastgeschenk nehmen sollen und wünsche ihnen einen schönen Trip. Auch als wir gefrühstückt und alles zusammengepackt haben, ist noch immer niemand zum Kassieren vorbeigekommen, also „so what“. Rabea hat heute als „Sehenswürdigkeit“ die Höhle Arnarker ausgeguckt. Diese Höhle ist frei zugänglich im Gegensatz zu manch anderen, wo dann eine einstündige Führung 6000 ISK pro Person und mehr kostet. Sie ist allerdings auch nicht „leicht“ zu erreichen, denn als wir vor dem Schotterweg stehen, der zur Höhle führen soll, ist dieser mit einem Schild als geschlossen gekennzeichnet und auf der linken Seite steht ein ziemlich demoliertes Auto?! Während wir noch unschlüssig mit der EU-LE am Straßenrand stehen, fährt ein Duster in den Weg hinein und hält. Aus dem Wagen steigt ein älterer Herr, der mich stark an meinen Schwiegervater Josef erinnert, und weist uns darauf hin, dass der Weg befahrbar sei. Dann steigt er wieder in den Wagen, fährt los und wir forsch hinterher. Das erste Stück des Weges ist auch ganz manierlich, aber es wird zunehmend rumpeliger. Der ältere Herr nimmt aber sogar auf uns Rücksicht uns wartet ab, sodass wir zu ihm aufschließen können. Dann erreicht er einen Abzweig nach links und hält erneut an, um uns darauf hinzuweisen, dass dort vorn ein Schild stehen würde, wo es zur Höhle gehe. Tatsächlich steht dort eine Schautafel mit einer kurzen Erläuterung zur Höhle, aber mindestens doppelt so langen Warnungen und Hinweise, was man dabei haben solle. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken und gehen die ca. 300 m zum Einstieg in die Höhle, der mittels enger Wendeltreppe doch recht komfortabel gestaltet ist. Unten angekommen wird uns klar, warum die Höhle nicht so bekannt wie andere und vor allem kostenfrei ist, denn schon nach den ersten 2 Metern müssen wir uns einen Weg suchen und die Lavablöcke übersteigen. Evi und ich klettern etwa 10 m hinein, ehe es mir zu schlüpfrig und unsicher wird. Evi wartet noch auf die Rückmeldung von Rabea, die den Weg erkunden will, aber auch die dreht nach etwa 30 m um, da sie weder einen Helm noch eine entsprechend starke Lampe dabei hat. Insgesamt soll die Höhle 510 m lang sein und im Innern auch Eisformationen aufweisen. Trotzdem sind wir mit unserer „Mini-Exkursion“ recht zufrieden, vor allem, weil wir schöne erstarrte Lavaformationen sehen konnten. ![](https://i.imgur.com/QxaN5lF.jpg) Einstieg in die Arnarker-Höhle ![](https://i.imgur.com/70ia2Lz.jpg) Evi & Rabea in der Höhle ![](https://i.imgur.com/PicULWN.jpg) „roter Lavastein“ ![](https://i.imgur.com/PC8Zgkl.jpg) Evi & Rabea Wiederaufstieg Von hieraus fahren wir nach Reykjavik, wo vor allem Rabea noch ein paar Sachen besorgen will, die sie in Hvanneyri benötigt. Dazu fahren wir einmal von Süd nach Nord über den Außenring. Erste Station ist der Costco ( hatten wir schon am Anfang unserer Reise besucht), wo wir uns neben ein paar Leckereien für Rabea und mich auch noch einen Hotdog mit (refill) Kaltgetränk gönnen. Dies ist für einen Preis von 299 ISK ein echter „Schnapp“, denn zum Einen ist die Wurst ähnlich einer Krakauer und damit viel herzhafter als die üblichen Brühwürste und zum Anderen nehmen wir uns das Refill-Getränk für unterwegs mit! (Evi hat noch keinen Hunger, profitiert aber auch von dem Getränk.) Nächste Station ist ein Laden für Sportlerbedarf, wo Rabea sich einen Fahrradhelm und eine Luftpumpe für ihr Fahrrad kauft, das wir ihr ja mit herübergebracht hatten. Hier entdecke ich Polo-Shirts, die mir gut gefallen und als Sonderangebot auch einen durchaus konkurrenzfähigen Preis zu Angeboten zu Hause haben, weswegen ich mit zwei mitnehme. Danach geht es zu einem Laden für Reiterbedarf, weil Rabea ein Gebiss für ihre Stute braucht. Für Steinunn besorgen wir in einer Art Baumarkt eine Abdeckung für den Grill auf dem Patio. Rabea hat noch einen „Ostfriesennerz“ auf der Liste, aber der ist dort so nicht zu kriegen. Nach dieser Shopping-Tour sind wir froh, Reykjavik wieder verlassen zu können (einfach zu viel Verkehr und zu viele Leute) und wir fahren raus nach Akranes, wo wir für die Nacht auf dem Campingplatz bleiben. Hier empfängt uns schon eher so etwas wie Idylle. ![](https://i.imgur.com/tEq1EsL.jpg) Vogel auf der Campingwiese in Akranes Trotz des noch sonnigen Wetters kann ich meine Damen nicht motivieren, noch in den Ort zu spazieren. Also machen wir das Abendessen, bestehend aus Resten und den heute gekauften Kabanossi. Danach spielen wir „Rummikub mit Spielkarten“. **Donnerstag, 11.08.2022:** Da der Wind sich gelegt hat, war die Nacht recht ruhig. Heute morgen ist es noch wolkig, aber die Sonne versucht schon durchzukommen. Trotzdem stehen wir erst um 10:00 Uhr auf, frühstücken in aller Ruhe, spülen und machen die EU-LE abfahrbereit. Bevor wir weiterfahren entscheiden wir uns noch den hiesigen Leuchtturm anzusehen. Der ist nämlich im Gegensatz zu den meisten anderen Leuchttürmen auf Island für Besucher geöffnet. Eine weitere Überraschung ist, dass es hier nicht nur einen Leuchtturm, sondern gleich zwei gibt. Der ältere und nur 10 m hohe ist von 1918 und der jüngere und für Besucher geöffnete ist von 1947 (circa 22 m hoch). Ich entscheide mich zu einem älteren, kleinen Leuchtturm zu gehen, während Evi und Rabea die 76 Stufen erklimmen. Von oben haben sie eine schöne Aussicht und auf dem Weg nach oben kann man im Leuchtturm sogar noch zwei Ausstellungen von verschiedenen Künstlern betrachten. Zunächst fahren wir dann nach Borganes, wo Rabea in den dortigen Baumärkten nach einem “Ostfriesennerz“ sucht – leider vergebens. Also fahren wir weiter zu unserem ersten Ausflugsziel, den Wasserfällen Barnafoss und Hraunafossar, die quasi zusammengehören. Die Geschichte des Barnafoss ist eher traurig, denn er heißt „Kinder-Wasserfall“, weil in früherer Zeit dort zwei Kinder zu Tode gekommen sind: Zu Weihnachten wollten die Eltern zur Christmesse und die Kinder sollten daheim bleiben. Aber sie waren verschwunden als die Eltern nach Hause kamen. Die Spuren der Kinder führten zu einem Steinbogen über dem heutigen Barnafoss und endeten dort. Daraufhin hat die Mutter veranlasst, diesen Bogen abzureißen, sodass die heutige Form des Wasserfalls entstand. Der Foss ist nicht so sehr groß, macht aber wilde Schwenks und hat eine starke Verwirbelung.Der Hraunafossar hat einen ganz anderen Charakter, er besteht aus eine Unzahl von Quellen, die seitlich unter dem Deckgestein hervorsprudeln und in den Fluss Hvítá münden. Dieses Phänomen erstreckt sich über ein Länge von ca. 250 m, wobei die Stärke der „Quellen“ von „Rinnsal“ bis „kleiner Wasserfall“ variiert. Das Gebiet ist mit Aussichtsplattformen schön erschlossen, aber auch entsprechend frequentiert (es stehen stets mehrere Touristenbusse auf dem Parkplatz). ![](https://i.imgur.com/cTTUKVY.jpg) Barnafoss ![](https://i.imgur.com/Hoh1FyI.jpg) Hraunafossar ![](https://i.imgur.com/oiOqL4Q.jpg) Hraunafossar Nach der Wasserfall-Besichtigung machen wir Kaffee. Von hier aus fahren wir zu der schon früher erwähnten Ziegen-Farm, denn sie liegt im gleichen Tal und wir wollen uns noch mit weiterem eingelegten Ziegenkäse und Ziegen-Pate eindecken. Tatsächlich erkennt Rabeas Studienkollegin uns wieder und begrüßt uns sogar mit ein paar Brocken auf Deutsch. Rabea nutzt die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch, wobei sich das Gespräch um die Verletzung deren Hundes und die hohen Kosten für den Tierarzt dreht. Auf diese Weise ist die Zeit schon sehr fortgeschritten und wir fahren durch zum nächsten Campingplatz in Skagaströnd auf der Halbinsel Skagabaer. Das Schöne daran ist, dass wir fast die ganze Zeit in der Sonne fahren. Nur einmal kommen wir dunklen Wolken sehr nahe, die jedoch an den Bergen, die wir hinter uns lassen, hängen bleiben. Obwohl ich diese Straße schon ein paar Mal gefahren bin, kommt sie mir heute irgendwie verändert vor, was wahrscheinlich an den Lichtverhältnissen liegt. Als wir den Campingplatz erreichen ist es schon nach 20:00 Uhr und er ist schon gut belegt. Aber wir finden auf der aufgeweichten Wiese noch einen Platz in der Nähe eines Stromkastens. Da die Sonne noch scheint, nutze ich die Gelegenheit unsere Transportkisten ein wenig zu „reorganisieren“. Zum Einen um die Dinge, die wir nicht mehr im Zugriff haben müssen, aus dem Weg zu räumen und zum Anderen, um mal wieder eindeutig zu wissen, wo wir was finden.In der Zwischenzeit haben Rabea und Evi das Abendessen zubereitet: Schweineschnitzel mit Nudeln in Arabiata-Soße und Salat. Wir beschließen den Abend mit einem Animationsfilm auf Netflix. Hier geht es weiter zu Teil 3: https://hackmd.io/2JIMgNexSjWm1pBMzDsOOQ