**Fahrtenbuch EU-LE 451: Island 2022 (Teil 1)**
**Vorbemerkung:** Dies ist unser Reisetagebuch für die Fahrt mit der EU-LE (Hilux & Wohnkabine) nach und auf Island.
Es soll unsere täglichen Eindrücke wiedergeben, so wie es ein Tagebuch tut: unmittelbar, subjektiv, manchmal informativ und meist einfach nur emotional!
Daher sind hier keine "literarischen" Hochleistungen zu erwarten, aber vielleicht ist es ja trotzdem ausreichend, um uns an diese Reise zu erinnern und unsere Freunde daran teilhaben zu lassen.
Eins ist jedenfalls sicher, für Evi und mich ist dies in jedem Fall die größte Reise, sowohl in Bezug auf die zurück zu legende Strecke als auch auf den zeitlichen Umfang, die wir mit einem "Wohnmobil" unternommen haben.
Auch wird diese Reise sehr unterschiedliche Aspekte enthalten:
- "Familienzusammenführung": Wir treffen Rabea nachdem sie am 3. Januar in Richtung Island abgereist ist.
- "Freundschaftsbesuch": Wir treffen die Gast-Familie von Rabea auf Island wieder, die wir schon einmal kurz bei einem Besuch in der Weihnachtszeit kennenlernen durften.
- "Arbeitsbesuch": Denn Rabea muss eine neue Wohnung beziehen. Und last but not least
- "Touristische Reise": Wir wollen Island im Sommer kennenlernen und möglichst viel von der Insel erleben.

Evi & Robert vor ihrer neuen EU-LE
**Sonntag, 19.06.2022:**
Endlich geht es los, nach Monaten des Planens, des Tüftelns und des „Bastelns“ und deshalb klingelt um 7:00 Uhr unser Wecker. Im Gegensatz zu gestern ist es heute ca. 15 Grad kühler und damit eine perfekte Einstimmung auf den Isländischen Sommer. Aber wie immer an unserem Abreisetag müssen noch eine Menge Kleinigkeiten in die EU-LE (Bettzeug, Badsachen, Lebensmittel und die restlichen Kisten, in die noch „last minute“ etwas eingepackt werden muss). Nachdem wir auch noch im Haus soweit Ordnung geschaffen haben (z.B. Spülmaschine anmachen, Mülleimer leeren, etc.), fahren wir um 10:25 Uhr bei einem Km-Stand von 8648 km los!

*EU-LE mit Fahrrad*

*Hilux bis unters Dach gepackt*
Es geht über den Kölner Ostring (AB) auf die A1 und dann immer nach Norden. Es läuft gut bis hinter Münster, wo wir den ersten Stau in einer Großbaustelle haben. Der zweite, etwas ärgere Stau erwischt uns auf der A7(N) vor dem Elbtunnel, denn auf der mittleren Spur in der dreispurigen Baustelle ist ein Kleinwagen liegengeblieben und verursacht einen großen Rückstau. Aber auch den überstehen wir. Gegen 17:45 Uhr legen wir einen Tankstopp ein, auch um uns zu orientieren welchen Campingplatz wir anfahren wollen. Wir entscheiden uns für „BUM Camping“ in Borgdorf-Seedorf. Es ist kein Problem einen Stellplatz zu bekommen, der direkt am See (2. Reihe) liegt. Erfreulicherweise ist der Regen, den wir in der letzten Stunde während der Fahrt hatten, hier schon durchgezogen und es kommt sogar noch die Sonne heraus!
Ich bin redlich k.o. und hungrig, so dass wir uns gleich daran geben, das Abendessen zu zubereiten. Es sollte Tortelloni mit Soße und Salat geben, aber wir haben vergessen, unser Abendessen einzupacken! Erfreulicherweise hat das Restaurant auf dem Platz noch offen, so dass ich in den Genuss einer „Riesen-Curry-Wurst“ komme und Evi sich einen gebackenen Camembert einverleibt. Nach eine Rundgang über den Platz machen wir es uns in unserer Wohnkabine gemütlich und beschließen den Abend mit Lesen und Musikhören.
**Montag, 20.06.2022:**
Eigentlich wollen wir es heute gemütlich angehen lassen, aber um 7:30 Uhr werden wir statt von Vogelgezwitscher durch einen Pickhammer und eine Flex geweckt, die im Restaurant nebenan irgendetwas reparieren. So mache ich mich dann etwas genervt auf zur Dusche, mit der Ankündigung , dass jede Minute 0,25€ kostet, Bei 47 Cent stelle ich Die Dusche ab! Das so gesparte Geld verlieren wir in der „Stromsäule“ an unserem Stellplatz, denn der eingeworfene 1€ zeigt keine Wirkung und wir haben keinen Strom (dazu gibt es dann eine Fortsetzung am Abend). Schließlich fahren wir gegen gegen 11:00 Uhr los und erst einmal zum Lidl, um unser Abendessen zu besorgen. Wir entscheiden uns für einen Nudeltopf mit Fleischklößchen und gönnen uns außerdem zwei Nussschnecken (mit viel Streusel und Zuckerguss).
Danach setzen wir unsere Fahrt in Richtung Flensburg fort. Das Wetter ist wechselhaft wie im April uns wir fahren abwechselnd durch einen mehr oder weniger schweren Schauer oder die Sonne. Schließlich erreichen wir die Dänische Grenze und ich erinnere mich an die „unmerkliche“ Grenze zwischen Deutschland und Dänemark, aber diesmal ist es anders. Plötzlich verengt sich die Fahrbahn auf eine Spur und ich sehe ein Zelt, in das diverse Fahrzeuge dirigiert werden und eine Reihe ZollbeamtInnen zwischen den Fahrzeugen wuseln. Als wir über den letzten Bremsschweller fahren, erblicke ich einen jungen Zollbeamten mit Hipsterbart, der uns jedoch mit lässiger Handbewegung an der Kontrolle vorbei winkt. Was sollen zwei Alte in einem Hilux auch schon Schmuggeln, im Gegensatz zu den drei jungen Männern, die in einem „flower power“-mäßig angestrichenen Van mit holländischem Kennzeichen über die Grenze wollen? Für uns geht es weiter durch Wetterkapriolen in Richtung Aarhus und dann in Richtung Hirtshalts.
Gegen 14:00 Uhr entscheiden wir uns für eine Kaffeepause und weil wir gerade in eine Sonnenphase fahren steuere ich den nächsten Rastplatz an. Neben der Tatsache, dass ich den Eindruck habe, dass das Netz der Rastplätze viel dichter ist als bei uns, fällt mir hier die angenehme Gestaltung auf. Der Rastplatz hat verschiedenen Zonen: Tankstelle, Restauration, Parkplatz für die Ferntransporter und nette Pickick-Bereiche, sogar mit Spielplatz. Diese laden wirklich zum Verweilen ein. Leider fängt es gerade wieder an zu tröpfeln, während wir darauf warten, dass das Wasser kocht, so dass wir in der EU-LE Kaffeezeit machen und unser Gebäck und selbst gepflückte Erdbeeren mit Joghurt genießen.

*Evis Clocks vor der EU-LE*

*Danish pastries in Denmark*
Schließlich nähern wir uns Hirtshalts, die Verkehrsdichte nimmt ab und die Wohnmobile zu! Außerdem droht mir der Hilux mit der Tankleuchte kurz vor dem Ziel den Dienst zu verweigern. Deshalb ist meine Erleichterung groß, als kurz vor dem anvisierten Campingplatz eine große Tankstelle auftaucht. Hier gibt es nur Tankautomaten, mit denen ich in der Regel auf dem Kriegsfuß stehe. Es gelingt mir zwar zu tanken, aber nicht voll, denn nach 40lt ist Schluss, Ich muß tatsächlich nochmal starten, um den Tank wirklich zu füllen. Beim Campingplatz erwartet uns die nächste Überraschung, dass alles ausgebucht sei, was mir von Evi eine etwas schnippische Bemerkung einbringt, weil ich von zu Hause nicht vorgebucht hatte. Es gibt jedoch noch eine Alternative am andern Ortsende: einen super Platz mit reichlich freien Kapazitäten und so gelingt es mir mein flapsiges Versprechen vom Nachmittag einzulösen, dass wir abends am Meer in der Sonne spazieren gehen können – halelulja!
Doch bei all der schönen Infrastruktur bekommen wir keinen Strom in die EU-LE?!? Nachdem ich das Kabel komplett mit allen Adaptern geprüft habe, viel unser Verdacht auf eine Sicherung, aber welche und wo in der EU-LE? Schließlich ist es der FI-Schalter unter dem Waschbecken, der aus welchem Grund auch immer ausgelöst hatte und wir vermuten, dass er auch schon am Morgen der „Bösewicht“ war.Trotz der fortgeschrittenen Zeit gönnen wir uns noch einen Spaziergang in Richtung Strand, wobei wir bis auf einen höhergelegenen Aussichtspunkt klettern und die Ansicht der grün überzogenen Dünen genießen.

*Grüne Dünen*
Es wird dann spät mit Essen machen, Spülen, Vorbereiten der Bootspassage (Umpacken) und Berichterstatten.
**Dienstag, 21.06.2022:**
Es geht früh raus (6:30Uhr), damit wir zeitig bei der Fähre nach Island sind. Eigentlich wollten wir noch eine kurze Stippvisite in das Zentrum von Hirtshalts machen, um ein fehlendes USB-Kabel zu besorgen, aber ich bin so angespannt, dass wir gleich zum Hafen fahren. Wir sind um 09:45 Uhr nicht die Ersten! Das Wetter ist sonnig und windig, so dass sich die Passagiere in Spe zwischen den Autos herumtreiben. Wir kommen mit einem Dachdecker aus Homburg ins Gespräch, der sich seine Wohnkabine mit den Mitteln seines Betriebes selbstgebaut hat, was natürlich die Kosten auf ein sechstel drückt. Die Wartezeit ist harntreibend und ich geh nochmal zum Klo. Als ich zurück komme geht auch Evi los, aber während dessen beginnt das Bording! Ich schere aus und der Einweiser ist sehr verständnisvoll und dirigiert mich zurück in meine Warteschlange. Als Evi zurück ist müssen wir abwarten. Tatsächlich kommen wir als eines der letzten Fahrzeuge über 2,5m Höhe an Bord. In der Fähre muss ich sogar noch ein Deck hinauf, dann ein U-Turn in zwei Zügen, weil dort links und rechts schon WoMos stehen, und noch einmal entlang der Längsachse des Schiffes. Zu guter Letzt stehen wir neben den Motorrädern, die eigentlich als erste gestaut wurden. Das scheint mir schon sehr „Isländisch“.
Wir beziehen dann unsere „Kabine“, die offiziell „Lager“ heißt und auf Deck zwei liegt. Es ist für uns schon nicht einfach einen Lift zu finden, der auf Deck 2 hinunter führt, denn vom Autodeck geraten wir erst mal auf Deck 8.Beim Öffnen der Zugangstür zu den „Couchets“ haben wir zu erst den Eindruck, der Türsensor habe nicht reagiert, aber die Tür geht wegen des Unterdrucks auf der anderen Seite nur mit äußerster Anstrengung auf. Und dann wird uns klar, wir haben „Holzklasse“ (in Alu und Plastik) und ohne Privatsphäre gebucht.

Evi versucht sich am Öffnen der Flurtür

Ausgang der Kabine
Evi und ich erkunden dann erst mal das Schiff und laufen zufällig einem Stuart mit Bettzeug auf dem Arm über den Weg und lernen, dass wir die bei der Rezeption buchen können, um unsere Plastikmatratzen etwas angenehmer zu machen.
Nun gehen wir zum Essen in die Cafeteria und auch hier wieder etwas Neues: wir sind eine Stunde zu früh, denn die Fähre hat eine „eigenen Zeitzone“, nämlich einen Stunde zurück im Vergleich zu Hirtshalts. Also wandern wir weiter durchs Schiff bis zum Oberdeck, wo ein sehr frischer Wind weht, was auch an den Wellen des Atlantik abzulesen ist (wir fliegen fast weg!). Um 12:00 Uhr Fährenzeit finden wir uns dann am Buffet ein, wo es eine ganze Reihe Fisch-, Fleisch- und Geflügelgerichte mit Salat und Brot gibt. Leider müssen wir den Kaffee vorort zusätzlich bezahlen, während wir das Essen vorbestellt hatten.
Anschließend wollen wir ein wenig ruhen und suchen unser „Lager“ auf. Als wir es uns bequem gemacht haben, kommt der nächste Schreck, zumindest für mich. Um mich herum ist eine solche Geräuschkulisse, dass ich kein Auge zu mache. Da ist zum einen ein Pfeifen und Zischen der Belüftung, dann das Poltern der Türen auf dem Flur und, am schlimmsten für mich, ist jedoch das Geräusch der am Bug „zerschellenden“ Wellen, das manchmal sogar noch lauter poltert, als ob sie die Bordwand durchbrechen wollten – in mir keimt etwas Panik auf gepaart mit der Vorstellung völlig übermüdet auf Island anzukommen. In mir schreit es laut: „Upgrade für die Rücktour“!
Am Nachmittag wird die See etwas ruhiger und das Wellengeräusch ist nicht mehr vorherrschend. Wir machen noch eine Runde durchs Schiff und landen in einer Sitzgruppe mit Steckdose, umgeben von laut erzählenden Franzosen. Handy-Auflademöglichkeit! Juhuu!Um 18:00 Uhr geht es dann zum Abendessen (Buffet mit zwei Hauptgerichten). Danach besorgen wir uns ein paar Getränke, um Radler zu mixen und ziehen uns mit unseren Büchern wieder in eine solche Nische zurück. Gegen 20:00 Uhr fallen mir die Augen zu, aber Evi möchte noch etwas bleiben, sodass ich im sitzen eindöse.
Etwas später suchen wir nach dem Lokal fürs Frühstück und ziehen uns dann in unsere „Kabine“ zurück. Ich stelle eine der überzähligen Matratzen von innen vor die Tür, was tatsächlich den Lärm vom Flur und das Licht von dort dämmt.

Kabine mit Matraze vor der Tür
**Mittwoch, 22.06.2022:**
Mit einem Schmunzeln stelle ich fest, dass es bezüglich des „Verbarrikadierens“ der Tür Nachahmer gab. Ansonsten bin ich zwar zweimal eingeschlafen, weiß aber nicht wie viele Stunden Schlaf mir das gebracht hat. Denn dazwischen liege ich lange wach und höre immer dieses Gluckern, als ob ich in einem nicht vollen Tank läge, dessen Inhalt durch den Seegang in Bewegung geraten wäre.
Doch damit nicht genug. Müssen wir zur Toilette und Dusche auf den Flur und durch diese fürchterliche Tür! Gegen Morgen nimmt die Bewegung des Schiffes zu! Evi klagt plötzlich über einen Anflug von Seekrankheit. Aus diesem Grund verzichtet sie sogar aufs Frühstück. Wenn wir aus dem Fenster sehen, können wir erkennen, das die Wellen der unruhigen See in spitzem Winkel auf das Schiff treffen, was wohl die Ursache für das Rollen der Fähre ist! Wir besorgen für Evi ein paar Pillen gegen Seekrankheit und gehen auf Deck 8 nach draußen, damit Evi mal frische Luft schnappen kann. Sie wirft eine Pille ein und wir warten in einer der schon erwähnten Nischen darauf, dass die Wirkung einsetzt. Dort dösen wir vor uns hin, bis es Zeit für das Mittagsbuffet ist.
Wie sich zeigt, ist das Buffet, bezogen auf die Auswahl der Speisen, identisch zu dem von gestern, aber schmecken tut es trotzdem.
Das Highlight des Nachmittags ist der Halt in Thorshavn (Faroer), leider ohne Landgang für Island-Reisende. Hier werden Urlauber, Heimkehrende, und Waren entladen. Erstaunlich viele Sattelaufleger werden aber auch wieder verladen, ebenso PKWs und Campingfahrzeuge aller Couleur. Bevor die Fähre ablegt, gehen wir aufs Oberdeck, um ein paar Fotos zu schießen. Dort empfängt uns ein orkanartiger Wind, der uns fast umzublasen droht. Das geht soweit, dass beim Gehen die Beine aneinander schlagen! Mit Mühe gelingt es uns ein paar sichere Standplätze für entsprechende Fotos zu finden.
Am bemerkenswertesten ist ein Wasserfall, der nicht „unten“ ankommt, weil ihn der Wind verweht. Zum Ent- und Beladen muss die Fähre im Hafen wenden und wir beobachten den ganzen Vorgang aus der Cafeteria, wo wir am rückwärtigen Fenster sitzen. Als das Schiff fast wieder Abfahrbereit ist, werde ich ausgerufen und zur Rezeption gebeten! Vor meinem Geistigen Auge sehe ich schon einen „Blechschaden“, den es zu regeln gilt. An der Rezeption wird mir dann aber mitgeteilt, dass an unserem Auto noch Licht brenne? Eine Passagierin hat dies etwas unspezifisch gemeldet, denn es handelt sich nur um die Außenleuchte der Wohnkabine. Das kann ich schnell beheben und zur Sicherheit teste ich noch, ob der Hilux anspringt – alles Gut!
Nach dem Essen ziehen wir uns in die wohlbekannten Nischen zurück, damit Evi ihr Handy aufladen kann, mit dem sie kurz zuvor noch mit Rabea telefoniert hat. Das Wetter auf Island ist wohl im Moment auch eher „bescheiden“, soll aber zum Wochenende besser werden. Noch eine Nacht in unserer „Folterkammer“ und wir haben Island erreicht.
**Donnerstag, 23.06.2022:**
Der Begriff „Folterkammer“ war in der vergangenen Nacht nicht Übertrieben! Nicht nur, dass das Schiff aufgrund des Seegangs heftig schlingerte und stampfte, gleichzeitig machten die (wie ich meine) im Autodeck über uns (!) abgestellten Aufleger einen infernalischen Krach, der bei mir ziemliche „Untergangsphantasien“ auslöste. Diese werden noch verstärkt, wenn in regelmäßigen Abständen ein Zittern durch das, doch nicht so kleine, Schiff läuft, als wenn ein angeschlagenes Raubtier sich für den letzten Angriff schüttelt (oh, ich habe wohl zuviel Hemingway gelesen :-) ). Gleichzeitig konnte ich wegen des Geschaukels meine gewohnte Schlafposition nicht einnehmen.
Prophylaktisch hatte ich vor dem Zubettgehen 2 Anti-Seekrankheit-Pillen genommen, aber von der „ermüdenden“ Wirkung habe ich trotz eines zusätzlichen Biers nichts gemerkt. Irgendwann, weit nach Mitternacht, bin ich dann tatsächlich eingeschlafen, aber leider nicht durchgehend bis zum Wecken.
Wegen der frühen Ankunft (08:30 Uhr Lokalzeit) hatten wir unseren Wecker auf 06:00 Uhr Bordzeit gestellt, damit wir um 07:00 Uhr frühstücken und wie vom Kapitän gewünscht um 08:00 Uhr unsere Kabine räumen können. Das hat soweit alles geklappt und nun lungern in allen Gängen und Nischen Fahrgäste mit Gepäck herum, denn gleichzeitig können wir erst nach dem Anlegen zu den Fahrzeugen. Evi und ich haben gerade einen Platz ergattert, als die Durchsage kommt, dass wir erst um 09:00 Uhr Lokalzeit ankommen – mpf!!
Ein Wort zu den Zeiten: Wir sind bei WEZH 11:30 Uhr in Dänemark an Bord gegangen. Auf dem Schiff gilt die Bordzeit „MEZ - 1“. Auf Island ist die Lokale Zeit „MEZ - 2“, während unserer Sommerzeit – alles klar?
Immerhin scheint sich das Wetter etwas aufzuklären und die See sich etwas zu beruhigen. Mit etwa 40 Minuten Verspätung landet die Fähre in Seydisfjördur an. Wir sitzen schon längst im Auto und warten auf das Kommando zu Starten, da die Fahrzeuge ziemlich Kraut und Rüben stehen, dauert das Entladen entsprechend. So muss ich wenden und zur Rampe, die nach unten führt, fahren, auf die ich wiederum nur mit einem U-Turn komme - das habe ich so noch nicht erlebt.
Jetzt kommt der große Moment, auf den ich mich seelisch so lange vorbereitet habe – und wir fahren einfach mit einem „Góðan daginn“ an den Zöllnern vorbei, die freundlich mit „Daginn„ zurückgrüßen – und ich habe mir so viele Gedanken über unseren „Schmuggel“ gemacht (zwei KitchenAids für Rabea‘s Freundinnen, die in Deutschland weniger als die Hälfte kosten, im Vergleich zu isländischen Preisen!).
Im Gegensatz zu den meisten anderen Campern fahren wir gleich in Richtung Egilsstaðir weiter. Zum einen, weil wir noch mal hier vor beikommen werden und zum andern, weil ich gern unser „Gasproplem“ gelöst haben möchten. Denn wir haben nur eine 5kg-Flasche, die nur zur An- und Abreise zur Fähre dienen soll, während der eigentliche Gebrauchsvorrat an Gas durch eine hiesige Gasflasche gedeckt werden soll. Laut unserem Reiseführer reicht es eine bestimmte Dichtung dabei zu haben, aber die Wirklichkeit entpuppt es sich als komplizierter auf isländische Gasflaschen umzusteigen. In zwischen haben die Isländer ihr System umgestellt und bieten in 5kg meist nur „Plastikflaschen“ an(!), deren Anschluss jedoch genau entgegengesetzt dem Deutschen System ist. Nach mehrmaligen Versuchen, bei denen wir z.B. den Kommentar zu hören bekommen, dass jede Woche Deutsche mit dieser Fragen kämen und sie keine Adapter führten (!), landen wir bei einer Olis-Tankstelle. Die hat auch 5kg Plastikflaschen, auf die jedoch Adapter mit einer Art Bajonettverschluss gesetzt werden kann, den es wiederum in verschiedenen Ausprägungen, eben auch eine „Deutsche“, gibt. So sind wir bezüglich des Gasproblems doch noch zu einer Lösung gekommen, wenn auch nicht gerade kostengünstig.
So ausgestattet fahren wir weiter in Richtung Akureyri, wo wir uns mit frischen Lebensmitteln eindecken wollen. Ich fühle mich gleich wieder „heimisch“ und wir fahren in die Mall, die wir vor 2 Jahren schon besucht haben. Da ich ziemlich groggy bin (der alte Mann hat in den letzten zwei Tagen zu wenig geschlafen) beschließen wir hier auch nach einem Campingplatz Ausschau zu halten. Ca. 6 km in der „Falschen“ Richtung werden wir fündig, wobei dieser Platz dermaßen abseits liegt, dass ich mich wundere, dass überhaupt jemand hierher gefunden hat. Dafür ist Umgebung Natur pur. Leider beginnt es zu regnen, sodass wir den Abend in der EU-LE beschließen.
**Freitag, 24.06.2022:**
Wie stehen gegen 08:30 Uhr auf und ich gehe zum Waschhaus, um zu duschen. Als ich zurück komme schaue ich auf den Fjord hinunter und auf die gegenüberliegenden Berge. Ich habe den Eindruck, als ob diese frisch „überzuckert“ sind und neben den Altschnee-Flecken noch weiteres Weiß hinzugekommen ist – also Neuschnee im Juni.

Neuschnee am Fjord von Akuryeri
Von Rabea haben wir eine Adresse bekommen, zu der wir die beiden „geschmuggelten“ Kitchenaid-Maschinen Bringen sollen, was die Übergabe der Maschinen leichter macht, denn die Empfänger sind heute noch in der Universität von Hvannyeri. Dabei lernen wir das Neubaugebiet von Akureyri kennen und sehen wie stark die Expansion der Stadt ist.
Jetzt geht es aber endlich in Richtung Rabea nach Westen. Die Straße ist o.k., aber nicht allzu breit und bei der steifen Brise muss ich mich ziemlich konzentrieren, trotz der wunderschönen Umgebung. Am besten gefällt mir der uns lange begleitende Flusslauf, der zum einen eine breite Geröllspur von seinen Hochwasserstandzeiten hinterlassen hat, aber auf der anderen Seite der Straße so etwas wie „Altarme“ mit beeindruckend bunter Flora hinterlassen hat. Vor allem die vielfältigen Grünschattierungen haben es mir angetan. Nach dem morgendlichen Regen klart das Wetter immer mehr auf, je weiter wir nach Westen kommen, bis es tatsächlich ein schöner Sommertag bei maximal 11 Grad Celsius wird – halt isländischer Sommer!
Gegen 16:30 Uhr treffen wir bei Rabea ein, die uns schon aus der Wohnung, die sie für diese Woche Pflanzenkundekurs gemietet hatte, entgegen kommt und wir begrüßen uns herzlich. Nach einem Begrüßungskaffee mit etwas Gebäck führt sie uns über den Campus der Universität. Alles sehr überschaubar, familiär und auch modern und licht, denn an der Uni gibt es nur ca. 600 Studenten. Der Ort Hvannyeri hat auch nur die Uni als Arbeitgeber zu bieten.

Rabea & Evi vor dem Uni-Gebäude
Nun folgt die eigentliche Herausforderung, wir müssen so umpacken, dass wir Rabea und ihr Gepäck (Studienmaterial, Zelt und Bekleidung) irgendwie unterbringen können, wobei nur das Fahrrad Vorort verbleibt. Wir verstauen einen Teil von Rabeas Gepäck in der Wohnkabine. Stühle, Vorzelt und Tisch muss ich außerhalb der WoKa unterbringen. Jetzt kommt der „demontierte“ Fahrradträger ins Spiel, der den Campingtisch und den Beutel mit diversen Stangen aufnimmt, während wir zwei Stühle und das Vorzelt auf den an der WoKa befindlichen Fahrradträger verstauen.

EU-LE mit zusätzlicher Ladung hinten
So aufgerödelt fahren wir nach Borganes zum Campingplatz. Dort angekommen sind schon viele Camper eingetroffen. Aber dieser Platz will uns, auch wegen der widersprüchlichen „Verhaltensregeln“, nicht so recht gefallen, sodass wir beschließen zum nächsten zu fahren, auch wenn dies in die entgegensetzte Richtung führt. Schließlich landen wir auf einem einfachen und ländlichen Platz, bei dem die Duschen im benachbarten Schwimmbad zu benutzen sind.
Nach dem Abendessen, unsere Reste von gestern aufgepeppt mit Schweinefleisch im eigenen Saft und dazu frische Paprika, planen wir die nächsten Tage. Weit nach Mitternacht gehen wir zu Bett, wobei Rabea sich in ihr Zelt zurück zieht.
**Samstag, 25.06.2022:**
Gegen 09:00 Uhr klingelt Evis Wecker und das Wetter ist sonnig bis wolkig, aber es soll am Nachmittag in Reykjavik noch sonniger werden. Im Gegensatz zu Rabea ist mir das isländische System der Sanitäranlagen noch nicht geläufig. Es gibt eine „Bude“ mit 2 Abteilen, die jedes 2 Toiletten und ein Waschbecken mit Warm- und Kaltwasser enthalten und jeweils abschließbar sind. Wir nutzen ein solches als „Familienbad“. Wegen der Koordination mit drei Personen, dem Frühstück und der für uns ungewohnten Situation der Sanitäranlagen dauert es etwas, bis wir abreisefähig sind. Da wir einiges vorhaben, verzichten wir heute morgen aufs Duschen und fahren aber trotzdem zum Bezahlen zum Schwimmbad. Dort erleben wir eine Überraschung, denn die Dame an der Kasse des Schwimmbades erklärt uns, dass nur der sogenannte „Caretaker“ (frei übersetzt „Platzwart“) die Standgebühr kassiert und er nur einmal am Tag kommt. Aufgrund unserer späten Ankunftszeit (ca. 22:00 Uhr) haben wir ihn gestern verpasst und jetzt wollen wir auch nicht auf ihn warten, was die Dame mit einem Schulterzucken quittiert. Damit ist die letzte Übernachtung für uns kostenfrei (typisch isländischer Graubereich).
Auf der Weiterfahrt machen wir noch bei einem Laden in Borganes Halt, in dem wir einen Spanngurt und eine Rutschmatte für unseren zusätzlichen „Fahrradträger“ und sicherer Befestigung der Ladung besorgen wollen. Die Rutschmatten haben eine riesige Größe (für Pferdeboxen halt), aber aus dem Stapel ragt ein schmales Reststück heraus. Nachdem wir es mit vereinten Kräften herausgezogen haben, schenkt die Verkäuferin uns dieses Stück – das ist isländische Großzügigkeit!
So geht es nach Reykjavik zum nächsten Campingplatz, wo wir dann ein paar Tage bleiben und die WoKa absetzen wollen, denn es gilt Möbel von Rabea nach Hvannyeri zu bringen. Der erste Platz, den wir ausgesucht haben, existiert nicht mehr! So entscheiden wir uns einen Platz innerhalb des Stadtgebietes, bei dem Rabea uns per Internet-Buchung anmeldet und ebenso die Rechnung begleicht. Wir bekommen dann per SMS einen Zugangscode, mit dem wir auf den Caravan-Stellplatz kommen (Schotter mit Gittersteinen und dazwischen Rasen und sehr ausgefahrenen Fahrspuren). Wir haben gerade die WoKa abgesetzt (also vom Hilux runter) und sind dabei das Vorzelt aufzubauen, als ein Mensch mit Warnweste auf uns zu kommt und uns erklärt, dass wir das auf diesem Teil des Platzes nicht dürften und wir auf die Wiese mit den Zelten umziehen sollten. Nach einiger Diskussion erklärte er sich bereit nochmal bei seinem Boss nachzufragen. Rabea wollte dies jedoch nicht auf sich beruhen lassen und ist ihm nach gegangen, in der Hoffnung jemanden zu finden, mit dem sie das Problem auf Isländisch diskutieren könnte. Als sie wieder kommt berichtet sie, das sie zwar die Diskussion nur auf Englisch führen konnte, aber erfahren habe, dass es um eine Feuerschutzverordnung und einen Mindestabstand von 4m gehe. Was uns wirklich ärgert ist, dass es bereits 3 Vorzelte bzw. einen Klappcaravan auf diesem Teil des Platzes gibt!
Da wir noch die Sache mit dem Bett für Rabea bis 17:00 Uhr zu erledigen haben, brechen wir den Aufbau einfach ab und machen uns auf den Weg. Wir fahren also zur Ex-Frau von August (Rabeas Gastvater als Aupair), wo das Bett zwischengelagert ist, laden es auf den Hilux und machen uns auf nach Hvannyeri. Zwischendurch machen wir ein kleines Picknick, da uns allen der Magen in der Kniekehle hängt. In Hvanneyri lagern wir das Bett in eine dafür leerstehende Wohnung ein, in der auch die Möbel andere StudentInnen stehen, die im nächsten Semester eine unmöblierte Wohnung beziehen. So sind wir gegen 19:30 Uhr zurück in Reykjavik.
Unterwegs beschließen wir wegen des Vorzeltes noch einen Anlauf zu versuchen und Rabea hat sich schon eine passende Argumentationskette dazu überlegt. So gewappnet gehen wir zur Rezeption und Rabea trägt ihre Argumente in für mich perfekter englischer Rede vor, woraufhin der Typ an der Rezeption sich „Verstärkung“ ruft. Zu unserem Erschrecken taucht der Mann vom Nachmittag wieder auf, aber erfreulicherweise hat er dem Argument, dass wir den Mindestabstand messbar einhalten, nichts entgegen zusetzen. So kommen wir dann doch noch dazu das Vorzelt aufzubauen, auch wenn es wegen der abgesetzten WoKa etwas „zugig“ erscheint. Wir halten darin auch gleich Abendbrotzeit und Rabea richtet sich ihren Schlafplatz ein. So hat der Tag dann doch noch ein Happy End.
**Sonntag, 26.06.2022:**
Wir werden etwas Unsanft durch einen Höllenlärm geweckt, den ich als Straßenreinigung verorte, da er sich nach einiger Zeit immer weiter entfernt – aber warum ausgerechnet am Sonntag? Das Wetter ist bewölkt aber für einen Museumsbesuch o.k..Wir holen die fehlende Dusche vom Vortag nach, wobei ich mich etwas über die „bescheidene“ Qualität und Zustand der Sanitäranlagen bei diesem teuren Platz ärgere. Aber hier arbeiten meist Schüler und wenig Profis (so mein Eindruck) und es herrscht ein sehr reges Kommen und Gehen und damit auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von „schwarzen Schafen“ unter den Benutzern.
Gegen 12:00 Uhr machen wir uns auf zum Museum „Perlan“, eines der Highlights von Reykjavik. In einem sehr interessanten Bau finden wir ein Planetarium, mit Film über die Aurora (die Nordlichter). Außerdem eine naturhistorische Darstellung der Entwicklung der Insel und des Staates Island, eine Ausstellung über die Wasserwirtschaft, einen Bereich über den Einfluss der Klimaveränderung, insbesondere auf die Ökosysteme der Gletscher, und schließlich eine nachgebaute Eishöhle, wie sie in einem der Gletscher gefunden wurde. Zur Entspannung spendiert uns Rabea ein dickes Eis, dass wir trotz des abgekühlten und inzwischen regnerischen Wetters genießen.

Museum "Perlan"
Ein weiteres Highlight ist der Besuch der Video-Show „Fly over Iceland“. Hier wird mit videotechnischen Mitteln ein phantasievoller Abriss der Geschichte Islands dargestellt bevor es dann zum Höhepunkt kommt. Der ist ein 4-Dimensionaler-Videofilm (3D-Kino + haptische Eindrücke von Wind, Nebel und Geruch), den wir wie in einem Fahrgeschäft „freischwebend“ betrachten können und der wirklich spektakuläre Ansicht den Insel zeigt. Der Film ist wirklich klasse, aber ich bin ein wenig deprimiert, weil mir klar wird, dass wir selbst bei dieser Reise nicht die „ganze Insel“ sehen werden!
Jetzt sind wir aber k.o. und hungrig und es geht zügig zurück zur EU-LE, wo wir dann eine ordentliche Jause machen. Wir beschließen den Abend mit einem Kartenspiel, das Rabea hier auf Island kennengelernt und das etwas skurrile Regeln hat (eigentlich wie immer, wenn wir ein Spiel von hier kennenlernen).
**Montag, 27.06.2022:**
Ich bin vor dem Wecker wach und versuche ganz leise aufzustehen, ohne Evi zu wecken – was natürlich nicht gelingt, denn als ich vom Duschen zurück komme, ist sie auch schon dabei in der EU-LE aufzuräumen. Noch vor dem Frühstück versuche ich ein paar Infos, die mir Simon per E-Mail geschickt hat, herunterzuladen. Ich bin zwar verbunden, aber es erfolgt kein Download, also wende ich mich per E-Mail an Simon um Hilfe.
Danach frühstücken wir und packen für unsere heutige Tour durch Reykjavik zusammen. Plötzlich steht eine ältere Dame neben mir und spricht mich auf unsere WoKa an, mit dem Hinweis auf ihre eigene Nordstar WoKa. Sofort entbrennt eine kurze Fachsimpelei über die kleinen Details, die einem das Leben in der WoKa leichter oder schwerer machen können. Die Dame und ihr Mann kommen aus Nürnberg, haben aber auch ihre WoKa in Gevelsberg erworben, sodass unser gemeinsamer Bekannter Jens (der WoKa-Verkäufer) ebenfalls zum Thema wird. Noch bevor wir losfahren machen Evi und ich den Gegenbesuch bei der anderen WoKa, ein um drei Nummern größeres Modell, um uns das eine oder andere Detail anzusehen und uns inspirieren zu lassen.
Wohl gelaunt brechen wir gegen Mittag zum Fischereimuseum auf, dessen Eintritt im Vergleich zum Perlan „billig“ ist. Dabei ist es nicht weniger spannend, denn es schildert in beeindruckender Weise das harte Leben mit und um den Fischfang. Dies reicht von Videoaufnehmen von Zeitzeugen, die englisch untertitelt sind, über zeitgenössische Filmaufnahmen, Modelle, Simulationen bis zu Ausstellungsstücken der Werkzeuge und Arbeitskleidung. Nach ca. 3 Stunden verlassen wir das Museum und machen auf einer Bank im angrenzenden Hafen Picknick.
So gestärkt gehen wir (vor allem auf Wunsch von Rabea) auf Shopping-Tour. Leider werden wir nur zu einem geringem Teil fündig (eine Straßenkarte, Geschenke für Freunde zu Hause und Souveniers), sodass wir noch in eine große Mall fahren um die Shopping-Tour fortzusetzen. Immerhin kann Rabea sich den Wunsch nach ein paar Schuhen erfüllen. Nun noch ein paar Lebensmittel, denn unsere „Speicherkapazitäten“ sind begrenzt, was häufigeres Einkaufen zur Folge hat.
Schluss endlich gehen wir zum Hard Rock Cafe, gönnen uns die überbackenen Nachos, die wir schon an vielen Orten mit viel Vergnügen gegessen haben und gönnen uns zum Abschluss ein Tripel-Dessert (Apple-cobler, Käsekuchen und Browny-Kuchen). Da ich mir zwei Bier gegönnt habe, muss Rabea den Hilux zum Campingplatz zurückfahren.

Tripel-Dessert
**Dienstag, 28.06.2022:**
Heute sind wir etwas früher aufgestanden, denn wir wollen endlich die Stadt verlassen und nach Thinvellir aufs Land fahren. Dazu müssen wir die WoKa wieder auf den Hilux setzen und das Vorzelt abbauen. Während Evi sich um den Spül und die Ordnung in der WoKa kümmert, drehen Rabea und ich die WoKa auf ihren Stützen in die Höhe. Nach ein paar Rangierversuchen haben wir die Kabine auf der Ladefläche und Rabea verspannt die Kabine mit den Gurten. Jetzt folgt der Abbau des Vorzeltes, was erstaunlich gut klappt. Danach montiere ich den zusätzlichen Träger auf der Anhängerkupplung und wir beginnen alles zu verrödeln, wobei es leider zu regnen beginnt. Erfreulicherweise hält der Regen nicht lange an und wir sind dann endlich startbereit.Bevor wir Reykjavik verlassen, wollen wir bei Costco (einer Art Metro, bei denen Rabea eine Benutzerkarte erwirbt) uns noch mit ein paar Vorräten eindecken. Besonders beeindruckend sind die Gebinde, in denen die Lebensmittel verkauft werden. Z.B. nehmen wir eine 3kg-Tüte Fussili mit und Ähnliches. Schließlich fahren wir zu einem Anbieter von Büroartikeln, denn Rabea braucht noch Sammelmappen für die getrockneten Pflanzen aus ihrem Botanikkurs. Dies scheint die Werkstatt der Firma zu sein und es begegnen mir einige recht „schräge“ Typen, sodass ich eine große Ähnlichkeit zu einer beschützenden Werkstatt zu erkennen glaube, was auch die eine oder andere Reaktion erklärt.
Endlich geht es aufs Land nach Thingvellir, wo die erste „gesetzgebende Versammlung“ der Isländer (damals eingewanderte Norweger, Dänen und andere Wikinger) stattfand. Nach circa 1 Stunde Fahrt wenden wir uns erst mal zum Visitor-Center, um Informationen über die nahegelegenen Campingplätze zu erhalten, denn wir suchen einen Platz, wo wir Wäsche waschen können. Hier herrscht touristischer Hochbetrieb und wir halten uns nicht lange auf, sondern fahren weiter zum Campingplatz. Ein riesiges offenes Areal mit einem komplett ausgestattetem Sanitärhaus, ein Café und ein Laden sind auch gleich nebenan.
Bei ziemlich viel Wind und etwas Regen bauen wir unser Vorzelt auf und Rabea richtet darin ihr Lager ein. Nun gönnen wir uns eine ausführliche Kaffeerunde und anschließend etwas Ruhe. Gegen 20:00 Uhr kommen wir wieder zusammen, um vor allem unsere Vorräte ordentlich zu verstauen. Inzwischen hat es weiter geregnet, was uns in diesem Fall nicht stört. Beim Aufteilen der Würstchenpackungen steigt Rabea der Duft so in die Nase, dass wir uns spontan auf Bockwürstchen zum Abendessen einigen. Den Abend beschließen wir mit einigen Runden Skat, was für Evi nicht das reine Vergnügen ist, denn sie fühlt sich beim Reizen sehr unsicher und manche Entscheidung für das Farbenspiel ist nicht optimal. Trotzdem haben wir Spaß und gehen spät zu Bett mit der Vorgabe, dass wir morgen früh ohne Wecker aufstehen.
**Mittwoch, 29.06.2022:**
Gegen 10:00 Uhr treibt es mich aus dem Bett, wobei ich Evi neben mir noch sehr ruhig und regelmäßig Atmen hören. Die Sonne scheint und es ist ein wirklich schöner Sommertag mit mehr als 15° Celsius. Wie geplant schmeißen wir eine Wäsche an und noch vor dem Frühstück (offensichtlich ein besonders schnelles Modell von Waschmaschine) ist der Waschgang vollendet. Nach dem Aufhängen der Wäsche gibt es dann Frühstück.
Gegen 14:00 Uhr brechen wir zu einer Wanderung in den Nationalpark Thingvellir auf. Da wir keinen Hinweis auf einen Wanderweg finden, folgen wir einem Trampelpfad. Der führt über Stock und Stein und durch Büsche. Ich vermute, es ist ein Weg für Blaubeersammler, was aber dem Spaß auf dem weichen Moosboden zu wandern, keinen Abbruch tut. Wobei wir eigentlich den Boden meist gar nicht berühren, denn wir laufen über das abgestorbene Moos des Trampelpfades. Schließlich wird die Spalte zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte deutlich wahrnehmbar. Es treibt mir schon einen leichten Schauer über den Rücken, hier so unmittelbarer Naturgewalt zu begegnen, zumal es auch immer wieder „Löcher“ gibt, die leicht zum Grab eines Wanderers werden können. An einer Stelle wage ich einen Blick in die Tiefe, die ich auf 30m schätze und ich glaube unten am Grund sogar Eis zu erkennen. Außerdem sehen wir eine Menge blühender Blumen, die Rabea wegen des gerade absolvierten Kurses auch benennen kann. Nur Wald, wie wir ihn kennen, ist Mangelware.

Evi steht über der Kontinentalspalte
Nach gut 1,5 Stunden kommen wir dann bei einem „kleinen“ Wasserfall (ca. 6m) an, der aber dann in einer Felsenrinne in den nahen See fließt. Hier wandern die Touristen über Holzstege zum Wasserfall und zum eigentlichen Thingvellir. Das Publikum ist international, wobei mir die Amerikaner die Mehrheit zu sein scheinen. Ebenso wie es mehr ältere Leute (> 60 Jahre) als jüngere gibt.

Evi am Wasserfall in Thingvellir
Die grandiose Felskulisse war aber nicht nur Ort der Volksversammlung , sondern auch von Gerichtsverhandlungen und deren Vollstreckungen. Da wurde verbrannt, geköpft, Männer gehängt und Frauen ertränkt!
Wir gehen hinüber zur Kapelle neben der Sommerresidenz des Premierministers. Diese Kapelle hat die historische Bedeutung, dass in ihrer Wand die Ur-Elle und der Ur-Yard (= ein Zehntel der Breite der Vorderfront) dargestellt waren. Ich fand es interessant, dass eine Kopie dieser Längendarstellungen an jeder Kirche angebracht werden sollte, bei der nebenan ein Friedhof lag! Bei der Kapelle machen wir eine größere Pause und verzehren die mitgebrachten Äpfel und Dänish Pastries.

Versammlungsplatz am Thingvellir
Nun treten wir den Rückweg an, wobei wir den „langweiligen“ Weg entlang der Straße nehmen, um auf diese Art am schnellsten zur EU-LE zurück zu kommen. In einer Mischung aus Pause und „Herumkramen“, beginnt Rabea damit die Pflanzenmappen zusammen zu stellen und zu dokumentieren, die sie, um den Botanikkurs abschließen zu können, zu Beginn des Schuljahres abgeben muss.
Gegen 21:00 Uhr gibt es endlich Abendessen. Trotz der späten Stunde, kommt es uns, wegen der fortwährenden Helligkeit, die nur durch Wolkeneintrübung etwas gedämpft wird (wir sind gerade erst eine Woche über Mittsommer hinaus), garnicht spät vor. Heute gibt es Schweineschnitzel (jedes etwa 3 cm dick) mit Gemüse und Fussili. Nach dem Essen gehen Evi und ich zum Spülen, während Rabea die restliche Wäsche aus dem Trockenraum holt – ein Socken fehlt :/Damit geht auch dieser schöne Sommertag zu Ende.
**Donnerstag, 30.06.2022:**
Nachdem es bereits den größten Teil der Nacht geregnet hatte, wachen wir am Morgen bei immer noch fortwährendem Regen auf. Daher beschließen wir nach dem Duschen heute in der EU-LE zu frühstücken, da es im Vorzelt doch etwas zu ungemütlich ist. Das hat zum Vorteil, dass Rabea dort schon alles zusammen räumen kann (Tisch, Stühle etc.), während ich Frühstück mache.
Da wir uns beim Frühstücken reichlich Zeit lassen, hört es endlich auf zu Regnen, kurz bevor wir uns ans Zusammenpacken machen. Das verläuft soweit problemlos und nur das Vorzelt und den dazugehörigen Tunnel müssen wir noch feucht einpacken. Dann können wir gegen Mittag endlich los und fahren in Richtung Háafell, einer Ziegenfarm, auf der eine Freundin von Rabea arbeitet. Auf dem Weg dahin stoppen wir erneut in Borgarnes und machen noch einige Besorgungen, da wir in den nächsten Tagen an keinem größeren Einkaufsladen vorbei kommen werden.
Die Fahrt zur Farm ist für mich beinahe nervenaufreibend, da wir über einen Schotterweg, der gerade mit Steinen aufgeschüttet wird (für Rabea ein alltägliches Bild) fahren müssen. Um Schotterwege in Island „auszubessern“ werden grobe Steine darauf geschüttet, die dann mit einer Walze plattgedrückt werden. Das macht den Weg, vor allem kurz nach dem Ausbessern, deutlich „rumpeliger“ zum Fahren als vorher. Dazu kommt, dass ich, da die Straßenarbeiten noch nicht beendet waren, auch über die noch losen, großen Steine fahren musste, was der Hilux aber problemlos gemeistert hat.
Als wir auf der Ziegenfarm ankommen, werden wir dort sofort von Rabeas Freundin begrüßt. Diese erzählt uns sogleich die Entstehungsgeschichte der Farm und und gibt uns einige Informationen drum herum, bevor wir uns auf die Suche nach kuschel-willigen Ziegen und Zickleins machen. Diese sind auf dem eingezäunten Gelände nicht schwer zu finden und vor allem Evi und Rabea haben Spaß an der tierischen Begegnung. Da Rabea sehr neugierig auf eine automatische Füttermaschiene für die Flaschen-Zicklein ist, dürfen wir auch noch einen Blick in den Stall werfen, in dem wir auch die Melkmaschine für die Ziegen sehen. Danach geht es in den kleinen Bauernladen, in dem alle möglichen selbst-hergestellten Produkte zu kaufen sind. Da die Farmerin neben den Ziegen auch einen großen Garten hat, gibt es hier außer Würstchen aus Ziegenfleisch, Ziegenkäse, Cremes und Seifen mit Ziegenfett auch verschiedene Gelees und Sirups zu probieren. Da es uns´ äußerst gut schmeckt, kaufen wir fleißig ein und gönnen uns dann zur Kaffeepause noch ein Eis aus Ziegenmilch. Es gibt drei Sorten; Minze, Schokolade und Vanille und sie alle schmecken uns allen sehr gut!

Eis aus Ziegenmilch
Gestärkt machen wir uns auf die zweistündige Fahrt nach Stykkishólmur, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollen. Bei unserer Ankunft sind wir etwas geschockt, da der Campingplatz im ersten Moment überfüllt aussieht. Als wir dann von dem jungen Mann an der Rezeption den Hinweis bekommen, doch erst einmal einen Platz mit Strom zu suchen, statt gleich für Strom zu bezahlen, muss ich mich doch etwas über das chaotische System der Isländer ärgern. Hier gibt es auf Campingplätzen nämlich überwiegend nur offene Wiesen und keine abgetrennten Plätze, sodass sich jeder hinstellen kann wo und wie er lustig ist. Das hat zur Folge, dass Stellplätze, an denen ein Stromanschluss erreichbar wäre, von Autos zugestellt sind, die bereits von den zugehörigen Campinganhängern abgespannt wurden. Wir einigen uns also darauf auf einem Platz ohne Strom die Nacht zu verbringen. Außerdem beschließt Rabea heute bei uns in der WoKa zu schlafen, da wieder Regen für die Nacht angesagt ist und wir keine Lust auf ein weiteres nasses Zelt haben.
Vor dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang durch das Städtchen und gönnen und anschließend eine leckere Käseplatte. Nach dem Verfassen des täglichen Tagebucheintrags machen wir uns daran das dritte Bett aufzubauen und gehen dann, doch irgendwie erschöpft, ins Bett.

Evi und Robert in Stykkishólmur
Freitag, 01.07.2002:
Um 08:00 Uhr klingelt der Wecker und schon wieder haben wir eine Premiere, denn wir haben zu dritt in der Eu-LE genächtigt. Ich habe dabei den Platz auf den Sitzbänken (ergänzt um ein Brett und die Sitzkissen zusammengeschoben) gehabt und bin voll zufrieden. Auch die Evi und Rabea haben ganz ordentlich geschlafen. Aufgrund der Zwangsendlüftung ist die Luft in der Eu-Le auch nach dieser Nacht o.k.. Wir mussten zwar etwas kramen, aber alles ist soweit nötig griffbereit.
Das Wetter ist bedeckt, aber trocken. So gehe ich zu Premiere 2 des heutigen Tages, die Freiluftdusche! (Immerhin eine geschlossene Kabine, aber ohne Dach – hot water with fresh air!) Das heiße Wasser lässt zwar einen Moment auf sich warten, aber dann ist die Dusche recht angenehm. Nur beim Abtrocknen habe ich eine leicht Gänsehaut wegen der Außentemperatur.

Meine erste Freiluftdusche!
Rabea hat die heutige Tour ausgesucht, rund um Sneifellsnes. Als erstes schauen wir uns überraschenderweise einen Wasserfall an ( :-) ). Der Sellvallafoss, der aber etwas in Richtung Borganes liegt. Wir parken auf den dafür vorgesehenen Parkplatz und steigen in diesem Fall hinab, um uns den Wasserfall anzusehen. Wir halten unseren Besuch relativ kurz, denn Wasserfälle wird es noch eine ganze Reihe geben. Anschließend fahren wir in Richtung Grundafördur weiter.
Als nächstes halten wir an einem „View Point“ oberhalb des Kolgraffarjördur (Fjord), der im Winter 2012 / 2013 Schauplatz eines außerordentlich starken Hering-Massensterbens war. Die unvorstellbare Menge von ca. 52.000 t, was für den Fischfang ein herber Rückschlag war. Die Begründung ist eher lapidar, nämlich Sauerstoffmangel im Wasser und zu viele Heringe.Wir folgen weiter der Straße 54 bis zu einem View Point oberhalb des Meeres, wo wir ein paar Schnappschüsse von der Landschaft machen. Vorher wollten wir uns eigentlich noch den Wasserfall Kirkjufellsfoss, der durch die Serie „Game of Thrones“ (Staffel 4) bekannt wurde, anschaun, aber als wir entdecken, dass es eine Parkgebühr vom über 5€ gibt, fahren wir weiter.
In Ólafsvík parken wir in der Nähe des Krankenhauses und steigen auf zum Baijaerfoss auf. Ein recht mühsamer Anstieg für einen eher „romantisch“ wirkenden Wasserfall. Hinzu kommt, dass in der Felswand viele Möwen nisten und es zwischen den Nestern turbulent zugeht. Von hier fahren wir ins Zentrum des Ortes zur Touristinformation. Eine ältere Dame gibt uns bereitwillig Auskunft und Hinweise, was wir uns noch ansehen sollen. Insbesondere ist sie von Rabea Isländisch begeistert und entsprechend redselig.

Aufstieg zum Wasserfall in Ólafsvík
Nun geht es weiter zum Svöthufoss, zu dem wir vom Parkplatz aus etwa 20 min wandern müssen. Die Wanderung ist selbst schon ein kleines Abenteuer, denn wir müssen zwei Wasserläufe per Stein-Furt überqueren und kurz vor dem Wasserfall gibt es eine Engstelle des Wegen, die einer Gebirgswanderung würdig wäre. Wir machen jede Menge Bilder bevor wir wieder zum Auto umkehren. Da es inzwischen fast 15:00 Uhr lokale Zeit ist, machen wir Picknick mit Skyr und Danish pastries. Skyr ist ein Zwischending zwischen Joghurt und Quark. Gehaltvoller als Joghurt und milder als Quark und sehr sättigend.
Wir folgen dem Hinweis der Dame aus der Touristinfo und fahren in den Ort Hellissandur, wo wir kreuz und quer durch den Ort fahren. Wir suchen bunt / künstlerisch gestaltete Graffities an diversen Hauswänden, die über den Ort verteilt sind. Die meisten zeigen Naturmotive oder Personen und sind wirklich sehr beeindruckend.

Schafskopf
Weiter auf der 54 kommen wir zum Saxhòll Krater, ein großer „Lavahaufen“ mit außenliegender Freitreppe. Tatsächlich haben die Isländer eine ca. 400 stufige Treppe außen angebracht, über die wir bis zum Rand des Kraters aufsteigen können. Der Krater ist nur ca. 10m tief, aber wir haben eine grandiose Aussicht von dort oben.

Krater mit "Freitreppe"
Nach dem wir die Westspitze umrundet haben, biegen ab in Richtung Gletscher, wobei wir zu den Söngheller (Singhöhlen) hinauf fahren. Hinauf heißt, dass es eine Schotterpiste steil (ca. 15%) bergan geht. Diese Strecke meistert der Hilux gut, wenn auch im ersten Gang. Wir klettern dann zu den Höhlen, die eben ein schönes Echo haben ohne dass wir dort hinein singen. Jedenfalls ist die starke Zerklüftung der Felsen nur aus der Nähe gut zu erkennen.
Wieder zurück auf der 54 ist unser nächster Halt der Ytri tingea Strand, wo wir Robben beobachten können. Ein paar Exemplare liegen schon auf den Felsen, während andere nur neugierig aus dem Wasser schauen. Hier hat Rabea die Idee einen Geburtstagsgruß für Mike mit Muscheln zu legen, was wir ihm als Bild schicken.
Unsere letzte Etappe ist die Fahrt nach Búthardalur, wo es einen Campinglatz gibt. Die Straße dorthin ist zu 95% Schotterpiste und sogar mit einer Baustelle, wo es deshalb besonders übel rüttelt. Leider hängen wir einen großen Teil der Strecke hinter einem Van, der offensichtlich nicht von einem Isländer gesteuert wird (unsicher Fahrweise, viel zu langsam). Erst in der Baustelle gelingt es mir ihn zu überholen, was sich später auf dem Campingplatz zu unseren Gunsten auswirkt, denn der Typ will auch dorthin und der Platz ist völlig überfüllt, so dass wir gerade noch einen Platz mit Strom ergattern können. Nun gibt es noch ein schnellen Abendbrot mit den Resten von Vorgestern (Nudeln mit Gemüse und Schweinefleisch) aufgepeppt durch etwas Kopfsalat.
**Samstag, 02.07.2022:**
Heute lassen wir es langsam angehen und schlafen bis um 10:00 Uhr, auch um dem Stau vor den wenigen Toiletten und Duschen zu entgehen.Nach dem Frühstück geht es weiter zum Dynjandi, ein wirklich großer Wasserfall. Dazu fahren wir auf der 60 in Richtung Ísafjörthur.
Nach etwa 20 Minuten sehen wir das Schild für einen Laden mit lokalen Handwerksprodukten, dem wir folgen. Der Laden ist recht groß für diese ländliche Gegend in den Westfjorden, und gleichzeitig ein gemütliches Cafe. Das originellste Stück, das ich gefunden habe, ist ein „Handschuh“ mit einer geschlossenen Faust zum Halten von Flaschen draußen im Kalten. Im weiteren Verlauf wird die 60 zur Schotterpiste (gravel road) und führt schließlich steil über den Bergrücken und wieder hinunter in den nächsten Fjord. Dann kommt wieder eine Passage mit geteerter Straße, um schließlich wieder in Schotter überzugehen. Aber es kommt noch hinzu, dass ein großes Stück gerade ausgebaut wird und sich in verschiedenen Bauphasen befindet, sodass von ganz passabel bis stark uneben alles dabei ist. Nachdem wir die Baustelle hinter uns gelassen haben, fahren wir auf der mit Erde bedeckten Straße weiter und es wird zunehmend nebelig bis es schließlich nur noch unter 50m Sicht voraus gibt. Das Kitzelige daran sind die zu beiden Seiten abfallende Straße, so dass es jeden zur Mitte zieht und die sogenannten Blindheads (Kuppen, die keine Voraussicht auf entgegenkommende Fahrzeuge erlauben, bis diese plötzlich da sind).
Nachdem wir den Kamm des Passes überfahren haben, wird die Sicht wieder besser und wir kommen schließlich am Dynjandi an. Trotz des nicht so schönen Wetters sind doch einige Touristen hier versammelt, die die verschiedenen Wasserfälle abwandern, denn nach dem Dynjandi foss folgen der Göngumannafoss, der Strompguljúfrafoss, der Hrisvathfoss, und schließlich der Hundafoss. Ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel mit vielen Details, die es zu entdecken gibt. Die Wanderung vom Parkplatz hinauf ist schon etwas anstrengend, aber sie lohnt allemal.

Der Dynjandi Wasserfall
Vom Wasserfall aus folgen wir weiter der 60, die ab hier vollständig geteert ist und biegen dann aber nach Thingeyri ab, weil dort ein Campingplatz ist. Als wir ankommen ist dieser schon sehr belegt, aber wir bekommen noch einen guten Platz mit Strom. Offensichtlich findet hier gerade ein Beach-Volleyballturnier statt und viele der Camper haben wohl damit zu tun. Rabea zaubert uns heute ein Abendessen aus Rindfleich aus der Dose, Pilze, Nudeln, Zwiebel und Paprika – das ideale Camper-Essen. Wir beschließen den Abend mit einer Partie Kniffel und Letramix.
**Sonntag, 03.07.2022:**
Heute sind wir zeitig aufgestanden (07:30 Uhr klingelte Evis Wecker), denn wir wollen heute die Westfjorde verlassen. Mit Frühstücken, Abwaschen, alles abbauen und verstauen wird es 10:30 Uhr bevor wir loskommen. Nach der „Schotterorgie“ von gestern fahren wir nun den langen und geteerten Weg aus den Westfjorden hinaus, also wieder zunächst die 60.
Unser erster Stopp ist dann in Flateyri. Dieses Dorf hat eine traurige Berühmtheit durch einen Lawinenabgang in 1995 erlangt, der 20 Todesopfer forderte und 34 Häuser zerstört hat. Heute ist davon nur die inzwischen überwachsene Lawinenabwehr am Ortseingang zu sehen. Aber das Dorf hat noch einen andern Reiz. An einer Reihe von Häusern sind (inzwischen meist sehr verblichen) Infotafeln aufgestellt, die auf ihre Geschichte hinweisen und wieder sind einige Häuser mit netten Graffitis versehen. Das Highlight ist der älteste Kolonialwarenladen Islands. Heute werden vor allem edle Schreibwaren (insbesondere Füllfederhalter, die ansonsten auf Island Seltenheitswert haben), Bücher, aber auch Krawatten, Handschuhe und Süßigkeiten angeboten. Außerdem gibt es ein „Antiquariat“, dessen Bücher nach kg verkauft werden. Rabea ersteht eine edlen Füllfederhalter mit Goldspitze, da ihr eigener zu Bruch gegangen ist, wobei in den Füller eine Nachfüllpatrone hinein kommt, die aus einem Tintenfass wieder befüllt wird. Aber auch der derzeitige Inhaber des Ladens ist eine interessante Erscheinung, zum einen wegen seines Outfits und zum anderen weil er auch Buchautor ist.

Ladenbesitzer und Buchautor in Flateyri
Nach dieser netten Begegnung setzen wir unseren Weg fort und es geht in den Fjord hinein und wieder heraus und ein paarmal auch steil über die jeweilige Landzunge von dem einen Fjord in den anderen. Dadurch wird der Weg länger und länger. Inzwischen befahren wir die 61. Gegen 15:00 Uhr machen wir an der Straße „Kaffeepause“, denn meine Mitfahrer nicken bereits ein und ich habe auch Hunger. Schließlich entscheiden wir uns dafür, einen nahe gelegenen Campingplatz anzufahren ( noch ca. 1,5 Stunden Fahrt), da es sonst zu spät wird. Dazu biegen wir auf die 68 ab, die leider nicht komplett geteert ist, so dass wir wieder ein beträchtliches Stück inklusive steiler Auf- und Abfahrten auf Schotter absolvieren, nur diesmal in der Sonne!Schließlich erreichen wir den Campingplatz in Bortheyri, wobei er zwar direkt am Fjord aber auch schon wieder außerhalb des Dorfes liegt. Der Platz ist sehr naturbelassen und bietet nur wenige Steckdosen, von denen wir eine ergattern! Der schöne Blick in den angrenzenden Fjord lässt uns während wir im Abendwind zittern (Papa zittert, in den 5 Minuten, die er grillt und Rabea zittert nicht, in der folgenden halben Stunde, in der sie das Abendessen fertig brät) die fehlende Dusche vergessen.

Rabea an der Pfanne
**Montag, 04.07.2022:**
Heute lassen wir es ruhig angehen und sind auch schon fast allein auf dem Campingplatz als wir aufstehen. Die Fahrt soll heute keine 100km lang sein, so dass wir gemütlich frühstücken und uns fahrbereit machen.
Wir folgen weiter der 61, bis diese auf die 1 in Richtung Akureyri trifft, und verlassen damit die Westfjorde. Schon bald ändert sich die Landschaft, indem sie grüner und „milder“ erscheint. Zwar noch immer von hohen Bergen umrahmt, aber belebter und fruchtbarer. Wir sehen zunehmen größere Pferdeherden und schließlich sogar Kühe. Die 1 folgt über eine lange Strecke einem Flußlauf, der unter der Straße hindurch meandert und dazu scheint die Sonne – auch das ist Isländischer Sommer. Die Temperatur steigt auf angenehme 15° Celsius und die Fahrt läuft gut.
Wir machen einen kleinen Stopp an einem Denkmal für den nach Kanada ausgewanderten Poeten und Journalisten Gestur Pálsson. Ich habe den Eindruck dies ist wieder ein Beispiel dafür was den Isländern „verehrungswürdig“ erscheint: 1. Wenn jemand das Land verlässt und eine gewisse Bekanntheit erreicht und
2. wenn die Motivation dieser Person irgendwie damit zu tun hat, dass sie sich gegen Widerstände durchgesetzt hat.
Vielleicht ist das noch eine Wirkung des alten Vikinger-Blutes?
Gegen 14:30 Uhr kommen wir nach Varmahlith und gönnen uns als Pausensnack jeder einen Hotdog und eine Pepsi. Sie schmecken uns, aber als eine Besonderheit würde ich sie jetzt nicht bezeichnen, so wie es in unseren Reiseführer angepriesen wurde. Nach ein paar Kilometern halten wir erneut bei dem historischen Gehöft Glaumaer (gesprochen: gleumbeir), das eine Art Freilichtmuseum ist. Ein sehr schön erhaltenes Gehöft mit einem Komplex von 12 Häusern in der traditionellen Bauweise mit Torf und Grassoden. Dazu gibt es noch zwei neuere Häuser, wovon eines zur Bewirtung sowohl der externen Gäste aber auch der Angestellten dient. Ganz ohne neuzeitliche Technik geht es aber nicht, denn in einem Raum der neueren Häuser kann man per VR-Brille mal in die Häuser hineinschauen, wie der Bauer uns seine Leute im Winter die Abende verbrachten. Da es sich um ein großes Anwesen handelte steht gleich neben an eine lutheranische Kirche und der Friedhof, dessen Grabsteine und Kreuze alle nach Osten ausgerichtet sind (doch noch etwas heidnischer Einfluss?).

Häuser des Anwesens in Torf-Bauweise
Nun will uns Rabea einen „Geheimtipp“ zeigen, nämlich einen Wasserfall mit einem natürliche „Hot pot“. Das Problem ist nur die Zufahrt zu finden, was uns nach zweimal wenden auch gelingt. Der Weg ist steil, eng, steinig und führt über zwei Holzbrücken (!), bei einer steht eine maximale Belastung von 7.5t !?! Wir landen auf einem „Parkplatz, der noch die offensichtlichen Fahrspuren des letzten Winters trägt und ziemlich rumpelig ist. Für einen Geheimtipp ist er allerdings etwas zu belebt. Wir gehen dann noch ca. 15 Minuten bis zum Wasserfall, der ganz ansehnlich ist und auch Spuren von zivilisatorischen Versuchen (etwa eine Wasserturbine für die Stromgewinnung) zeigt. Noch etwas weiter sehen wir dann den Hot pot, indem sich aber schon 5 Leute tummeln, was Rabea als „zubevökert“ klassifiziert, so dass wir ohne nass zu werden wieder abziehen.
Nun geht es noch ca. 10 Minuten weiter zum Campingplatz unserer Wahl für heute, denn Evi und Rabea wollen von hieraus eine River-Rafting-Tour mitmachen! Die Anlage den Platzes ist gut und großzügig, bis auf die Tatsche, dass sie 500ISK = ca. 3,5€ fürs Duschen haben wollen. Wir sind bis spät in der Nacht die einzigen Camper!
Während ich draußen noch herumkrame, bereiten die Mädels das Abendbrot: Nudeln mit geschmortem Paprika und Schweineschnitzel (mindesten 200gr!). Wir beschließen den Abend mit zwei Partien Scrabble.
**Dienstag, 05.07.2022:**
Heute ist Ruhetag, das heißt wir bleiben bis zur morgigen Rafting-Tour hier stehen. Das Wetter ist im Gegensatz zur Vorhersage von gestern herrlich: strahlender Sonnenschein mit einer leichten Brise.
Mit etwas Bauchgrimmen gehe ich zum anliegenden Hostel zum Duschen. Aber irgendeiner der isländischen Trolle muss mir wohlgesonnen sein, denn es ist keiner an der Rezeption, sodass ich gleich zu den Duschen durchgehe. Nach dem Duschen verlasse ich das Haus durch den Nebeneingang, der gerade offensteht.
Nach einem ausführlichen Frühstück, heute sogar mit frisch gekochten isländischen Eiern, geht so jeder seiner Beschäftigung nach. Rabea ordnet ihre getrockneten Pflanzen aus dem Botanikkurs, Evi bringt Ordnung in die Wohnkabine und ich schreibe Tagebuch und lese unserer E-Mails. Unser Vorzelt hat heute eher die Rolle eines Sonnendachs und das fühlt sich echt gut an.
Heute Abend erwarten wir den Besuch von Jule (eigentlich Juliane), einer Bekannten von Rabea, die sie aus der Aupair-Gruppe kennt. Sie nimmt auch an der morgigen Rafting-Tour teil und wird heute bei uns im Vorzelt zusammen mit Rabea übernachten. Sie trifft gegen 19:00 Uhr ein und hat Zutaten fürs Abendessen dabei. Während Rabea und Jule sich im Vorzelt einrichten und den Tisch fürs Abendessen vorbereiten, kochen Evi und ich in der WoKa. Es gibt Nudeln mit „Gehacktes-Soße“ (Bolognese-Soße wäre zu hoch gestochen, denn es fehlen ein paar Gewürze und sie köchelt auch nicht genügend lang). Wir peppen die Soße mit Hackfleisch und klein geschnittenen Paprika auf und ziehen die zusätzlich gekochten Nudeln und die restlichen Nudeln von gestern darunter. Das ergibt einen schön gefüllten und schmackhaften großen Topf, der dann auf den Tisch kommt.
Bei Tisch lernen wir Jule und sie uns kennen. Jule arbeitete zum einen auf einer Farm und zum anderen in einem Kindergarten und lebt seit mehr als zwei Jahren auf Island, aber sie möchte trotz isländischem Freund auch wieder zurück nach Deutschland und kann sich eine endgültige Übersiedlung nach Island derzeit (noch) nicht vorstellen. Nach dem Abwasch machen wir uns noch warme Getränke und Jule spendiert Chips dazu. Rabea schlägt vor ihr Doppelkopf beizubringen, denn heute Abend sind wir zu viert und das sollte genutzt werden. Nach einigen Erklärungen und kleineren Anlaufschwierigkeiten spielen wir eine Runde und es klappt auch ganz passabel. Schließlich wird es Evi zu kühl (wir haben inzwischen schon eine Decke auf den Beinen liegen) und wir gehen zu Bett, zumal wir morgen zeitig aufstehen müssen, damit wir inklusive Frühstück um 09:00 Uhr zur Rafting-Tour antreten können.

Jule, Evi und Rabea
**Mittwoch, 06.07.2022:**
Um 07:00 Uhr klingelt der Wecker und wir machen uns fertig, frühstücken (diesmal zu viert im Vorzelt) und packen das Notwendige für die Rafting-Tour zusammen. War es heute beim Aufstehen noch bedeckt, so reißt es nun auf und die Sonne strahlt hell vom Himmel. Positiver Weise liegt der Campingplatz gleich neben dem Rafting-Anbieter.
Die Mädels müssen noch kurz auf ein Pärchen warten, bevor es mit Einkleiden losgeht. Ich werde nur als Beobachter mitfahren, denn Wassersport ist nicht so meins und mir ist River-Rafting nicht geheuer. Also sehe ich mir draußen die Ausrüstung an, während sich die Mädels umziehen. Ich bin etwas irritiert, dass neben einem großen Schlauchboot auch zwei Kajaks aufgeladen werden. Schließlich geht es in einem schon in die Jahre gekommenen Mercedes-Bus (ca. 12 Plätze) mit Anhänger besetzt mit 5 Teilnehmern, 1 Beobachter, 4 Rafting-Guides und einem Fahrer, der sich später als Chef entpuppt, los. Es geht etwa 50 Minuten in die Berge, d.h. erst hoch, dann aber auch wieder hinunter zum Fluss und das alles auf derbem Schotter.< Bild der Mädels in Neopren>Wie sich herausstellt sind die Raftings-Guides aus Nepal. Sie arbeiten in der Sommersaison auf Island und im Winter wieder in Nepal, wo sie ebenfalls Rafting-Touren veranstalten. Einer der Guides wird das Rafting-Boot steuern und ein Zweiter wird als Begleitung ebenfalls im Boot mitfahren. Die beiden Anderen werden als Sicherung das große Boot in Kajaks begleiten, was mir sehr sympathisch ist. Es gibt für die Teilnehmer eine ausführliche Einweisung, wie sie sich passend zu den Kommandos des Steuermannes zu verhalten haben, und das sieht schon wie Morgengymnastik aus. Aber der zweite Teil der Einweisung bezieht sich auf das Verhalten, wenn jemand aus dem Boot stürzt und die Sicherungs-Kajaks eingreifen müssen, denn wenn der Überbordgegangene sich seitlich festhalten will, kentern auch die Kajaks. Also solle sich derjenige nur vorn unter das Kajak mit den Beinen nach oben festklammern (eine Haltung, wie Affenjungen an ihrer Mutter hängend, von dieser durch den Baum getragen werden) oder sich hinten anhängen und bäuchlings übers Wasser ziehen lassen. Dann geht es endlich los und ich mache noch ein Abschiedsfoto.

Die Mädels in Neopren

Evi und Rabea im Boot auf dem Fluss
Während das Boot den Fluss hinabtreibt, fahre ich mit dem Bus zurück, aber nur bis zu einem Punkt, wo eine erste größere Stromschnelle von oben zu sehen ist. Offensichtlich ist dies ein weiterer Teil eines Sicherheitskonzepts, dass der Busfahrer, mit einem Funkgerät ausgestattet, abwartet, ob das Boot diesen Punkt wohlbehalten passiert. Für mich eine gute Gelegenheit ein paar schöne Fotos zu machen. Wir halten noch zweimal an. Beim dritten Halt müssen wir ein Stück vom Weg die angrenzende Wiese hinabsteigen, um dann ca. 40m tief auf den Fluss zu blicken, wo tatsächlich das Boot angelandet hat und anscheinend Einzelheiten für die nächste Stromschnelle, mit der höchsten Schwierigkeit bezogen auf diesen Fluss, besprochen werden.Der nächste Stopp ist dann auch schon das Ende der Rafting-Strecke, wo wir ca. 45 Minuten auf das Boot und die Kajaks warten müssen.

"Meeting an Land"

Das Boot in der Stromschnelle
Es kommen alle nass, aber wohlbehalten an und ich kann Evi überglücklich wieder in die Arme schließen. Nun gibt es zum aufwärmen Kjötsúpa (= Fleischsuppe) in einer Tasse pro Teilnehmer und auch die Rafting-Guides verköstigen sich damit (selbst ich habe etwas bekommen :-) ). Mit dem Bus geht es jetzt zurück zum Campingplatz und die Rafting-Teilnehmer können sich der nassen Sachen entledigen, duschen und in die Hot Pots steigen.
Währenddessen fahren ich nach Sauthárkrókur mit Jules Auto und ergänze unsere frischen Lebensmittel für die nächsten Tage. Dazu benötige ich ca. 90 Minuten, sodass kurz nachdem ich zurück bin, auch die anderen wieder bei der Eu-LE erscheinen. Bald darauf verabschiedet sich Jule, die noch zu eine Freundin weiterfahren will. Wir Übrigen machen Kaffezeit und ruhen im Anschluss daran. Leider ziehen sich die Wolken zusammen und es kommt Wind auf, was uns in das Innere der EU-LE treibt. Später dann setzt ausdauernder Regen ein.
**Aus erster Hand vom Rafting** von Evi und Rabea:
Aufregend war das ja schon; erst einmal mussten wir uns in die nicht leicht anzuziehenden Neoprenanzüge und die drei darauf folgenden Kleidungsschichten quetschen. Dabei mussten wir zunächst verstehen, dass wir auch unter den Neoprenanzügen noch eine eigene Kleidungsschicht (abgesehen von Badeanzügen) tragen sollten. Das verhindert in den Nassanzügen zum einen unerwünschte Reibungsstellen und zum anderen bewirkt die zusätzliche Schicht, die sich ebenfalls mit Wasser vollsaugt, dass man in dem eiskalten Gletscherwasser noch ein wenig wärmer bleibt. Dann war auch die Anfahrt durchaus spannend und die Aussicht auf der Fahrt, auf den Canyon und die Berge ringsherum, spektakulär!
Die Sicherheitseinweisung war gut nachvollziehbar und für uns keine allzu große Überraschung, da wir uns aus Neugier schon einige YouTube Videos angesehen hatten. Dann ging es endlich los und wir waren begeistert, wie leicht das Boot beeindruckend aussehende Wellen meisterte und wie problemlos wir uns im Boot halten konnten, obwohl wir bei den ersten größeren Wellen, die ins Boot schwappten, doch durchaus von der Kälte des Wassers überrascht waren. Auch die ersten stärkeren Stromschnellen meisterten wir mit Leichtigkeit und das obwohl der Guide uns verriet, dass durch den niedrigen Wasserstand heute eigentlich schwierigere Verhältnisse herrschten.
Den „Green room“, die schwierigste Stromschnelle dieses Flussabschnittes, bewältigten wir auch gut und mit viel Gekreische, nach vorherigem Stopp mit Erklärungen unseres Guides betreffend unserer Vorgehensweise. An einer dafür geeigneten Stelle bieten die Guides uns dann an sogenanntes Surfen auszuprobieren. Dabei versucht man mit dem Rafting-Boot auf einer größeren Welle zu reiten. Die Wahrscheinlichkeit herauszufallen oder ein Kentern des ganzen Bootes ist dabei recht hoch, weswegen nur diejenigen, die wollten, mitgefahren sind. Eine von unserer Gruppe blieb also am Ufer und machte Bilder, während wir uns dieser Herausforderung stellten. Beim ersten Versuch schafften wir es zwar das Boot nicht kentern zu lassen, allerdings gingen drei von fünf „Mann“ über Bord und schwammen ohne Probleme ans Ufer (Evi plumste bereits in den ersten Sekunden heraus, aber Rabea schaffte es, sich mit dem Guide bis zum Ende im Boot zu halten). Beim zweiten Mal hatten wir keine Chance, denn das Boot kenterte und alle wurden nass. Wir landeten beim Kentern beide unter dem Boot und auch wenn der Guide uns vorher erklärt hatte, nicht in Panik zu geraten, sondern einfach zu Schwimmen, stieg doch ein bisschen Angst in uns hoch und wir vergaßen im ersten Moment das Schwimmen, sodass wir recht weit abtrieben, bis wir es endlich zum Ufer schafften. Durch die Sicherungskajaks und die zugerufenen Anweisungen der Guides fühlten wir uns aber immer sicher und mussten keine Angst haben unkontrolliert den Fluss herunter getrieben zu werden.
Nachdem wir dann alle ordentlich nass waren, wurde uns auch gleich durch das, sich aufwärmende Wasser im Anzug, deutlich wärmer beim Weiterpaddeln. Nach ein paar weiteren Stromschnellen und Wasserfällen an den Canyon-Wänden, machten wir einen weiteren Stopp und konnten uns am Cliffjumping versuchen. Auch wenn zu Anfang alle sehr enthusiastisch auf diese Idee reagierten, sprangen am Ende nur Jule und Rabea. Evi wollte zwar eigentlich gerne den Sprung aus ca. sechs Metern Höhe wagen, aber der Anstieg (ohne Sicherung an den steilen Klippen hinauf zu klettern und dann nur mit Hilfe einer, um die Spitze der Klippe geschlungenen Kette, um eine recht rutschige Rundung herum) war ihr doch etwas zu gefährlich, sodass sie sich mit Zugucken begnügte.
Nach einer weiteren halben Stunde paddeln auf vergleichsweise ruhigem Wasser, erreichten wir dann das Ende der Rafting-Strecke und damit auch Robert und den Bus. Vorher durften allerdings diejenigen, die noch warm genug waren und Lust hatten, eine Runde Schwimmen bzw. sich mit Griff am Boot treiben lassen. Auch das mussten wir natürlich ausprobieren und Jule und Rabea blieben so lange im Wasser, das der Guide fast etwas panisch rief, dass wir doch jetzt wieder ins Boot kommen sollten, da doch noch ein paar letzte kleine Stromschnellen kamen. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass wir so lange im kalten Wasser bleiben würden :D Durch diese Aktion kamen wir auch in den Genuss von unseren Mitfahrern wieder ins Boot „gewuchtet“ zu werden.
Mit einer Tasse Kjötsúpa (allerdings ohne Löffel xD) ging dann auch dieses tolle Abenteuer zu Ende!

High-Five im Boot
**Donnerstag, 07.07.2022:**
Die letzte Nacht war echt aufregend! Schon gestern Abend zog schlechtes Wetter auf und es begann zu regnen. Nach dem der geendet hat wurde es windiger und windiger. Um 02:30 Uhr rappelte es plötzlich an der Tür der WoKa und Rabea stand hilfesuchend mit ihrem Schlafsack in der Hand in der Tür. Durch den Druck des starken Windes, wir schätzen so etwa Windstärke 6 aufgrund der Isländischen Wetter-App, die Rabea benutzt, waren die Tubes auf einer Seite des Vorzeltes eingeknickt und Rabea fühlte sich wie ein Wikinger, dem der Himmel auf den Kopf fällt. Wir haben dann zunächst gemeinsam das Zelt wieder aufgerichtet und durch eine zusätzliche Verspannung auf der Luv-Seite gesichert. Außerdem haben wir alles Wertvolle (z.B. die Sammlung gepresster Pflanzen von Rabea!) in dem Hilux verstaut. Trotzdem haben wir dann in der WoKa umgeräumt, sodass wir das dritte Bett bauen konnten. Schließlich hat sich jeder wieder eingemummelt und versucht einzuschlafen. Das ist wohl Evi am besten gelungen, denn sowohl Rabea als auch ich haben sie „deutlichst atmen“ hören.Mein Schlaf war ab da sehr unruhig und gegen 06:00 Uhr bin ich wieder erwacht, wobei ich dachte das Vorzelt „schlagen“ zu hören. Auch Rabea war sofort wach und wir sind dann gemeinsam nach draußen gegangen und haben in „Windeseile“ das Vorzelt und den Tunnel zwischen Vorzelt und WoKa abgebaut und weitestgehend verpackt. Um 07:00 Uhr lagen wir dann wieder im Bett und haben uns darauf geeinigt um 08:30 Uhr aufzustehen. Aber so richtig eingeschlafen bin ich nicht mehr, denn unter dem Ansturm des Windes wackelte die WoKa beträchtlich und ich habe mir schon ausgemalte, wie so eine WoKa mit Hilux umkippt
Um 08:30 Uhr weckt uns der Wecker und ich gehe gleich wieder nach draußen, um den Rest zusammen zupacken, damit der Wind uns nichts mehr anhaben kann. Schließlich sind wir um 11:00 Uhr abfahrbereit. Ich fahre anfangs etwas gehemmt, denn der Hilux mit WoKa bietet dem Wind eine große Angriffsfläche und regiert darauf recht stark. Wir haben aber zunächst nur eine Etappe von einer Stunde, denn wir wollen die Mutter von Steinunn (Rabeas Gastmutter als Aupair) in Sauthárkrókur besuchen und bei ihr eine Maschine Wäsche waschen. Wir bringen Gebäck mit, werden aber von der alten Dame mit einem kompletten Mittagessen überrascht, wobei ihr 8-jähriger Enkel auch noch mit am Tisch sitzt. Nach dem Essen machen wir trotz des leicht regnerischen Wetters einen ausführlichen Spaziergang, wobei sie uns den Park, der mitten im Ort liegt, zeigt und welche Runde sie so normalerweise wandert.

Großmutters Mittagessen
Mit gewaschener, aber noch feuchter Wäsche machen wir uns dann auf den Weg nach Dalvík, wo wir zwei Tage stehen wollen. Das Wetter ist zwar nicht mehr so windig, aber es regnet teilweise recht ordentlich und die Strecke ist das übliche Auf und Ab entlang der Küstenlinie. Die 76 wird und wurde an einigen Stellen offensichtlich repariert, was bedeutet, dass die Teerdecke plötzlich zu Schotter wechselt und umgekehrt. Kurz vor Dalvík habe ich dann das Erlebnis eines einspurigen Tunnels, wobei wir in der vorteilhafteren Richtung fahren, denn wir haben Vorfahrt. Zu diesem Zweck gibt es in kurzen Abständen Ausweichbuchten, die in diesem Fall unser Gegenverkehr anfahren muss, um mich passieren zu lassen. Manchmal wird es jedoch eng, wenn die Ausweichbucht durch spät entschlossene Fahrer so gefüllt ist, dass das Heck des letzten Fahrzeugs in meine Fahrbahn reicht. Aber schließlich kommen wir gegen 18:00 Uhr auf dem Campingplatz in Dalvík an. Diesmal versuchen wir die EU-LE so auszurichten, dass sie ihre Nase dem zu erwartenden Westwind für heute Nacht entgegen reckt. Die Mädels sind etwas in Sorge, wie sie die gewaschene Wäsche trocken bekommen. Wir entdecken einen Trockner auf dem Campingplatz und für den Rest, der dort nicht hinein soll, habe ich eine Lösung, indem ich an die seitliche Kederschine der WoKa Kederstopper anschraube und daran eine Wäscheleine zur angrenzenden Böschung spanne. Zwar gibt es Bedenken wegen des nahenden Niederschlages (laut Wetter-App), aber der frische Wind trocknet das Meiste schnell.

EU-LE als Wäscheständer
Heute gibt es Backfisch, aber leider geht uns das Gas der isländischen Gasflasche aus. Aber das ist kein Problem, denn ca. 100m Luftlinie von unserem Standort ist einen Olis Tankstelle, die die richtigen Flaschen führt und es gelingt mir die letzte vorrätige zu ergattern. Inzwischen hat Rabea schon den Fisch mit dem „deutschen“ Gas fertig gebraten.Wir beschließen den Abend mit Abspülen, Wäschefalten und Kniffeln und gehen heute zeitig ins Bett.
**Freitag, 08.07.2022:**
Heute ging es früh raus (06:15 Uhr), denn wir müssen spätestens um 08:15 Uhr abmarschbereit (im wörtlichen Sinne) sein, denn wir wollen mit der Fähre nach Grímsey. Das ist die nördlichste, besiedelte Insel Islands und dort kreuzt der Polarkreis (Arctic Circle) das Eiland. Aber unser zweites Motiv ist ein Besuch bei einer Freundin von Rabea, Áslaug, die auch in Hvanneyri in einem parallelen Studiengang zu Rabea studiert.
Die Überfahrt dauert 3 Stunden! Als wir in Dalvík starten ist es kühl (deutlich einstellig), bedeckt und es fallen einzelne Regentropfen. Auf dem Fjord und später auf dem Meer kommt noch Wind dazu, sodass wir schon merklichen Seegang haben, der uns allen aber nichts ausmacht (schließlich haben wir durch die Fähre nach Island schon „Übung“). Einige Mitfahrer wollen Delfine und sogar Wale gesehen haben. Ich habe nur Tropfen von der aufspritzenden Gischt auf meinem Fenster gesehen?! Dafür läuft ein schon etwas älterer Film über Grímsey, in den auch die Einweisung über den Notalarm und das Anlegen der Rettungswesten eingeschmuggelt ist, in Dauerschleife (etwa 6 mal während der ganzen Fahrt und er endet jedes mal mit einer isländischen Version von „Guten Abend, gute Nacht“ !).Schließlich kommen wir gegen 12:15 Uhr im Hafen von Grímsey bei strahlendem Sonnenschein an.
Hier werden wir schon von Áslaug erwartet. Als erstes bringt sie uns zum Haus ihrer Eltern, wo ihre Mutter schon ein herrliches Mittagessen für uns vorbereitet hat: Spargelcremesuppe, panierten und gebratenen (vom Vater selbst gefischten) Fisch mit Kartoffeln, Sauce Hollandaise, Salat und süßem Brot (Rúgbrauth). Während wir zum Abschluss Kaffee trinken, können wir auf dem Meer ein Kreuzfahrtschiff der kleineren Art kommen sehen, und es heißt sich nun zu sputen. Der Grund ist, dass Áslaug mit uns eine Führung über die Insel machen und sie uns vor den Leuten vom Kreuzfahrtschiff die Papageientaucher zeigen will, bevor diese von den anderen Touris „vertrieben“ werden. Áslaug macht diese Führungen im übrigen als Sommerferienjob und ist deshalb auch gut im Thema.
Beim Flughafen überqueren wir den 66. Breitengrad in Richtung Norden und sind damit im Arctic Circle.

Wir im Arctic Circle
Als nächstes halten wir bei einer Klippe, in der hunderte Papageientaucher nisten und es ist wirklich unterhaltsam den Vögeln bei ihren Flugmanövern zuzusehen, wie sie den Wind zum segeln nutzen. Mit Erstaunen hören wir, dass die Einheimischen diese possierlichen Vögel mit großem Genuss verspeisen, aber es gibt hier genug davon.

Papageientaucher
Als nächstes wandern wir zu dem magnetischen Nordpol der Erde (anhand des Mondes gemessenen), der sehr stark wandert und derzeit auf Grímsey liegt. Berechnungen sagen, dass er im Jahre 2048 die Insel verlassen wird. Die Landmarke hierfür ist eine 8t schwere Betonkugel mit einem Messingrohr im Zentrum, durch das eine Stange geführt werden kann, sodass die Kugel per Traktor weiterbewegt werden kann. Die Wanderung dorthin führt über einen ca. 100 m hohen Hügel, was schon fast der Spitzenwert für diese Insel ist (der höchste Punkt überm Meeresspiegel ist 105m). Auf unserer Wanderung haben wir außerdem die Landmarkierungen an den Klippen gesehen, deren Abschnitte den 10-15 ältesten Häusern der Inselbewohner zugeordnet sind. Damit ist auch das Recht verbunden die Eier der Vögel, die in diesem Klippenabschnitt brüten, in den ersten drei Wochen des Frühlings zu sammeln. Die Eier waren vor allem früher eine wichtige Lebensmittelquelle für die Inselbewohner und werden noch immer von Vielen mit Genuss verspeist und auch an Familienmitglieder verschenkt.

Wir mit Mahnmal für den magnetischen Nordpol
Aber auch der Süden der Insel hat noch etwas zu bieten, nämlich neben weiteren Vogelklippen auch einen sehr hübschen Leuchtturm.

Wir vor dem Leuchtturm
Wir beschließen unsere Inseltour in einem Cafe bei Waffeln mit Rhabarbermarmelade oder Schokosoße mit Sahne. Hier erwartet uns noch eine andere Überraschung, denn wir finden tatsächlich einen Pin (wir haben schon seit Reykjavik keine Pins mehr gesehen und schon gar nicht solche, die etwas mit dem momentanen Aufenthaltsort zu tun haben). So verlassen wir um 17:00 Uhr die Insel. Wieder mit der gleichen Fähre, die inzwischen fangfrischen Fisch fürs Festland und ein paar PKWs geladen hat. Auf der Rückfahrt sehen auch Evi und Rabea einige Wale und Delfine und mir gelingt es das Bild einer Walfontäne zu machen. Als wir wieder in Dalvík sind, machen wir noch einen kleinen Rundgang mit Picknick durch den Ort und sind erstaunt, wie gepflegt hier die Häuser sind – das haben wir schon anders gesehen. So klingt eine super Tag aus.
**Samstag, 09.07.2022:**
Nachdem gestrigen Tag wollen wir heute erst mal ausschlafen, so dass wir erst gegen 10:15 Uhr den Kopf vor die Tür strecken. Das Wetter ist gut und die meisten anderen Camper sind schon wieder verschwunden, was unsere Hoffnung nährt, keinen Stau im Sanitätscontainer zu haben – bei mir klappt es, leider bei Rabe nicht. Wir frühstücken gemütlich und packen zusammen. Leider will der Hilux nicht anspringen! Ich bin insofern vorbereitet, dass ich ein Powerpack für einen Fremdstart dabei habe. Der Fremdstart klappt sofort und wir gehen davon aus, dass eine der Innenbeleuchtungen über Nacht die Batterie leergezogen hat, denn bei der nächtlichen Helligkeit, kann man leicht eine noch brennende Innenbeleuchtung übersehen. Ansonsten läuft der Wagen gut.
Nun geht es zunächst bis Akureyri, um unserer frischen Vorräte im Bonus (einer der günstigsten Lebensmittelläden) zu ergänzen und dann zu einer Mall, wo Rabea sich ihre Brille richten lassen will. Netterweise ist dieser Service tatsächlich kostenfrei! Wir lassen das Auto auf dem Parkplatz der Mall stehen und gehen zu Fuß in die Innenstadt, die wir schon von unserem Winterbesuch 2019/2020 kennen.

Evi & Robert vor der „Fußgängerzone“
Aber diesmal mit Sommeroptik, wodurch ein paar Ziele, die bergauf liegen jetzt für uns erreichbar sind, wie z.B. die große Kirche oder der Botanische Garten. Die Kirche ist leider wegen einer Hochzeit geschlossen. Dafür empfängt uns der Botanische Garten mit großer Blütenpracht und einer schönen Anlage. In seinem Zentrum ist ein „Bitsro“, das von den Isländern heute stark frequentiert ist. Auf dem Rückweg sehen wir in einem Vorgarten eine alte Dame stricken und gleichzeitig hängen an zwei Kleiderständern ihre selbstgestrickten Pullover und Strickjacken zum Verkauf feil geboten. Rabea „fachsimpelt“ ein wenig mit der alten Dame und erfährt, dass der ebenfalls angebotene Silberschmuck von ihrer Schwester und ihrem Bruder hergestellt wurde. Nach ein paar netten Worten machen wir uns auf den Rückweg zum Auto.
Bevor wir losfahren gönnen wir uns noch ein Eis bzw. einen Hotdog als kleine Zwischenmahlzeit. Wir wollen jetzt nach Grenvík, weil Rabea dort eine Studienkollegin treffen will, die den gleichen Jahrgang wie sie besucht und auch deutschstämmig ist. Und wieder streikt der Hilux und es ist Samstagnachmittag 17:00 Uhr! Wir beschließen, trotzdem weiter zu fahren, auf dem dortigen Campingplatz bis Montagmorgen zu stehen, dann zum Toyota-Händler nach Akureyri zurückzufahren und das Malheur abklären zu lassen. Da ich keine Fehleranzeige des Autos sehe bin ich optimistisch, dass sich die Batterie wieder auflädt, aber diese Hoffnung wird enttäuscht.
Wir kommen schließlich auf dem Campingplatz an, wo auch schon einige Deutsche stehen. Auch Rabeas Freundin Hanna kommt bald vom benachbarten Schwimmbad zu uns, wo sie am Samstag arbeitet, weil dann ein Großteil der Stammbesetzung mit Fußball beschäftigt ist. Rabea überreicht ihr die besorgten Mappen für die Pflanzensammlung und wir unterhalten uns ein wenig (meist über die Umgebung und der Frage was wir hier zwei Tage ohne Auto unternehmen können). Schließlich fährt Rabea mit Hanna zu deren Zuhause, um mit ihr noch einen Ausritt zu machen. So ergibt es sich, das wir heute Abend mal nur zu zweit sind. Evi nutzt die Gelegenheit zu einem ausführlichen Duschen, während ich die herrliche Aussicht und die doch recht intensive Sonne genieße.

Blick auf den Fjord bei Grenvík
**Sonntag, 10.07.2022:**
Heute morgen haben wir etwas länger geschlafen, um einen Stau vor der einzigen Dusche zu vermeiden. Zwar ist die Dusche frei als ich komme, aber sie gleicht eher einem Pool, denn der zentrale Abfluss scheint kein Wasser mehr aufnehmen zu wollen. Aber davon lassen weder Rabea, die schon vor der Dusche wartete, als ich wieder heraus kam, noch ich uns abschrecken, also Schuhe vor der Tür stehen lassen und hinein. Ich entledige mich mit einiger Akrobatik meiner Jeans, ohne sie nass werden zu lassen, der Rest ist einfach.Das Wetter ist ziemlich windig und etwas bedeckt, aber noch trocken. Wir melden uns beim benachbarten Schwimmbad für den Campingplatz an und entrichten unsere Nutzungsgebühr. Dabei passiert es wieder, dass der junge Mann eine eklatante Rechenschwäche zeigt und uns glatt einen ganzen Tag „schenkt“. Offensichtlich ist die Kombination junge, nicht isländische Frau, die (fast) perfekt isländisch spricht, mit altem dicken Mann, der im Hintergrund mit der jungen Frau tuschelt, so verwirrend, dass dies nun schon der zweite ist, dem dann die Zahlen durcheinander geraten.
Es stellt sich nun die Frage, was wir an diesen Tag „Zwangspause“ unternehmen wollen. Doch Rabea hat schon vorgesorgt und mit Hanna abgesprochen, dass sie uns gegen Mittag mit dem Auto abholt und mit uns zu dem Freilichtmuseum Laufás fährt. Hier gibt es auch eine Wohnanlage in Torf-Bauweise zu besichtigen und es gibt ein nettes Café. Trotz der Parallele zu Glaumbaer gibt es doch beobachtbare Unterschiede, denn dies war der Hof einen Pfarrers, an den die umliegenden Bauern einen gewissen Obolus abzuführen hatten, und der das auch für die Ausstattung seines Hofes verwendet hat. So sind z.B. mehrere Räume mit einem Holzboden und besserer Vertäfelung versehen. Die Betreiber des Museums haben außerdem mehr Ausstellungsstücke (auch neueren Datums) aus der Umgebung gesammelt und der Ausstellung hinzugefügt. Auf diese Weise war es durchaus interessant, zumal zu dem einen oder anderen Aspekt Hanna noch aktuelle Informationen hinzufügte.

Laufas Freilichtmuseum
Der Eintrittspreis: mit 2000 ISK war er höher als in Glaumbaer, aber dafür können wir mit dieser Eintrittskarte weitere 4 Museen in Akureyri besuchen, da dieser Museenverbund in 2022 60-jähriges Bestehen feiert. Dann gab es noch den üblichen Studentenrabatt, der für die beiden Mädels galt. Der Clou war aber der Rabatt für die „KEA-Card“, eine Art Kundenkarte für den großen Lebensmittelladen in der Mall, die wir gestern besucht hatten, die Hanna uns zur Verfügung stellte. Dieser Rabatt war sogar noch höher als der Studentenrabatt!
Nach dem Rundgang gönnen wir uns noch einen Rhabarberkuchen (im Marmeladenglas mit Sahne darauf) bzw. einen Pfannkuchen mit Rhabarbermarmelade und Sahne. Den Kaffee gibt es, wie in isländischen Cafés üblich, gratis dazu. Im Anschluss an die Kaffeepause fahren wir zurück zum Campingplatz in Grenivík und starten von hier einen Rundgang durch den Ort. Ein kleines Örtchen das nur wenige touristische Highlights zu bieten hat, obwohl am alten Anlegesteg ein kostenfreies „Heimatmuseum“ ist, allerdings nur mit Erklärungen isländischer Sprache.

Fischereimuseum Grenivík
Andererseits herrscht hier Arbeitskräftemangel, denn am neuen Hafen befindet sich eine Fischfabrik für tiefgefrorenen Fisch und Stockfisch, die sogar noch expandiert. Gegen 15:00 Uhr sind wir wieder bei der EU-LE und wir machen es uns in ihr gemütlich, soweit wie das zu viert möglich ist, und spielen bis ca. 19:30 Uhr (Kniffel, Scrabble und verschiedene Kartenspiele). Beim Scrabble in deutscher Sprache schlägt sich Hanna erstaunlich gut.Wir laden sie ein noch zum Abendessen zu bleiben (Tortellini mit Tomatensoße mit Würstchen) und spielen danach noch eine Runde Mau-Mau. Gegen 21:00 Uhr verabschiedet sich Hanna, die morgen früh zur Arbeit nach Akureyri muss, wo sie an der Rezeption eines Hotels arbeitet.Leider hat sich das Wetter eingetrübt und es hat in der Zwischenzeit ausgiebig geregnet. Dem hat sich meine Laune angepasst, da ich mir Sorgen um den Hilux und eine mögliche Behebung des Schadens mache. Ich versuche mich mit einer isländischen Redensart zu trösten (frei übersetzt): **Es wird schon werden - Þetta reddast!**
**Montag, 11.07.2022:**
Es hat in der Nacht heftig geregnet und daher ist es entsprechend kühl als wir gegen 07:00 Uhr aufstehen. Eigentlich ist heute unser Silber-Hochzeitstag, aber wegen der Geschichte mit dem Hilux bin ich ziemlich angespannt. Doch Evi verkündet, dass wir heute Abend zur Feier unseres Hochzeitstages lecker essen gehen!
Gegen 10:30 Uhr sind wir in Akureyri beim Toyota-Händler. In der Reparaturannahme sitzen schon 3 ältere Herren und warten auf den Angestellten zur Annahme von Reparaturen. Ich komme mir vor wie beim Onkel Doktor. Als wir (Rabea und ich) an der Reihe sind, erklärt Rabea unser Problem mit dem Hilux auf isländisch, aber der Toyota-Mitarbeiter scheint uns misszuverstehen, denn er faselt etwas von einem defekten Starter. Dabei hätte ich mir zunächst nur zwei Dinge gewünscht; dass erstens jemand die Batterie testet und zweitens den Ladestrom von der Lichtmaschine misst. Stattdessen erklärt uns der Typ, das er keine Zeit habe und verweist uns auf einen Autoteileverkauf in der Innenstadt. Ich bin ziemlich angepisst und überlege ernsthaft eine Beschwerde an Toyota-Europe zu schicken! Den Autoteilehändler in der Stadt zu erreichen ist aufgrund einer Baustelle nicht so einfach, aber nach einigem Kurven finden wir ihn. Nachdem wir unser Problem erneut geschildert haben, fordert mich der stark tätowierte Automechaniker auf, in die Werkstatt neben dem Laden zu fahren. Wir müssen noch einen VW-Bully vertreiben um das zu tun und erfreulicherweise passt auch die Höhe des Garagentors, um die EU-LE unbeschadet einzulassen. Dann tut der Mechaniker ohne Umschweife genau das, was ich mir vorher von den Toyota-Leuten gewünscht hätte. So steht nach drei Minuten fest, die Batterie ist kaputt und die Lichtmaschine arbeitet korrekt! Also ersetzt er die alte Batterie durch eine neue von Varta (!) und nach 20 Minuten verlassen wir den Laden und fühlen uns wieder voll mobil! Auf dem Weg nach Akureyri kamen uns 10 (!) große Touristenbusse von der gleichen Firma entgegen, wobei kurz darauf klar wird warum. Im Hafen der Stadt liegen zwei riesige Kreuzfahrtschiffe vom Kaliber einer „Aida“.
Da wir schon mal in Akureyri sind, besuchen wir das Minjasafnið Akureyri (frei übersetzt „Heimatmuseum“), denn wir hatten ja gestern eine Kombi-Eintrittskarte dafür erstanden. Wir sehen viel Bekanntes, aber auch Neues. So zum Beispiel hat es hier eine Menge Aktivitäten in Richtung Musikgeschäft bis hin zu einem eigenen Plattenlabel (eingestellt 1984) gegeben. Außerdem gibt es eine Abteilung über den Baustil der Häuser in verschiedenen Epochen, was so manches sehr extravagant erscheinende Haus erklärt. Auch lernen wir etwas über einen Brauch, dass Kinder als Erwachsene verkleidet durch die Stadt ziehen und singen, um Süßigkeiten oder andere kleine Gaben zu ergattern.

Evi & Robert als “verkleidete!“ Kinder an Aschermittwoch
Nach dem Museumsbesuch verlassen wir die Stadt und es geht über die Berge in Richtung Mývatn („Mückensee“), der unser heutiges Tagesziel ist. Wir folgen dabei zunächst der 1 und wechseln dann auf die 848 (ohne es zu merken, denn es geht einfach geradeaus!). An der 1 biegen wir zu unserem zweiten wirklich großen Wasserfall ab, dem Godafoss (Gottes Wasserfall). Den hatten wir auch schon im Winter gesehen, aber heute war der Spray des Wasserfalls besser zu beobachten und noch mehr Details sichtbar. Auf dem Parkplatz machen wir Kaffeepause und beobachten, wie die Busse voller Touristen von den Kreuzfahrtschiffen hierher gekarrt werden.

Goða-Foss mit Robert & Evi
Am Mývatn treffen wir auf ein recht großes Visitorcenter, in dem die Entstehung der Vulkanformationen und der Seen erklärt wird. An der Straße gegenüber liegt ein Hotel wohin wir heute Abend essen gehen wollen. Die Straße führt durch ein wildes Lavafeld, für das Mývatn bekannt ist. Wir halten auf einem Parkplatz an, von dem ein kleiner Rundweg an ein paar skurrilen Formationen vorbei führt, unter anderem dem „Finger Gottes“!

Finger Gottes am Myvatn
Bevor wir essen gehen wollen wir uns einen Platz auf einem Campingplatz sichern und heute soll es endlich mal mit der Island Campingcard klappen. Wir entdecken drei Plätze unmittelbar am Myvatn, aber keiner akzeptiert die Campingcard, obwohl mindestens einer laut Website der Campingcard dies tun sollte, aber der hat keine Stellplätze, sondern nur Ferienhäuser! – typisch isländische Ungenauigkeit. Dazu kommt, dass die vorhanden Plätze alle horrende Preise haben (pro Person und Nacht 2000 ISK statt sonst 1500 ISK). Trotzdem entscheiden wir uns für den Platz Bjarg in Reykjalið, denn der ist super gut ausgestattet und organisiert (es gibt endlich mal markierte Stellplätze)! Rabea will ihr Zelt hinter der EU-LE aufstellen, aber das geht erst als der alte Herr mit dem Aufsitzmäher die 20 qm minutiös abgemäht hat. Wir nehmen ihn noch ein bisschen auf die Schippe, indem wir ihn über den grünen Klee loben, aber wir haben trotzdem einen netten Plausch. Nachdem Rabeas Zelt steht, fahren wir zum oben erwähnten Hotel und gönnen uns ein opulentes Abendessen:Evi hat Lachsforelle, Rabea Lammkoteletts und ich Bier-Burger. Zum Abschluss gibt es noch eine Creme brullet für Rabea.
Leider hat es inzwischen wieder angefangen zu regnen. Wir sind ziemlich erstaunt, wie stark sich inzwischen der Platz gefüllt hat, und froh, dass wir schon eingecheckt hatten. Der Regen nimmt zu und ist ausdauernd, sodass wir bald zu Bett gehen.
**Dienstag, 12.07.2022:**
Heute lassen wir es wirklich langsam angehen und stehen erst um 11:00 Uhr auf. Fast die ganze Nacht hat es mehr oder weniger geregnet und gegen morgen kommt auch noch Wind hinzu. Draußen sind es 6°Celsius und bei dem Wind fühlt sich das echt viel kälter an.
Trotzdem raffen wir uns auf und fahren los zu einem Waldspaziergang in Höfthi. Das ist hier auf Island schon etwas Besonderes, denn von dem ursprünglichen Baumbestand (80% der Insel war mit Wald bedeckt) ist aufgrund der Besiedlung nur wenig übrig geblieben. Es laufen derzeit Wiederaufforstungsprogamme mit dem Ziel, 30% der Insel wieder mit Wald zu bedecken, aber es erscheint fraglich, ob dies erreichbar ist. So schilderte uns Hanna, dass eine solche Schonung, quasi wieder eingegangen ist, weil man zwar die Setzlinge pflanzte, sie aber dann sich selbst überließ und das hohe und kräftige Gras der Weiden die Setzlinge erstickte! Aus dem Wald heraus sehen wir eine Reiche interessanter Felsformationen und wir finden sogar Pilze (laut Internetforen: Steinpilze, deren Kappe jedoch heller als bei uns sind).
Danach fahren wir zu einem weiteren Lava-Gebiet, Dimmuborgier. Da wir es schon aus dem Winter kennen und auch im Sommer die Julelads (die Weihnachtswichtel), die dort überwintern, da jetzt kein Lager haben, nutzen wir nur die Sanitäreinrichtung und fahren wieder.
Nächster Halt ist der Hverfjall, der größte Aschekrater dieses Gebietes, auf dessen Rand sogar ein Rundweg ist. Wegen der Witterung ersparen wir uns den Weg hinauf und wandern stattdessen durch das Lavafeld zur ca. 2 km entfernten „Liebeshöhle“ (Grjófaglá). Da der Regen fast aufgehört hat, ist die Wanderung recht angenehm und nur am Ende kurz vor der Höhle müssen wir über ein paar Lavablöcke steigen. Das besondere an dieser Höhle ist, dass in ihr ein natürlicher See mit heißem Wasser ist. Die Temperatur war früher niedriger (deshalb ein beliebter Badeort), aber nach einem Erdbeben hat sich die Temperatur auf bis zu 46°C erhöht! Außerdem ist hier auch wieder der Riss zwischen den Kontinentalplatten deutlich sichtbar. Auf unserem Weg zur Höhle entdecken wir eine Reihe von den oben erwähnten „Steinpilzen“, aber wir lassen sie stehen. Hinzu kommt noch die Begegnung mit Vögeln, die Rabea als Lóa bezeichnet, die zwar fliegen können, aber meist nur parallel zu uns über das Moos hüpfen und dabei einen Pfeifton abgeben.

See in der Liebeshöhle
Als wir wieder zurück bei der EU-LE sind, machen wir erstmal Kaffeezeit. Es beginnt wieder zu regnen und der Wind pfeift um die WoKa, sodass wir glücklich im Trockenen und Warmen sitzen! Die Kinder hatten Evi zu Ostern einen Gutschein für den Eintritt in das große, mit heißem Wasser aus einer natürlichen Quelle gefüllte, Schwimmbad geschenkt. Evi und Rabea planen diesen Gutschein heute einzulösen. Also fahren wir zu dem Bad, dass etwas außerhalb von Reykjalith liegt. Aber als wir dort gegen 18:30Uhr ankommen ist es sehr gefüllt und Rabea und Evi entscheiden sich dafür den Besuch des Bades auf einen anderen Tag zu verschieben. Auf diese Weise kommen wir früh zurück zur Eu-LE und beschließen den Abend mit Spielen und „Naschen“, denn so richtig hat keiner von uns Lust zum Kochen.
**Mittwoch, 13.07.2022:**
Der Wecker klingelt früh um 07:00 Uhr und das Wetter ist kühl und bedeckt. Wir müssen um 11:30 Uhr in Husavík sein, denn wir haben für heute “Whale Watching“ gebucht! Dazu müssen wir ca. 55 km über die Hochebene zwischen Mývatn und Husavík. Die Straße ist dort oben sehr gepflegt und wie eine Achterbahn, denn es geht ständig bergauf und bergab. Es macht mir Spaß, diese Strecke zu fahren und nach nicht ganz einer Stunden sind wir auch schon da.
Als wir uns beim Empfang des Whale-Watching-Unternehmens melden, werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die von uns gebuchte Fahrt nicht stattfindet! (es sollte eine Fahrt mit einem Elektro-Segelboot sein). Immerhin werden wir auf eine andere Tour mit einem klassischen Boot umgebucht, die jedoch erst um 14:00 Uhr startet. Also müssen wir uns noch die Zeit bis dahin vertreiben. Wir klappern ein paar Läden ab und Rabea ersteht einen sehr schönen Skipulli. Gegen Mittag gönnen wir uns in der EU-LE einen Snack, bevor es dann zum Schiffsanleger geht.
Auf dem Boot wird jedem Gast angeboten, einen wärmenden Overall anzuziehen, denn außerhalb des Hafens sei der Wind stärker und die See rauer. Ich greife auf meine bewährte Softshelljacke und einen „Ostfriesennerz“ zurück, während Evi und Rabea sich in jeweils einen Overall zwängen, die unterschiedlich gut passen. Wir ergattern einen Platz auf der oberen Aussichtsplattform. Tatsächlich ist der Seegang des Bootes beträchtlich. Nach ca. 40 Minuten verlangsamt sich die Fahrt und das Warten auf den ersten Wal beginnt. Im Nachhinein komme ich mir vor wie Kapitän Ahab, der dem Wal nachstellt, nur dass wir es mit einem größeren Boot und der Fotokamera tun. Tatsächlich tut sich etwas und wir sichten insgesamt 3 Wale ( Rabea schwärmte uns von viel mehr vor, allerdings bei Reykjavik). Während wir so auf das Auftauchen der Wale warten, schwankt das Boot teils heftig und ich hoffe inbrünstig, dass der Kapitän die Möglichkeiten seines Bootes kennt. Kurz vor Ende der Ausfahrt kommt es noch zu einer sehr guten Begegnung und entsprechenden Schnappschüssen. Bei der Rückfahrt gibt es für jeden eine Tasse Kakao mit einer Zimtschnecke.

Der Wal bläst

Fluke eines Wals
Wieder an Land füllen wir unsere Vorräte auf und suchen dann nach einem Campingplatz. Der in Husavík bietet sich zwar an, aber er sagt uns wegen der Sanitäranlagen nicht zu. Rabea findet per Google Maps einen weiteren in 22 km Entfernung, zu dem wir auch fahren. Ein offener Wiesenplatz direkt am Mehr, der zwar teilweise durch die Regenfälle der letzten Tage zu sehr aufgeweicht ist, aber nicht überfüllt und mit guten Sanitäreinrichtungen und Küche versehen ist – alles Eigenbau des Besitzer, aber mit Verstand angelegt. Außerdem plaudert er fast 10 Minuten mit uns, als er feststellt das Rabea Isländisch spricht und ich habe sogar den Eindruck, dass er etwas mit ihr „schäkert“. Und mit dem Kommentar, dass Rabea so gut Isländisch spreche, gibt er uns sogar einen Rabatt! Zum Abendessen gibt es dann Fischbällchen mit Reis, Soße, Gurke und Paprika. Natürlich darf ein Spielchen zum Abschluss nicht fehlen.
Hier geht es zu Teil2 des Tagebuchs:
https://hackmd.io/@RSkrippek/Hk6cvV435