--- title: Grobkonzeption tags: Selbstermächtigung --- # Grobkonzeption: Selbstermächtigung von Lehrkräften zum Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität *Aufgeschrieben von Nele Hirsch (eBildungslabor), März 2021* ## *Kurz zusammengefasst: Um was geht es?* * Selbstermächtigung von Lehrkräften bei einfachen Problemstellungen im Bereich des digitalen Lehrens. * Entwicklung von Meta-Kompetenzen zum Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität * Umsetzung als offenes Lernangebot - zum einen in Form von Selbstlernmaterialien und zum anderen als betreuter Online-Kurs ## 1. Hintergrund Die kanadische Initiative Ontario Extend definiert 6 Rollen, die für Pädagog\*innen in einer Kultur der Digitalität relevant sind. Demnach sind Pädagog\*innen: ![](https://i.imgur.com/iY4CRlc.jpg) *Eigene Grafik | CC0 1.0* Während die erste Rolle des Lehrens selbstverständlich (und sicherlich auch weiterhin vorherrschend) ist, tun sich viele Lehrkräfte mit den weiteren Rollen schwer. Insbesondere ist häufig eine Hilflosigkeit bzw. Überforderung zu beobachten, wenn es darum geht, selbst nach Lösungen beim Lehren mit digitalen Tools zu suchen (= fehlende Rolle der entdeckenden bzw. der technologischen Person). Außerdem verstehen sich Lehrende überwiegend als Einzelkämpfer\*innen (fehlende Rolle der im Team spielenden Person). Mit dem Projekt 'Selbstermächtigung von Lehrkräften zum Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität' wird auf diese Situation reagiert. Mithilfe von Selbstlernmaterialien bzw. eines betreuten Online-Kurses werden Lehrkräfte dazu ermächtigt, auftretende neue Herausforderungen in ihrer pädagogischen Praxis zu bewältigen. Insbesondere geht es dabei um Hilfe zur Selbsthilfe bei technischen Bedien-Schwierigkeiten. Darüber hinaus werden weitere Meta-Kompetenzen entwickelt, die zum Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität hilfreich sind. ## 2. Fallbeispiele Die folgenden Fallbeispiele zeigen exemplarisch auf, in welcher Form Meta-Kompetenzen bei Lehrkräften häufig fehlen - und warum Selbstermächtigung für alle Beteiligten hilfreich wäre: * Lehrperson A erstellt ein Erklärvideo mit OBS Studio. Sie kann das erstellte Video allerdings nicht exportieren, weil sie nicht weiß, wo genau sich die Exportfunktion in der Software befindet. Deshalb ruft sie bei einer medienberatenden Person an, die aber nicht mit den Einzelheiten von OBS Studio vertraut ist. Sie kann deshalb nicht direkt eine Antwort geben. Über eine einfache Web-Recherche hätte Lehrperson A dagegen in wenigen Sekunden eine Antwort gefunden. * Lehrperson B hat an einer Fortbildung zu H5P teilgenommen. Das Tool fand sie für den Unterricht sehr spannend. Beim Erstellen der ersten Inhalte stößt sie allerdings auf Schwierigkeiten. Da sie nicht weiß, wen sie dazu fragen kann, beendet sie ihre Beschäftigung mit H5P. In einem Peer-to-Peer Lernkontext wäre es für Lehrperson B dagegen gut möglich gewesen, die Fragen zu klären und gemeinsam Einsatzszenarien für H5P zu entwickeln. * Lehrperson C stößt auf einen Fehler in der Lernplattform der Schule und schreibt eine Mail an die betreuende Stelle: 'Die Lernplattform funktioniert nicht.' Die Person, die die Mail empfängt kann mit solch einer unspezifischen Fehlermeldung allerdings zunächst gar nichts anfangen und die Lösungsfindung gestaltet sich sehr schwierig. Wenn Lehrperson C dagegen gemeldet hätte, was, wie und bei welchen Rahmenbedingungen nicht funktioniert, hätte der Fehler für sie und auch alle anderen potentiell betroffenen Personen schnell gelöst werden können. * Lehrperson D hat noch Zeit für eine Fortbildung übrig. Das große Angebot der Online-Kurse erschlägt sie allerdings. Deshalb wählt sie sich eher zufällig ein Angebot aus. In der abschließenden Evaluation schreibt sie 'Mir hat die Fortbildung nur wenig gebracht.' Wenn Lehrperson D dagegen zunächst für sich definiert hätte, was ihr Lernziel ist und sich darauf aufbauend gezielt eine für sie passende Fortbildung gewählt hätte, dann hätte sie die Fortbildungszeit effektiver nutzen können. * Lehrperson E beginnt eine neue Lerneinheit mit ihrer Klasse. Sie investiert viel Zeit in die Konzeption und Gestaltung der Materialien - und ist am Ende doch nicht wirklich zufrieden damit. Wenn Lehrperson E dagegen auf Materialien von Kolleg\*innen und Inspirationen aus einem persönlichen Lernnetzwerk zurückgegriffen hätte, hätte sie nachhaltiger und für sich selbst zeitsparender arbeiten können. ## 3. Inhalte Die genannten Fallbeispiele machen deutlich, dass es sich bei dem Projekt um ein komplexes Vorhaben handelt. Kompetenzentwicklung scheint dabei insbesondere in den folgenden 5 Bereichen erforderlich zu sein. (Die ersten drei Bereiche können dabei als Grundlagen-Module eingeordnet werden. Bereich 4 und 5 sind Vertiefungen.) ### 3.1 Problemdefinition: Was ist meine Frage? Die Kompetenzentwicklung in diesem Bereich zielt darauf ab, dass Lehrkräfte ermächtigt werden, für sie relevante Fragen zu entwickeln und zu formulieren. Fragen können dabei unterschiedlich umfangreich sein. Zum Beispiel kann es sowohl darum gehen, ein individuelles Fortbildungsbedürfnis zu erkennen und zu definieren als auch um die Formulierung einer Frage zu einem konkreten technischen Problem. ### 3.2 Lösungssuche: Wo und wie finde ich Antworten? Die Kompetenzentwicklung in diesem Bereich zielt darauf ab, dass Lehrkräfte zur eigenständigen Lösungssuche ermächtigt werden. Das betrifft zum einen eine allgemeine Webrecherche- und Kuratierungskompetenz: Wie gebe ich meine Frage am besten in eine Suchmaschine ein? Wie bewerte ich gefundene Treffer? Wie wähle ich daraus aus, was ich mir genauer ansehe? Zum anderen sollen Lehrkräfte einen Überblick über vorhandene Angebote, Ansprechpersonen und Online-Quellen bekommen. ### 3.3 Transfer: Wie wende ich gefundene Antworten an? Die Kompetenzentwicklung in diesem Bereich zielt darauf ab, gefundene Antworten auch anwenden zu können. Lehrkräfte sollen in diesem Sinne zum Testen und Ausprobieren ermutigt werden und sie sollen bei technischen Problemen hilfreiche Tipps für häufige Fehler verinnerlichen (z.B. 'Hast Du es mal mit einem anderen Browser probiert?). Darüber hinaus geht es in diesem Bereich um die Kompetenz, eine alternative Suchanfrage zu formulieren, falls der erste Versuch nicht erfolgversprechend war. ### 3.4 Vernetzung: Woher erhalte ich Inspiration und Impulse? Die Kompetenzentwicklung in diesem Bereich zielt darauf ab, dass Lehrkräfte ermächtigt werden, sich ein persönliches Lernnetzwerk aufzubauen und zu nutzen. Dabei werden erstens Möglichkeiten im eigenen Kollegium vorgestellt (z.B. die Etablierung von Mikrofortbildungen zum P2P Lernen). Zweitens geht es um individuelle Online-Vernetzung wie es z.B. über Twitter möglich ist. Drittens werden Fortbildungsangebote mit Fokus auf P2P Lernen und Community-Projekte vorgestellt. ### 3.5 Teilen: Wie kann ich andere unterstützen? Die Kompetenzentwicklung in diesem Bereich zielt auf die Etablierung einer Haltung bzw. einer Kultur des Teilens. Lehrkräfte sollen kennenlernen, warum Teilen auch für sie persönlich nutzbringend ist und wie sie dabei genau vorgehen können. ## 4. Gestaltung Das Projekt 'Selbstermächtigung zum Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität' wird sowohl in Form von Selbstlernmaterialien als auch als betreutes Kurskonzept umgesetzt. Die Gestaltung erfolgt niederschwellig in möglichst kompakten Lerneinheiten. Wesentliche Elemente sind hier kurze Videosequenzen, Screencasts sowie Selbstüberprüfungen und Anregungen zum Ausprobieren. Primäre Zielgruppe sind aufgeschlossene Lehrkräfte, die sich selbst als eher weniger digital-affin bezeichnen würden. Aber auch für fortgeschrittene Lernende können die Materialien sicherlich hilfreiche Impulse liefern. Die Lizenzierung erfolgt als CC0 1.0 (alternativ CC BY 4.0) um eine einfache Weiternutzung und Anpassung zu ermöglichen. ## 5. Zeitplan Das Projekt wird in einem iterativen Prozess mit kontinuierlichen Feedback- und Anpassungsschleifen entwickelt. Der folgende Zeitplan ist deshalb lediglich als grober Rahmen gedacht, der im Rahmen der Projektentwicklung auch angepasst werden kann. * *Bis Anfang April:* Ausschreibung und Projektvergabe * *Bis Ende April:* Entwicklung eines Feinkonzepts - insbesondere Definition der genauen Lernzielen und -Inhalten zu den skizzierten Lernbereichen. * *Bis Ende Juni:* Gestaltung der benötigten Lernmaterialien * *Bis Mitte Juli:* Umsetzung in Moodle + Gestaltung/ Anpassung für die Nutzung in einem betreuten Kurs * *Beginn des Schuljahres 2021/22:* Beginn der Nutzung (bei weiterhin kontinuierlicher Anpassungsmöglichkeit) ## Kosten Für die einzelnen Schritte wird der folgende Zeitbedarf zugrunde gelegt: * Feinkonzept: 6 Tage * Materialerstellung: 11 Tage * Umsetzung in Moodle: 3 Tage * Konzeptentwicklung betreuter Kurs: 5 Tage Bei einem Tagessatz von 600 Euro belaufen sich die Gesamtkosten auf **15.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer**. Die einzelnen Bestandteile können einzeln oder im Paket in Auftrag gegeben werden. Allgemeine Kommunikation und Projektkoordination sind in den veranschlagten Kosten bereits inklusive. Weitere Kosten entstehen keine.