# Nutzwertanalyse Vorteilhaftigkeitsentscheidungen bei mehreren Zielgrößen ## Grundlagen Die Nutzwertanalyse bezeichnet die Untersuchung einer umfangreichen Gruppe von komplexen Handlungsoptionen. Ihr Ziel besteht darin, die Elemente dieser Gruppe auf Grundlage der Präferenzen des Entscheidungsträgers hinsichtlich eines multidimensionalen Zielsystems zu ordnen. (Vgl. Quelle: Zangemeister 1976, Seite 45) Mehrere Ziele, zahlreiche Investitionsalternativen, die sich in der Erfüllung einzelner Ziele voneinander unterscheiden. Allgemeines Vorgehen: * Die Erfüllung der einzelnen Ziele durch die verschiedenen Alternativen wird gemessen, wobei Teilnutzenwerte ermittelt werden. * Die Teilnutzenwerte werden entsprechend den Präferenzen des Entscheidungsträgers gewichtet. * Die gewichteten Teilnutzenwerte werden für jede einzelne Alternative zusammengefasst, um den Gesamtnutzen zu ermitteln. * Die Nutzwerte werden miteinander verglichen, um eine Rangfolge oder Bewertung der Alternativen zu erstellen. Verfahrensschritte der Nutzwertanalyse: 1. Bestimmung der Zielkriterien 2. Gewichtung der Zielkriterien 3. Bestimmung der Teilnutzen 4. Ermittlung der Nutzwerte 5. Beurteilung der Vorteilhaftigkeit ## 1 Bestimmung der Zielkriterien * Diese Kriterien müssen in operationaler Formulierung vorliegen, wobei für jedes Kriterium eine klare Messskala festgelegt ist. Die Messung der Zielerreichung kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen, sei es nominal, ordinal oder kardinal. * Es sollte vermieden werden, Zielkriterien mehrfach zu erfassen, da dies dazu führen kann, dass dieselbe Eigenschaft durch mehrere Kriterien erfasst wird. * Das Prinzip der Nutzenunabhängigkeit besagt, dass ein Kriterium als nutzenunabhängig betrachtet wird, wenn seine Erfüllung nicht von der Erfüllung eines anderen Zielkriteriums abhängt. Andernfalls sollten diese Kriterien zusammengefasst und gemeinsam hinsichtlich ihres Nutzens bewertet werden. * In komplexen Problemen kann es sinnvoll sein, die Zielkriterien aufzuspalten und eine mehrstufige Zielhierarchie zu erstellen. Mit abnehmender Hierarchieebene erfolgt eine Konkretisierung der Ziele und eine bessere Operationalisierung der Kriterien. ## 2 Geschichtung der Zielkriterien Verschiedene Skalierungsmethoden: Direkte Intervallskalierung: Bei dieser Methode werden den Zielkriterien Werte aus einer Intervallskala zugeordnet. Diese Werte werden so gewählt, dass die Abstände zwischen ihnen die Präferenzunterschiede des Entscheidungsträgers widerspiegeln. Indirekte Intervallskalierung: Hierbei wird eine Rangfolge der Zielkriterien erstellt, wobei jedes Kriterium eine Rangziffer erhält. Das wichtigste Kriterium wird den Wert K (K = Anzahl der Kriterien) zugewiesen, während das unwichtigste den Wert 1 erhält. Anschließend erfolgt die Transformation dieser Rangziffern in Gewichte. Normierung der Gewichte: In dieser Phase werden die Gewichte normiert, um sicherzustellen, dass sie in einer geeigneten Skala vorliegen. Dies kann bedeuten, dass die Gewichte so angepasst werden, dass ihre Summe entweder 1 oder 100 ergibt, abhängig von den Anforderungen und Konventionen der Analyse. ## 3 Bestimmung der Teilnutzen Erster Schritt: Feststellung der Merkmale der einzelnen Alternativen in Bezug auf die verschiedenen Zielkriterien, wobei Nominal-, Ordinal- oder Kardinalskalen zur Hilfe genommen werden. Zweiter Schritt: Umwandlung der gemessenen Zielerfüllungswerte in einen Teilnutzenwert, der auf subjektiver Einschätzung basiert. Letzter Schritt: Dieser beinhaltet die Messung mit einer Teilnutzenskala, die kardinal ist und für alle Kriterien einheitlich angewandt werden sollte. ## 4 Ermittlung der Nutzwerte Wichtige Formeln: * ![](https://github.com/OERit/BWL-Investition-und-Finanzierung/raw/main/formeln/03_02_Nutzwertanalyse/03_02_01_Nutzwertermittlung.svg) ## 5 Beurteilung der Vorteilhaftigkeit Ist der Nutzwert eines Investitionsobjekts größer als der festgelegte Grenzwert, spricht man von einer absoluten Vorteilhaftigkeit. Ist der Nutzwert eines Investitionsobjektes größer als bei anderen Investitionsobjektalternativen, spricht man von einer relativen Vorteilhaftigkeit. **->Eine Übungsaufgabe inklusive einer interaktiven H5P Version befindet sich im Bereich der Nutzwertanalyse zur Investition und Finanzierung.** * ![](https://)Link zum Bild: 1 Investitionsrechnung - 03 Nutzwertanalyse - beispielaufgabe teil 1.svg * ![](https://)Link zum Bild: 1 Investitionsrechnung - 03 Nutzwertanalyse - beispielaufgabe teil 2.svg Bedeutung: Die Nutzwertanalyse ist besonders nützlich, wenn es viele unterschiedliche Kriterien und Ziele gibt, die berücksichtigt werden müssen, und wenn subjektive Wertungen und Präferenzen eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglicht eine strukturierte und transparente Bewertung von Investitionsalternativen und trägt dazu bei, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die den Bedürfnissen und Zielen des Unternehmens oder des Entscheidungsträgers am besten entspricht.