# Investition und Finanzierung ## Optimales Finanzvolumen ###### tags: `InFi` ## Bestimmung des optimalen Finanzvolumen Fragestellung: Angesichts der bereits vorhandenen Eigenkapitalausstattung ergibt sich die Frage, in welchem Umfang zusätzliche Fremdmittel aufgenommen werden sollten, um das Ziel der Gewinnmaximierung zu realisieren. Ansätze zur Untersuchung dieser Fragestellung: * Leverage-Effekt * Kapitalbudget Zentrale Begriffserklärungen: * Rentabilität: Die Rentabilität bezieht sich auf das Verhältnis zwischen dem erzielten Gewinn und dem eingesetzten Kapital. * Kapitalstruktur (auch als Verschuldungsgrad bezeichnet): Die Kapitalstruktur beschreibt das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital im Unternehmen. ## Der Leverage Effekt Der Leverage-Effekt bezieht sich auf die Möglichkeit, die Eigenkapitalrentabilität (RE) zu steigern, indem Eigenkapital durch Fremdkapital ersetzt wird, vorausgesetzt, die Gesamtkapitalrentabilität (r) ist höher als der Fremdkapitalzinssatz (if). Bei konstantem Eigenkapital kann die Rentabilität des Eigenkapitals durch Investitionen, die mit zusätzlichem Fremdkapital finanziert werden, gesteigert werden, sofern die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzinssatz. Prämissen: * Der Gesamtkapitalbedarf ist bereits festgelegt. * Es bestehen Möglichkeiten zur freien Substitution von Eigenkapital durch Fremdkapital. * Der Bruttogewinn und somit die Rendite aus der Investition des Gesamtkapitals sind bekannt. * Der Fremdkapitalzinssatz bleibt konstant und ist unabhängig vom Verschuldungsgrad. * Alle Erwartungen sind sicher. ![](https://github.com/OERit/BWL-Investition-und-Finanzierung/raw/main/img/06_02_Leverage_Effekt/06_02_01_Leverage_Effekt_Eigenkapitalrentabilitaet_in_Abhaengigkeit_von_der_Kapitalstruktur.svg) **->Eine Übungsaufgabe inklusive einer interaktiven H5P Version befindet sich im Bereich des optimalen Finanzvolumens zur Investition und Finanzierung.** ``` Siehe auch: Video zum Leverage-Effekt. ``` Der Leverage-Effekt ist ein Konzept, das in der Finanzwirtschaft häufig diskutiert wird, um die Auswirkungen der Verschuldung auf die Rendite eines Unternehmens zu erklären. Dieser Effekt wird jedoch auch oft kritisiert, insbesondere aufgrund einiger praxisferner Annahmen, die seiner Berechnung zugrunde liegen. Eine der Hauptkritikpunkte betrifft die Annahme, dass der Fremdkapitalzinssatz unabhängig vom Verschuldungsgrad konstant bleibt. In der Realität ist es eher anzunehmen, dass der Fremdkapitalzinssatz mit zunehmendem Verschuldungsgrad steigt. Dies liegt daran, dass Gläubiger ein höheres Risiko eingehen, wenn ein Unternehmen stark verschuldet ist, und sie daher höhere Zinsen verlangen, um dieses Risiko auszugleichen. Dieser steigende Fremdkapitalzinssatz wird in den Berechnungen des Leverage-Effekts oft nicht berücksichtigt, was zu einer verzerrten Darstellung der potenziellen Rendite führen kann. Eine weitere kritische Annahme betrifft die Konstanz der Investitionsrendite (Gesamtkapitalrendite) unabhängig von der Höhe des eingesetzten Gesamtkapitals. In der Praxis ist jedoch anzunehmen, dass die Investitionsrendite ab einem bestimmten Punkt sinkt, wenn das eingesetzte Gesamtkapital weiter erhöht wird. Dies geschieht, weil steigende Produktionsmengen tendenziell nur zu niedrigeren Preisen verkauft werden können. Wenn die Nachfrage nicht mit der Kapazität des Unternehmens Schritt halten kann, können die Preise fallen und die Rendite auf das eingesetzte Kapital sinkt. Diese Annahme wird ebenfalls oft in den Leverage-Effekt-Berechnungen vernachlässigt, was zu einer überoptimistischen Einschätzung der Rendite führen kann. Insgesamt zeigt die Kritik am Leverage-Effekt, dass seine Anwendbarkeit in der realen Welt durch praxisferne Annahmen eingeschränkt sein kann. Investoren und Analysten sollten daher vorsichtig sein, wenn sie den Leverage-Effekt verwenden, um finanzielle Entscheidungen zu treffen, und die tatsächlichen Gegebenheiten eines Unternehmens sowie die Dynamik des Marktes immer sorgfältig berücksichtigen. ## Kapitalbudget Annahmen mit erhöhter Realitätsnähe: * Bei der Evaluierung von Investitionsalternativen mit unterschiedlichen Renditewerten erfolgt eine Priorisierung: Zunächst wird die Investition mit der höchsten Rendite umgesetzt, gefolgt von derjenigen mit der zweithöchsten Rendite und so weiter. * Die zur Verfügung stehenden Finanzmittel, einschließlich Fremdkapital, werden zu verschiedenen Konditionen angeboten. Diese werden in aufsteigender Reihenfolge der Zinssätze angeordnet, beginnend mit dem günstigsten Zinssatz und fortschreitend zum nächsthöheren. * Im Verlauf vermehrter fremdfinanzierter Investitionen kann das Unternehmen schließlich in eine Situation geraten, in der der Fremdkapitalzinssatz die Rendite der Investition übersteigt. Definition: Das Kapitalbudget ist eine Zusammenstellung von Investitions- und Finanzierungsoptionen. Hierbei werden die Investitionsmöglichkeiten nach abnehmenden Renditen geordnet, während die Finanzierungsmöglichkeiten nach steigenden Effektivbelastungen strukturiert sind. Vorgehensweise: 1. Aufstellung einer Liste aller für die Planungsperiode in Frage kommenden Investitionen 2. Ermittlung der Rendite aller Investitionsoptionen mit Hilfe der Methode des Internen Zinsfußes 3. Ordnung der Investitionsprojekte nach sinkenden Renditen --> Kapitalnachfragefunktion: gibt an, wie viel Kapital bei unterschiedlichen Kalkulationszinssätzen nachgefragt wird 4. Aufstellung einer Liste aller für die Planungsperiode in Frage kommenden Finanzierungsmöglichkeiten 5. Ermittlung der Effektivbelastung aller Finanzierungsmöglichkeiten 6. Ordnung der Finanzierungsmöglichkeiten nach steigenden Effektivbelastungen --> Kapitalangebotsfunktion: gibt an wie viel Fremdmittel ein Unternehmen erhält, wenn es bereit ist, einen bestimmten Effektivzins zu zahlen 7. Ermittlung des Schnittpunktes der Kapitalnachfrage- und der Kapitalangebotskurve àoptimales Investitions- und Finanzierungsvolumen